Menü aufrufen
Toggle preferences menu
Persönliches Menü aufrufen
Nicht angemeldet
Ihre IP-Adresse wird öffentlich sichtbar sein, wenn Sie Änderungen vornehmen.

Karl Marx und Friedrich Engels: Das Kapital II - II. Der Umschlag des Kapitals

Aus RedFlag Archiv
Weitere Optionen

6. Kapitel. Die Zirkulationskosten | Inhaltsverzeichnis | 8. Kapitel. Fixes Kapital und zirkulierendes Kapital

Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 24, "Das Kapital", Bd. II, 2. Abschnitt, S. 154 - 157 Dietz Verlag, Berlin/DDR 1963

Zweiter Abschnitt Der Umschlag des Kapitals

__________

SIEBENTES KAPITEL Umschlagszeit und Umschlagszahl

'

<154> Man hat gesehn: Die gesamte Zirkulationszeit eines gegebnen Kapitals ist gleich der Summe seiner Umlaufszeit und seiner Produktionszeit. Es ist der Zeitabschnitt von dem Augenblick des Vorschusses des Kapitalwerts in einer bestimmten Form bis zur Rückkehr des prozessierenden Kapitalwerts in derselben Form.

Der bestimmende Zweck der kapitalistischen Produktion ist stets Verwertung des vorgeschoßnen Werts, ob dieser Wert nun in seiner selbständigen Form, d.h. in der Geldform vorgeschossen sei, oder in Ware, so daß seine Wertform im Preis der vorgeschoßnen Waren nur ideelle Selbständigkeit besitzt. In beiden Fällen durchläuft dieser Kapitalwert während seines Kreislaufs verschiedne Existenzformen. Seine Identität mit sich selbst wird konstatiert in den Büchern des Kapitalisten oder in der Form des Rechengelds.

Ob wir die Form G ... G´ nehmen oder die Form P ... P, beide Formen schließen ein, 1. daß der vorgeschoßne Wert als Kapitalwert fungiert und sich verwertet hat; 2. daß er zu der Form, worin er seinen Prozeß begann, nach Beschreibung desselben zurückgekehrt ist. Die Verwertung des vorgeschoßnen Werts G und zugleich die Rückkehr des Kapitals zu dieser Form (der Geldform) ist handgreiflich sichtbar in G ... G´. Aber dasselbe findet in der zweiten Form statt. Denn der Ausgangspunkt von P ist das Vorhandensein der Produktionselemente, Waren von gegebnem Wert. Die Form schließt die Verwertung dieses Werts ein (W´ und G´) und die Rückkehr zu der ursprünglichen Form, denn im zweiten P besitzt der vorgeschoßne Wert wieder die Form der Produktionselemente, worin er ursprünglich vorgeschossen war.

'

<155> Man hat früher gesehn: "Hat die Produktion kapitalistische Form, so die Reproduktion. Wie in der kapitalistischen Produktionsweise der Arbeitsprozeß nur als ein Mittel für den Verwertungsprozeß erscheint, so die Reproduktion nur als ein Mittel, den vorgeschoßnen Wert als Kapital zu reproduzieren, d.h. als sich verwertenden Wert." (Buch I, Kap. XXI, S. 588. <Siehe Band 23, S. 591>)

Die drei Formen I) G ... G´, II) P ... P und III) W´... W´ unterscheiden sich dadurch: In Form II (P ... P) ist die Wiedererneurung des Prozesses, der Reproduktionsprozeß, als wirklich, in Form I aber nur der Möglichkeit nach ausgedrückt. Aber beide unterscheiden sich dadurch von Form III, daß der vorgeschoßne Kapitalwert - sei es als Geld, sei es in der Gestalt der stofflichen Produktionselemente - den Ausgangspunkt bildet und daher auch den Punkt der Rückkehr. In G ... G´ ist die Rückkehr G´ = G + g. Wird der Prozeß auf derselben Stufenleiter erneuert, so bildet G wieder den Ausgangspunkt und g geht nicht in ihn ein, sondern zeigt uns nur, daß G sich als Kapital verwertet und daher einen Mehrwert g erzeugt, aber von sich abgestoßen hat. In der Form P ... P bildet der in der Form der Produktionselemente P vorgeschoßne Kapitalwert ebenfalls den Ausgangspunkt Die Form schließt seine Verwertung ein. Findet einfache Reproduktion statt, so fängt derselbe Kapitalwert, in derselben Form P, seinen Prozeß von neuem an. Findet Akkumulation statt, so eröffnet P´ (der Wertgröße nach W´) jetzt als vergrößerter Kapitalwert den Prozeß. Aber er beginnt wieder mit dem vorgeschoßnen Kapitalwert in der anfänglichen Form, wenn auch mit größrem Kapitalwert als vorher. Dagegen in Form III beginnt der Kapitalwert nicht als vorgeschoßner den Prozeß, sondern als bereits verwerteter, als der gesamte in der Form von Waren befindliche Reichtum, wovon der vorgeschoßne Kapitalwert nur ein Teil. Die letztre Form ist wichtig für den dritten Abschnitt, wo die Bewegung der Einzelkapitale im Zusammenhang mit der Bewegung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals aufgefaßt wird. Sie ist dagegen nicht zu benutzen für den Umschlag des Kapitals, der stets beginnt mit dem Vorschuß von Kapitalwert, sei es in Form von Geld oder Ware, und stets die Rückkehr des kreisenden Kapitalwerts bedingt in der Form, worin er vorgeschossen war. Von den Kreisläufen I und II ist der erstre festzuhalten, soweit hauptsächlich der Einfluß des Umschlags auf Mehrwertbildung ins Auge gefaßt wird; der zweite, so weit sein Einfluß auf Produktbildung.

So wenig die Ökonomen die verschiednen Formen der Kreisläufe geschieden, so wenig haben sie dieselben mit Bezug auf den Umschlag des <156> Kapitals getrennt betrachtet. Gewöhnlich wird die Form G ... G´ genommen, weil sie den einzelnen Kapitalisten beherrscht und ihm bei seiner Rechnung dient, selbst wenn das Geld nur in der Gestalt des Rechengelds Ausgangspunkt bildet. Andre gehn von der Auslage in Form der Produktionselemente aus, bis Rückfluß erfolgt, wobei von der Form des Rückflusses, ob in Ware oder Geld, gar nicht die Rede. Z.B.:

"Der ökonomische Zyklus, ... d.h. der ganze Verlauf der Produktion, von der Zeit, wo die Auslage gemacht wird, bis der Rückfluß erfolgt ist." (Economic Cycle, ... the whole course of production, from the time that outlays are made till returns are received. In agriculture seedtime is its commencement, and harvesting its ending. <... Im Ackerbau ist die Zeit der Aussaat sein Anfang und die Ernte sein Ende.> - S. P. Newman, "Elements of Pol. Econ.", Andover and New York, p. 81.)

Andre beginnen mit W´ (III. Form):

"Die Welt des Produktionsverkehrs kann angesehn werden als umlaufend in einem Kreise, den wir einen ökonomischen Zyklus nennen wollen, und worin sie je einen Umlauf vollbracht hat, sobald das Geschäft, nach Vollzug seiner sukzessiven Transaktionen, wieder ankommt bei dem Punkt, wovon es ausgegangen. Der Anfang kann datiert werden von dem Punkt, wo der Kapitalist die Eingänge erhalten hat, vermittelst deren ihm sein Kapital zurückfließt; von welchem Punkt an er von neuem dazu schreitet, seine Arbeiter anzuwerben und ihnen ihren Unterhalt, oder vielmehr die Macht, ihn anzuschaffen, in Arbeitslohn auszuteilen; von ihnen die Artikel fertiggestellt zu erhalten, in denen er macht; diese Artikel auf den Markt zu bringen und dort den Kreislauf dieser einen Reihe von Bewegungen zum Abschluß zu bringen, indem er verkauft und im Erlös der Ware eine Wiedererstattung seiner ganzen Kapitalauslage empfängt." Th. Chalmers, "On Pol. Econ.", 2nd ed., Glasgow 1832, p. 85.)

Sobald der gesamte Kapitalwert, den ein individueller Kapitalist in einem beliebigen Produktionszweig anlegt, den Kreislauf seiner Bewegung beschrieben hat, befindet er sich wieder in seiner Anfangsform und kann nun denselben Prozeß wiederholen. Er muß ihn wiederholen, soll der Wert sich als Kapitalwert verewigen und verwerten. Der einzelne Kreislauf bildet im Leben des Kapitals nur einen Abschnitt, der sich beständig wiederholt, also eine Periode. Am Abschluß der Periode G ... G´ befindet sich das Kapital wieder in der Form des Geldkapitals, das die Reihe der Formverwandlungen, worin sein Reproduktions- resp. Verwertungsprozeß einbegriffen ist, von neuem durchläuft. Beim Abschluß der Periode P ... P befindet das Kapital sich wieder in der Form der Produktionselemente, welche die Voraussetzung seines erneuerten Kreislaufs bilden. Der Kreislauf des Kapitals, nicht als vereinzelter Vorgang, sondern als periodischer Prozeß <157> bestimmt, heißt sein Umschlag. Die Dauer dieses Umschlags ist gegeben durch die Summe seiner Produktionszeit und seiner Umlaufszeit. Diese Zeitsumme bildet die Umschlagszeit des Kapitals. Sie mißt daher den Zwischenraum zwischen einer Kreislaufsperiode des gesamten Kapitalwerts und der nächstfolgenden; die Periodizität im Lebensprozeß des Kapitals, oder wenn man will, die Zeit der Erneuerung, Wiederholung des Verwertungs- resp. Produktionsprozesses desselben Kapitalwerts.

Abgesehn von den individuellen Abenteuern, die für ein einzelnes Kapital die Umschlagszeit beschleunigen oder abkürzen mögen, ist die Umschlagszeit der Kapitale verschieden je nach ihren verschiednen Anlagesphären.

Wie der Arbeitstag die natürliche Maßeinheit für die Funktion der Arbeitskraft, bildet das Jahr die natürliche Maßeinheit für die Umschläge des prozessierenden Kapitals. Die Naturbasis dieser Maßeinheit liegt darin, daß die wichtigsten Erdfrüchte der gemäßigten Zone, welche das Mutterland der kapitalistischen Produktion ist, jährliche Produkte sind.

Nennen wir das Jahr als Maßeinheit der Umschlagszeit U, die Umschlagszeit eines bestimmten Kapitals u, die Anzahl seiner Umschläge n, so ist n = U/u. Beträgt also z.B. die Umschlagszeit u 3 Monate, so n = 12/4; das Kapital vollzieht 4 Umschläge im Jahr oder schlägt viermal um. Ist u = 18 Monate, so n 12/18 = 2/3 oder das Kapital legt in einem Jahr nur 2/3 seiner Umschlagszeit zurück. Beträgt seine Umschlagszeit mehrere Jahre, so wird sie also nach Vielfachen eines Jahres berechnet.

Für den Kapitalisten ist die Umschlagszeit seines Kapitals die Zeit, wahrend deren er sein Kapital vorschießen muß, um es zu verwerten und in der ursprünglichen Gestalt zurückzuerhalten.

Bevor wir den Einfluß des Umschlags auf den Produktions- und Verwertungsprozeß näher untersuchen, sind zwei neue Formen zu betrachten, die dem Kapital aus dem Zirkulationsprozeß anschießen und auf die Form seines Umschlags einwirken.


7. Kapitel. Umschlagszeit und Umschlagszahl | Inhalt | 9. Kapitel. Der Gesamtumschlag des vorgeschossenen Kapitals. Umschlagszyklen

Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 24, "Das Kapital", Bd. II, 2. Abschnitt, S. 158 - 182 Dietz Verlag, Berlin/DDR 1963

ACHTES KAPITEL Fixes Kapital und zirkulierendes Kapital

'

1. Die Formunterschiede

'

<158> Man sah Buch I, Kap. VII <Siehe Band 23, S. 218>: Ein Teil des konstanten Kapitals behält die bestimmte Gebrauchsform, worin es in den Produktionsprozeß eingeht, gegenüber den Produkten, zu deren Bildung es beiträgt. Es verrichtet also während einer kürzern oder längern Periode in stets wiederholten Arbeitsprozessen stets wieder dieselben Funktionen. So z.B. Arbeitsgebäude, Maschinen etc., kurz alles, was wir unter der Bezeichnung Arbeitsmittel zusammenfassen. Dieser Teil des konstanten Kapitals gibt Wert an das Produkt ab im Verhältnis, worin er mit seinem eignen Gebrauchswert seinen eignen Tauschwert verliert. Diese Wertabgabe oder dies Übergehn des Werts eines solchen Produktionsmittels auf das Produkt, zu dessen Bildung es mitwirkt, wird bestimmt durch eine Durchschnittsrechnung; es wird gemessen durch die Durchschnittsdauer seiner Funktion von dem Augenblick, worin das Produktionsmittel in den Produktionsprozeß eingeht, bis zu dem Augenblick, wo es ganz abgenutzt, verstorben ist, und durch ein neues Exemplar derselben Art ersetzt oder reproduziert werden muß.

Das Eigentümliche dieses Teils des konstanten Kapitals - der eigentlichen Arbeitsmittel - ist also dies:

Ein Teil des Kapitals ist in der Form von konstantem Kapital, d.h. von Produktionsmitteln vorgeschossen worden, die nun als Faktoren des Arbeitsprozesses fungieren, solange die selbständige Gebrauchsgestalt ausdauert, mit der sie in denselben eintreten. Das fertige Produkt, also auch die Produktbildner, soweit sie in Produkt verwandelt worden, wird aus dem Produktionsprozeß abgestoßen, um als Ware aus der Produktionssphäre in die Zirkulationssphäre überzugehn. Die Arbeitsmittel dagegen verlassen nie die <159> Produktionssphäre, nachdem sie einmal in dieselbe eingetreten sind. Ihre Funktion bannt sie darin fest. Ein Teil des vorgeschoßnen Kapitalwerts ist in diese, durch die Funktion der Arbeitsmittel im Prozeß bestimmte Form fixiert. Mit der Funktion und daher der Abnutzung des Arbeitsmittels geht ein Teil seines Werts auf das Produkt über, ein andrer bleibt fixiert im Arbeitsmittel und daher im Produktionsprozeß. Der so fixierte Wert nimmt beständig ab, bis das Arbeitsmittel ausgedient und daher auch sein Wert sich in einer längern oder kürzern Periode über eine Masse von Produkten verteilt hat, die aus einer Reihe beständig wiederholter Arbeitsprozesse hervorgehn. Solange es aber noch als Arbeitsmittel wirksam ist, also nicht durch ein neues Exemplar derselben Art ersetzt werden muß, bleibt stets konstanter Kapitalwert in ihm fixiert, während ein andrer Teil des ursprünglich in ihm fixierten Werts auf das Produkt übergeht und daher als Bestandteil des Warenvorrats zirkuliert. Je länger das Arbeitsmittel ausdauert, je langsamer es verschleißt, desto länger bleibt der konstante Kapitalwert in dieser Gebrauchsform fixiert. Welches aber immer der Grad seiner Dauerhaftigkeit, die Proportion, worin es Wert abgibt, steht immer im umgekehrten Verhältnis zu seiner gesamten Funktionszeit. Wenn von zwei Maschinen von gleichem Wert die eine in fünf Jahren verschleißt, die andre in zehn, so gibt die erste in gleichem Zeitraum doppelt soviel Wert ab wie die zweite.

Dieser im Arbeitsmittel fixierte Teil des Kapitalwerts zirkuliert so gut wie jeder andre. Wir haben überhaupt gesehn, daß der ganze Kapitalwert in beständiger Zirkulation begriffen und in diesem Sinn daher alles Kapital zirkulierendes Kapital ist. Aber die Zirkulation des hier betrachteten Kapitalteils ist eigentümlich. Erstens zirkuliert er nicht in seiner Gebrauchsform, sondern nur sein Wert zirkuliert, und zwar allmählich, bruchweis, im Maß, wie er von ihm auf das Produkt übergeht, das als Ware zirkuliert. Während seiner ganzen Funktionsdauer bleibt ein Teil seines Werts stets in ihm fixiert, selbständig gegenüber den Waren, die es produzieren hilft. Durch diese Eigentümlichkeit erhält dieser Teil des konstanten Kapitals die Form: Fixes Kapital. Alle andern stofflichen Bestandteile des im Produktionsprozeß vorgeschoßnen Kapitals dagegen bilden im Gegensatz dazu: Zirkulierendes oder flüssiges Kapital.

Ein Teil der Produktionsmittel - solche Hilfsstoffe nämlich, die von den Arbeitsmitteln selbst während ihrer Funktion konsumiert werden, wie Kohle von der Dampfmaschine; oder die nur den Vorgang unterstützen, wie Leuchtgas etc. - gehn nicht stofflich in das Produkt ein. Nur ihr Wert bildet einen Teil des Produktwerts. In seiner eignen Zirkulation zirkuliert das Produkt ihren Wert. Dies haben sie gemein mit dem fixen Kapital. Aber in <160> jedem Arbeitsprozeß, worin sie eingehn, werden sie ganz konsumiert und müssen also für jeden neuen Arbeitsprozeß ganz ersetzt werden durch neue Exemplare derselben Art. Sie bewahren nicht ihre selbständige Gebrauchsgestalt während ihrer Funktion. Es bleibt also auch während ihrer Funktion kein Teil des Kapitalwerts in ihrer alten Gebrauchsgestalt, ihrer Naturalform fixiert. Der Umstand, daß dieser Teil der Hilfsstoffe nicht stofflich in das Produkt, sondern nur seinem Wert nach als Wertteil in den Produktenwert eingeht, und das damit Zusammenhängende, daß die Funktion dieser Stoffe innerhalb der Produktionssphäre festgebannt ist, hat Ökonomen wie Ramsay (bei gleichzeitiger Verwechslung von fixem und konstantem Kapital) verleitet, die Kategorie des fixen Kapitals auf sie anzuwenden. <Siehe Band 26, 3. Teil, S. 323 - 325>

Der Teil der Produktionsmittel, der stofflich in das Produkt eingeht, also Rohstoff etc., erhält dadurch zum Teil Formen, worin er später als Genußmittel in die individuelle Konsumtion eingehn kann. Die eigentlichen Arbeitsmittel, die stofflichen Träger des fixen Kapitals, werden nur produktiv verzehrt und können nicht in die individuelle Konsumtion eingehn, weil sie nicht in das Produkt oder den Gebrauchswert eingehn, den sie bilden helfen, vielmehr ihm gegenüber ihre selbständige Gestalt bis zu ihrem völligen Verschleiß bewahren. Eine Ausnahme bilden Transportmittel. Der Nutzeffekt, den sie während ihrer produktiven Funktion, also während ihres Aufenthalts in der Produktionssphäre hervorbringen, die Ortsveränderung, geht gleichzeitig in die individuelle Konsumtion, z.B. des Reisenden, ein. Er zahlt den Gebrauch dann auch, wie er den Gebrauch andrer Konsumtionsmittel zahlt. Man hat gesehn, daß z.B. in der chemischen Fabrikation Rohmaterial und Hilfsstoffe ineinander verschwimmen. <Siehe Band 23, S. 196> So auch Arbeitsmittel und Hilfsstoff und Rohmaterial. So gehn im Ackerbau z.B. die in Bodenmeliorationen zugesetzten Stoffe zum Teil als Produktbildner in das Pflanzenprodukt ein. Andrerseits ist ihre Wirkung über eine längre Periode, z.B. 4 - 5 Jahre verteilt. Ein Teil derselben geht daher stofflich in das Produkt ein und überträgt damit zugleich seinen Wert auf das Produkt, während ein andrer Teil in seiner alten Gebrauchsform auch seinen Wert fixiert. Er dauert fort als Produktionsmittel und erhält daher die Form von fixem Kapital. Als Arbeitsvieh ist ein Ochse fixes Kapital. Wird er gegessen, so fungiert er nicht als Arbeitsmittel, also auch nicht als fixes Kapital.

Die Bestimmung, die einem Teil des in Produktionsmitteln ausgelegten Kapitalwerts den Charakter des fixen Kapitals gibt, liegt ausschließlich in <161> der eigentümlichen Weise, worin dieser Wert zirkuliert. Diese eigne Weise der Zirkulation entspringt aus der eignen Weise, worin das Arbeitsmittel seinen Wert an das Produkt abgibt, oder sich als Wertbildner während des Produktionsprozesses verhält. Und diese selbst wieder entspringt aus der besondren Art der Funktion der Arbeitsmittel im Arbeitsprozeß.

Man weiß, daß derselbe Gebrauchswert, der als Produkt aus dem einen Arbeitsprozeß herauskommt, als Produktionsmittel in den andren eingeht. Nur die Funktion eines Produkts als Arbeitsmittel im Produktionsprozeß macht es zu fixem Kapital. Soweit es dagegen selbst erst aus einem Prozesse herauskommt, ist es keineswegs fixes Kapital. Z.B. eine Maschine, als Produkt resp. Ware des Maschinenfabrikanten, gehört zu seinem Warenkapital. Fixes Kapital wird sie erst in der Hand ihres Käufers, des Kapitalisten, der sie produktiv anwendet.

Alle andren Umstände gleichgesetzt, wächst der Grad der Fixität mit der Dauerbarkeit des Arbeitsmittels. Von dieser Dauerbarkeit hängt nämlich die Größe der Differenz ab zwischen dem in Arbeitsmitteln fixierten Kapitalwert und dem Teil dieser Wertgröße, den es in wiederholten Arbeitsprozessen an das Produkt abgibt. Je langsamer diese Wertabgabe stattfindet - und Wert wird abgegeben vom Arbeitsmittel bei jeder Wiederholung desselben Arbeitsprozesses -, um so größer das fixierte Kapital, um so größer die Differenz zwischen dem im Produktionsprozeß angewandten und dem in ihm konsumierten Kapital. Sobald diese Differenz verschwunden ist, hat das Arbeitsmittel ausgelebt und mit seinem Gebrauchswert seinen Wert verloren. Es hat aufgehört, Wertträger zu sein. Da das Arbeitsmittel, wie jeder andre stoffliche Träger von konstantem Kapital, nur Wert an das Produkt abgibt in dem Maß, worin es mit seinem Gebrauchswert seinen Wert verliert, so ist es klar, daß je langsamer sein Gebrauchswert verlorengeht, je länger es im Produktionsprozeß ausdauert, um so länger die Periode, worin konstanter Kapitalwert in ihm fixiert bleibt.

Verhält sich ein Produktionsmittel, welches kein Arbeitsmittel im eigentlichen Sinne ist, z.B. Hilfsstoff, Rohmaterial, Halbfabrikat etc., mit Bezug auf Wertabgabe und daher auf Zirkulationsweise seines Werts, wie die Arbeitsmittel, so ist es ebenfalls stofflicher Träger, Existenzform von fixem Kapital. Dies ist der Fall bei solchen schon erwähnten Bodenmeliorationen, welche dem Boden chemische Bestandteile zusetzen, deren Wirkung sich auf mehrere Produktionsperioden oder Jahre erstreckt. Hier existiert noch ein Teil des Werts neben dem Produkt in seiner selbständigen Gestalt fort oder in Gestalt von fixem Kapital, während ein andrer Wertteil an das Produkt abgegeben ist und daher mit ihm zirkuliert. In diesem Falle geht nicht <162> nur ein Wertteil des fixen Kapitals in das Produkt ein, sondern auch der Gebrauchswert, die Substanz, worin dieser Wertteil existiert.

Abgesehn von dem Grundirrtum - der Verwechslung der Kategorien: fixes und zirkulierendes Kapital, mit den Kategorien: konstantes und variables Kapital -, beruht die Konfusion in der bisherigen Begriffsbestimmung bei den Ökonomen zunächst auf folgenden Punkten:

Man macht bestimmte Eigenschaften, die den Arbeitsmitteln stofflich zukommen, zu unmittelbaren Eigenschaften des fixen Kapitals, z.B. die physische Unbeweglichkeit, etwa eines Hauses. Es ist dann stets leicht nachzuweisen, daß andre Arbeitsmittel, die als solche auch fixes Kapital sind, die entgegengesetzte Eigenschaft haben, z.B. die physische Beweglichkeit, etwa eines Schiffs.

Oder man verwechselt die ökonomische Formbestimmtheit, die aus der Zirkulation des Werts hervorgeht, mit einer dinglichen Eigenschaft; als ob Dinge, die an sich überhaupt nicht Kapital sind, sondern es nur in bestimmten gesellschaftlichen Verhältnissen werden, an sich und von Natur schon Kapital in einer bestimmten Form, fixes oder zirkulierendes, sein könnten. Wir sahen Buch I, Kap. VI <Siehe Band 23, S. 192 - 196>, daß die Produktionsmittel in jedem Arbeitsprozeß, einerlei unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen er vorgeht, sich einteilen in Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand. Aber erst innerhalb der kapitalistischen Produktionsweise werden beide zu Kapital, und zwar zu "produktivem Kapital", wie es im vorigen Abschnitt bestimmt. Damit spiegelt sich der in der Natur des Arbeitsprozesses begründete Unterschied von Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand wider in der neuen Form des Unterschieds von fixem Kapital und zirkulierendem Kapital. Erst hiermit wird ein Ding, das als Arbeitsmittel fungiert, fixes Kapital. Kann es seinen stofflichen Eigenschaften nach auch in andren Funktionen als der des Arbeitsmittels dienen, so ist es fixes Kapital oder nicht, je nach Verschiedenheit seiner Funktion. Vieh als Arbeitsvieh ist fixes Kapital; als Mastvieh ist es Rohmaterial, das schließlich als Produkt in die Zirkulation tritt, also nicht fixes, sondern zirkulierendes Kapital.

Das bloße längre Fixiertsein eines Produktionsmittels in wiederholten Arbeitsprozessen, die aber zusammenhängen, kontinuierlich sind und daher eine Produktionsperiode bilden - d.h. die gesamte Produktionszeit, die nötig ist, um das Produkt fertigzumachen -, bedingt ganz wie fixes Kapital längern oder kürzern Vorschuß für den Kapitalisten, macht aber nicht sein Kapital zu fixem Kapital. Samen z.B. ist kein fixes Kapital, sondern nur <163> Rohmaterial, das während ungefähr eines Jahres im Produktionsprozeß fixiert ist. Alles Kapital, solange es als produktives Kapital fungiert, ist im Produktionsprozeß fixiert, also auch alle Elemente des produktiven Kapitals, welches immer ihre stoffliche Gestalt, ihre Funktion und die Zirkulationsweise ihres Werts. Ob, je nach der Art des Produktionsprozesses oder dem bezweckten Nutzeffekt, dies Fixiertsein länger oder kürzer dauert, bewirkt nicht den Unterschied von fixem und zirkulierendem Kapital.(20)

Ein Teil der Arbeitsmittel, worin die allgemeinen Arbeitsbedingungen eingeschlossen, wird entweder örtlich befestigt, sobald er als Arbeitsmittel in den Produktionsprozeß eintritt, resp. zur produktiven Funktion bereitgemacht wird, wie z.B. Maschinen. Oder er wird von vornherein in dieser stehenden, an den Ort gebundnen Form produziert, wie z.B. Bodenmeliorationen, Fabrikgebäude, Hochöfen, Kanäle, Eisenbahnen usw. Das fortwährende Gebundensein des Arbeitsmittels an den Produktionsprozeß, innerhalb dessen es fungieren soll, ist hier zugleich durch ihre sinnliche Existenzweise bedingt. Andrerseits kann ein Arbeitsmittel physisch beständig den Ort verändern, sich bewegen, und dennoch beständig sich im Produktionsprozeß befinden, wie eine Lokomotive, ein Schiff, Arbeitsvieh etc. Weder gibt ihm, in dem einen Fall, die Unbeweglichkeit den Charakter des fixen Kapitals, noch nimmt ihm, in dem andern, die Beweglichkeit diesen Charakter. Der Umstand jedoch, daß Arbeitsmittel lokal fixiert sind, mit ihren Wurzeln im Grund und Boden feststecken, weist diesem Teil des fixen Kapitals eine eigne Rolle in der Ökonomie der Nationen zu. Sie können nicht ins Ausland geschickt werden, nicht als Waren auf dem Weltmarkt zirkulieren. Die Eigentumstitel an diesem fixen Kapital können wechseln, es kann gekauft und verkauft werden und sofern ideell zirkulieren. Diese Eigentumstitel können sogar auf fremden Märkten zirkulieren, z.B. in der Form von Aktien. Aber durch den Wechsel der Personen, welche Eigentümer dieser Art von fixem Kapital sind, wechselt nicht das Verhältnis des stehenden, materiell fixierten Teils des Reichtums in einem Land zu dem beweglichen Teil desselben.(21)

Die eigentümliche Zirkulation des fixen Kapitals ergibt einen eigentümlichen Umschlag. Der Wertteil, den es in seiner Naturalform durch Abnutzung verliert, zirkuliert als Wertteil des Produkts. Das Produkt verwan- <164> delt sich durch seine Zirkulation aus Ware in Geld; also auch der vom Produkt zirkulierte Wertteil des Arbeitsmittels, und zwar tropft sein Wert aus dem Zirkulationsprozeß als Geld nieder, in derselben Proportion, worin dies Arbeitsmittel aufhört, Wertträger im Produktionsprozeß zu sein. Sein Wert erhält also jetzt Doppelexistenz. Ein Teil desselben bleibt an seine, dem Produktionsprozeß angehörige, Gebrauchs- oder Naturalform gebunden, ein andrer Teil löst sich von ihr ab als Geld. Im Verlauf seiner Funktion nimmt der in der Naturalform existierende Wertteil des Arbeitsmittels beständig ab, während sein in Geldform umgesetzter Wertteil beständig zunimmt, bis es schließlich ausgelebt hat und sein Gesamtwert, von seiner Leiche getrennt, in Geld verwandelt ist. Hier zeigt sich die Eigentümlichkeit im Umschlag dieses Elements des produktiven Kapitals. Die Verwandlung seines Werts in Geld geht gleichen Schritt mit der Geldverpuppung der Ware, die sein Wertträger ist. Aber seine Rückverwandlung aus Geldform in Gebrauchsform trennt sich von der Rückverwandlung der Ware in ihre sonstigen Produktionselemente und ist vielmehr bestimmt durch seine eigne Reproduktionsperiode, d.h. durch die Zeit, während deren das Arbeitsmittel sich verlebt hat und durch ein andres Exemplar derselben Art ersetzt werden muß. Beträgt die Funktionsdauer einer Maschine, sage zum Wert von 10.000 Pfd.St., z.B. 10 Jahre, so beträgt die Umschlagszeit des in ihr ursprünglich vorgeschoßnen Werts 10 Jahre. Vor Ablauf dieser Zeit ist sie nicht zu erneuern, sondern wirkt in ihrer Naturalform fort. Ihr Wert zirkuliert unterdes stückweis als Wertteil der Waren, zu deren kontinuierlicher Produktion sie dient, und wird so allmählich in Geld umgesetzt, bis er schließlich am Ende der 10 Jahre ganz in Geld verwandelt und aus Geld in eine Maschine rückverwandelt worden ist, also seinen Umschlag vollzogen hat. Bis zum Eintritt dieser Reproduktionszeit wird ihr Wert allmählich zunächst in der Form eines Geldreservefonds akkumuliert.

Die übrigen Elemente des produktiven Kapitals bestehn teils aus den in Hilfsstoffen und Rohstoffen existierenden Elementen des konstanten Kapitals, teils aus variablem, in Arbeitskraft ausgelegtem.

Die Analyse des Arbeits- und Verwertungsprozesses (Buch I, Kap. V) zeigte, daß diese verschiednen Bestandteile sich als Produktbildner und Wertbildner ganz verschieden verhalten. Der Wert des aus Hilfsstoffen und Rohstoffen bestehenden Teils des konstanten Kapitals - ganz wie der Wert seines aus Arbeitsmitteln bestehenden Teils - erscheint wieder im Wert des Produkts als nur übertragner Wert, während die Arbeitskraft vermittelst des Arbeitsprozesses dem Produkt ein Äquivalent ihres Werts zusetzt oder ihren Wert wirklich reproduziert. Ferner: Ein Teil der Hilfsstoffe, <165> Heizkohlen, Leuchtgas usw. wird im Arbeitsprozeß aufgezehrt, ohne stofflich in das Produkt einzugehn, während ein andrer Teil derselben körperlich in das Produkt eingeht und das Material seiner Substanz bildet. Alle diese Verschiedenheiten sind jedoch gleichgültig für die Zirkulation und daher für die Umschlagsweise. Soweit Hilfs- und Rohstoffe ganz verzehrt werden in der Bildung ihres Produkts, übertragen sie ihren ganzen Wert auf das Produkt. Er wird daher auch ganz durch das Produkt zirkuliert, verwandelt sich in Geld und aus Geld zurück in die Produktionselemente der Ware. Sein Umschlag wird nicht unterbrochen, wie der des fixen Kapitals, sondern durchläuft fortwährend den ganzen Kreislauf seiner Formen, so daß diese Elemente des produktiven Kapitals beständig in natura erneuert werden.

Was den variablen, in Arbeitskraft ausgelegten Bestandteil des produktiven Kapitals betrifft: Die Arbeitskraft wird für eine bestimmte Zeitfrist gekauft. Sobald der Kapitalist sie gekauft und dem Produktionsprozeß einverleibt hat, bildet sie einen Bestandteil seines Kapitals, und zwar dessen variablen Bestandteil. Sie wirkt täglich während eines Zeitraums, worin sie nicht nur ihren ganzen Tageswert, sondern noch einen überschüssigen Mehrwert, von dem wir hier zunächst absehn, dem Produkt zusetzt. Nachdem die Arbeitskraft, für eine Woche z.B., gekauft ist und gewirkt hat, muß der Kauf beständig in den gewohnheitsmäßigen Terminen erneuert werden. Das Äquivalent ihres Werts, das die Arbeitskraft während ihrer Funktion dem Produkt zusetzt und das mit der Zirkulation des Produkts in Geld verwandelt wird, muß aus Geld beständig in Arbeitskraft rückverwandelt werden oder beständig den vollständigen Kreislauf seiner Formen beschreiben, d h. umschlagen, wenn der Kreislauf der kontinuierlichen Produktion nicht unterbrochen werden soll.

Der in Arbeitskraft vorgeschoßne Wertteil des produktiven Kapitals geht also ganz auf das Produkt über (wir sehn hier fortwährend vom Mehrwert ab), beschreibt mit ihm die beiden der Zirkulationssphäre angehörigen Metamorphosen und bleibt durch diese beständige Erneuerung stets dem Produktionsprozeß einverleibt. Wie verschieden die Arbeitskraft sich also auch sonst, mit Bezug auf die Wertbildung, zu den kein fixes Kapital bildenden Bestandteilen des konstanten Kapitals verhält, diese Art des Umschlags ihres Werts hat sie mit ihnen gemein im Gegensatz zum fixen Kapital. Diese Bestandteile des produktiven Kapitals - die in Arbeitskraft und in nicht fixes Kapital bildenden Produktionsmitteln ausgelegten Wertteile desselben - stehn durch diesen ihren gemeinschaftlichen Charakter des Umschlags dem fixen Kapital als zirkulierendes oder flüssiges Kapital gegenüber.

'

<166> Wie man früher sah <Siehe Band 23, S. 181 - 191>, ist das Geld, welches der Kapitalist dem Arbeiter für den Gebrauch der Arbeitskraft zahlt, in der Tat nur die allgemeine Äquivalentform für die notwendigen Lebensmittel des Arbeiters. Insofern besteht das variable Kapital stofflich aus Lebensmitteln. Aber hier, bei Betrachtung des Umschlags, handelt es sich um die Form. Was der Kapitalist kauft, sind nicht die Lebensmittel des Arbeiters, sondern seine Arbeitskraft selbst. Was den variablen Teil seines Kapitals bildet, sind nicht die Lebensmittel des Arbeiters, sondern seine sich betätigende Arbeitskraft. Was der Kapitalist produktiv im Arbeitsprozeß konsumiert, ist die Arbeitskraft selbst und nicht die Lebensmittel des Arbeiters. Es ist der Arbeiter selbst, der das für seine Arbeitskraft erhaltne Geld in Lebensmittel umsetzt, um sie in Arbeitskraft rückzuverwandeln, um sich am Leben zu erhalten, ganz wie z.B. der Kapitalist einen Teil des Mehrwerts der Ware, die er für Geld verkauft, in Lebensmittel für sich selbst umsetzt, ohne daß man deswegen sagen wird, daß der Käufer seiner Ware ihn in Lebensmitteln zahlt. Selbst wenn dem Arbeiter ein Teil seines Lohns in Lebensmitteln, in natura, gezahlt wird, so ist dies heutzutage eine zweite Transaktion. Er verkauft seine Arbeitskraft für einen bestimmten Preis, und es wird dabei akkordiert, daß er einen Teil dieses Preises in Lebensmitteln erhält. Es ändert dies nur die Form der Zahlung, aber nicht, daß das, was er wirklich verkauft, seine Arbeitskraft ist. Es ist eine zweite Transaktion, die nicht mehr zwischen Arbeiter und Kapitalist, sondern zwischen dem Arbeiter als Käufer von Ware und dem Kapitalisten als Verkäufer von Ware vorgeht; während in der ersten Transaktion der Arbeiter Verkäufer von Ware (seiner Arbeitskraft) und der Kapitalist ihr Käufer ist. Ganz wie wenn der Kapitalist seine Ware sich durch Ware, z.B. die Maschine, die er an die Eisenhütte verkauft durch Eisen ersetzen läßt. Es sind also nicht die Lebensmittel des Arbeiters welche die Bestimmtheit des flüssigen Kapitals im Gegensatz zum fixen Kapital erhalten. Es ist auch nicht seine Arbeitskraft, sondern es ist der in ihr aus gelegte Wertteil des produktiven Kapitals, der durch die Form sein Umschlags diesen Charakter gemeinschaftlich mit einigen, und im Gegensatz zu andren, Bestandteilen des konstanten Kapitalteils erhält.

Der Wert des flüssigen Kapitals - in Arbeitskraft und Produktionsmitteln - ist vorgeschossen nur für die Zeit, während welcher das Produkt fertiggemacht wird, je nach der Stufenleiter der Produktion, welche mit dem Umfang des fixen Kapitals gegeben ist. Dieser Wert geht ganz in das Produkt ein, kehrt also durch den Verkauf des Produkts ganz wieder aus der Zirku- <167> lation zurück und kann von neuem vorgeschossen werden. Die Arbeitskraft und die Produktionsmittel, worin der flüssige Kapitalbestandteil existiert, werden in dem Umfang, der für die Bildung und den Verkauf des fertigen Produkts nötig ist, der Zirkulation entzogen, aber sie müssen beständig durch Rückkauf, durch Rückverwandlung aus der Geldform in die Produktionselemente, ersetzt und erneuert werden. Sie werden in geringren Massen als die Elemente des fixen Kapitals auf einmal dem Markt entzogen, aber sie müssen ihm um so häufiger wieder entzogen werden, und der Vorschuß des in ihnen ausgelegten Kapitals erneuert sich in kürzren Perioden. Diese beständige Erneuerung ist vermittelt durch den beständigen Umsatz des Produkts, das ihren gesamten Wert zirkuliert. Sie beschreiben endlich fortwährend den ganzen Kreislauf der Metamorphosen, nicht nur ihrem Wert nach, sondern auch in ihrer stofflichen Form; sie werden beständig rückverwandelt aus Ware in die Produktionselemente derselben Ware.

Mit ihrem eignen Wert setzt die Arbeitskraft dem Produkt beständig Mehrwert zu, die Verkörperung unbezahlter Arbeit. Dieser wird also ebenso beständig vom fertigen Produkt zirkuliert und in Geld verwandelt, wie dessen übrige Wertelemente. Hier jedoch, wo es sich zunächst um den Umschlag des Kapitalwerts, nicht des gleichzeitig mit ihm umschlagenden Mehrwerts handelt, wird vorderhand von letztrem abgesehn.

Aus dem Bisherigen ergibt sich folgendes:

1. Die Formbestimmtheiten von fixem und flüssigem Kapital entspringen nur aus dem verschiednen Umschlag des im Produktionsprozeß fungierenden Kapitalwerts oder produktiven Kapitals. Diese Verschiedenheit des Umschlags entspringt ihrerseits aus der verschiednen Weise, worin die verschiednen Bestandteile des produktiven Kapitals ihren Wert auf das Produkt übertragen, aber nicht aus ihrem verschiednen Anteil an der Produktion des Produktwerts oder ihrem charakteristischen Verhalten im Verwertungsprozeß. Die Verschiedenheit der Abgabe des Werts an das Produkt endlich - und daher auch die verschiedne Weise, worin dieser Wert durch das Produkt zirkuliert und durch dessen Metamorphosen in seiner ursprünglichen Naturalform erneuert wird - entspringt aus der Verschiedenheit der stofflichen Gestalten, worin das produktive Kapital existiert, und wovon ein Teil während der Bildung des einzelnen Produkts ganz konsumiert, ein andrer nur allmählich vernutzt wird. Es ist also nur das produktive Kapital, das sich in fixes und flüssiges spalten kann. Dagegen existiert dieser Gegensatz nicht für die beiden andren Daseinsweisen des industriellen Kapitals, also weder für das Warenkapital, noch für das Geldkapital, noch als Gegensatz beider gegen das produktive Kapital. Er existiert nur <168> für das produktive Kapital und innerhalb desselben. Geldkapital und Warenkapital mögen noch so sehr als Kapital fungieren und noch so flüssig zirkulieren, sie können erst dann flüssiges Kapital im Gegensatz zu fixem werden, sobald sie sich in flüssige Bestandteile des produktiven Kapitals verwandelt. Weil aber diese beiden Formen des Kapitals die Zirkulationssphäre behausen, hat sich die Ökonomie seit A. Smith, wie wir sehn werden, verleiten lassen, sie mit dem flüssigen Teil des produktiven Kapitals unter der Kategorie: zirkulierendes Kapital zusammenzuwerfen. Sie sind in der Tat Zirkulationskapital im Gegensatz zum produktiven, aber sie sind nicht zirkulierendes Kapital im Gegensatz zum fixen.

2. Der Umschlag des fixen Kapitalbestandteils, also auch die dazu nötige Umschlagszeit, umfaßt mehrere Umschläge der flüssigen Kapitalbestandteile. In derselben Zeit, worin das fixe Kapital einmal umschlägt, schlägt das flüssige Kapital mehrmal um. Der eine Wertbestandteil des produktiven Kapitals erhält die Formbestimmtheit des fixen Kapitals nur, soweit das Produktionsmittel, worin er existiert, nicht in dem Zeitraum abgenutzt wird, worin das Produkt fertiggemacht und aus dem Produktionsprozeß als Ware abgestoßen wird. Ein Teil seines Werts muß in der alten fortdauernden Gebrauchsform gebunden bleiben, während ein andrer von dem fertigen Produkt zirkuliert wird, dessen Zirkulation dagegen gleichzeitig den Gesamtwert der flüssigen Kapitalbestandteile zirkuliert.

3. Der im fixen Kapital ausgelegte Wertteil des produktiven Kapitals ist ganz, auf einmal vorgeschossen worden, für die ganze Funktionsdauer desjenigen Teils der Produktionsmittel, woraus das fixe Kapital besteht. Dieser Wert wird also auf einmal vom Kapitalisten in die Zirkulation geworfen; er wird aber der Zirkulation nur stückweis und allmählich wieder entzogen durch die Realisierung der Wertteile, die das fixe Kapital den Waren stückweis zusetzt. Andrerseits: Die Produktionsmittel selbst, worin ein Bestandteil des produktiven Kapitals fixiert wird, werden auf einmal der Zirkulation entzogen, um dem Produktionsprozeß für ihre ganze Funktionsdauer einverleibt zu werden, aber sie bedürfen für dieselbe Zeit nicht des Ersatzes durch neue Exemplare derselben Art, nicht der Reproduktion. Sie fahren während längrer oder kürzrer Zeit fort, zur Bildung der in Zirkulation geworfenen Waren beizutragen, ohne selbst der Zirkulation die Elemente ihrer eignen Erneuerung zu entziehn. Während dieser Zeit erheischen sie also auch ihrerseits keine Erneuerung des Vorschusses von seiten des Kapitalisten. Endlich: Der im fixen Kapital ausgelegte Kapitalwert durchläuft den Kreislauf seiner Formen während der Funktionsdauer der Produktionsmittel, worin er existiert, nicht stofflich, sondern nur für seinen Wert, und <169> auch das nur teilweise und allmählich. D.h. ein Teil seines Werts wird fortwährend als Wertteil der Ware zirkuliert und in Geld verwandelt, ohne sich aus Geld in seine ursprüngliche Naturalform rückzuverwandeln. Diese Rückverwandlung des Gelds in die Naturalform des Produktionsmittels findet erst statt am Schluß seiner Funktionsperiode, wenn das Produktionsmittel gänzlich verbraucht ist.

4. Die Elemente des flüssigen Kapitals sind ebenso beständig im Produktionsprozeß - soll er kontinuierlich sein - fixiert wie die Elemente des fixen Kapitals. Aber die so fixierten Elemente des erstren werden beständig in natura erneuert (die Produktionsmittel durch neue Exemplare derselben Art, die Arbeitskraft durch stets erneuerten Kauf); während bei den Elementen des fixen Kapitals während ihrer Fortdauer weder sie selbst erneuert werden, noch ihr Kauf zu erneuern ist. Es befinden sich beständig Roh- und Hilfsstoffe im Produktionsprozeß, aber immer neue Exemplare derselben Art, nachdem die alten in der Bildung des fertigen Produkts verzehrt sind. Es findet sich ebenso beständig Arbeitskraft im Produktionsprozeß, aber nur durch beständige Erneuerung ihres Kaufs, und oft mit Wechsel der Personen. Dagegen fahren dieselben identischen Gebäude, Maschinen etc. fort, während wiederholter Umschläge des flüssigen Kapitals in denselben wiederholten Produktionsprozessen zu fungieren.

'

II. Bestandteile, Ersatz, Reparatur, Akkumulation des fixen Kapitals

In derselben Kapitalanlage haben die einzelnen Elemente des fixen Kapitals eine verschiedne Lebenszeit, daher auch verschiedne Umschlagszeiten. In einer Eisenbahn z.B. haben Schienen, Schwellen, Erdarbeiten, Bahnhofsgebäude, Brücken, Tunnels, Lokomotiven und Wagen verschiedne Funktionsdauer und Reproduktionszeit, also auch das in ihnen vorgeschoßne Kapital verschiedne Umschlagszeiten. Während einer langen Reihe von Jahren bedürfen die Gebäude, die Perrons, Wasserbehälter, Viadukte, Tunnels, Bodeneinschnitte und Dämme, kurz, alles was im englischen Eisenbahnwesen als works of art <Kunstbauten> bezeichnet wird, keiner Erneuerung. Die hauptsächlichsten Gegenstände des Verschleißes sind der Schienenweg und das Transportmaterial (rolling stock).

Ursprünglich, bei der Errichtung der modernen Eisenbahnen, war es vorherrschende Meinung, genährt durch die ausgezeichnetsten praktischen <170> Ingenieure, daß die Dauer einer Eisenbahn sekulär wäre und der Verschleiß der Schienen so durchaus unmerklich, daß er für alle finanziellen und praktischen Zwecke außer acht zu lassen sei; 100 - 150 Jahre wurden als Lebenszeit guter Schienen betrachtet. Es stellte sich aber bald heraus, daß die Lebensdauer einer Schiene, die natürlich von der Geschwindigkeit der Lokomotiven, dem Gewicht und der Anzahl der Züge, der Dicke der Schienen selbst und einer Masse andrer Nebenumstände abhängt, im Durchschnitt 20 Jahre nicht überschritt. In einzelnen Bahnhöfen, Zentren großes Verkehrs, verschleißen die Schienen sogar jedes Jahr. Gegen 1867 fing man an, Stahlschienen einzuführen, die ungefähr doppelt soviel kosteten wie Eisenschienen, dafür aber mehr als doppelt so lange dauern. Die Lebensdauer der Holzschwellen währte 12 - 15 Jahre. Bei dem Betriebsmaterial stellte sich ein bedeutend größrer Verschleiß heraus für Güterwagen als für Passagierwagen. Die Lebensdauer einer Lokomotive wurde 1867 auf 10 - 12 Jahre berechnet.

Der Verschleiß wird bewirkt erstlich durch den Gebrauch selbst. Im allgemeinen verschleißen die Schienen im Verhältnis zur Anzahl der Züge (R.C., Nr. 17645)(22). Bei vermehrter Geschwindigkeit wuchs der Verschleiß in einem höhern Verhältnis als dem des Quadrats der Geschwindigkeit: d.h. bei verdoppelter Geschwindigkeit der Züge stieg der Verschleiß um mehr als das Vierfache. (R.C., Nr. 17046.)

Ein fernerer Verschleiß tritt ein durch die Einwirkung von Naturkräften. So leiden Schwellen nicht nur durch wirklichen Verschleiß, sondern auch durch Fäulnis.

"Die Unterhaltungskosten der Bahn hängen nicht so sehr ab von dem Verschleiß, den der Bahnverkehr mit sich führt, wie von der Qualität des Holzes, des Eisens und des Mauerwerks, die der Atmosphäre ausgesetzt sind. Ein einziger strenger Wintermonat wird dem Bahnkörper mehr Schaden tun als ein ganzes Jahr Bahnverkehr." (R. P. Williams, "On the Maintenance of Permanent Way. Vortrag im Institute of Civil Engineers", Herbst 1867.

Endlich, wie überall in der großen Industrie, spielt auch hier der moralische Verschleiß seine Rolle: Nach Verlauf von zehn Jahren kann man gewöhnlich dasselbe Quantum Waggons und Lokomotiven für 30.000 Pfd.St. kaufen, das vorher 40.000 Pfd.St. kostete. Man muß so auf dies Material <171> eine Depretiation von 25% des Marktpreises rechnen, selbst wenn keine Depretiation des Gebrauchswerts stattfindet. (Lardner, "Railway Economy", [p.120].)

"Röhren-Brücken werden in ihrer gegenwärtigen Form nicht erneuert werden."

(Weil man jetzt bessere Formen für solche Brücken hat.)

"Gewöhnliche Reparaturen daran, Wegnahme und Ersatz einzelner Stücke sind nicht tunlich." (W. B. Adams, "Roads and Rails", London 1862, [p. 136].)

Die Arbeitsmittel werden großenteils beständig umgewälzt durch den Fortschritt der Industrie. Sie werden daher nicht in ihrer ursprünglichen Form ersetzt, sondern in der umgewälzten Form. Einerseits bildet die Masse des fixen Kapitals, die in einer bestimmten Naturalform angelegt ist und innerhalb derselben eine bestimmte Durchschnittslebenszeit auszudauern hat, einen Grund der nur allmählichen Einführung neuer Maschinen etc., und daher ein Hindernis gegen die rasche allgemeine Einführung der verbesserten Arbeitsmittel. Andrerseits zwingt der Konkurrenzkampf, namentlich bei entscheidenden Umwälzungen, die alten Arbeitsmittel vor ihrem natürlichen Lebensende durch die neuen zu ersetzen. Es sind hauptsächlich Katastrophen, Krisen, die solche vorzeitige Erneuerung des Betriebsgeräts auf größrer gesellschaftlicher Stufenleiter erzwingen.

Der Verschleiß (abgesehn vom moralischen) ist der Wertteil, den das fixe Kapital allmählich durch seine Vernutzung an das Produkt abgibt, in dem Durchschnittsmaß, worin es seinen Gebrauchswert verliert.

Zum Teil ist diese Abnutzung so, daß das fixe Kapital eine gewisse durchschnittliche Lebenszeit besitzt; für diese wird es ganz vorgeschossen; nach Ablauf derselben muß es ganz ersetzt werden. Für die lebendigen Arbeitsmittel, z.B. Pferde, ist die Reproduktionszeit durch die Natur selbst vorgeschrieben. Ihre durchschnittliche Lebenszeit als Arbeitsmittel ist durch Naturgesetze bestimmt. Sobald dieser Termin abgelaufen, müssen die abgenutzten Exemplare durch neue ersetzt werden. Ein Pferd kann nicht stückweis, sondern nur durch ein andres Pferd ersetzt werden.

Andre Elemente des fixen Kapitals lassen periodische oder teilweise Erneuerung zu. Hier ist der teilweise oder periodische Ersatz zu unterscheiden von allmählicher Ausdehnung des Geschäftsbetriebs.

Das fixe Kapital besteht zum Teil aus gleichartigen Bestandteilen, die aber nicht gleich lange dauern, sondern in verschiednen Zeiträumen stückweise erneuert werden. So die Schienen auf Bahnhöfen, die öfter ersetzt werden müssen als auf dem übrigen Bahnkörper. Ebenso die Schwellen, von denen in den 50er Jahren auf den belgischen Eisenbahnen nach Lardner <172> 8% jährlich, also im Laufe von 12 Jahren die sämtlichen Schwellen erneuert wurden. Das Verhältnis ist hier also dies: Es wird eine Summe z.B. für zehn Jahre in einer bestimmten Art des fixen Kapitals vorgeschossen. Diese Auslage wird auf einmal gemacht. Aber ein bestimmter Teil dieses fixen Kapitals, dessen Wert in den Wert des Produkts eingegangen und mit diesem in Geld umgesetzt ist, wird in jedem Jahr in natura ersetzt, während der andre Teil in seiner ursprünglichen Naturalform fortexistiert. Es ist die Auslage auf einmal und die nur stückweise Reproduktion in Naturalform, die dies Kapital als fixes vom flüssigen Kapital unterscheidet.

Andre Stücke des fixen Kapitals bestehn aus ungleichen Bestandteilen die in ungleichen Zeiträumen abnutzen und daher ersetzt werden müssen. Dies findet namentlich bei Maschinen statt. Was wir eben bemerkt haben mit Bezug auf die verschiedne Lebenszeit der verschiednen Bestandteile eines fixen Kapitals, gilt hier mit Bezug auf die Lebenszeit verschiedner Bestandteile derselben Maschine, die als Stück dieses fixen Kapitals figuriert.

Mit Bezug auf allmähliche Ausdehnung des Geschäfts im Lauf der teilweisen Erneuerung bemerken wir folgendes. Obgleich, wie wir gesehn, das fixe Kapital fortfährt, in natura im Produktionsprozeß zu wirken, hat ein Teil seines Werts, je nach dem Durchschnittsverschleiß, mit dem Produkt zirkuliert, ist in Geld verwandelt worden, bildet Element des Geldreservefonds zum Ersatz des Kapitals für den Termin seiner Reproduktion in natura. Dieser so in Geld verwandelte Teil des fixen Kapitalwerts kann dazu dienen, das Geschäft zu erweitern oder Verbesserungen an den Maschinen anzubringen, welche deren Wirksamkeit vermehren. In kürzren oder längren Abschnitten findet so Reproduktion statt, und zwar - vom Standpunkt der Gesellschaft betrachtet - Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter; extensiv, wenn das Produktionsfeld ausgedehnt; intensiv, wenn das Produktionsmittel wirksamer gemacht. Diese Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter entspringt nicht aus Akkumulation - Verwandlung von Mehrwert in Kapital -, sondern aus Rückverwandlung des Werts, welcher sich abgezweigt, in Geldform losgelöst hat vom Körper des fixen Kapitals, in neues, entweder zuschüssiges oder doch wirksameres, fixes Kapital derselben Art. Es hängt natürlich teils von der spezifischen Natur des Geschäftsbetriebs ab, wieweit und in welchen Dimensionen er solches allmählichen Zuschusses fähig ist, also auch in welchen Dimensionen ein Reservefonds gesammelt sein muß, um in dieser Weise rückangelegt werden zu können, und in welchen Zeiträumen dies geschehn kann. Wieweit andrerseits Detailverbesserungen an vorhandner Maschinerie angebracht werden können, hängt natürlich von der Natur der Verbesserung und der <173> Konstruktion der Maschine selbst ab. Wie sehr aber z.B. bei Eisenbahnanlagen dieser Punkt von vornherein ins Auge gefaßt wird, beweist Adams:

"Die ganze Konstruktion sollte sich nach dem Prinzip richten, das im Bienenkorb herrscht - Fähigkeit unbegrenzter Ausdehnung. Alle übersoliden und von vornherein symmetrischen Strukturen sind vom Übel, im Fall der Ausdehnung müssen sie niedergerissen werden." (p. 123.)

Es hängt dies großenteils vom verfügbaren Raum ab. Bei einigen Gebäuden kann man Stockwerke in der Höhe zusetzen, bei andren ist Seitenausdehnung, also mehr Boden nötig. Innerhalb der kapitalistischen Produktion werden einerseits viele Mittel verschwendet, findet andrerseits viel zweckwidrige Seitenausdehnung dieser Art (zum Teil zum Schaden der Arbeitskraft) bei der allmählichen Ausdehnung des Geschäfts statt, weil nichts nach gesellschaftlichem Plan geschieht, sondern von den unendlich verschiednen Umständen, Mitteln etc. abhängt, womit der einzelne Kapitalist agiert. Hieraus entsteht große Verschwendung der Produktivkräfte.

Diese stückweise Wiederanlage des Geldreservefonds (d.h. des in Geld rückwerwandelten Teils des fixen Kapitals) ist am leichtesten im Landbau. Ein räumlich gegebnes Produktionsfeld ist hier der größten allmählichen Absorption von Kapital fähig. Ebenso wo natürliche Reproduktion stattfindet, wie bei der Viehzucht.

Das fixe Kapital verursacht besondre Erhaltungskosten. Ein Teil der Erhaltung wird durch den Arbeitsprozeß selbst bewirkt; das fixe Kapital verdirbt, wenn es nicht im Arbeitsprozeß fungiert. (Siehe Buch I, Kap. VI, p.196 <Siehe Band 23, S. 221/222> und Kap. XIII, p. 423 <Siehe Band 23, S. 426>: Verschleiß der Maschinerie, der aus ihrem Nichtgebrauch entspringt.) Das englische Gesetz betrachtet es daher auch ausdrücklich als Beschädigung (waste), wenn gepachtete Grundstücke nicht nach Landesgebrauch bebaut werden. (W. A. Holdsworth, Barrister at law <Rechtsanwalt>, "The Law of Landlord and Tenant", London 1857, p. 96.) Diese Erhaltung, die aus dem Gebrauch im Arbeitsprozeß hervorgeht, ist eine Gratisnaturgabe der lebendigen Arbeit. Und zwar ist die erhaltende Kraft der Arbeit doppelter Art. Einerseits erhält sie den Wert der Arbeitsmaterialien, indem sie ihn auf das Produkt überträgt, andrerseits erhält sie den Wert der Arbeitsmittel, soweit sie nicht auch diesen auf das Produkt überträgt, durch Erhaltung ihres Gebrauchswerts, vermittelst ihrer Aktion im Produktionsprozeß.

Das fixe Kapital erfordert aber auch positive Arbeitsauslage zu seiner Instandhaltung. Die Maschinerie muß von Zeit zu Zeit gereinigt werden. Es <174> handelt sich hier um zusätzliche Arbeit, ohne welche sie gebrauchsunfähig wird; um bloße Abwehr schädlicher elementarer Einflüsse, die vom Produktionsprozeß unzertrennlich sind, also um Erhaltung im werkfähige Zustand im wörtlichsten Sinn. Die normale Lebenszeit des fixen Kapitals ist selbstredend darauf berechnet, daß die Bedingungen erfüllt werden, unter denen es während dieser Zeit normal fungieren kann, ganz wie man unter stellt, daß, wenn ein Mensch im Durchschnitt 30 Jahre lebt, er sich auch wäscht. Es handelt sich hier auch nicht um Ersatz der in der Maschine enthaltnen Arbeit, sondern um beständige zusätzliche Arbeit, die ihr Gebrauch nötig macht. Es handelt sich nicht um Arbeit, die die Maschine tut, sondern die an ihr getan wird, worin sie nicht Produktionsagent ist, sondern Rohmaterial. Das in dieser Arbeit ausgelegte Kapital, obgleich es nicht in den eigentlichen Arbeitsprozeß eingeht, dem das Produkt seinen Ursprung verdankt, gehört zum flüssigen Kapital. Diese Arbeit muß beständig in der Produktion verausgabt, ihr Wert also auch beständig durch den Wert des Produkts ersetzt werden. Das in ihr ausgelegte Kapital gehört zu dem Teil des flüssigen Kapitals, der die allgemeinen Unkosten zu decken hat und nach einer jährlichen Durchschnittsrechnung auf das Wertprodukt zu verteilen ist. Wir haben gesehn <Siehe Band 23, S. 449/450, Note 190a>, daß in der eigentlichen Industrie diese Arbeit der Reinigung von den Arbeitern gratis in den Ruhepausen und eben deswegen auch oft während des Produktionsprozesses selbst vorgeht, wo sie die Quelle der meisten Unfälle wird. Diese Arbeit zählt nicht im Preis des Produkts. Der Konsument erhält sie sofern gratis. Andrerseits hat der Kapitalist so die Erhaltungskosten seiner Maschine umsonst. Der Arbeiter zahlt in eigner Person, und dies bildet eins der Selbsterhaltungsmysterien des Kapitals, die der Tat nach einen juristischen Anspruch des Arbeiters auf die Maschinerie bilden und ihn selbst vom bürgerlichen Rechtsstandpunkt aus zu ihrem Miteigentümer machen. In verschiednen Produktionszweigen jedoch, wo die Maschinerie zu ihrer Reinigung aus dem Produktionsprozeß entfernt werden muß, und die Reinigung daher nicht unterderhand geschehn kann, wie z.B. bei Lokomotiven, zählt diese Erhaltungsarbeit unter den laufenden Kosten, also als Element des flüssigen Kapitals. Eine Lokomotive muß nach höchstens dreitägiger Arbeit in den Schuppen gebracht und dort gereinigt werden; der Kessel muß erst abkühlen, wenn er ohne Schädigung ausgewaschen werden soll. (R.C., Nr. 17823.)

Die eigentlichen Reparaturen oder Flickarbeiten erheischen Auslage von Kapital und Arbeit, die nicht in dem ursprünglich vorgeschoßnen Kapital <175> enthalten sind, also auch durch den allmählichen Wertersatz des fixen Kapitals jedenfalls nicht immer ersetzt und gedeckt werden können. Ist z.B. der Wert des fixen Kapitals = 10.000 Pfd.St. und seine Gesamtlebenszeit 10 Jahre, so ersetzen diese 10.000 Pfd.St., nach zehn Jahren ganz in Geld verwandelt, nur den Wert des ursprünglichen Anlagekapitals, aber sie ersetzen nicht das inzwischen in Reparaturen neu zugesetzte Kapital, resp. Arbeit. Es ist dies ein zuschüssiger Wertbestandteil, der auch nicht auf einmal vorgeschossen wird, sondern je nach Bedürfnis, und dessen verschiedne Vorschußzeiten der Natur der Sache nach zufällig sind. Solche spätere, dosenweise, zusätzliche Kapitalauslage in Arbeitsmitteln und Arbeitskraft erheischt alles fixe Kapital.

Die Beschädigungen, denen einzelne Teile der Maschinerie etc. ausgesetzt sind, sind der Natur der Sache nach zufällig, und so sind daher auch die dadurch ernötigten Reparaturen. Dennoch scheiden sich aus dieser Masse zwei Sorten von Reparaturarbeiten ab, die einen mehr oder minder festen Charakter haben und in verschiedne Perioden der Lebenszeit des fixen Kapitals fallen - Gebresten des Kindesalters und die viel zahlreicheren Gebresten des über die mittlere Lebenszeit hinausgerückten Alters. Eine Maschine z.B. mag mit noch so vollkommner Konstruktion in den Produktionsprozeß eintreten; bei dem wirklichen Gebrauch zeigen sich Mängel, die durch nachträgliche Arbeit korrigiert werden müssen. Andrerseits, je mehr sie über ihre mittlere Lebenszeit hinausgetreten, je mehr sich also der normale Verschleiß gehäuft hat, das Material, aus dem sie besteht, vernutzt und altersschwach geworden, desto zahlreicher und bedeutender werden die Reparaturarbeiten, nötig, um die Maschine bis zu Ende ihrer durchschnittlichen Lebensperiode in Atem zu erhalten; ganz wie ein alter Mann, um nicht vorzeitig zu sterben, mehr medizinische Ausgaben hat als ein jugendkräftiger. Trotz ihres zufälligen Charakters verteilen sich also die Reparaturarbeiten in ungleichen Massen auf die verschiednen Lebensperioden des fixen Kapitals.

Hieraus sowohl, wie aus dem sonst zufälligen Charakter der Reparaturarbeiten an der Maschine folgt:

Einerseits ist die wirkliche Ausgabe an Arbeitskraft und Arbeitsmitteln für Reparaturarbeiten zufällig, wie die Umstände selbst, welche diese Reparaturen ernötigen; der Umfang der nötigen Reparaturen ist verschieden verteilt auf die verschiednen Lebensperioden des fixen Kapitals. Andrerseits ist bei Schätzung der durchschnittlichen Lebensperiode des fixen Kapitals unterstellt, daß es beständig in werktätigem Zustand erhalten wird, teils durch Reinigung (wozu auch die Reinhaltung der Lokale gehört), teils <176> durch Reparatur, so oft wie erheischt. Die Wertübertragung durch Verschleiß des fixen Kapitals ist auf dessen durchschnittliche Lebensperiode berechnet, aber diese durchschnittliche Lebensperiode selbst ist darauf berechnet, daß das zur Instandhaltung erheischte Zusatzkapital fortwährend vorgeschossen wird.

Andrerseits ist es ebenso klar, daß der durch diese zuschüssige Ausgabe von Kapital und Arbeit zugesetzte Wert nicht in den Preis der Waren eingehn kann gleichzeitig mit der wirklichen Ausgabe. Ein Spinner z.B. kann diese Woche sein Garn nicht teurer verkaufen als vorige Woche, weil ihm diese Woche ein Rad gebrochen oder ein Riemen zerrissen ist. Die allgemeinen Kosten der Spinnerei haben sich in keiner Weise verändert durch diesen Unfall in einer einzelnen Fabrik. Hier, wie bei aller Wertbestimmung, bestimmt der Durchschnitt. Die Erfahrung zeigt den durchschnittlichen Umfang solcher Unfälle und der nötigen Erhaltungs- und Reparaturarbeiten während der durchschnittlichen Lebensperiode des in einem bestimmten Geschäftszweig angelegten fixen Kapitals. Diese Durchschnittsausgabe wird verteilt auf die Durchschnitts-Lebensperiode und wird in entsprechenden aliquoten Teilen auf den Preis des Produkts geschlagen und daher durch den Verkauf desselben ersetzt.

Das Zuschußkapital, das so ersetzt wird, gehört zum flüssigen Kapital, obgleich die Art der Auslage unregelmäßig ist. Da es von der höchsten Wichtigkeit ist, sofort jedes Gebresten der Maschinerie zu kurieren, so befindet sich bei jeder größern Fabrik ein den eigentlichen Fabrikarbeitern aggregiertes Personal, Ingenieur, Schreiner, Mechaniker, Schlosser usw. Ihr Lohn bildet Teil des variablen Kapitals, und der Wert ihrer Arbeit verteilt sich auf das Produkt. Andrerseits werden die in Produktionsmitteln erheischten Ausgaben nach jener Durchschnittsrechnung bestimmt und bilden nach dieser Rechnung fortwährend Wertteil des Produkts, obgleich sie faktisch in unregelmäßigen Perioden vorgeschossen werden und also auch in unregelmäßigen Perioden in das Produkt, resp. das fixe Kapital eingehn. Dies in eigentlichen Reparaturen ausgelegte Kapital bildet in mancher Hinsicht ein Kapital eigner Art, das weder unter flüssiges noch fixes Kapital zu rangieren ist, aber als unter die laufenden Ausgaben gehörig mehr zum erstern zählt.

Die Art der Buchführung ändert natürlich nichts an dem wirklichen Zusammenhang der Dinge, worüber Buch geführt wird. Es ist aber wichtig zu bemerken, daß es in vielen Geschäftszweigen Gewohnheit ist, die Reparaturkosten mit dem wirklichen Verschleiß des fixen Kapitals in folgender Art zusammenzurechnen. Das vorgeschoßne fixe Kapital sei 10.000 Pfd.St, <177> seine Lebensperiode 15 Jahre; der jährliche Verschleiß ist dann 6662/3 Pfd.St. Nun wird aber der Verschleiß auf nur zehn Jahre berechnet, d.h. dein Preis der produzierten Waren jährlich 1.000 Pfd.St. zugeschlagen für Abnutzung des fixen Kapitals, statt 6662/3 Pfd.St.; d.h. es werden 3331/3 Pfd.St. für Reparaturarbeit etc. reserviert. (Die Zahlen 10 und 15 sind nur beispielsweise genommen.) Soviel ist also im Durchschnitt an Reparatur verausgabt worden, damit das fixe Kapital 15 Jahre dauert. Diese Rechnung verhindert natürlich nicht, daß das fixe Kapital und das in den Reparaturen ausgelegte Zusatzkapital verschiedne Kategorien bilden. Auf Grund dieser Rechnungsweise wurde z.B. angenommen, daß der niedrigste Kostenanschlag für die Erhaltung und den Ersatz von Dampfschiffen 15% jährlich sei, also Reproduktionszeit = 61/2 Jahre. In den 60er Jahren vergütete die englische Regierung der Peninsular and Oriental Co. dafür 16% jährlich, was also einer Reproduktionszeit von 61/4 <1. und 2. Auflage: 61/2> Jahr gleichkommt. Bei Eisenbahnen ist die Durchschnitts-Lebensdauer einer Lokomotive 10 Jahre, aber, Reparaturen eingerechnet, wird der Verschleiß angenommen zu 121/2%, was die Lebensdauer auf 8 Jahr reduziert. Bei Passagier- und Güterwagen wird 9%, berechnet, also eine Lebenszeit von 111/9 Jahr angenommen.

Die Gesetzgebung hat überall bei Mietkontrakten von Häusern und andren Dingen, die für ihren Eigentümer fixes Kapital sind und als solches vermietet werden, den Unterschied anerkannt zwischen dem normalen Verschleiß, der durch die Zeit, den Einfluß der Elemente und die normale Vernutzung selbst herbeigeführt wird, und zwischen den gelegentlichen Reparaturen, die zur Instandhaltung während der normalen Lebensdauer des Hauses und seiner normalen Benutzung zeitweise erforderlich sind. In der Regel fallen die ersten auf den Eigentümer, die zweiten auf den Mieter. Die Reparaturen unterscheiden sich ferner in gewöhnliche und substantielle. Die letztren sind teilweise Erneuerung des fixen Kapitals in seiner Naturalform und fallen ebenfalls auf den Eigentümer, wo der Kontrakt nicht ausdrücklich das Gegenteil sagt. So z.B. nach englischem Recht:

"Ein Mieter von Jahr zu Jahr ist nur verpflichtet, die Baulichkeiten wind- und wasserdicht zu halten, solange dies geschehn kann ohne substantielle Reparaturen; und überhaupt nur solche Reparaturen zu besorgen, die als gewöhnliche bezeichnet werden können. Und selbst in dieser Beziehung muß das Alter und der allgemeine Zustand der betreffenden Teile des Gebäudes, zur Zeit als der Mieter es übernahm, im Auge behalten werden, denn er ist nicht verpflichtet, weder altes und verschlißnes Material durch neues zu ersetzen, noch die aus dem Zeitverlauf und dem regelmäßigen Gebrauch <178> entstehende unvermeidliche Entwertung gutzumachen." ("Holdsworth, Law of Landlord and Tenant", p .90, 91.)

Ganz verschieden, sowohl vom Ersatz des Verschleißes wie von den Arbeiten der Erhaltung und Reparatur ist die Versicherung, die sich auf Zerstörung durch außerordentliche Naturereignisse, Feuersbrunst, Überschwemmungen etc. bezieht. Diese muß aus dem Mehrwert gutgemacht werden und bildet einen Abzug von demselben. Oder, vom Standpunkt der ganzen Gesellschaft betrachtet: Es muß eine beständige Überproduktion stattfinden, d.h. Produktion auf größrer Stufenleiter, als zu einfachem Ersatz und Reproduktion des vorhandnen Reichtums nötig - ganz abgesehn von Zunahme der Bevölkerung -, um die Produktionsmittel zur Verfügung zu haben, zur Ausgleichung der außerordentlichen Zerstörung, welche Zufälle und Naturkräfte anrichten.

In der Tat besteht nur der geringste Teil des zum Ersatz nötigen Kapitals in dem Geldreservefonds. Der wichtigste Teil besteht in der Ausdehnung der Produktionsleiter selbst, die teils wirkliche Erweiterung ist, teils zum normalen Umfang der Produktionszweige gehört, die das fixe Kapital produzieren. So ist z.B. eine Maschinenfabrik darauf eingerichtet, daß jährlich sowohl die Fabriken ihrer Kundschaft erweitert werden, wie auch daß beständig ein Teil davon ganzer oder teilweiser Reproduktion bedarf.

Bei der Bestimmung des Verschleißes, wie der Reparaturkosten, nach gesellschaftlichem Durchschnitt, ergeben sich notwendig große Ungleichheiten, selbst für gleich große und sonst unter denselben Umständen befindliche Kapitalanlagen in demselben Produktionszweig. In der Praxis dauert für den einen Kapitalisten die Maschine etc. über die Durchschnittsperiode hinaus, bei dem andern nicht so lange. Die Reparaturkosten des einen sind über, die des andren unter dem Durchschnitt usw. Der durch den Verschleiß, wie durch die Reparaturkosten, bestimmte Preiszuschlag der Ware ist aber derselbe und wird durch den Durchschnitt bestimmt. Der eine erhält also durch diesen Preiszusatz mehr, als er wirklich zusetzt, der andre weniger. Dies, wie alle andren Umstände, die bei gleicher Exploitation der Arbeitskraft den Gewinn verschiedner Kapitalisten in demselben Geschäftszweig verschieden machen, trägt dazu bei, die Einsicht in die wahre Natur des Mehrwerts zu erschweren.

Die Grenze zwischen eigentlicher Reparatur und Ersatz, zwischen Erhaltungskosten und Erneuerungskosten, ist eine mehr oder weniger fließende. Daher der ewige Streit, bei Eisenbahnen z.B., ob gewisse Ausgaben Reparatur oder Ersatz sind, ob sie aus laufender Ausgabe oder dem Grundkapital bestritten werden müssen. Übertragung von Reparaturausgaben auf <179> Kapitalkonto, statt auf Revenuekonto, ist das bekannte Mittel, wodurch Eisenbahndirektionen ihre Dividenden künstlich in die Höhe schrauben. Jedoch hat auch hierfür die Erfahrung die wesentlichsten Anhaltspunkte bereits geliefert. Die nachträglichen Arbeiten während der ersten Lebensperiode der Eisenbahn z.B. sind

"keine Reparaturen, sondern müssen angesehn werden als wesentlicher Bestandteil des Bahnbaus, und sind also dem Kapitalkonto zu belasten, da sie nicht aus dem Verschleiß oder der normalen Wirkung des Verkehrs herrühren, sondern der ursprünglichen und unvermeidlichen Unvollkommenheit des Bahnbaus geschuldet sind". (Lardner, l.c.p. 40.)

"Dagegen ist es die einzig richtige Methode, die Revenue eines jeden Jahres zu belasten mit der Entwertung, die notwendigerweise eingetreten ist, damit diese Revenue verdient werden konnte, einerlei, ob die Summe wirklich ausgegeben ist oder nicht." (Captain Fitzmaurice, "Committee of Inquiry on Caledonian Railway", abgedruckt in "Money Market Review", 1868.)

Praktisch unmöglich und zwecklos wird die Trennung von Ersatz und Erhaltung des fixen Kapitals in der Landwirtschaft, wenigstens soweit sie noch nicht mit Dampf arbeitet.

"Bei einem vollständigen, jedoch nicht übertrieben starken Bestand des Gerätinventars" (Bedarf an Acker- und sonstigen Arbeits- und Wirtschaftsgeräten aller Art) "pflegt man im großen Durchschnitt die jährliche Abnutzung und Unterhaltung des Gerätinventars nach Verschiedenheit der vorliegenden Verhältnisse zu 15-25% vom Anschaffungskapital anzuschlagen." (Kirchhof, "Handbuch der landwirthschaftlichen Betriebslehre", Dessau 1852, p. 137.)

Bei dem Betriebsmaterial einer Eisenbahn ist Reparatur und Ersatz gar nicht zu trennen.

"Wir erhalten unser Betriebsmaterial der Zahl nach aufrecht. Welche Anzahl von Lokomotiven wir auch haben, diese Zahl erhalten wir aufrecht. Wird eine im Lauf der Zeit unbrauchbar, so daß es vorteilhafter ist, eine neue zu bauen, so bauen wir sie auf Kosten der Revenue, wobei wir der Revenue natürlich den Wert der von der alten Maschine übrigen Materialien gutschreiben ... Es bleibt immer ziemlich viel übrig ... Die Räder, die Achsen, die Kessel etc., kurz, ein gutes Stück der alten Lokomotive bleibt übrig." (T. Gooch, Chairman of Great Western Railway Co. <Präsident der Großen Westbahn-Gesellschaft>, R.C. Nr. 17327, 17329.) - "Reparieren heißt erneuern; für mich existiert das Wort 'Ersatz' nicht; ... hat eine Eisenbahngesellschaft einen Wagen oder eine Lokomotive einmal gekauft, so sollte sie sie so reparieren, daß sie in Ewigkeit fortlaufen können." (17784). "Wir rechnen 8 1/2 d. für die englische Zugmeile an Lokomotivkosten. Aus diesen 8 1/2 d. erhalten wir die Lokomotiven für immer. Wir erneuern unsre Maschinen. Wenn Sie eine Maschine neu kaufen wollen, so geben Sie mehr Geld aus, als nötig ist ... An der alten Maschine <180> finden sich immer ein paar Räder, eine Achse oder sonst ein Stück, das brauchbar ist, und das hilft eine Maschine wohlfeiler herstellen, die ebensogut ist wie eine ganz neue." (17790.) "Ich produziere jetzt jede Woche eine neue Lokomotive, d.h. die so gut wie neu ist, denn Kessel, Zylinder und Gestell sind neu." (17823. Archibald Sturrock, Locomotive Superintendent of Great Northern Railway <Oberaufseher über die Lokomotiven der Großen Nordbahn>, in R. C., 1867)

Ebenso bei den Wagen:

"Im Lauf der Zeit wird der Vorrat der Lokomotiven und Wagen fortwährend erneuert; das eine Mal werden neue Räder angesteckt, das andre Mal ein neues Gestell gemacht. Die Teile, auf denen die Bewegung beruht und die dem Verschleiß am meisten ausgesetzt sind, werden allmählich erneuert; die Maschinen und Wagen können dann einer solchen Reihe von Reparaturen unterworfen werden, daß in manchen von ihnen nicht eine Spur von dem alten Material übrig ist ... Selbst wenn sie ganz reparaturunfähig werden, werden Stücke von den alten Wagen oder Lokomotiven hineinarbeitet und verschwinden so nie gänzlich von der Bahn. Das bewegliche Kapital ist daher in fortwährender Reproduktion; was für den Bahnkörper zu einer bestimmten Zeit auf einmal stattfinden muß, wenn die ganze Bahn neu belegt wird, das findet beim Betriebsmaterial allmählich von Jahr zu Jahr statt. Seine Existenz ist perennierend, es ist in fortwährender Verjüngung begriffen." (Lardner, p. 115, 116.)

Dieser Prozeß, wie hier von Lardner bei der Eisenbahn dargestellt, paßt nicht auf eine einzelne Fabrik, wohl aber als Bild der beständigen, partiellen, mit der Reparatur durcheinander laufenden Reproduktion des fixen Kapitals innerhalb eines ganzen Industriezweigs, oder überhaupt innerhalb der gesamten Produktion, auf gesellschaftlicher Stufenleiter betrachtet.

Hier ein Beweis, innerhalb wie weiter Grenzen geschickte Direktionen mit den Begriffen Reparatur und Ersatz wirtschaften können zur Erzielung von Dividenden. Nach dem oben zitierten Vortrag von R. P. Williams schrieben verschiedne englische Eisenbahngesellschaften im Durchschnitt einer Reihe von Jahren für Reparatur und Erhaltungskosten des Bahnkörpers und der Baulichkeiten folgende Summe auf Revenuekonto ab (per englische Meile der Bahnlänge jährlich):

London & North Western 370 Pfd.St.
Midland 225 Pfd.St.
London & South Western 257 Pfd.St.
Great Northern 360 Pfd.St.
Lancashire & Yorkshire 377 Pfd.St.
South Eastern 263 Pfd.St.
Brighton 266 Pfd.St.
Manchester & Sheffield 200 Pfd.St.

'

<181> Diese Differenzen rühren nur zum allergeringsten Teil von Verschiedenheit der wirklichen Auslagen her; sie stammen fast ausschließlich aus verschiedner Berechnungsweise, je nachdem Ausgabeposten dem Kapitalkonto oder dem Revenuekonto zur Last gebracht werden. Williams sagt geradezu:

"Die geringere Belastung wird angenommen, weil dies für eine gute Dividende nötig ist, und die größre Belastung wird gemacht, weil eine stärkere Revenue vorhanden ist, die das ertragen kann."

In gewissen Fällen wird der Verschleiß, also auch sein Ersatz, eine praktisch verschwindende Größe, so daß allein die Reparaturkosten in Rechnung kommen. Was Lardner im folgenden von works of art bei Eisenbahnen sagt, gilt im allgemeinen für alle solche dauerhaften Werke, Kanäle, Docks, eiserne und steinerne Brücken etc. -

"Der Verschleiß, der infolge der langsamen Wirkung der Zeit bei den solideren Werken eintritt, wirkt fast unmerklich während kürzerer Zeiträume; nach Verfluß eines langen Zeitraums, z.B. von Jahrhunderten, muß er jedoch die Erneuerung, ganz oder teilweise, selbst bei den solidesten Konstruktionen herbeiführen. Dieser unmerkliche Verschleiß, verglichen mit dem fühlbareren bei andren Teilen der Bahn, läßt sich vergleichen mit den sekulären und periodischen Ungleichheiten in der Bewegung der Weltkörper. Die Wirkung der Zeit auf die massiveren Konstruktionen einer Bahn, Brücken, Tunnel, Viadukte etc., liefert Beispiele von dem, was man einen sekulären Verschleiß nennen kann. Die schnellere und sichtbarere Entwertung, die in kürzern Zeiträumen durch Reparaturen oder Ersatz gutgemacht wird, ist den periodischen Ungleichheiten analog. In die jährlichen Reparaturkosten wird auch der Ersatz des zufälligen Schadens eingeschlossen, den die Außenseite auch der dauerhafteren Konstruktionen von Zeit zu Zeit erleidet; aber auch unabhängig von diesen Reparaturen geht das Alter nicht wirkungslos an ihnen vorbei, und wie entfernt sie auch immer sei, die Zelt muß kommen, in der ihr Zustand einen Neubau nötig macht. In finanzieller und ökonomischer Beziehung mag diese Zeit allerdings viel zu entfernt sein, um sie in praktische Rechnung zu ziehn." (Lardner, l.c.p. 38, 39.)

Es gilt dies für alle solche Werke von sekulärer Dauer, bei welchen also nicht das in ihnen vorgeschoßne Kapital ihrem Verschleiß entsprechend allmählich zu ersetzen ist, sondern nur die jährlichen Durchschnittskosten der Erhaltung und Reparatur auf den Preis des Produkts zu übertragen sind.

Obgleich, wie wir gesehn, ein größrer Teil des zum Ersatz des Verschleißes des fixen Kapitals zurückfließenden Geldes jährlich, oder selbst in kurzem Zeiträumen, wieder in seine Naturalform rückverwandelt wird, ist dennoch für jeden einzelnen Kapitalisten ein Amortisationsfonds nötig für den Teil des fixen Kapitals, der nur nach Verlauf von Jahren auf einmal in seinen Reproduktionstermin tritt und dann ganz zu ersetzen ist. Ein <182> bedeutender Bestandteil des fixen Kapitals schließt durch seine Beschaffenheit die stückweise Reproduktion aus. Außerdem, wo die Reproduktion stückweis in der Weise geschieht, daß in kürzern Intervallen dem entwerteten Bestand neuer zugefügt wird, ist je nach dem spezifischen Charakter des Produktionszweigs eine vorherige Geldakkumulation von größrem oder geringrem Umfang nötig, bevor dieser Ersatz stattfinden kann. Nicht jede beliebige Geldsumme reicht dazu hin, es wird eine Geldsumme von bestimmtem Umfang dazu erheischt.

Betrachten wir dies bloß unter der Voraussetzung der einfachen Geldzirkulation, ohne alle Rücksicht auf das erst später zu entwickelnde Kreditsystem, so ist der Mechanismus der Bewegung dieser: Im ersten Buch (Kap. III, 3a.) wurde gezeigt, daß, wenn ein Teil des in einer Gesellschaft vorhandnen Geldes stets als Schatz brachliegt, während ein andrer als Zirkulationsmittel, resp. als unmittelbarer Reservefonds des direkt zirkulierenden Geldes fungiert, die Proportion beständig wechselt, worin sich die Gesamtmasse des Geldes auf Schatz und auf Zirkulationsmittel verteilt. In unserm Fall wird nun Geld, das als Schatz in der Hand eines größern Kapitalisten in größrem Umfang aufgehäuft sein muß, beim Einkauf des fixen Kapitals auf einmal in Zirkulation geworfen. Es verteilt sich selbst wieder in der Gesellschaft als Zirkulationsmittel und als Schatz. Durch den Amortisationsfonds, worin nach Maßgabe des Verschleißes des fixen Kapitals dessen Wert zu seinem Ausgangspunkt zurückfließt, bildet ein Teil des zirkulierenden Geldes wieder Schatz - für längre oder kürzre Zeit - in der Hand desselben Kapitalisten, dessen Schatz bei Ankauf des fixen Kapitals sich in Zirkulationsmittel verwandelt und von ihm entfernt hatte. Es ist eine beständig wechselnde Verteilung des in der Gesellschaft existierenden Schatzes, der abwechselnd als Zirkulationsmittel fungiert, und dann wieder als Schatz aus der Masse des zirkulierenden Geldes abgeschieden wird. Mit der Entwicklung des Kreditwesens, welche der Entwicklung der großen Industrie und der kapitalistischen Produktion notwendig parallel geht, fungiert dies Geld nicht als Schatz, sondern als Kapital, aber in der Hand nicht seines Eigentümers, sondern andrer Kapitalisten, denen es zur Verfügung gestellt ist.



Fußnoten

(20) Wegen der Schwierigkeit, welche die Bestimmung des fixen und zirkulierenden Kapitals macht, meint Herr Lorenz Stein, diese Unterscheidung sei nur für die leichtere Darstellung. <=

(21) Bis hierher Manuskript IV.- Von hier an Manuskript II. <=

(22) Die mit R.C. bezeichneten Zitate sind aus: "Royal Commission on Railways. Minutes of Evidence taken before the Commissioners. Presented to both Houses of Parliament", London 1867. - Die Fragen und Antworten sind numeriert und die Nummern hier angeführt. <=


8. Kapitel. Fixes Kapital und zirkulierendes Kapital | Inhalt | 10. Kapitel. Theorien über fixes und zirkulierendes Kapital. Physiokraten u. A. Smith

Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 24, "Das Kapital", Bd. II, 2. Abschnitt, S. 183 - 188 Dietz Verlag, Berlin/DDR 1963

NEUNTES KAPITEL Der Gesamtumschlag des vorgeschoßnen Kapitals. Umschlagszyklen

'

<183> Wir haben gesehn, daß die fixen und flüssigen Bestandteile des produktiven Kapitals verschiedenartig und zu verschiednen Perioden umschlagen, ebenso daß die verschiednen Bestandteile des fixen Kapitals in demselben Geschäft je nach ihrer verschiednen Lebens-, daher Reproduktionszeit, wieder verschiedne Umschlagsperioden haben. (Über die wirkliche oder scheinbare Verschiedenheit im Umschlag verschiedner Bestandteile des flüssigen Kapitals in demselben Geschäft, siehe am Schluß dieses Kapitels sub 6.)

1. Der Gesamtumschlag des vorgeschoßnen Kapitals ist der Durchschnittsumschlag seiner verschiednen Bestandteile; Berechnungsmodus weiter unten. Soweit es sich nur um verschiedne Zeitperioden handelt, ist natürlich nichts einfacher als ihren Durchschnitt zu ziehn; aber:

2. es findet hier nicht nur quantitativer, sondern qualitativer Unterschied statt.

Das in den Produktionsprozeß eingehende flüssige Kapital überträgt seinen ganzen Wert auf das Produkt und muß daher beständig, durch den Verkauf des Produkts, in natura ersetzt werden, soll der Produktionsprozeß ohne Unterbrechung vorsichgehn. Das in den Produktionsprozeß eingehende fixe Kapital überträgt nur Teil seines Werts (den Verschleiß) auf das Produkt und fährt trotz des Verschleißes fort, im Produktionsprozeß zu fungieren; es braucht daher nur in kürzern oder längern Intervallen, jedenfalls nicht so oft wie das flüssige Kapital, in natura ersetzt zu werden. Diese Ersatznotwendigkeit, der Reproduktionstermin, ist nicht nur quantitativ verschieden für die verschiednen Bestandteile des fixen Kapitals, sondern, wie wir gesehn haben, ein Teil des länger dauernden, vieljährigen fixen Kapitals kann jährlich oder in kürzern Intervallen ersetzt und dem alten fixen Kapital in natura hinzugefügt werden; bei fixem Kapital andrer Beschaffenheit kann der Ersatz nur nach Ende seiner Lebenszeit auf einmal stattfinden.

'

<184> Es ist daher nötig, die Sonderumschläge der verschiednen Teile des fixen Kapitals auf gleichartige Form des Umschlags zu reduzieren, so daß sie nur noch quantitativ, der Umschlagsdauer nach, verschieden sind.

Diese qualitative Dieselbigkeit findet nicht statt, wenn wir P ... P - die Form des kontinuierlichen Produktionsprozesses - zum Ausgangspunkt nehmen. Denn bestimmte Elemente von P müssen beständig in natura ersetzt werden, andre nicht. Wohl aber gibt die Form G ... G´ diese Dieselbigkeit des Umschlags. Nehmen wir z.B. eine Maschine zum Wert von 10.000 Pfd.St., die zehn Jahre dauert, wovon sich also jährlich 1/10 = 1.000 Pfd.St. in Geld rückverwandelt. Diese 1.000 Pfd.St. haben sich im Lauf eines Jahres aus Geldkapital in produktives Kapital und Warenkapital und aus diesem in Geldkapital rückverwandelt. Sie sind zu ihrer ursprünglichen Geldform zurückgekehrt, wie das flüssige Kapital, wenn wir es unter dieser Form betrachten, und es ist dabei gleichgültig, ob das Geldkapital von 1.000 Pfd.St. wieder am Ende des Jahres in die Naturalform einer Maschine rückverwandelt wird oder nicht. Bei der Berechnung des Gesamtumschlags des vorgeschoßnen produktiven Kapitals fixieren wir daher alle seine Elemente in der Geldform, so daß die Rückkehr zur Geldform den Umschlag schließt. Wir betrachten den Wert immer als in Geld vorgeschossen, selbst beim kontinuierlichen Produktionsprozeß, wo diese Geldform des Werts nur die des Rechengelds ist. So können wir dann den Durchschnitt ziehn.

3. Es folgt, daß selbst wenn der bei weitem größre Teil des vorgeschoßnen produktiven Kapitals aus fixem Kapital besteht, dessen Reproduktions-, also auch Umschlagszeit, einen vieljährigen Zyklus umfaßt, dennoch der während des Jahres umgeschlagene Kapitalwert infolge der wiederholten Umschläge des flüssigen Kapitals während des Jahres größer sein kann als der Gesamtwert des vorgeschoßnen Kapitals.

Das fixe Kapital sei = 80.000 Pfd.St., seine Reproduktionszeit = 10 Jahre, so daß 8.000 Pfd.St. davon jährlich zu ihrer Geldform zurückkehren oder es 1/10 seines Umschlags vollzieht. Das flüssige Kapital sei = 20.000 Pfd.St. und schlage fünfmal im Jahre um. Das Gesamtkapital ist dann = 100.000Pfd.St. Das umgeschlagne fixe Kapital ist = 8.000 Pfd.St.; das umgeschlagne flüssige Kapital = 5 * ' 20.000 = 100.000 Pfd.St. Also ist das während des Jahres umgeschlagne Kapital = 108.000 Pfd.St., größer um 8.000 Pfd.St. als das vorgeschoßne Kapital. 1 + 2/25 des Kapitals hat umgeschlagen.

4. Der Wertumschlag des vorgeschoßnen Kapitals trennt sich also von seiner wirklichen Reproduktionszeit oder der realen Umschlagszeit seiner Bestandteile. Ein Kapital von 4.000 Pfd.St. schlage z.B. fünfmal im Jahre <185> um. Das umgeschlagne Kapital ist dann 5 * 4.000 = 20.000 Pfd.St. Was aber am Ende jedes Umschlags zurückkehrt, um wieder von neuem vorgeschossen zu werden, ist das ursprünglich vorgeschoßne Kapital von 4.000 Pfd.St. Seine Größe wird nicht verändert durch die Anzahl der Umschlagsperioden, während deren es von neuem als Kapital fungiert. (Abgesehn vom Mehrwert.)

In dem Beispiel sub 3 also ist nach der Voraussetzung am Ende des Jahres in die Hand des Kapitalisten zurückgekehrt a) eine Wertsumme von 20.000 Pfd.St., die er von neuem in den flüssigen Bestandteilen des Kapitals auslegt, und b) eine Summe von 8.000 Pfd.St., die sich durch den Verschleiß vom Wert des vorgeschoßnen fixen Kapitals losgelöst hat; daneben existiert nach wie vor dasselbe fixe Kapital im Produktionsprozeß fort, aber mit dem verminderten Wert von 72.000 Pfd.St. statt 80.000 Pfd.St. Es bedürfte also noch neunjähriger Fortsetzung des Produktionsprozesses, bis das vorgeschoßne fixe Kapital sich ausgelebt und sowohl als Produktbildner wie Wertbildner ausfungiert hat und ersetzt werden muß. Der vorgeschoßne Kapitalwert hat also einen Zyklus von Umschlägen zu beschreiben, im gegebnen Fall z.B. einen Zyklus von zehn jährlichen Umschlägen - und zwar ist dieser Zyklus bestimmt durch die Lebenszeit, daher die Reproduktionszeit oder Umschlagszeit des angewandten fixen Kapitals.

In demselben Maße also, worin sich mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise der Wertumfang und die Lebensdauer des angewandten fixen Kapitals entwickelt, entwickelt sich das Leben der Industrie und des industriellen Kapitals in jeder besondren Anlage zu einem vieljährigen, sage im Durchschnitt zehnjährigen. Wenn einerseits die Entwicklung des fixen Kapitals dieses Leben ausdehnt, so wird es andrerseits abgekürzt durch die beständige Umwälzung der Produktionsmittel, die ebenfalls mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise beständig zunimmt. Mit ihr daher auch der Wechsel der Produktionsmittel und die Notwendigkeit ihres beständigen Ersatzes infolge des moralischen Verschleißes, lange bevor sie physisch ausgelebt sind. Man kann annehmen, daß für die entscheidendsten Zweige der großen Industrie dieser Lebenszyklus jetzt im Durchschnitt ein zehnjähriger ist. Doch kommt es hier nicht auf die bestimmte Zahl an. Soviel ergibt sich: Durch diesen eine Reihe von Jahren umfassenden Zyklus von zusammenhängenden Umschlägen, in welchen das Kapital durch seinen fixen Bestandteil gebannt ist, ergibt sich eine materielle Grundlage der periodischen Krisen, worin das Geschäft aufeinanderfolgende Perioden der Abspannung, mittleren Lebendigkeit, Über- <186> stürzung, Krise durchmacht. Es sind zwar die Perioden, worin Kapital angelegt wird, sehr verschiedne und auseinanderfallende. Indessen bildet die Krise immer den Ausgangspunkt einer großen Neuanlage. Also auch die ganze Gesellschaft betrachtet - mehr oder minder eine neue materielle Grundlage für den nächsten Umschlagszyklus.(22a)

5. Über die Berechnungsweise des Umschlags lassen wir einen amerikanischen Ökonomen sprechen.

"In einigen Geschäftszweigen wird das ganze vorgeschoßne Kapital mehrere Mal innerhalb eines Jahres umgeschlagen oder zirkuliert; in einigen andren schlägt ein Teil mehr als einmal im Jahr um, ein andrer Teil nicht so häufig. Es ist die Durchschnittsperiode, die sein ganzes Kapital gebraucht, um durch seine Hand zu passieren oder um einmal umzuschlagen, wonach ein Kapitalist seinen Profit berechnen muß. Angenommen, jemand habe in einem bestimmten Geschäft die Hälfte seines Kapitals in Gebäuden und Maschinerie angelegt, welche einmal in zehn Jahren erneuert werden; ein Viertel in Werkzeugen etc., die in zwei Jahren erneuert werden; das letzte Viertel, ausgelegt in Arbeitslöhnen und Rohstoffen, wäre zweimal im Jahre umgeschlagen. Sein ganzes Kapital sei 50.000 Dollars. Dann wird seine Jahresauslage sein:

50.000 = 25.000 Doll. in 10 Jahren = 2.500 Doll. in 1 Jahr
2
50.000 = 12.500 Doll. in 2 Jahren = 6.250 Doll. in 1 Jahr
4
50.000 = 12.500 Doll. in 1/2 Jahren = 25.000 Doll. in 1 Jahr
4
1 Jahr = 33.750 Doll.

Die Durchschnittszeit also, in der sein ganzes Kapital einmal umgeschlagen wird, ist 16 Monate ... Nehmen wir einen andern Fall: Ein Viertel des Gesamtkapitals von 50.000 Doll. zirkuliert in 10 Jahren; ein Viertel in 1 Jahr; die übrige Hälfte zweimal in 1 Jahr. Dann wird die jährliche Auslage sein:

12.500 = 1.250 Doll.
10
12.500 = 12.500 Doll.
20.000 * 2 = 50.000 Doll.
In einem Jahr umgeschlagen = 63.750 Doll."

(Scrope, "Pol. Econ.", edit. Alonzo Potter, New York 1841, p.142, 143.)

'

<187> 6. Wirkliche und scheinbare Verschiedenheiten im Umschlag der verschiednen Teile des Kapitals. - Derselbe Scrope sagt an derselben Stelle [p. 141]:

"Das Kapital, das ein Fabrikant, Landwirt oder Kaufmann in der Zahlung von Arbeitslöhnen auslegt, zirkuliert am schnellsten, da es vielleicht einmal in der Woche, wenn seine Leute wöchentlich bezahlt werden, durch die wöchentlichen Einkünfte aus seinen Verkäufen oder bezahlten Fakturen umgeschlagen wird. Das in Rohstoffen oder fertigen Vorräten ausgelegte zirkuliert weniger rasch; es mag zweimal oder viermal im Jahr umschlagen, je nach der Zeit, die zwischen dem Einkauf der einen und dem Verkauf der andern verbraucht wird, vorausgesetzt, daß er auf gleiche Kreditfrist kauft und verkauft. Das in Werkzeugen und Maschinen steckende Kapital zirkuliert noch langsamer, da es im Durchschnitt vielleicht nur einmal in fünf oder zehn Jahren umgeschlagen, d.h. konsumiert und erneuert wird; obwohl manche Werkzeuge schon in einer einzigen Reihe von Operationen aufgebraucht werden. Das in Gebäuden, z.B. Fabriken, Läden, Lagerhäusern, Scheunen, in Straßen, Bewässerungsanlagen etc. ausgelegte Kapital scheint überhaupt kaum zu zirkulieren. In der Tat aber werden auch diese Anlagen vollständig ebensosehr wie die früher erwähnten aufgebraucht während sie zur Produktion beitragen, und müssen reproduziert werden, damit der Produzent seine Operationen fortführen kann. Nur mit dem Unterschied, daß sie langsamer konsumiert und reproduziert werden als die übrigen ... Das in ihnen angelegte Kapital schlägt vielleicht erst in 20 oder 50 Jahren um."

Scrope verwechselt hier den durch Zahlungstermine und Kreditverhältnisse für den individuellen Kapitalisten bewirkten Unterschied im Fluß bestimmter Teile des flüssigen Kapitals mit den aus der Natur des Kapitals hervorgehenden Umschlägen. Er sagt, der Arbeitslohn muß wöchentlich gezahlt werden durch die wöchentlichen Einkünfte aus den bezahlten Verkäufen oder Fakturen, Erstens ist hier zu bemerken, daß mit Bezug auf den Arbeitslohn selbst Unterschiede eintreten, je nach der Länge des Zahlungstermins, d.h. der Länge der Zeit, wofür der Arbeiter dem Kapitalisten Kredit zu geben hat; also je nachdem der Zahlungstermin des Lohns wöchentlich, monatlich, dreimonatlich, halbjährlich usw. Es gilt hier das früher entwickelte Gesetz: "Die notwendige Masse des Zahlungsmittels (also des auf einen Schlag vorzuschießenden Geldkapitals) steht im geraden <1. und 2. Auflage: umgekehrten> Verhältnis zur Länge der Zahlungsperioden." (Buch I. Kap. III, 3, b, Seite 124. <siehe Band 23, S. 156>)

Zweitens: In das wöchentliche Produkt geht die Gesamtheit nicht nur des in seiner Produktion durch die Wochenarbeit zugesetzten Neuwerts ein, sondern ebenso der Wert der im Wochenprodukt aufgezehrten Roh- <188> und Hilfsstoffe. Mit dem Produkt zirkuliert dieser in ihm enthaltne Wert. Durch den Verkauf dieses Produkts erhält er die Geldform und muß von neuem in dieselben Produktionselemente umgesetzt werden. Es gilt dies ebensowohl von der Arbeitskraft wie von Roh- und Hilfsstoffen. Aber man hat bereits gesehn (Kap. VI, II., 1.), daß die Kontinuität der Produktion einen Vorrat von Produktionsmitteln erheischt, verschieden für verschiedne Geschäftszweige, und im selben Geschäftszweig wieder verschieden für verschiedne Bestandteile dieses Elements des flüssigen Kapitals, z.B. für Kohle und Baumwolle. Obgleich daher diese Stoffe beständig in natura ersetzt werden müssen, brauchen sie nicht beständig neu gekauft zu werden. Wie oft sich der Kauf erneuert, hängt von der Größe des angelegten Vorrats ab, wie lange er vorhält, bis er erschöpft ist. Bei der Arbeitskraft findet solches Einlegen von Vorrat nicht statt. Die Rückverwandlung in Geld geht für den in Arbeit ausgelegten Kapitalteil Hand in Hand mit der des in Hilfs- und Rohstoff ausgelegten. Aber die Rückverwandlung des Geldes, einerseits in Arbeitskraft, andrerseits in Rohstoffe, geht getrennt vor sich wegen der besondren Kauf- und Zahlungstermine dieser beiden Bestandteile, von denen der eine als produktiver Vorrat in längern Terminen gekauft wird, der andre, die Arbeitskraft, in kürzern, z.B. wöchentlich. Andrerseits muß der Kapitalist neben dem Produktionsvorrat einen Vorrat fertiger Waren halten. Abgesehn von Verkaufsschwierigkeiten etc. ist z.B. eine bestimmte Masse auf Bestellung zu produzieren. Während der letzte Teil derselben produziert wird, wartet der schon fertige auf dem Speicher bis zur Zeit, wo die Bestellung ganz ausgeführt werden kann. Andre Unterschiede im Umschlag des flüssigen Kapitals entstehn, sobald einzelne Elemente desselben länger als andre in einem vorläufigen Stadium des Produktionsprozesses (Austrocknung von Holz usw.) verharren müssen.

Das Kreditwesen, auf das Scrope hier Bezug nimmt, wie das Handelskapital, modifiziert den Umschlag für den einzelnen Kapitalisten. Auf gesellschaftlicher Stufenleiter modifiziert es ihn nur, soweit es nicht nur die Produktion, sondern auch die Konsumtion beschleunigt.



(22a) "Die städtische Produktion ist an den Turnus der Tage gebunden, die ländliche hingegen an den Turnus der Jahre." (Adam H. Müller, "Die Elemente der Staatskunst", Berlin 1809, III., S. 178.) Dies ist die naive Vorstellung der Romantik von Industrie und Agrikultur. <=


9. Kapitel. Der Gesamtumschlag des vorgeschoßnen Kapitals. Umschlagszyklen | Inhalt | 11. Kapitel. Theorien über fixes und zirkulierendes Kapital. Ricardo

Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 24, "Das Kapital", Bd. II, 2. Abschnitt, S. 189 - 216 Dietz Verlag, Berlin/DDR 1963

ZEHNTES KAPITEL Theorien über fixes und zirkulierendes Kapital Die Physiokraten und Adam Smith

'

<189> Bei Quesnay erscheint der Unterschied von fixem und zirkulierendem Kapital als avances primitives <ursprüngliche Vorschüsse> und avances annuelles <jährliche Vorschüsse>. Er stellt diesen Unterschied richtig dar als Unterschied innerhalb des produktiven, dem unmittelbaren Produktionsprozeß einverleibten Kapitals. Da ihm das in der Agrikultur angewandte Kapital, also das Kapital des Pächters, als das einzig wirklich produktive gilt, so ergeben sich diese Unterschiede auch nur für das Kapital des Pächters. Hieraus ergibt sich auch die jährliche Umschlagszeit des einen Teils des Kapitals und die mehr als jährliche (zehnjährige) des andern. Beiläufig übertragen die Physiokraten im Lauf der Entwicklung diese Unterschiede auch auf andre Sorten Kapital, auf das industrielle Kapital überhaupt. Für die Gesellschaft bleibt der Unterschied zwischen jährlichen und mehrjährigen Vorschüssen so wichtig, daß viele Ökonomen, selbst nach A. Smith, zu dieser Bestimmung zurückkehren.

Der Unterschied zwischen beiden Arten von Vorschüssen entsteht erst, sobald vorgeschoßnes Geld in die Elemente des produktiven Kapitals verwandelt ist. Es ist ein Unterschied einzig und allein innerhalb des produktiven Kapitals. Es fällt Quesnay daher nicht ein, das Geld, sei es zu den ursprünglichen, sei es zu den jährlichen Vorschüssen zu rechnen. Als Vorschüsse der Produktion - d.h. als produktives Kapital - stehn sie beide sowohl dem Geld wie den auf dem Markt befindlichen Waren gegenüber. Ferner reduziert sich der Unterschied dieser beiden Elemente des produktiven Kapitals bei Quesnay richtig auf die verschiedne Weise, worin sie in den Wert des fertigen Produkts eingehn, daher auf die verschiedne Weise, worin ihr Wert mit dem Produktenwert zirkuliert wird, und daher die verschiedne Weise ihres Ersatzes oder ihrer Reproduktion, indem der Wert <190> des einen jährlich ganz, der des andren in längern Perioden stückweis ersetzt wird.(23)

Der einzige Fortschritt, den A. Smith macht, ist die Verallgemeinerung der Kategorien. Sie bezieht sich bei ihm nicht mehr auf eine spezielle Form des Kapitals, das Pächterkapital, sondern auf jede Form des produktiven Kapitals. Es folgt daher von selbst, daß an die Stelle des der Agrikultur entnommenen Unterschieds zwischen jährlichem und mehrjährigem Umschlag, der allgemeine Unterschied verschiedenzeitigen Umschlags tritt, so daß ein Umschlag des fixen Kapitals stets mehr als einen Umschlag des zirkulierenden Kapitals umfaßt, welches immer die Zeitdauer dieser Umschläge des zirkulierenden Kapitals sei, jährlich, mehr als jährlich oder weniger als jährlich. So verwandeln sich bei Smith die avances annuelles in zirkulierendes und die avances primitives in fixes Kapital. Auf diese Verallgemeinerung der Kategorien beschränkt sich aber sein Fortschritt. Die Ausführung fällt weit hinter Quesnay zurück.

Gleich die roh empirische Art, wie Smith die Untersuchung eröffnet, leitet die Unklarheit ein:

"There are two different ways in which a capital may be employed so as to yield a revenue or profit to its employer." <"Es gibt zwei verschiedene Arten, worin ein Kapital angelegt werden kann, um seinem Besitzer ein Einkommen oder einen Profit abzuwerfen."> ("Wealth of Nations", Book II, chap. I, p. 185. Edit. Aberdeen 1848.)

'

<191> Die Arten, worin Wert angelegt werden kann, um als Kapital zu fungieren, um seinem Eigner einen Mehrwert abzuwerfen, sind ebenso verschieden, ebenso mannigfach wie die Anlagesphären des Kapitals. Es ist eine Frage nach den verschiednen Produktionszweigen, worin Kapital angelegt werden kann. Die Frage, so formuliert, geht noch weiter. Sie schließt die Frage ein, wie Wert, auch wenn er nicht als produktives Kapital angelegt wird, als Kapital für seinen Eigner fungieren kann, z.B. als zinstragendes Kapital, Kaufmannskapital usw. Hier sind wir also schon himmelweit entfernt von dem wirklichen Gegenstand der Analyse, nämlich von der Frage: wie die Teilung des produktiven Kapitals in seine verschiednen Elemente, abgesehn von ihrer verschiednen Anlagesphäre, auf ihren Umschlag wirkt.

A. Smith fährt dann gleich fort:

"First, it may be employed in raising, manufacturing, or purchasing goods, and selling them again with a profit." <"Erstens kann es angelegt werden, um Güter zu züchten, zu fabrizieren oder zu kaufen, und sie mit einem Profit wieder zu verkaufen.">

A. Smith sagt uns hier nichts, als daß Kapital angewandt werden kann in der Agrikultur, der Manufaktur und dem Handel. Er spricht also nur von den verschiednen Anlagesphären des Kapitals und auch von solchen, worin, wie im Handel, das Kapital nicht dem unmittelbaren Produktionsprozeß einverleibt ist, also nicht als produktives Kapital fungiert. Damit verläßt er schon die Grundlage, worauf die Physiokraten die Unterschiede des produktiven Kapitals und ihren Einfluß auf den Umschlag darstellen. Ja, er nimmt sofort auch das Kaufmannskapital als Beispiel in einer Frage, wo es sich ausschließlich um Differenzen des produktiven Kapitals im Produkt- und Wertbildungsprozeß handelt, die selbst wieder Differenzen in seinem Umschlag und seiner Reproduktion erzeugen.

Er fährt fort:

"The capital employed in this manner yields no revenue or profit to its employer while it either remains in his possession or continues in the same shape." <"Das auf diese Weise angelegte Kapital wirft seinem Besitzer weder Einkommen noch Profit ab, solange es entweder in seinem Besitz bleibt oder die gleiche Gestalt behält.">

The capital employed in this manner! Aber Smith spricht von Kapital, das in der Agrikultur, in der Industrie angelegt ist, und er sagt uns später, daß das so angelegte Kapital in fixes und zirkulierendes zerfällt! Die Anlage des Kapitals in dieser Art kann also das Kapital weder zu fixem noch zu zirkulierendem machen.

'

<192> Oder meinte er, daß Kapital, angewandt, um Waren zu produzieren und diese Waren mit einem Profit zu verkaufen, nach seiner Verwandlung in Waren verkauft werden und durch den Verkauf erstens aus dem Besitz des Verkäufers in den des Käufers übergehn, zweitens aus seiner Naturalform als Ware in seine Geldform sich umsetzen muß, und daher dem Besitzer unnütz ist, solange es entweder in seinem Besitz oder - für ihn - in derselben Form bleibt? Aber dann kommt die Sache darauf hinaus: Derselbe Kapitalwert, der früher in der Form des produktiven Kapitals fungierte, in einer dem Produktionsprozeß angehörigen Form, fungiert jetzt als Warenkapital und Geldkapital, in seinen dem Zirkulationsprozeß angehörigen Formen, ist also weder fixes noch flüssiges Kapital mehr. Und es gilt dies ebensowohl für die Wertelemente, welche durch Roh- und Hilfsstoffe, also durch flüssiges, wie für diejenigen, welche durch den Verbrauch der Arbeitsmittel, also durch fixes Kapital, zugefügt werden. Wir kommen auch so dem Unterschied von fixem und flüssigem Kapital keinen Schritt näher.

Weiter:

"The goods of the merchant yield him no revenue or profit till he sells them for money, and the money yields him as little till it is again exchanged for goods. His capital is continually going from him in one shape, and returning to him in another, and it is only by means of such circulation, or successive exchanges, that it can yield him any profit. Such capitals, therefore, may very properly be called circulating capitals." <"Die Güter des Kaufmanns werfen ihm weder Einkommen noch Profit ab, bis er sie für Geld verkauft, und das Geld wirft ihm ebensowenig ab, bis es wieder gegen Güter ausgetauscht wird. Sein Kapital geht beständig in der einen Gestalt von ihm und kehrt in einer anderen zu ihm zurück, und nur vermittels einer solchen Zirkulation oder aufeinanderfolgender Tauschhandlungen kann es ihm einen Profit abwerfen. Deshalb kann man solche Kapitale ganz richtig zirkulierende Kapitale nennen.">

Was A. Smith hier als zirkulierendes Kapital bestimmt, ist das, was ich Zirkulationskapital nennen will, Kapital, in der dem Zirkulationsprozeß, dem Formwechsel vermittelst des Austausches (Stoffwechsel und Hände- Wechsel) angehörigen Form, also Warenkapital und Geldkapital, im Gegensatz zu seiner dem Produktionsprozeß angehörigen Form, der des produktiven Kapitals. Es sind dies keine besondren Arten, worin der industrielle Kapitalist sein Kapital teilt, sondern es sind verschiedne Formen, die derselbe vorgeschoßne Kapitalwert in seinem curriculum vitae <Lebenslauf> nacheinander stets von neuem annimmt und abstreift. Dies wirft A. Smith - und das ist ein großer Rückschritt gegen die Physiokraten - zusammen mit den Formunterschieden, die innerhalb der Zirkulation des Kapitalwerts, in seinem <193> Kreislauf durch seine sukzessiven Formen, entspringen während der Kapitalwert sich in der Form des produktiven Kapitals befindet; und zwar entspringen aus der verschiednen Weise, worin die verschiednen Elemente des produktiven Kapitals am Wertbildungsprozeß sich beteiligen und ihren Wert auf das Produkt übertragen. Wir werden die Folgen dieser Grundverwechslung zwischen dem produktiven und dem in der Zirkulationssphäre befindlichen Kapital (Warenkapital und Geldkapital) einerseits, und zwischen fixem und flüssigem Kapital andrerseits, weiter unten sehn. Der in fixem Kapital vorgeschoßne Kapitalwert wird ebensowohl durch das Produkt zirkuliert, wie der im flüssigen Kapital vorgeschoßne, und er verwandelt sich durch die Zirkulation des Warenkapitals ebensosehr in Geldkapital wie der andre. Der Unterschied entspringt nur daraus, daß sein Wert bruchweis zirkuliert und daher auch bruchweis, in kürzern oder längern Perioden ersetzt, in Naturalform reproduziert werden muß.

Daß A. Smith hier unter zirkulierendem Kapital nichts versteht als Zirkulationskapital, d.h. den Kapitalwert in seinen dem Zirkulationsprozeß angehörigen Formen (Warenkapital und Geldkapital), beweist das von ihm mit besondrem Ungeschick gewählte Beispiel. Er nimmt als Beispiel eine Kapitalart, die gar nicht dem Produktionsprozeß angehört, sondern nur in der Zirkulationssphäre haust, nur aus Zirkulationskapital besteht, das Kaufmannskapital.

Wie abgeschmackt es ist, mit einem Beispiel zu beginnen, worin das Kapital überhaupt nicht als produktives Kapital figuriert, sagt er selbst gleich darauf:

"The capital of a merchant is altogether a circulating capital." <"Das Kapital eines Kaufmanns ist ganz und gar zirkulierendes Kapital.">

Aber der Unterschied zwischen zirkulierendem und fixem Kapital soll ja, wie uns später gesagt wird, ein aus wesentlichen Unterschieden innerhalb des produktiven Kapitals selbst entspringender sein. Einerseits hat A. Smith den physiokratischen Unterschied im Kopf, andrerseits die Formunterschiede, die der Kapitalwert in seinem Kreislauf durchmacht. Und beides geht bunt durcheinander.

Wie aber ein Profit entstehn soll durch den Formwechsel von Geld und Ware, durch bloße Verwandlung des Werts aus einer dieser Formen in die andre, ist absolut nicht abzusehn. Auch wird die Erklärung absolut unmöglich, weil er hier beginnt mit dem Kaufmannskapital, das sich nur in der Zirkulationssphäre bewegt. Wir kommen hierauf zurück; hören wir zunächst, was er über das fixe Kapital sagt:

'

<194>

"Secondly, it" (capital) "may be employed in the improvement of land, in the purchase of useful machines and instruments of trade, or in such like things as yield a revenue or profit without changing masters, or circulation any further. Such capitals, therefore, may very properly be called fixed capitals. Different occupations require very different proportions between the fixed and circulating capitals employed in them ... Some part of the capital of every master artificer or manufacturer must be fixed in the instruments of his trade. This part, however, is very small in some, and very great in others ... The far greater part of the capital of all such master artificers (wie Schneider, Schuster, Weber) however is circulated, either in the wages of their workmen, or in the price of their materials, and to be repaid with a profit by the price of the work." <"Zweitens kann es" (das Kapital) "zur Bodenverbesserung, zum Ankauf nützlicher Maschinen und Arbeitsinstrumente oder zu ähnlichen Dingen verwandt werden, die ein Einkommen oder einen Profit abwerfen, ohne den Eigner zu wechseln oder weiter zu zirkulieren. Solche Kapitale kann man deshalb ganz richtig fixe Kapitale nennen. Verschiedene Beschäftigungen erfordern sehr verschiedene Größenverhältnisse der in ihnen angelegten fixen und zirkulierenden Kapitale ... Ein bestimmter Teil des Kapitals eines jeden Handwerksmeisters oder Fabrikanten muß in seinen Arbeitsinstrumenten festgelegt sein. Dieser Teil ist jedoch bei einigen sehr klein und bei andren sehr groß ... Der entschieden größere Teil des Kapitals aller solcher Handwerksmeister" (wie Schneider, Schuster, Weber) "zirkuliert jedoch entweder in den Löhnen ihrer Arbeiter oder im Preis ihrer Materialien und wird mit einem Profit durch den Preis der Arbeit zurückgezahlt.">

Abgesehn von der kindlichen Bestimmung über die Quelle des Profits tritt das Schwache und Konfuse gleich darin hervor: Für einen Maschinenfabrikanten z.B. ist die Maschine Produkt, die als Warenkapital zirkuliert, also in A. Smiths Worten:

"is parted with, changes masters, circulates further." <"von der man sich trennt, die die Eigner wechselt, die man weiter zirkulieren läßt.">

Die Maschine wäre also nach seiner eignen Bestimmung kein fixes, sondern zirkulierendes Kapital. Diese Konfusion entspringt wieder daraus, daß Smith den aus der verschiedenartigen Zirkulation der verschiednen Elemente des produktiven Kapitals entspringenden Unterschied von fixem und flüssigem Kapital verwechselt mit Formunterschieden, die dasselbe Kapital durchläuft, soweit es innerhalb des Produktionsprozesses als produktives Kapital fungiert, dagegen innerhalb der Zirkulationssphäre als Zirkulationskapital, d.h. als Warenkapital oder als Geldkapital. Je nach der Stelle, die sie im Lebensprozeß des Kapitals einnehmen, können dieselben Dinge daher bei A. Smith als fixes Kapital fungieren (als Arbeitsmittel, Elemente des produktiven Kapitals), und als "zirkulierendes" Kapital, Warenkapital <195> (als Produkt, das aus der Produktionssphäre in die Zirkulationssphäre abgestoßen wird).

Aber A. Smith wechselt auf einmal den ganzen Einteilungsgrund und widerspricht dem, womit er ein paar Zeilen vorher die ganze Untersuchung eröffnet hatte. Es geschieht dies namentlich mit dem Satz:

"There are two different ways in which a capital may be employed so as to yield a revenue or a profit to its employer" <"Es gibt zwei verschiedene Arten, worin ein Kapital angelegt werden kann, um seinem Besitzer ein Einkommen oder einen Profit abzuwerfen">,

nämlich als zirkulierendes oder als fixes Kapital. Danach waren dies also verschiedne Anwendungsweisen verschiedner voneinander unabhängiger Kapitale, wie Kapitale entweder z.B. in der Industrie oder in der Agrikultur angewandt werden können. - Jetzt aber heißt es:

"Different occupations require very different proportions between the fixed and circulating capitals employed in them." <"Verschiedene Beschäftigungen erfordern sehr verschiedene Größenverhältnisse der in ihnen angelegten fixen und zirkulierenden Kapitale.">

Fixes und zirkulierendes Kapital sind jetzt nicht mehr verschiedne, selbständige Kapitalanlagen, sondern verschiedne Portionen desselben produktiven Kapitals, die in verschiednen Anlagesphären verschiednen Anteil vom Gesamtwert dieses Kapitals bilden. Es sind also Unterschiede, die aus der sachgemäßen Teilung des produktiven Kapitals selbst entspringen, und die daher nur mit Bezug auf dieses gelten. Dem widerspricht aber wieder, daß das Handelskapital als bloß zirkulierendes Kapital dem fixen Kapital gegenübergestellt wird, denn Smith selbst sagt:

"Das Kapital eines Kaufmanns ist ganz und gar zirkulierendes Kapital."

Es ist in der Tat ein nur innerhalb der Zirkulationssphäre fungierendes Kapital und steht als solches dem produktiven Kapital, dem dem Produktionsprozeß einverleibten Kapital überhaupt gegenüber, kann aber ebendeshalb nicht als flüssiger (zirkulierender) Bestandteil des produktiven Kapitals dem fixen Bestandteil des produktiven Kapitals gegenüberstehn.

Bei den Beispielen, die Smith gibt, bestimmt er als fixes Kapital die instruments of trade <Arbeitsinstrumente>, als zirkulierendes Kapital den Kapitalanteil, ausgelegt in Arbeitslöhnen und Rohstoffen, Hilfsstoffe eingerechnet (repaid with a profit by the price of the work <mit einem Profit durch den Preis der Arbeit zurückgezahlt>).

'

<196> Also zunächst wird nur ausgegangen von den verschiednen Bestandteilen des Arbeitsprozesses, Arbeitskraft (Arbeit) und Rohstoffen auf der einen Seite, Arbeitsinstrumenten auf der andern. Diese aber sind Kapitalbestandteile, weil eine Wertsumme, die als Kapital fungieren soll, in ihnen ausgelegt ist. Sofern sind sie die stofflichen Elemente, Daseinsweisen des produktiven, d.h. des im Produktionsprozeß fungierenden Kapitals. Warum heißt nun der eine Teil fix? Weil

"some parts of the capital must be fixed in the instruments of trade" <"ein bestimmter Teil des Kapitals in den Arbeitsinstrumenten festgelegt werden muß">.

Aber der andre Teil ist auch fixiert in Arbeitslohn und Rohstoffen. Maschinen indessen und

"instruments of trade ... such like things ... yield a revenue or profit without changing masters, or circulating any further. Such capitals, therefore, may very properly he called fixed capitals" <"Arbeitsinstrumente ... ähnliche Dinge ... werfen ein Einkommen oder Profit ab, ohne den Eigner zu wechseln oder weiter zu zirkulieren. Solche Kapitale kann man deshalb ganz richtig fixe Kapitale nennen">.

Nehmen wir z.B. den Bergbau. Rohmaterial wird hier gar nicht verwandt, indem der Arbeitsgegenstand, z.B. das Kupfer, ein Naturprodukt ist, das durch die Arbeit erst angeeignet werden soll. Das erst anzueignende Kupfer, das Produkt des Prozesses, das später als Ware, resp. Warenkapital, zirkuliert, bildet kein Element des produktiven Kapitals. Kein Teil seines Werts ist darin ausgelegt. Andrerseits die andren Elemente des Produktionsprozesses, Arbeitskraft und Hilfsstoffe, wie Kohle, Wasser usw., gehn ebensowenig stofflich in das Produkt ein. Die Kohle wird ganz konsumiert, und nur ihr Wert geht in das Produkt ein, ganz wie ein Wertteil der Maschine etc. in das Produkt eingeht. Endlich bleibt der Arbeiter ebenso selbständig dem Produkt, dem Kupfer, gegenüber stehn, wie die Maschine. Nur der Wert, den er durch seine Arbeit produziert, ist jetzt Bestandteil des Kupferwerts. Also in diesem Beispiel wechselt kein einziger Bestandteil des produktiven Kapitals die Hände (masters <des Eigners>), oder wird keiner derselben weiter zirkuliert, weil keiner derselben stofflich in das Produkt eingeht. Wo bleibt hier also das zirkulierende Kapital? Nach A. Smiths eigner Definition bestände das ganze in einem Kupferbergwerke zur Verwendung kommende Kapital nur aus fixem Kapital.

Nehmen wir dagegen eine andre Industrie, die Rohstoffe anwendet, welche die Substanz des Produkts bilden, ferner Hilfsstoffe, die leiblich, <197> nicht nur dem Wert nach, wie etwa Heizkohle, in das Produkt eingehn. Mit dem Produkt, dem Garn z.B., wechselt auch der Rohstoff, die Baumwolle, woraus es besteht, die Hände und geht aus dem Produktionsprozeß in den Konsumtionsprozeß ein. Aber solange die Baumwolle als Element des produktiven Kapitals fungiert, verkauft der Eigner sie nicht, sondern bearbeitet sie, läßt Garn aus ihr machen. Er gibt sie nicht aus der Hand. Oder, um Smiths grobfalsch-trivialen Ausdruck zu brauchen, er macht keinen Profit by parting with it, by its changing masters, or by circulating it <indem er sich von ihr trennt, indem sie die Eigner wechselt oder indem er sie zirkulieren läßt>. Er läßt seine Materialien ebensowenig zirkulieren wie seine Maschinen. Sie sind fixiert im Produktionsprozeß, ganz so gut wie die Spinnmaschinen und Fabrikgebäude. Ja, es muß ebenso beständig ein Teil des produktiven Kapitals in der Form von Kohle, Baumwolle etc. fixiert sein, wie in der von Arbeitsmitteln. Der Unterschied ist nur der, daß die zur z.B. wöchentlichen Produktion von Garn nötige Baumwolle, Kohle etc. beständig in der Produktion des Wochenprodukts ganz konsumiert wird, daher durch neue Exemplare von Baumwolle, Kohle etc. ersetzt werden muß; also diese Elemente des produktiven Kapitals, obgleich sie der Art nach identisch bleiben, beständig aus neuen Exemplaren derselben Art bestehn, während dieselbe individuelle Spinnmaschine, dasselbe individuelle Fabrikgebäude fortfährt, ohne Ersatz durch ein neues Exemplar seiner Art, zu einer ganzen Reihe von Wochenproduktionen mitzuwirken. Als Elemente des produktiven Kapitals sind alle seine Bestandteile beständig im Produktionsprozeß fixiert, denn er kann nicht ohne sie vorgehn. Und alle Elemente des produktiven Kapitals, fixe wie flüssige, stehn gleichmäßig als produktives Kapital dem Zirkulationskapital, d.h. dem Warenkapital und Geldkapital gegenüber.

Ebenso verhält es sich mit der Arbeitskraft. Ein Teil des produktiven Kapitals muß beständig in ihr fixiert sein, und es sind dieselben identischen Arbeitskräfte, wie dieselben Maschinen, die überall auf längre Zeit von demselben Kapitalisten verwandt werden. Der Unterschied zwischen ihnen und den Maschinen besteht hier nicht darin, daß die Maschine ein für allemal gekauft ist (was auch nicht der Fall, wenn sie z.B. in Terminen abbezahlt wird), der Arbeiter nicht - sondern darin, daß die Arbeit, die dieser verausgabt, ganz in den Wert des Produkts eingeht, dagegen der Wert der Maschine nur bruchweis.

Smith verwechselt verschiedne Bestimmungen, wenn er vom zirkulierenden Kapital sagt im Gegensatz zum fixen:

'

<198>

"The capital employed in this manner yields no revenue or profit to its employer, while it either remains in his possession or continues in the same shape." "Das auf diese Weise angelegte Kapital wirft seinem Besitzer weder Einkommen noch Profit ab, solange es entweder in seinem Besitz bleibt oder die gleiche Gestalt behält."

Er stellt die nur formelle Metamorphose der Ware, die das Produkt, das Warenkapital, in der Zirkulationssphäre durchläuft und die den Händewechsel der Waren vermittelt, auf gleiche Stufe mit der körperlichen Metamorphose, welche die verschiednen Elemente des produktiven Kapitals während des Produktionsprozesses durchlaufen. Verwandlung von Ware in Geld und von Geld in Ware, Kauf und Verkauf, wirft er hier ohne weitres zusammen mit Verwandlung von Produktionselementen in Produkt. Sein Beispiel für das zirkulierende Kapital ist das Kaufmannskapital, d.h. aus Ware in Geld, aus Geld in Ware verwandelt - der der Warenzirkulation angehörige Formwechsel W - G - W. Dieser Formwechsel innerhalb der Zirkulation hat aber für das fungierende industrielle Kapital die Bedeutung, daß die Waren, worin das Geld rückverwandelt wird, Produktionselemente (Arbeitsmittel und Arbeitskraft) sind, daß er also die Kontinuität seiner Funktion vermittelt, den Produktionsprozeß als kontinuierlichen oder als Reproduktionsprozeß. Dieser ganze Formwechsel geht in der Zirkulation vor, er ist es, der den wirklichen Übergang der Waren aus einer Hand in die andre vermittelt. Dagegen die Metamorphosen, die das produktive Kapital innerhalb seines Produktionsprozesses durchläuft, sind dem Arbeitsprozeß angehörige Metamorphosen, notwendig, um die Produktionselemente in das bezweckte Produkt zu verwandeln. A. Smith hält sich daran, daß ein Teil der Produktionsmittel (die eigentlichen Arbeitsmittel) im Arbeitsprozeß dient (was er fälschlich ausdrückt: yield a profit to their master <ihrem Meister einen Profit abwerfen>), indem er seine Naturalform nicht verändert, sich nur allmählich abnutzt; während ein andrer Teil, die Materialien, sich verändert, und gerade durch seine Veränderung seine Bestimmung als Produktionsmittel erfüllt. Dies verschiedne Verhalten der Elemente des produktiven Kapitals im Arbeitsprozeß bildet aber nur den Ausgangspunkt des Unterschieds zwischen fixem und nicht fixem Kapital, nicht diesen Unterschied selbst, was sich schon daraus ergibt, daß es für alle Produktionsweisen, kapitalistische und nichtkapitalistische, gleichmäßig besteht. Diesem verschiednen stofflichen Verhalten entspricht aber die Wertabgabe an das Produkt, der hinwieder der Wertersatz durch den Verkauf des Produkts entspricht; und erst dies bildet jenen Unterschied. Das Kapital ist also nicht fix, weil es in den Arbeits- <199> mitteln fixiert ist, sondern weil ein Teil seines in Arbeitsmitteln ausgelegten Werts in denselben fixiert bleibt, während ein andrer Teil als Wertbestandteil des Produkts zirkuliert.

"If it" (the stock) "is employed in procuring future profit, it must procure this profit by staying with him" (the employer), "or by going from him. In the one case it is a fixed, in the other it is a circulating capital." <"Wenn es" (das Kapital) "angelegt wird, um zukünftigen Profit zu verschaffen, so muß es diesen Profit entweder dadurch verschaffen, daß es bei ihm" (dem Besitzer) "bleibt, oder dadurch, daß es ihn verläßt. In dem einen Falle ist es fixes, in dem andren zirkulierendes Kapital."> (p. 189.)

Zunächst fällt hier auf die roh empirische, aus der Anschauungsweise des gewöhnlichen Kapitalisten geschöpfte Vorstellung des Profits, die der bessern esoterischen Einsicht A. Smiths durchaus widerspricht. In dem Preis des Produkts ist der Preis sowohl der Materialien wie der Arbeitskraft ersetzt worden, aber ebenso der von den Arbeitsinstrumenten durch Verschleiß auf das Produkt übertragne Wertteil. Aus diesem Ersatz entquillt in keinem Fall der Profit. Ob ein zur Produktion des Produkts vorgeschoßner Wert ganz oder stückweis, auf einmal oder allmählich durch den Verkauf desselben ersetzt wird, kann nur die Art und die Zeit des Ersatzes andern; in keinem Fall aber das beiden Gemeinschaftliche - den Wertersatz - in Schöpfung von Mehrwert verwandeln. Es liegt hier zugrunde die gewöhnliche Vorstellung, daß, weil der Mehrwert erst durch den Verkauf des Produkts, durch seine Zirkulation realisiert wird, er nur aus dem Verkauf, aus der Zirkulation entspringe. In der Tat ist die verschiedne Entstehungsweise des Profits hier nur falsche Phrase dafür, daß die verschiednen Elemente des produktiven Kapitals verschieden dienen, als produktive Elemente verschieden im Arbeitsprozeß wirken. Schließlich wird der Unterschied nicht aus dem Arbeits- resp. Verwertungsprozeß, aus der Funktion des produktiven Kapitals selbst abgeleitet, sondern soll nur subjektiv gelten für den einzelnen Kapitalisten, dem der eine Kapitalteil in dieser, der andre in jener Weise nützlich sei.

Dagegen hatte Quesnay die Unterschiede aus dem Reproduktionsprozeß und seinen Notwendigkeiten selbst hergeleitet. Damit dieser Prozeß kontinuierlich sei, muß aus dem Wert des jährlichen Produkts der Wert der jährlichen Vorschüsse jährlich ganz ersetzt werden, dagegen der Wert des Anlagekapitals nur stückweis, so daß er erst in einer Reihe von z.B. zehn Jahren ganz ersetzt und daher ganz reproduziert (durch neue Exemplare derselben Art ersetzt) werden muß. A. Smith fällt also tief unter Quesnay zurück.

'

<200> Es bleibt so bei A. Smith für die Bestimmung des fixen Kapitals durchaus nichts übrig, als daß es Arbeitsmittel sind, die ihre Gestalt nicht im Produktionsprozeß ändern und fortfahren, bis zu ihrer Abnutzung in der Produktion zu dienen, gegenüber den Produkten, zu deren Bildung sie mithelfen. Es wird vergessen, daß alle Elemente des produktiven Kapitals beständig in ihrer Naturalform (als Arbeitsmittel, Materialien und Arbeitskraft) dem Produkt und dem als Ware zirkulierenden Produkt gegenüberstehn, und daß der Unterschied des aus Materialien und Arbeitskraft bestehenden Teils von dem aus Arbeitsmitteln bestehenden Teil nur darin liegt, mit Bezug auf die Arbeitskraft: daß sie stets neu gekauft wird (nicht für ihre Dauer gekauft wird wie die Arbeitsmittel); in bezug auf die Materialien: daß nicht dieselben identischen, sondern stets neue Exemplare derselben Art im Arbeitsprozeß fungieren. Es wird zugleich der falsche Schein hervorgebracht, als ob der Wert des fixen Kapitals nicht auch zirkuliere, obgleich A. Smith natürlich den Verschleiß des fixen Kapitals als Teil des Produktenpreises früher entwickelt hat.

Bei dem zirkulierenden Kapital als Gegensatz zum fixen wird nicht hervorgehoben, daß es diesen Gegensatz nur hat als derjenige Bestandteil des produktiven Kapitals, der ganz aus dem Wert des Produkts ersetzt werden und dessen Metamorphosen daher ganz mitmachen muß, während dies bei dem fixen Kapital nicht der Fall. Es wird vielmehr zusammengeworfen mit den Gestalten, die das Kapital bei seinem Übergang aus der Produktionssphäre in die Zirkulationssphäre annimmt, als Warenkapital und Geldkapital. Aber beide Formen, Warenkapital und Geldkapital, sind Träger des Werts ebensowohl der fixen wie der flüssigen Bestandteile des produktiven Kapitals. Beide sind Zirkulationskapital, im Gegensatz zum produktiven, aber nicht zirkulierendes (flüssiges) Kapital im Gegensatz zum fixen.

Endlich: Durch die ganz schiefe Entwicklung vom Machen des Profits durch das fixe Kapital, indem es im Produktionsprozeß bleibt; durch das zirkulierende, indem es ihn verläßt und zirkuliert wird, - wird über die Dieselbigkeit der Form, die variables Kapital und der flüssige <1. und 2. Auflage: den flüssigen; geändert nach der Druckvorlage von Engels> Bestandteil des konstanten Kapitals im Umschlag haben, der wesentliche Unterschied derselben im Verwertungsprozeß und der Bildung des Mehrwerts versteckt, also das ganze Geheimnis der kapitalistischen Produktion noch mehr verdunkelt; durch die gemeinsame Bezeichnung: zirkulierendes Kapital, wird dieser wesentliche Unterschied aufgehoben; was dann die spätere Ökonomie noch weiter führte, indem nicht der Gegensatz von variablem und konstan- <201> tem, sondern der von fixem und zirkulierendem Kapital als das Wesentliche und allein Unterscheidende festgehalten wurde.

Nachdem A.Smith fixes und zirkulierendes Kapital erst bezeichnet hat als zwei besondre Arten, Kapital anzulegen, die, jede für sich betrachtet, einen Profit abwerfen, sagt er:

"No fixed capital can yield any revenue but by means of a circulating capital. The most useful machines and instruments of trade will produce nothing without the circulating capital which affords the materials they are employed upon, and the maintenance of the workmen who employ them." <"Kein fixes Kapital kann anders als mit Hilfe eines zirkulierenden Kapitals ein Einkommen abwerfen. Die nützlichsten Maschinen und Arbeitsinstrumente werden nichts ohne das zirkulierende Kapital produzieren, das die Materialien, die bearbeitet werden, und den Unterhalt der Arbeiter, von denen sie in Tätigkeit gesetzt werden, verschafft."> (p. 188.)

Hier kommt es heraus, was die frühern Ausdrücke: yield a revenue, make a profit <ein Einkommen abwerfen, Profit machen> etc. bedeuten, daß nämlich beide Kapitalteile als Produktbildner dienen.

A. Smith gibt nun folgendes Beispiel:

"That part of the capital of the farmer which is employed in the implements of agriculture is a fixed, that which is employed in the wages and maintenance of his labouring servants is a circulating capital." <"Der Teil des Kapitals eines Pächters, der in den Ackergeräten angelegt ist, ist fixes, derjenige, der in den Löhnen und dem Unterhalt seines Arbeitsgesindes angelegt ist, ist zirkulierendes Kapital.">

(Hier bezieht sich also der Unterschied von fixem und zirkulierendem Kapital richtig nur auf die verschiedne Zirkulation, den Umschlag verschiedner Bestandteile des produktiven Kapitals.)

"He makes a profit of the one by keeping it in his own possession, and of the other by parting

with it. The price or value of his labouring cattle is a fixed capital" <"Er macht mit dem einen dadurch einen Profit, daß er es in seinem eignen Besitz behält, und mit dem anderen dadurch, daß er es weggibt. Der Preis oder Wert seines Arbeitsviehs ist ebenso fixes Kapital">

(hier wieder das Richtige, daß es der Wert ist, worauf sich der Unterschied bezieht, nicht das stoffliche Element),

"in the same manner as that of the instruments of husbandry; their maintenance" (des Arbeitsviehs) "is a circulating capital, in the same way as that of the labouring servants. The farmer makes his profit by keeping the labouring cattle, and by parting with their maintenance." <"wie der der Ackergeräte; sein" (des Arbeitsviehs) "Unterhalt ist gerade so zirkulierendes Kapital, wie der des Arbeitsgesindes. Der Pächter macht seinen Profit, indem er das Arbeitsvieh behält und dessen Unterhalt weggibt."

'

<202> (Der Pächter behält das Futter des Viehs, verkauft es nicht. Er verbraucht es als Viehfutter, während er das Vieh selbst als Arbeitsinstrument verbraucht. Der Unterschied ist nur der: Das Viehfutter, das in die Erhaltung des Arbeitsviehs eingeht, wird ganz aufgezehrt und muß beständig durch neues Viehfutter aus dem Ackerbauprodukt oder seinem Verkauf ersetzt werden; das Vieh selbst wird nur ersetzt im Maß, wie jedes Stück der Reihe nach arbeitsunfähig wird.)

"Both the price and the maintenance of the cattle which are bought in and fattened, not for labour but for sale, are a circulating capital. The farmer makes his profit by parting with them." <"Sowohl der Preis als auch der Unterhalt des Viehs, das nicht zur Arbeit, sondern zum Verkauf gekauft und gemästet wurde, ist zirkulierendes Kapital. Der Pächter macht seinen Profit dadurch, daß er es weggibt.">

(Jeder Warenproduzent, also auch der kapitalistische, verkauft sein Produkt, das Resultat seines Produktionsprozesses, weswegen aber dies Produkt weder fixen noch flüssigen Bestandteil seines produktiven Kapitals bildet. Es besteht jetzt vielmehr in einer Form, worin es aus dem Produktionsprozeß ausgestoßen ist und als Warenkapital fungieren muß. Das Mastvieh fungiert im Produktionsprozeß als Rohmaterial, nicht als Instrument wie das Arbeitsvieh. Es geht daher als Substanz in das Produkt ein, und sein ganzer Wert geht in dasselbe ein, wie der der Hilfsstoffe {sein Futter}. Daher ist es flüssiger Teil des produktiven Kapitals, nicht weil das verkaufte Produkt das Mastvieh - hier dieselbe Naturalform hat wie der Rohstoff, das noch nicht gemästete Vieh. Dies ist zufällig. Zugleich hatte aber Smith aus diesem Beispiel sehn können, daß es nicht die dingliche Gestalt des Produktionselements ist, was dem in ihm steckenden Wert die Bestimmung fix und flüssig gibt, sondern seine Funktion innerhalb des Produktionsprozesses.)

"The whole value of the seed too is a fixed capital. Though it goes backwards and forwards between the ground and the granary, it never changes masters, and therefore it does not properly circulate. The farmer makes his profit not by its sale, but by its increase." <"Der ganze Wert der Aussaat ist ebenfalls ein fixes Kapital. Obgleich sie zwischen dem Boden und der Scheune hin und her geht, wechselt sie doch nie den Eigner und zirkuliert daher nicht wirklich. Der Pächter macht seinen Profit nicht durch ihren Verkauf, sondern durch ihren Zuwachs.">

Hier bricht die gänzliche Gedankenlosigkeit der Smithschen Distinktion an den Tag. Nach ihm wäre die Aussaat fixes Kapital, wenn kein change of masters <Wechsel der Eigner> stattfände, d.h. wenn die Aussaat direkt aus dem jährlichen <203> Produkt ersetzt, von ihm abgezogen wird. Es wäre dagegen zirkulierendes Kapital, wenn das ganze Produkt verkauft und aus einem Wertteil desselben fremdes Saatkorn gekauft worden. In dem einen Fall findet change of masters statt, in dem andern nicht. Smith verwechselt hier wieder flüssiges Kapital und Warenkapital. Das Produkt ist der stoffliche Träger des Warenkapitals. Aber natürlich nur der Teil desselben, der wirklich in Zirkulation tritt und nicht wieder direkt in den Produktionsprozeß eingeht, aus dem er als Produkt hervorkam.

Ob der Same direkt als Teil vom Produkt abgezogen, oder ob das ganze Produkt verkauft und ein Teil seines Werts im Ankauf von fremdem Samen umgesetzt wird, in beiden Fällen findet nur Ersatz statt und wird durch diesen Ersatz kein Profit gemacht. In dem einen Fall tritt der Same mit dem Rest des Produkts als Ware in Zirkulation, im andern Fall figuriert er nur in der Buchhaltung als Wertbestandteil des vorgeschoßnen Kapitals. Aber in beiden Fällen bleibt er flüssiger Bestandteil des produktiven Kapitals. Er <1. und 2. Auflage: Es; geändert nach der Druckvorlage von Engels> wird ganz aufgezehrt, um das Produkt fertig zu machen, und er muß ganz aus ihm ersetzt werden, um die Reproduktion zu ermöglichen.

"Rohmaterialien und Hilfsstoffe verlieren die selbständige Gestalt, womit sie in den Arbeitsprozeß als Gebrauchswerte eintraten. Anders mit den eigentlichen Arbeitsmitteln. Ein Instrument, eine Maschine, ein Fabrikgebäude, ein Gefäß usw. dienen im Arbeitsprozeß nur, solange sie ihre ursprüngliche Gestalt bewahren und morgen wieder in ebenderselben Form in den Arbeitsprozeß eingehn wie gestern. Wie sie während ihres Lebens, des Arbeitsprozesses, ihre selbständige Gestalt gegenüber dem Produkt bewahren, so auch nach dem Tode. Die Leichen von Maschinen, Werkstätten, Arbeitsgebäuden existieren immer noch selbständig, getrennt von den Produkten, die sie bilden halfen." (Buch I, Kap. VI, S. 192. <Siehe Band 23, S. 217/218>)

Diese verschiednen Weisen, worin die Produktionsmittel zur Bildung des Produkts vernutzt werden, indem die einen dem Produkt gegenüber ihre selbständige Gestalt bewahren, die andern sie verändern oder ganz verlieren, - diesen, dem Arbeitsprozeß als solchem angehörigen Unterschied, der daher ebenso für Arbeitsprozesse zutrifft, die auf bloßen Selbstbedarf, z.B. der patriarchalischen Familie, gerichtet sind, ohne allen Austausch, ohne Warenproduktion - verfälscht A. Smith, indem er 1. die hier ganz ungehörige Bestimmung des Profits hineinbringt, daß die einen dem Eigner Profit bringen, indem sie ihre Gestalt beibehalten, die andren, indem sie sie verlieren; 2. indem er die Veränderungen eines Teils der Produktions- <204> elemente im Arbeitsprozeß zusammenwirft mit dem, dem Austausch der Produkte, der Warenzirkulation angehörigen Formwechsel (Kauf und Verkauf), der zugleich den Wechsel des Eigentums an den zirkulierenden Waren einschließt.

Der Umschlag unterstellt die Reproduktion als vermittelt durch Zirkulation, also durch Verkauf des Produkts, durch seine Verwandlung in Geld und Rückverwandlung aus Geld in seine Produktionselemente. Soweit aber ein Teil seines eignen Produkts dem kapitalistischen Produzenten selbst wieder direkt als Produktionsmittel dient, erscheint der Produzent als Verkäufer desselben an sich selbst, und so figuriert die Sache in seiner Buchhaltung. Dieser Teil der Reproduktion ist dann nicht durch Zirkulation vermittelt, sondern unmittelbar. Der Teil des Produkts, der so wieder als Produktionsmittel dient, ersetzt aber flüssiges Kapital, nicht fixes, soweit 1. sein Wert ganz in das Produkt eingeht und 2. es selbst in natura ganz durch ein neues Exemplar aus dem neuen Produkt ersetzt worden ist.

A. Smith sagt uns nun, woraus zirkulierendes und fixes Kapital besteht. Er zählt die Dinge, die stofflichen Elemente auf, welche fixes Kapital, und die, welche zirkulierendes bilden, als ob diese Bestimmtheit diesen Dingen stofflich, von Natur zukäme und nicht vielmehr aus ihrer bestimmten Funktion innerhalb des kapitalistischen Produktionsprozesses entspränge. Und doch macht er in demselben Kapitel (Book II, chap. I) die Bemerkung, daß, obgleich ein gewisses Ding, wie z.B. ein Wohnhaus, das für unmittelbare Konsumtion, reserviert ist,

"may yield a revenue to its proprietor, and thereby serve in the function of a capital to him, it cannot yield any to the public, nor serve in the function of a capital to it, and the revenue of the whole body of the people can never be in the smallest degree increased by it". <"seinem Besitzer ein Einkommen abwerfen und ihm so in der Eigenschaft eines Kapitals dienen kann, es keineswegs der Allgemeinheit Einkommen abwerfen, noch ihr in der Eigenschaft eines Kapitals dienen, und das Einkommen der Gesamtheit des Volkes dadurch niemals im geringsten Grade vergrößert werden kann".> (S.186.)

Hier spricht A. Smith also klar aus, daß die Kapitaleigenschaft den Dingen nicht als solchen und unter allen Umständen zukommt, sondern eine Funktion ist, mit der sie je nach Umständen bekleidet oder nicht bekleidet sind. Was aber vom Kapital überhaupt, das gilt auch von seinen Unterabteilungen.

Dieselben Dinge bilden Bestandteil des flüssigen oder des fixen Kapitals, je nachdem sie andre Funktion im Arbeitsprozeß vollziehn. Z.B. ein Vieh, als Arbeitsvieh (Arbeitsmittel) bildet stoffliche Existenzweise des fixen <205>' Kapitals, dagegen als Mastvieh (Rohmaterial) Bestandteil des zirkulierenden Kapitals des Pächters. Andrerseits kann dasselbe Ding bald als Bestandteil des produktiven Kapitals fungieren, bald zum unmittelbaren Konsumtionsfonds gehören. Ein Haus z.B., wenn als Arbeitslokal fungierend, ist fixer Bestandteil des produktiven Kapitals; wenn als Wohnhaus, gar keine Form des Kapitals qua <in seiner Eigenschaft als> ' Wohnhaus. Dieselben Arbeitsmittel können in vielen Fällen bald als Produktionsmittel, bald als Konsumtionsmittel fungieren.

Es war dies der eine der Irrtümer, die aus der Smithschen Auffassung folgen: die Charaktere von fixem und zirkulierendem Kapital als den Dingen zukommende Charaktere zu fassen. Schon die Analyse des Arbeitsprozesses (Buch I, Kap. V <Siehe Band 23, S. 192-200>) zeigt, wie die Bestimmungen von Arbeitsmittel, Arbeitsmaterial, Produkt wechseln, je nach der verschiednen Rolle, die ein und dasselbe Ding im Prozeß einnimmt. Die Bestimmungen von fixem und nicht fixem Kapital sind aber ihrerseits aufgebaut auf die bestimmten Rollen, welche diese Elemente im Arbeitsprozeß und daher auch im Wertbildungsprozeß spielen.

Zweitens aber, bei Aufzählung der Dinge, woraus fixes und zirkulierendes Kapital bestehn, kommt ganz zum Ausbruch, daß Smith den nur in bezug auf das produktive Kapital (das Kapital in seiner produktiven Form) gültigen und Sinn habenden Unterschied von fixen und flüssigen Bestandteilen desselben zusammenwirft mit dem Unterschied zwischen produktivem Kapital und den dem Kapital in seinem Zirkulationsprozeß angehörigen Formen: Warenkapital und Geldkapital. Er sagt an derselben Stelle (p. 188):

"The circulating capital consists ... of the provisions, materials, and finished work of all kinds that are in the hands of their respective dealers, and of the money that is necessary for circulating and distributing them etc." <"Das zirkulierende Kapital besteht ... den Lebensmitteln, Materialien und fertigen Produkten aller Art, die sich in den Händen ihrer jeweiligen Händler befinden, und aus dem Geld, das nötig ist, um sie zirkulieren zu lassen und sie zu verteilen usw.">

In der Tat, wenn wir näher zusehn, so ist hier, im Gegensatz zum frühern, zirkulierendes Kapital wieder gleichgesetzt mit Warenkapital und Geldkapital, also mit zwei Formen des Kapitals, die gar nicht dem Produktionsprozeß angehören, die nicht zirkulierendes (flüssiges) Kapital im Gegensatz zum fixen, sondern Zirkulationskapital im Gegensatz zum produktiven Kapital bilden. Nur neben diesen figurieren dann wieder die in Materialien (Rohstoff oder Halbfabrikaten) vorgeschoßnen und wirklich dem Produktionsprozeß einverleibten Bestandteile des produktiven Kapitals. Er sagt:

'

<206>

"... The third and last of the three portions into which the general stock of the society naturally divides itself, is the circulating capital, of which die characteristic is, that it affords a revenue only by circulating or changing masters. This is composed likewise of four parts: first, of the money ..." <"Der dritte und letzte der drei Teile, in die sich der Gesamtvorrat der Gesellschaft naturgemäß teilt, ist das zirkulierende Kapital, dessen Kennzeichen es ist, daß es nur durch Zirkulation oder Wechsel des Eigner: ein Einkommen liefert. Es besteht gleichfalls aus vier Teilen: erstens aus dem Geld ...">

(Aber Geld ist nie eine Form des produktiven, des im Produktionsprozeß fungierenden Kapitals. Es ist stets nur eine der Formen, welche das Kapital innerhalb seines Zirkulationsprozesses annimmt.) -

"secondly, of the stock of provisions which are in the possession of the butcher, tile grazier, the farmer ... and from the sale of which they expect to derive a profit ... Fourthly and lastly, of the work which is made up and completed, but which is still in the hands of the merchant and manufacturer." - Und: "thirdly, of the materials, whether altogether rude or more or less manufactured, of clothes, furniture, and building, which are not yet made up into any of those three shapes but which remain in the hands of the growers, the manufacturers, the mercers and drapers, the timbermerchants, the carpenters and joiners, the brickmakers etc." <"zweitens aus dem Vorrat an Lebensmitteln, die im Besitze des Fleischers, des Viehmästers, des Pächters sind ... und aus deren Verkauf sie hoffen, einen Profit zu erzielen ... Viertens und letztens aus dem Produkt, das fertig und vollendet, aber noch in den Händen des Kaufmanns oder Fabrikanten ist." - Und: "drittens aus den Materialien, die entweder völlig roh oder mehr oder weniger bearbeitet sind, aus Kleidern, Möbeln und Gebäuden, die noch nicht zu einer dieser drei Gestalten verarbeitet sind, sondern noch in der Hand der Landwirte, der Fabrikanten, der Seiden- und Tuchhändler, der Holzhändler, der Zimmerleute und Tischler, der Ziegelbrenner usw. bleiben.">

Nr. 2 und 4 enthalten nichts als Produkte, die als solche aus dem Produktionsprozeß abgestoßen sind und verkauft werden müssen; kurz, die nun als Waren, daher resp. als Warenkapital fungieren, also eine Form besitzen und eine Stelle im Prozeß einnehmen, worin sie kein Element des produktiven Kapitals bilden, welches immer ihre schließliche Bestimmung, d.h. ob sie der individuellen oder produktiven Konsumtion schließlich ihrem Zweck (Gebrauchswert) nach anheimfallen sollen. Diese Produkte in 2 sind Nahrungsmittel, in 4 alle andern fertigen Produkte, die also selbst wieder nur aus fertigen Arbeitsmitteln oder fertigen Genußmitteln (andern als den sub 2 enthaltnen Nahrungsmitteln) bestehn.

Daß Smith dabei auch vom Kaufmann spricht, zeigt seine Konfusion. Soweit der Produzent sein Produkt an den Kaufmann verkauft hat, bildet es überhaupt keine Form seines Kapitals mehr. Gesellschaftlich betrachtet ist es allerdings immer noch Warenkapital, wenn auch in andrer Hand als in <207> der seines Produzenten; aber eben weil Warenkapital, weder fixes noch flüssiges Kapital.

In jeder nicht auf unmittelbaren Selbstbedarf gerichteten Produktion muß das Produkt als Ware zirkulieren, d.h. verkauft werden, nicht, um daraus einen Profit zu machen, sondern damit der Produzent überhaupt leben kann. Bei der kapitalistischen Produktion kommt hinzu, daß mit dem Verkauf der Ware auch der Mehrwert, der in ihr steckt, realisiert wird. Das Produkt tritt als Ware aus dem Produktionsprozeß heraus, ist also weder fixes noch flüssiges Element desselben.

Übrigens hebt Smith sich hier selbst auf. Die fertigen Produkte, welches immer ihre stoffliche Gestalt oder ihr Gebrauchswert, ihr Nutzeffekt, sind hier alle Warenkapital, also Kapital in einer dem Zirkulationsprozeß angehörigen Form. Als in dieser Form befindlich, bilden sie keine Bestandteile des etwaigen produktiven Kapitals ihres Eigners; was durchaus nicht verhindert, daß, sobald sie verkauft sind, sie in der Hand ihres Käufers Bestandteile von produktivem Kapital werden, sei es flüssige oder fixe. Es zeigt sich hier, daß dieselben Dinge, die zu einer Zeit als Warenkapital, im Gegensatz zum produktiven Kapital, auf dem Markt auftreten - sobald sie dem Markt entzogen sind, als flüssige oder fixe Bestandteile des produktiven Kapitals fungieren oder auch nicht fungieren können.

Das Produkt des Baumwollspinners - Garn - ist die Warenform seines Kapitals, Warenkapital für ihn. Es kann nicht wieder als Bestandteil seines produktiven Kapitals fungieren, weder als Arbeitsmaterial noch als Arbeitsmittel. Aber in der Hand des Webers, der es kauft, wird es dem produktiven Kapital desselben als einer seiner flüssigen Bestandteile einverleibt. Für den Spinner ist das Garn aber Träger des Werts eines Teils sowohl seines fixen als seines flüssigen Kapitals (vom Mehrwert abgesehn). So ist eine Maschine, als Produkt des Maschinenfabrikanten, Warenform seines Kapitals, Warenkapital für ihn; und solange sie in dieser Form verharrt, ist sie weder flüssiges noch fixes Kapital. Verkauft an einen sie verwendenden Fabrikanten, wird sie fixer Bestandteil eines produktiven Kapitals. Selbst wenn, seiner Gebrauchsform nach, das Produkt teilweis wieder als Produktionsmittel in den Prozeß eingehn kann, aus dem es herkam, wie z.B. Kohle in die Kohlenproduktion, so repräsentiert gerade der für den Verkauf bestimmte Teil des Kohlenprodukts weder flüssiges noch fixes Kapital, sondern Warenkapital.

Andrerseits kann das Produkt seiner Gebrauchsform nach durchaus unfähig sein, irgendein Element des produktiven Kapitals zu bilden, sei es als Arbeitsmaterial oder als Arbeitsmittel. Z.B. irgendein Lebensmittel. Nichts- <208> destoweniger ist es Warenkapital für seinen Produzenten, Wertträger sowohl des fixen wie des flüssigen Kapitals; und des einen oder des andern, je nachdem das in seiner Produktion angewandte Kapital ganz oder teilweise ersetzt werden muß, seinen Wert ganz oder teilweise auf es übertragen hat.

Bei Smith figuriert in Nr. 3 das Rohmaterial (Rohstoff, Halbfabrikat, Hilfsstoff) einerseits nicht als ein schon dem produktiven Kapital einverleibter Bestandteil, sondern in der Tat nur als eine besondre Sorte der Gebrauchswerte, aus denen das gesellschaftliche Produkt überhaupt besteht, der Warenmasse, neben den sub 2 und 4 aufgezählten andern stofflichen Bestandteilen, Lebensmitteln etc. Andrerseits werden sie allerdings als dem produktiven Kapital einverleibt, und daher auch als Elemente desselben in der Hand des Produzenten, aufgeführt. Die Konfusion zeigt sich darin, daß sie teils als in den Händen des Produzenten fungierend aufgefaßt werden (in the hands of the growers, the manufacturers etc. <in den Händen der Landwirte, der Fabrikanten usw.>), andrerseits als in den Händen von Kaufleuten (mercers, drapers, timber-merchants <Seiden-, Tuch-, Holzhändlern>), wo sie bloßes Warenkapital, nicht Bestandteile des produktiven Kapitals.

In der Tat vergißt A. Smith hier in der Aufzählung der Elemente des zirkulierenden Kapitals ganz den nur in bezug auf das produktive Kapital gültigen Unterschied von fixem und flüssigem Kapital. Er stellt vielmehr Warenkapital und Geldkapital, d.h. die beiden dem Zirkulationsprozeß angehörigen Formen des Kapitals, dem produktiven Kapital gegenüber, aber auch dies nur bewußtlos.

Auffallend ist endlich, daß A. Smith bei Aufzählung der Bestandteile des zirkulierenden Kapitals die Arbeitskraft vergißt. Und zwar geschieht dies aus doppeltem Grund.

Man hat eben gesehn, daß, abgesehn vom Geldkapital, das zirkulierende Kapital nur ein andrer Name für das Warenkapital ist. Aber soweit die Arbeitskraft auf dem Markt zirkuliert, ist sie nicht Kapital, keine Form des Warenkapitals. Sie ist überhaupt nicht Kapital; der Arbeiter ist kein Kapitalist, obgleich er eine Ware auf den Markt bringt, nämlich seine eigne Haut. Erst sobald die Arbeitskraft verkauft, dem Produktionsprozeß einverleibt ist, - also nachdem sie aufgehört hat, als Ware zu zirkulieren, wird sie Bestandteil des produktiven Kapitals: variables Kapital als Quelle des Mehrwerts, flüssiger Bestandteil des produktiven Kapitals in bezug auf den Umschlag des in ihr ausgelegten Kapitalwerts. Da Smith hier das flüssige Kapital mit Warenkapital verwechselt, kann er die Arbeitskraft nicht unter- <209> bringen unter seine Rubrik des zirkulierenden Kapitals. Das variable Kapital tritt daher hier auf in der Form der Waren, die der Arbeiter mit seinem Lohn kauft, der Lebensmittel. In dieser Form soll der in Arbeitslohn ausgelegte Kapitalwert zum zirkulierenden Kapital gehören. Was dem Produktionsprozeß einverleibt wird, ist die Arbeitskraft, der Arbeiter selbst, nicht die Lebensmittel, wodurch sich der Arbeiter erhält. Allerdings haben wir gesehn (Buch I, Kap. XXI), daß, gesellschaftlich betrachtet, auch die Reproduktion des Arbeiters selbst durch seinen individuellen Konsum zum Reproduktionsprozeß des gesellschaftlichen Kapitals gehört. Aber dies gilt nicht für den einzelnen in sich abgeschloßnen Produktionsprozeß, den wir hier betrachten. Die acquired and useful abilities <erworbenen und nützlichen Fähigkeiten> (p. 187), die Smith unter der Rubrik des fixen Kapitals aufführt, bilden im Gegenteil Bestandteile des flüssigen Kapitals, sobald sie abilities des Lohnarbeiters sind und dieser seine Arbeit mitsamt ihren abilities verkauft hat.

Es ist ein großer Fehler Smiths, daß er den ganzen gesellschaftlichen Reichtum einteilt in 1. unmittelbaren Konsumtionsfonds, 2. fixes Kapital, 3. zirkulierendes Kapital. Hiernach wäre der Reichtum einzuteilen in 1. den Konsumtionsfonds, der keinen Teil des fungierenden gesellschaftlichen Kapitals bildet, obgleich Teile desselben beständig als Kapital fungieren können; und 2. in Kapital. Ein Teil des Reichtums fungiert hiernach als Kapital, der andre Teil als Nichtkapital oder Konsumtionsfonds. Und es erscheint hier als eine unumgängliche Notwendigkeit für alles Kapital, entweder fix zu sein oder flüssig, etwa wie es für ein Säugetier eine Naturnotwendigkeit ist, entweder männlich zu sein oder weiblich. Wir haben aber gesehn, daß der Gegensatz von fix und flüssig nur anwendbar ist auf die Elemente des produktiven Kapitals, daß es also neben diesen noch eine sehr bedeutende Menge Kapital - Warenkapital und Geldkapital - gibt, die sich in einer Form befindet, in der sie weder fix noch flüssig sein kann.

Da mit Ausnahme des Teils der Produkte, der in Naturalform von den einzelnen kapitalistischen Produzenten selbst, direkt ohne Verkauf oder Einkauf, wieder als Produktionsmittel vernutzt wird, die ganze Masse der gesellschaftlichen Produktion - auf kapitalistischer Grundlage - als Warenkapital auf dem Markt zirkuliert, so ist es klar, daß aus dem Warenkapital sowohl die fixen und flüssigen Elemente des produktiven Kapitals, wie auch alle Elemente des Konsumtionsfonds herausgezogen werden; was in der Tat nichts andres heißt, als daß Produktionsmittel wie Konsumtionsmittel auf Basis der kapitalistischen Produktion zunächst als Warenkapital auftreten, <210> wenn sie auch die Bestimmung haben, später als Konsumtions- oder Produktionsmittel zu dienen; wie die Arbeitskraft selbst als Ware, wenn auch nicht als Warenkapital, auf dem Markt vorgefunden wird.

Daher folgende neue Verwirrung bei A. Smith. Er sagt:

"Of these four parts"

(des circulating capital, d.h. des Kapitals in seinen dem Zirkulationsprozeß angehörigen Formen von Warenkapital und Geldkapital - zwei Teile, die sich dadurch in vier verwandeln, daß Smith die Bestandteile des Warenkapitals wieder stofflich unterscheidet)

"three - provisions, materials, and finished work, are either annually or in a longer or shorter period, regularly withdrawn from it, and placed either in the fixed capital, or in the stock reserved for immediate consumption. Every fixed capital is both originally derived from, and requires to be continually supported by, a circulating capital. All useful machines and instruments of trade are originally derived from a circulating capital, which furnishes the materials of which they are made and the maintenance of the workmen who make them. They require, too, a capital of the same kind to keep them in constant repair." <"Von diesen vier Teilen" (...) "werden drei - Lebensmittel, Materialien und fertige Produkte - entweder jährlich oder in einer längeren oder kürzeren Periode regelmäßig aus ihm herausgenommen und entweder in das fixe Kapital, oder aber in den für unmittelbare Konsumtion bestimmten Vorrat versetzt. Jedes fixe Kapital stammt ursprünglich von einem zirkulierenden Kapital, und muß ständig von ihm erhalten werden. Alle nützlichen Maschinen und Arbeitsinstrumente stammen ursprünglich von einem zirkulierenden Kapital, das die Materialien liefert, aus denen sie gemacht sind, und den Unterhalt der Arbeiter, die sie herstellen. Sie erfordern ebenfalls ein Kapital von der gleichen Art, um sie ständig in gutem Zustand zu erhalten."> (p. 188.)

Mit Ausnahme stets des direkt von ihren Produzenten wieder als Produktionsmittel verbrauchten Teils des Produkts, gilt für die kapitalistische Produktion der allgemeine Satz: Alle Produkte kommen als Waren auf den Markt und zirkulieren daher für den Kapitalisten als Warenform seines Kapitals, als Warenkapital, ob diese Produkte nun ihrer Naturalform, ihrem Gebrauchswert nach, als Elemente des produktiven Kapitals (des Produktionsprozesses) fungieren müssen oder können, als Produktionsmittel, und daher als fixe oder flüssige Elemente des produktiven Kapitals; oder ob sie nur als Mittel der individuellen, nicht der produktiven Konsumtion dienen können. Alle Produkte werden als Waren auf den Markt geworfen; alle Produktions- und Konsumtionsmittel, alle Elemente der produktiven und individuellen Konsumtion müssen daher durch Kauf als Waren wieder dem Markt entzogen werden. Diese Trivialität (truism) ist natürlich richtig. Es <211> gilt dies daher auch sowohl für die fixen wie für die flüssigen Elemente des produktiven Kapitals, für Arbeitsmittel wie für Arbeitsmaterial in allen Formen. (Dabei ist noch vergessen, daß es Elemente des produktiven Kapitals gibt, die von Natur vorhanden, keine Produkte sind.) Die Maschine wird wohl auf dem Markt gekauft, wie die Baumwolle. Aber es folgt daraus keineswegs - dies folgt nur aus der Smithschen Verwechslung von Zirkulationskapital mit zirkulierendem oder flüssigem, d.h. nicht fixem Kapital -, daß jedes fixe Kapital ursprünglich aus einem flüssigen herstammt. Und zudem hebt Smith sich selbst auf. Die Maschinen bilden als Ware nach ihm selbst Teil von Nr. 4 des zirkulierenden Kapitals. Daß sie aus dem zirkulierenden Kapital herstammen, heißt also nur, daß sie als Warenkapital fungierten, bevor sie als Maschinen fungierten, daß sie aber stofflich aus sich selbst herstammen; ebenso wie die Baumwolle als flüssiges Element des Spinnerkapitals aus der Baumwolle auf dem Markt herstammt. Wenn aber Smith, in seiner weitern Ausführung, das fixe Kapital deswegen aus dem flüssigen herleitet, weil Arbeit und Rohmaterial nötig ist, um Maschinen zu machen, so sind erstens noch Arbeitsmittel, also fixes Kapital, nötig, um Maschinen zu machen, und es ist zweitens ebenfalls fixes Kapital nötig, Maschinerie etc., um Rohmaterialien zu machen, da das produktive Kapital stets Arbeitsmittel einschließt, aber nicht stets Arbeitsmaterial. Er selbst sagt gleich darauf:

"Lands, mines, and fisheries, require all both a fixed and circulating capital to cultivate them;" <"Boden, Bergwerke und Fischereien erfordern alle sowohl fixes als zirkulierendes Kapital zu ihrer Bearbeitung;">

(er gibt also zu, daß nicht nur flüssiges, sondern auch fixes Kapital nötig zur Produktion von Rohmaterial)

"and" (hier neue Verkehrtheit) "their produce replaces with a profit, not only those capitals, but all the others in society." <"und" (...) "ihr Produkt ersetzt mit einem Profit nicht nur jene Kapitale, sondern auch alle andern in der Gesellschaft."> (p. 188.)

Dies ist total verkehrt. Ihr Produkt liefert das Rohmaterial, die Hilfsstoffe etc., für alle andern Industriezweige. Aber ihr Wert ersetzt nicht den Wert aller andern gesellschaftlichen Kapitale; er ersetzt nur ihren eignen Kapitalwert (+ Mehrwert). Hier geht bei A. Smith wieder die Erinnerung an die Physiokraten durch.

Gesellschaftlich betrachtet ist es richtig, daß der Teil des Warenkapitals, der aus Produkten besteht, die nur als Arbeitsmittel dienen können, früher <212> oder später - wenn sie nicht überhaupt nutzlos produziert sein sollen, nicht unverkäuflich sind - auch als Arbeitsmittel fungieren, d.h. auf Basis der kapitalistischen Produktion, sobald sie aufgehört haben, Waren zu sein, wirkliche, wie vorher schon voraussichtliche, Elemente des fixen Teils des gesellschaftlichen produktiven Kapitals bilden müssen.

Hier findet ein Unterschied statt, der aus der Naturalform des Produkts entspringt.

Eine Spinnmaschine z.B. hat keinen Gebrauchswert, wenn sie nicht zum Spinnen vernutzt wird, also nicht als Produktionselement, also, vom kapitalistischen Standpunkt, als fixer Bestandteil eines produktiven Kapitals fungiert. Aber die Spinnmaschine ist beweglich. Sie kann aus dem Land, worin sie produziert ist, exportiert und im fremden Land, sei es gegen Rohstoffe etc., sei es gegen Champagner, direkt oder indirekt verkauft werden. In dem Land, worin sie produziert wurde, hat sie dann nur als Warenkapital fungiert, nie aber, auch nicht nach ihrem Verkauf, als fixes Kapital.

Dagegen Produkte, die durch Einverleibung mit dem Boden lokalisiert sind, und daher auch nur lokal vernutzt werden können, z.B. Fabrikgebäude, Eisenbahnen, Brücken, Tunnels, Docks usw., Bodenverbesserungen usw., können nicht körperlich, mit Haut und Haaren, exportiert werden. Sie sind nicht beweglich. Entweder sind sie nutzlos, oder sie müssen, sobald sie verkauft sind, als fixes Kapital fungieren in dem Land, worin sie produziert sind. Für ihren kapitalistischen Produzenten, der auf Spekulation Fabriken baut oder Ländereien verbessert, um sie zu verkaufen, sind diese Dinge Form seines Warenkapitals, also nach A. Smith Form des zirkulierenden Kapitals. Aber gesellschaftlich betrachtet, müssen diese Dinge - sollen sie nicht nutzlos sein - schließlich im Land selbst in einem durch ihre eigne Lokalität fixierten Produktionsprozeß als fixes Kapital fungieren; woraus keineswegs folgt, daß unbewegliche Dinge als solche ohne weiteres fixes Kapital sind; sie können als Wohnhäuser etc. dem Konsumtionsfonds angehören und also überhaupt nicht zum gesellschaftlichen Kapital gehören, obgleich sie ein Element des gesellschaftlichen Reichtums bilden, wovon das Kapital nur ein Teil. Der Produzent dieser Dinge, um uns Smithisch auszudrücken, macht einen Profit durch ihren Verkauf. Also zirkulierendes Kapital! Ihr Nutzanwender, ihr definitiver Käufer, kann sie nur benutzen, indem er sie im Produktionsprozeß verwendet. Also fixes Kapital!

Eigentumstitel, an einer Eisenbahn z.B., können täglich die Hände wechseln, und ihre Besitzer durch den Verkauf dieser Titel sogar im Auslande - so daß die Eigentumstitel exportierbar, obgleich nicht die Eisen- <213> bahn selbst - einen Profit machen. Aber nichtsdestoweniger müssen diese Dinge im Lande selbst, wo sie lokalisiert sind, entweder brachliegen oder als fixer Bestandteil eines produktiven Kapitals fungieren. Ebenso kann Fabrikant A Profit machen durch Verkauf seiner Fabrik an Fabrikant B, was aber die Fabrik nicht hindert, nach wie vor als fixes Kapital zu fungieren.

Wenn daher die lokal fixierten, vom Boden unzertrennlichen Arbeitsmittel, obgleich sie für ihren Produzenten als Warenkapital fungieren mögen und keine Elemente seines fixen Kapitals bilden (dies besteht für ihn aus den Arbeitsmitteln, die er zum Bau von Gebäuden, Eisenbahnen etc. braucht), dennoch notwendig voraussichtlich als fixes Kapital im Land selbst fungieren müssen, so folgt daraus keineswegs umgekehrt, daß das fixe Kapital notwendig aus unbeweglichen Dingen besteht. Ein Schiff und eine Lokomotive wirken nur durch ihre Bewegung; und doch fungieren sie, nicht für ihren Produzenten, aber für ihren Anwender als fixes Kapital. Andrerseits sind Dinge, die wirklichst im Produktionsprozeß fixiert sind, in ihm leben und sterben und ihn nie, nachdem sie in ihn eingetreten, wieder verlassen, flüssige Bestandteile des produktiven Kapitals. Z.B. die Kohle, die zum Betrieb der Maschine im Produktionsprozeß, das Gas, das zur Beleuchtung im Fabrikgebäude verzehrt wird usw. Sie sind flüssig, nicht weil sie leiblich mit dem Produkt den Produktionsprozeß verlassen und als Ware zirkulieren, sondern weil ihr Wert ganz in den Wert der Ware eingeht, den sie produzieren helfen, also auch ganz aus dem Verkauf der Ware ersetzt werden muß.

In der letztzitierten Stelle A. Smiths ist noch die Phrase zu bemerken:

"A circulating capital which furnishes ... the maintenance of the workmen who make them" <"Ein zirkulierendes Kapital, ... das den Unterhalt der Arbeiter, die sie (...) .herstellen, liefert"> (Maschinen etc.).

Bei den Physiokraten figuriert der in Arbeitslohn vorgeschoßne Kapitalteil richtig unter den avances annuelles <jährlichen Vortschüsses> im Gegensatz zu den avances primitives <ursprünglichen Vorschüssen>. Andrerseits erscheint bei ihnen als Bestandteil des vom Pächter angewandten produktiven Kapitals nicht die Arbeitskraft selbst, sondern die den Landarbeitern gegebnen Lebensmittel (the maintenance of the workmen <der Unterhalt der Arbeiter>, wie Smith sagt). Dies hängt genau mit ihrer spezifischen Doktrin zusammen. Der Wertteil, den die Arbeit dem Produkt zusetzt (ganz wie der Wertteil, den Rohmaterial, Arbeitsinstrumente etc., kurz die stofflichen <214> Bestandteile des konstanten Kapitals dem Produkt zusetzen), ist nämlich bei ihnen nur gleich dem Wert der den Arbeitern gezahlten und zur Erhaltung ihrer Funktion als Arbeitskräfte notwendig zu verzehrenden Lebensmittel. Den Unterschied von konstantem Kapital und variablem Kapital zu entdecken, ist ihnen durch ihre Doktrin selbst versagt. Ist es die Arbeit, welche den Mehrwert produziert (außer der Reproduktion ihres eignen Preises), so produziert sie ihn in der Industrie so gut wie im Ackerbau. Da sie ihn aber nach dem System nur in dem einen Produktionszweig, dem Ackerbau produziert, so entspringt er nicht aus ihr, sondern aus der besondren Tätigkeit (Mithilfe) der Natur in diesem Zweige. Und nur deswegen heißt ihnen die Ackerbauarbeit produktive Arbeit, im Unterschied von den andern Arbeitsarten.

A. Smith bestimmt die Lebensmittel der Arbeiter als zirkulierendes Kapital im Gegensatz zum fixen

1. weil er das flüssige Kapital im Gegensatz zum fixen verwechselt mit den der Zirkulationssphäre angehörigen Formen des Kapitals, mit dem Zirkulationskapital; eine Verwechslung, die sich nach ihm kritiklos fortgeerbt hat. Er verwechselt daher das Warenkapital mit dem flüssigen Bestandteil des produktiven Kapitals, und da versteht es sich von selbst, daß, wo das gesellschaftliche Produkt die Form der Ware annimmt, die Lebensmittel der Arbeiter, wie die der Nichtarbeiter, die Materialien, wie die Arbeitsmittel selbst, aus dem Warenkapital geliefert werden müssen.

2. Aber auch die physiokratische Vorstellung läuft bei Smith unter, obgleich sie dem esoterischen - wirklich wissenschaftlichen - Teil seiner eignen Entwicklung widerspricht.

Das vorgeschoßne Kapital wird überhaupt umgesetzt in produktives Kapital, d.h. es nimmt die Gestalt von Produktionselementen an, die selbst Produkt früherer Arbeit sind. (Darunter die Arbeitskraft.) Nur in dieser Form kann es innerhalb des Produktionsprozesses fungieren. Setzt man nun statt der Arbeitskraft selbst, worin sich der variable Teil des Kapitals umgesetzt hat, die Lebensmittel des Arbeiters, so ist es klar, daß diese Lebensmittel als solche sich in Beziehung auf Wertbildung nicht von den andern Elementen des produktiven Kapitals unterscheiden, von den Rohmaterialien und von den Lebensmitteln des Arbeitsviehs, womit Smith, nach Vorgang der Physiokraten, sie daher auch in einer vorher zitierten Stelle auf eine Stufe stellt. Die Lebensmittel können nicht selbst ihren Wert verwerten oder ihm einen Mehrwert zusetzen. Ihr Wert, wie der der andren Elemente des produktiven Kapitals, kann nur im Wert des Produkts wieder erscheinen. Sie können ihm nicht mehr Wert zusetzen, als sie selbst besitzen. Sie unter- <215> scheiden sich, wie Rohmaterial, Halbfabrikat etc., nur dadurch vom fixen Kapital, das aus Arbeitsmitteln besteht, daß sie (für den Kapitalisten wenigstens, der sie zahlt) ganz verzehrt werden in dem Produkt, in dessen Bildung sie eingehn, ihr Wert daher ganz ersetzt werden muß, was bei dem fixen Kapital nur allmählich, stückweis geschieht. Der in Arbeitskraft (resp. den Lebensmitteln des Arbeiters) vorgeschoßne Teil des produktiven Kapitals unterscheidet sich jetzt also nur stofflich, nicht mit Bezug auf den Arbeits- und Verwertungsprozeß, von den übrigen stofflichen Elementen des produktiven Kapitals. Er unterscheidet sich nur als mit einem Teil der objektiven Produktbildner (materials sagt Smith allgemein) in die Kategorie des zirkulierenden Kapitals fallend, im Gegensatz zu einem andern Teil der objektiven Produktbildner, der unter die Kategorie des fixen Kapitals fällt.

Daß der in Arbeitslohn ausgelegte Teil des Kapitals zum flüssigen Teil des produktiven Kapitals gehört, die Flüssigkeit gemein hat, im Gegensatz zum fixen Bestandteil des produktiven Kapitals, mit einem Teil der gegenständlichen Produktbildner, den Rohstoffen etc., hat absolut nichts zu tun mit der Rolle, welche dieser variable Teil des Kapitals, im Gegensatz zum konstanten, im Verwertungsprozeß spielt. Es bezieht sich nur darauf, wie dieser Teil des vorgeschoßnen Kapitalwerts aus dem Wert des Produkts vermittelst der Zirkulation ersetzt, erneuert, also reproduziert werden muß. Der Kauf und Wiederkauf der Arbeitskraft gehört dem Zirkulationsprozeß an. Aber erst innerhalb des Produktionsprozesses verwandelt sich der in Arbeitskraft ausgelegte Wert (nicht für den Arbeiter, sondern für den Kapitalisten) aus einer bestimmten, konstanten, in eine variable Größe, und wird dadurch überhaupt erst der vorgeschoßne Wert in Kapitalwert, in Kapital, in sich verwertenden Wert verwandelt. Dadurch aber, daß wie bei Smith nicht der in Arbeitskraft ausgelegte Wert als flüssiger Bestandteil des produktiven Kapitals bestimmt wird, sondern der in den Lebensmitteln des Arbeiters ausgelegte Wert, wird das Begreifen des Unterschieds von variablem und konstantem Kapital, also das Begreifen des kapitalistischen Produktionsprozesses überhaupt, unmöglich gemacht. Die Bestimmung dieses Kapitalteils, variables Kapital zu sein im Gegensatz zu dem in gegenständlichen Produktbildnern ausgelegten konstanten Kapital, wird begraben unter der Bestimmung, daß der in Arbeitskraft ausgelegte Kapitalteil mit Bezug auf den Umschlag zum flüssigen Teil des produktiven Kapitals gehört. Das Begräbnis wird vollständig gemacht, indem an Stelle der Arbeitskraft die Lebensmittel des Arbeiters als Element des produktiven Kapitals aufgezählt werden. Ob der Wert der Arbeitskraft in Geld oder direkt in Lebensmitteln vorgeschossen wird, ist gleichgültig. Obgleich natürlich <216> das Letztre auf Basis der kapitalistischen Produktion nur Ausnahme sein kann.(24)

Dadurch, daß so die Bestimmung des zirkulierenden Kapitals durch A. Smith als das entscheidende für den in Arbeitskraft ausgelegten Kapitalwert fixiert wurde - diese physiokratische Bestimmung ohne die Voraussetzung der Physiokraten -, hat Smith bei seinen Nachfolgern glücklich die Erkenntnis des in Arbeitskraft ausgelegten Kapitalteils als variablen unmöglich gemacht. Die tiefern und richtigen Entwicklungen, die er anderswo selbst gegeben, siegten nicht, wohl aber dieser sein Verstoß. Ja, spätere Schriftsteller sind weiter gegangen, sie haben es nicht nur zur entscheidenden Bestimmung des in Arbeitskraft ausgelegten Kapitalteils gemacht, zirkulierendes - im Gegensatz zu fixem - Kapital zu sein; sie haben es zur wesentlichen Bestimmung des zirkulierenden Kapitals gemacht, in Lebensmitteln für die Arbeiter ausgelegt zu werden. Daran schloß sich naturgemäß die Lehre von dem aus notwendigen Lebensmitteln bestehenden Arbeitsfonds <Siehe Band 23, S. 636 - 639> als einer gegebnen Größe, welche einerseits die Grenzen des Anteils der Arbeiter am gesellschaftlichen Produkt physisch beschränkt, andrerseits aber auch im Ankauf von Arbeitskraft seinem ganzen Umfang nach verausgabt werden muß.



Fußnoten

(23) Vgl. für Quesnay die "Analyse du Tableau Économique" ("Physiocrates", éd. Daire, I. Partie, Paris 1846). Es heißt dort z.B.: "Die jährlichen Vorschüsse bestehen in den Ausgaben, die jährlich für die Arbeiten in der Landbestellung gemacht werden; diese Vorschüsse müssen von den ursprünglichen Vorschüssen unterschieden werden, die Fonds für die Einrichtung der Landbestellung darstellen." (p. 59.) - Bei den jüngren Physiokraten werden die avances schon mehrfach direkt als capital bezeichnet: "Capital ou avances". Dupont de Nemours, "Maximes du Docteur Quesnay, ou résumé de ses principes d'économie sociale"<1. und 2. Auflage: "Origine & Progres d'une science nouvelle", 1767> (Daire, l.p. 391); ferner Le Trosne: "Infolge der längeren oder kürzeren Lebensdauer der Arbeitserzeugnisse besitzt eine Nation einen von seiner jährlichen Reproduktion unabhängigen beträchtlichen Vorrat von Reichtümern, der ein von langer Hand akkumuliertes Kapital darstellt und, ursprünglich mit Produkten bezahlt, sich immer erhält und wächst." (Daire, II, p. 928, 929.) - Turgot braucht das Wort capital schon regelmäßiger für avances, und identifiziert noch mehr die avances der manufacturiers <Fabrikanten> mit denen der Pächter. (Turgot, "Réflexions sur la Formation et la Distribution des Richesses", 1766.) <=

(24) Wie sehr A. Smith sich selbst den Weg versperrt hat zum Verständnis der Rolle der Arbeitskraft im Verwertungsprozeß, beweist folgender Satz, der die Arbeit der Arbeiter nach physiokratischer Weise mit der des Arbeitsviehs auf gleiche Stufe stellt: "Nicht nur sein" (des Pächters) "Arbeitsgesinde, auch sein Arbeitsvieh besteht aus produktiven Arbeitern." (Book II, chap. V, p. 243.) <=


10. Kapitel. Theorien über fixes und zirkulierendes Kapital. Physiokraten u. A. Smith | Inhalt | 12. Kapitel. Die Arbeitsperiode

Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 24, "Das Kapital", Bd. II, 2. Abschnitt, S. 217 - 230 Dietz Verlag, Berlin/DDR 1963

ELFTES KAPITEL Theorien über fixes und zirkulierendes Kapital. Ricardo

'

<217> Ricardo führt den Unterschied zwischen fixem und zirkulierendem Kapital nur auf, um die Ausnahmen der Wertregel darzustellen, nämlich solche Fälle, wo die Rate des Arbeitslohns auf die Preise wirkt. Darauf kommen wir erst in Buch III zu sprechen. <Siehe Band 25, 11. Kapitel>

Die ursprüngliche Unklarheit zeigt sich aber von vornherein in der gleichgültigen Nebeneinanderstellung:

"Dieser Unterschied im Grad der Dauerhaftigkeit des fixen Kapitals, und dieser Wechsel in den Verhältnissen, worin beide Kapitalarten kombiniert sein können."

(25)

Fragen wir nun, welches die beiden Kapitalarten sind, so hören wir:

"Ebenfalls die Verhältnisse, worin das Kapital, das die Arbeit unterhalten soll, und das Kapital, das in Werkzeugen, Maschinerie und Gebäuden ausgelegt ist, verschieden kombiniert sein können."

(26)

Also fixes Kapital = Arbeitsmitteln, und zirkulierendes Kapital = Kapital, das in Arbeit ausgelegt ist. Kapital, das die Arbeit unterhalten soll, ist schon ein abgeschmackter, aus A. Smith herübergenommener Ausdruck. Das zirkulierende Kapital wird hier einerseits zusammengeworfen mit dem variablen Kapital, d.h. mit dem in Arbeit ausgelegten Teil des produktiven Kapitals. Andrerseits aber, weil der Gegensatz nicht aus dem Verwertungsprozeß geschöpft ist - konstantes und variables Kapital -, sondern aus dem <218> Zirkulationsprozeß (die alte Smithsche Konfusion), kommen doppelt falsche Bestimmungen heraus.

Erstens: Die Differenzen im Grad der Dauerhaftigkeit des fixen Kapitals und die Verschiedenheiten der Kapitalzusammensetzung aus konstantem und variablem Kapital werden als gleichwertig gefaßt. Der letztre Unterschied aber bestimmt den Unterschied in der Produktion des Mehrwerts; der erste dagegen, soweit der Verwertungsprozeß in Betracht kommt, bezieht sich nur auf die Art und Weise, wie ein gegebner Wert vom Produktionsmittel auf das Produkt übertragen wird; soweit der Zirkulationsprozeß in Betracht kommt, betrifft er nur die Periode der Erneuerung des ausgelegten Kapitals, oder anders betrachtet, die Zeit, für welche es vorgeschossen ist. Wenn man, statt das innere Getriebe des kapitalistischen Produktionsprozesses zu durchschauen, sich auf den Standpunkt der fertigen Phänomene stellt, so fallen diese Unterschiede in der Tat zusammen. Bei der Verteilung des gesellschaftlichen Mehrwerts unter die in verschiednen Betriebszweigen angelegten Kapitale wirken Differenzen in den verschiednen Zeiträumen, wofür Kapital vorgeschossen wird (also z.B. die verschiedne Lebensdauer bei fixem Kapital), und verschiedne organische Zusammensetzungen des Kapitals (also auch die verschiedne Zirkulation von konstantem und variablem Kapital) gleichmäßig mit bei Ausgleichung der allgemeinen Profitrate und bei Verwandlung der Werte in Produktionspreise.

Zweitens: Vom Standpunkt des Zirkulationsprozesses stehn auf der einen Seite die Arbeitsmittel: fixes Kapital, auf der andern Seite Arbeitsmaterial und Arbeitslohn: flüssiges Kapital. Dagegen vom Standpunkt des Arbeits- und Verwertungsprozesses steht auf der einen Seite: Produktionsmittel (Arbeitsmittel und Arbeitsmaterial), konstantes Kapital; auf der andern Seite Arbeitskraft, variables Kapital. Für die organische Zusammensetzung (Buch I, Kap. XXIII, 2, p. 647 <Siehe Band 23, S. 640>) des Kapitals ist es ganz gleichgültig, ob dasselbe Wertquantum konstantes Kapital aus viel Arbeitsmitteln und wenig Arbeitsmaterial oder aus viel Arbeitsmaterial und wenig Arbeitsmitteln besteht, während alles abhängt vom Verhältnis des in Produktionsmitteln ausgelegten zu dem in Arbeitskraft ausgelegten Kapital. Umgekehrt: Vom Standpunkt des Zirkulationsprozesses, des Unterschieds von fixem und zirkulierendem Kapital, ist es ebenso gleichgültig, in welchen Verhältnissen ein gegebnes Wertquantum zirkulierenden Kapitals sich in Arbeitsmaterial und Arbeitslohn teilt. Von dem einen Standpunkt rangiert <219> das Arbeitsmaterial in derselben Kategorie mit den Arbeitsmitteln, im Gegensatz zu dem in Arbeitskraft ausgelegten Kapitalwert. Von dem andern Standpunkt rangiert der in Arbeitskraft ausgelegte Kapitalteil zusammen mit dem in Arbeitsmaterial ausgelegten, im Gegensatz zu dem in Arbeitsmitteln ausgelegten Kapitalteil.

Daher erscheint bei Ricardo der in Arbeitsmaterial (Roh- und Hilfsstoffen) ausgelegte Wertteil des Kapitals auf keiner Seite. Er verschwindet ganz. Er paßt nämlich nicht auf die Seite des fixen Kapitals, weil er in seiner Zirkulationsweise ganz mit dem in Arbeitskraft ausgelegten Kapitalteil zusammenfällt. Und er darf andrerseits nicht auf Seite des zirkulierenden Kapitals gestellt werden, weil damit die von A. Smith übertragne und stillschweigend durchlaufende Gleichstellung des Gegensatzes: fixes und zirkulierendes Kapital, mit dem Gegensatz: konstantes und variables Kapital, sich selbst aufhöbe. Ricardo hat zuviel logischen Instinkt, um das nicht zu fühlen, und daher verschwindet ihm dieser Kapitalteil ganz und gar.

Es ist hier zu bemerken, daß der Kapitalist das in Arbeitslohn ausgelegte Kapital in verschiednen Terminen, in der Sprachweise der politischen Ökonomie, vorschießt, je nachdem er diesen Lohn z.B. wöchentlich, monatlich oder dreimonatlich zahlt. In der Tat verhält sich die Sache umgekehrt. Der Arbeiter schießt dem Kapitalisten seine Arbeit auf eine Woche, einen Monat, drei Monate vor, je nachdem er wöchentlich, monatlich oder dreimonatlich bezahlt wird. Kaufte der Kapitalist die Arbeitskraft, statt sie zu bezahlen, zahlte er also dem Arbeiter den Arbeitslohn per Tag, Woche, Monat oder drei Monate voraus, so könnte von einem Vorschuß für diese Termine gesprochen werden. Da er aber zahlt, nachdem die Arbeit Tage, Wochen, Monate gedauert hat, statt sie zu kaufen und zu zahlen für den Termin, den sie dauern soll, so ist das Ganze ein kapitalistisches Quidproquo, und der Vorschuß, der dem Kapitalisten vom Arbeiter in Arbeit gegeben wird, wird in einen Vorschuß verwandelt, den der Kapitalist in Geld dem Arbeiter gibt. Es ändert durchaus nichts an der Sache, daß der Kapitalist das Produkt selbst oder dessen Wert - je nach der verschiednen Zeitdauer, die seine Herstellung erfordert, oder auch nach der verschiednen für seine Zirkulation erforderlichen Zeitdauer nur in kurzem oder längern Terminen (zusammen mit dem ihm einverleibten Mehrwert) aus der Zirkulation zurückerhält oder realisiert. Was der Käufer einer Ware mit derselben anfangen will, ist dem Verkäufer durchaus gleichgültig. Der Kapitalist erhält eine Maschine nicht wohlfeiler, weil er ihren ganzen Wert auf einmal vorschießen muß, während ihm derselbe Wert nur allmählich und stückweis aus der Zirkulation zurückströmt; noch zahlt er die Baumwolle <220> deswegen teurer, weil ihr Wert ganz in den Wert des aus ihr verfertigten Produkts eingeht und daher ganz und auf einmal durch den Verkauf des Produkts ersetzt wird.

Kehren wir zu Ricardo zurück.

1. Das Charakteristische des variablen Kapitals ist, daß ein bestimmter, gegebner (also als solcher konstanter) Kapitalteil. eine gegebne Wertsumme (angenommen gleich dem Wert der Arbeitskraft, obgleich es hier gleichgültig ist, ob der Arbeitslohn gleich, größer oder kleiner als der Wert der Arbeitskraft), ausgetauscht wird gegen eine sich verwertende, wertschaffende Kraft - die Arbeitskraft, welche nicht nur ihren vorn Kapitalisten bezahlten Wert reproduziert, sondern zugleich einen Mehrwert produziert, einen vorher nicht vorhandnen und durch kein Äquivalent erkauften Wert. Diese charakteristische Eigenschaft des in Arbeitslohn ausgelegten Kapitalteils, die es als variables Kapital von dem konstanten Kapital toto coelo <in jeder Beziehung> unterscheidet, verschwindet, sobald der in Arbeitslohn ausgelegte Kapitalteil bloß vom Standpunkt des Zirkulationsprozesses betrachtet wird und so als zirkulierendes Kapital erscheint gegenüber dem in Arbeitsmitteln ausgelegten fixen Kapital. Es geht dies schon daraus hervor, daß es dann unter einer Rubrik - der des zirkulierenden Kapitals - zusammen mit einem Bestandteil des konstanten Kapitals, dem in Arbeitsmaterial ausgelegten, gegenübergestellt wird einem andern Bestandteil des konstanten Kapitals, dem in Arbeitsmitteln ausgelegten. Vom Mehrwert, also gerade von dem Umstand, der die ausgelegte Wertsumme in Kapital verwandelt, wird dabei ganz abgesehn. Ebenso wird davon abgesehn, daß der Wertteil, den das in Arbeitslohn ausgelegte Kapital dem Produkt zusetzt, neu produziert (also auch wirklich reproduziert ist), während der Wertteil, den das Rohmaterial dem Produkt zusetzt, nicht neu produziert, nicht wirklich reproduziert, sondern nur im Produktwert erhalten, konserviert ist, und daher als Wertbestandteil des Produkts nur wiedererscheint. Der Unterschied, wie er sich vom Gesichtspunkt des Gegensatzes von flüssigem und fixem Kapital jetzt darstellt, besteht nur darin: der Wert der zur Produktion einer Ware angewandten Arbeitsmittel geht nur teilweis in den Wert der Ware ein und wird daher durch den Verkauf der Ware auch nur teilweis ersetzt, wird daher überhaupt nur stückweis und allmählich ersetzt. Andrerseits: der Wert der zur Produktion einer Ware verwandten Arbeitskraft und Arbeitsgegenstände (Rohstoffe etc.) geht ganz in die Ware ein und wird daher ganz durch ihren Verkauf ersetzt. Insofern stellt sich mit Bezug auf den Zir- <221> kulationsprozeß der eine Teil des Kapitals als fix, der andre als flüssig oder zirkulierend dar. Es handelt sich in beiden Fällen um eine Übertragung gegebner, vorgeschoßner Werte auf das Produkt und um ihren Wiederersatz durch den Verkauf des Produkts. Der Unterschied besteht jetzt nur darin, ob die Wertübertragung, und daher der Wertersatz, stückweis und allmählich oder auf einmal vor sich geht. Damit ist der alles entscheidende Unterschied zwischen variablem und konstantem Kapital ausgelöscht, also das ganze Geheimnis der Mehrwertbildung und der kapitalistischen Produktion, die Umstände, die gewisse Werte und die Dinge, worin sie sich darstellen, in Kapital verwandeln, ausgelöscht. Alle Bestandteile des Kapitals unterscheiden sich nur noch durch die Zirkulationsweise (und die Zirkulation der Ware hat es natürlich nur mit bereits vorhandnen, gegebnen Werten zu tun); und eine besondre Zirkulationsweise ist dem in Arbeitslohn ausgelegten Kapital gemeinsam mit dem in Rohmaterialien, Halbfabrikaten, Hilfsstoffen ausgelegten Kapitalteil im Gegensatz zu dem in Arbeitsmitteln ausgelegten Kapitalteil.

Man begreift daher, warum die bürgerliche politische Ökonomie A. Smiths Konfusion der Kategorien "konstantes und variables Kapital" mit den Kategorien "fixes und zirkulierendes Kapital" instinktmäßig festhielt und kritiklos ein Jahrhundert durch von Generation zu Generation nachplapperte. Der im Arbeitslohn ausgelegte Kapitalteil unterscheidet sich bei ihr gar nicht mehr von dem in Rohstoff ausgelegten Kapitalteil, und unterscheidet sich nur formell - ob er stückweis oder ganz durch das Produkt zirkuliert wird - vom konstanten Kapital. Damit ist die Grundlage für das Verständnis der wirklichen Bewegung der kapitalistischen Produktion, und daher der kapitalistischen Exploitation, mit einem Schlage verschüttet. Es handelt sich nur um das Wiedererscheinen vorgeschoßner Werte.

Bei Ricardo ist die unkritische Aufnahme der Smithschen Konfusion störender, nicht nur als bei den spätem Apologetikern, bei denen die Begriffskonfusion vielmehr das Nichtstörende ist, sondern als bei A. Smith selbst, weil Ricardo im Gegensatz zu diesem konsequenter und schärfer Wert und Mehrwert entwickelt, in der Tat den esoterischen A. Smith gegen den exoterischen A. Smith behauptet.

Bei den Physiokraten findet sich nichts von dieser Konfusion. Der Unterschied zwischen avances annuelles <jährlichen Vorschüssen> und avances primitives <ursprünglichen Vorschüssen> bezieht sich nur auf die verschiednen Reproduktionsperioden der verschiednen <222> Bestandteile des Kapitals, speziell des agrikolen Kapitals; während ihre Ansichten von der Produktion des Mehrwerts einen von diesen Unterscheidungen unabhängigen Teil ihrer Theorie bilden, und zwar das, was sie als Pointe der Theorie herauswenden. Die Bildung des Mehrwerts wird nicht aus dem Kapital als solchem erklärt, sondern nur einer bestimmten Produktionssphäre des Kapitals, der Agrikultur, vindiziert.

2. Das Wesentliche bei der Bestimmung des variablen Kapitals - und daher für die Verwandlung irgendeiner beliebigen Wertsumme in Kapital - ist, daß der Kapitalist eine bestimmte, gegebne (und in diesem Sinn konstante) Wertgröße austauscht gegen wertschöpferische Kraft; eine Wertgröße gegen Wertproduktion, Selbstverwertung. Ob der Kapitalist den Arbeiter in Geld oder in Lebensmitteln zahlt, ändert an dieser wesentlichen Bestimmung nichts. Es ändert nur die Existenzweise des von ihm vorgeschoßnen Werts, der das eine Mal in der Form von Geld existiert, womit der Arbeiter sich selbst auf dem Markt seine Lebensmittel kauft, das andre Mal in der Form von Lebensmitteln, die er direkt verzehrt. Die entwickelte kapitalistische Produktion unterstellt in der Tat, daß der Arbeiter in Geld gezahlt wird, wie sie überhaupt den durch den Zirkulationsprozeß vermittelten Produktionsprozeß, also die Geldwirtschaft, unterstellt. Aber die Schöpfung des Mehrwerts - daher die Kapitalisierung der vorgeschoßnen Wertsumme - entspringt weder aus der Geldform noch aus der Naturalform des Arbeitslohns oder des im Ankauf der Arbeitskraft ausgelegten Kapitals. Sie entspringt aus dem Austausch von Wert gegen wertschaffende Kraft, aus der Umsetzung einer konstanten in eine variable Größe. - Die größre oder geringre Fixität der Arbeitsmittel hängt ab von dem Grad ihrer Dauerhaftigkeit, also von einer physischen Eigenschaft. Je nach dem Grad ihrer Dauerhaftigkeit werden sie, unter sonst gleichbleibenden Umständen, rascher oder langsamer verschleißen, also länger oder kürzer als fixes Kapital fungieren. Aber es ist keineswegs bloß diese physische Eigenschaft der Dauerhaftigkeit, infolge deren sie als fixes Kapital fungieren. Der Rohstoff in Metallfabriken ist ebenso dauerhaft wie die Maschinen, womit fabriziert wird, und dauerhafter als manche Bestandteile dieser Maschinen, Leder, Holz etc. Nichtsdestoweniger bildet das als Rohstoff dienende Metall einen Teil des zirkulierenden Kapitals, und das vielleicht aus demselben Metall aufgebaute, fungierende Arbeitsmittel einen Teil des fixen Kapitals. Es ist also nicht die stoffliche physische Natur, nicht seine größre oder geringre Vergänglichkeit, wodurch dasselbe Metall das eine Mal der Rubrik des fixen und das andre Mal der Rubrik des zirkulierenden Kapitals untergeordnet wird. Dieser Unterschied entspringt vielmehr aus <223> der Rolle, die es im Produktionsprozeß spielt, das eine Mal als Arbeitsgegenstand, das andre Mal als Arbeitsmittel.

Die Funktion des Arbeitsmittels im Produktionsprozeß erheischt im Durchschnitt, daß es während längrer oder kürzrer Periode stets von neuem in wiederholten Arbeitsprozessen dient. Durch seine Funktion ist daher eine größre oder geringre Dauerhaftigkeit seines Stoffs vorgeschrieben. Aber die Dauerhaftigkeit des Stoffs, aus dem es gemacht wird, macht es nicht an und für sich zum fixen Kapital. Derselbe Stoff, wenn Rohmaterial, wird zirkulierendes Kapital, und bei den Ökonomen, die den Unterschied von Warenkapital und produktivem Kapital mit dem Unterschied von zirkulierendem und fixem Kapital verwechseln, ist derselbe Stoff, dieselbe Maschine, zirkulierendes Kapital als Produkt, fixes Kapital als Arbeitsmittel.

Obgleich nun nicht der dauerhafte Stoff, aus dem das Arbeitsmittel gemacht ist, es zum fixen Kapital macht, so erheischt doch seine Rolle als Arbeitsmittel, daß es aus einem relativ dauerhaften Material bestehe. Die Dauerhaftigkeit seines Stoffs ist also eine Bedingung seiner Funktion als Arbeitsmittel, daher auch materielle Grundlage der Zirkulationsweise, die es zum Kapital macht. Unter sonst gleichbleibenden Umständen drückt die größre oder geringre Vergänglichkeit seines Stoffs ihm in niedrigrem oder höherem Grad den Stempel der Fixität auf, ist also sehr wesentlich verwachsen mit seiner Qualität als fixes Kapital.

Wird der in Arbeitskraft ausgelegte Kapitalteil nun ausschließlich unter dem Gesichtspunkt von zirkulierendem Kapital betrachtet, also im Gegensatz zum fixen Kapital; werden daher auch die Unterschiede von konstantem und variablem Kapital mit den Unterschieden von fixem und zirkulierendem Kapital zusammengeworfen, so ist es natürlich, wie die stoffliche Realität des Arbeitsmittels eine wesentliche Grundlage seines Charakters als fixes Kapital bildet, so nun im Gegensatz zu demselben aus der stofflichen Realität des in Arbeitskraft ausgelegten Kapitals seinen Charakter als zirkulierendes Kapital herzuleiten, und dann wieder das zirkulierende Kapital zu bestimmen durch die stoffliche Realität des variablen Kapitals.

Der wirkliche Stoff des in Arbeitslohn ausgelegten Kapitals ist die Arbeit selbst, die sich betätigende, wertschaffende Arbeitskraft, lebendige Arbeit, die der Kapitalist gegen tote, vergegenständlichte Arbeit austauscht und seinem Kapital einverleibt hat, wodurch erst der in seiner Hand befindliche Wert sich in einen sich selbst verwertenden Wert verwandelt. Aber diese Selbstverwertungskraft verkauft der Kapitalist nicht. Sie bildet stets nur Bestandteil seines produktiven Kapitals, wie seine Arbeitsmittel, nie seines <224> Warenkapitals, wie z.B. das fertige Produkt, das er verkauft. Innerhalb des Produktionsprozesses, als Bestandteile des produktiven Kapitals, stehn die Arbeitsmittel der Arbeitskraft nicht als fixes Kapital gegenüber, ebensowenig wie Arbeitsmaterial und Hilfsstoffe als zirkulierendes Kapital mit ihr zusammenfallen; beiden steht die Arbeitskraft als persönlicher Faktor gegenüber, während jene die sachlichen Faktoren sind - dies vom Standpunkt des Arbeitsprozesses. Beide stehn der Arbeitskraft, dem variablen Kapital als konstantes Kapital gegenüber - dies vom Standpunkt des Verwertungsprozesses. Oder, wenn hier von einer stofflichen Verschiedenheit, soweit sie auf den Zirkulationsprozeß einwirkt, die Rede sein soll, ist es nur diese: aus der Natur des Werts, der nichts ist als vergegenständlichte Arbeit, und aus der Natur der sich betätigenden Arbeitskraft, die nichts ist als sich vergegenständlichende Arbeit, folgt, daß die Arbeitskraft während ihrer Funktionsdauer beständig Wert und Mehrwert schafft, daß das, was auf ihrer Seite sich als Bewegung, als Wertschöpfung, sich auf Seite ihres Produkts in ruhender Form, als geschaffner Wert darstellt. Hat die Arbeitskraft gewirkt, so besteht das Kapital nicht länger aus Arbeitskraft auf der einen Seite, aus Produktionsmitteln auf der andern. Der Kapitalwert, der in Arbeitskraft ausgelegt war, ist jetzt Wert, der (+ Mehrwert) dem Produkt zugesetzt worden. Um den Prozeß zu wiederholen, muß das Produkt verkauft und mit dem aus ihm gelösten Geld beständig von neuem die Arbeitskraft gekauft und dem produktiven Kapital einverleibt werden. Dies gibt dann dem in Arbeitskraft ausgelegten Kapitalteil, ebenso wie dem in Arbeitsmaterial usw. ausgelegten, den Charakter von zirkulierendem Kapital im Gegensatz zu dem in den Arbeitsmitteln fixiert bleibenden Kapital.

Wird dagegen die sekundäre und ihm mit einem Teil des konstanten Kapitals (den Roh- und Hilfsstoffen) gemeinsame Bestimmung des zirkulierenden Kapitals zur wesentlichen Bestimmung des in Arbeitskraft aus gelegten Kapitalteils gemacht - nämlich daß der in ihm ausgelegte Wert sich ganz auf das Produkt überträgt, in dessen Produktion es konsumiert wird, und nicht allmählich und stückweis, wie beim fixen Kapital, daß er daher auch ganz durch den Verkauf des Produkts ersetzt werden muß -, so muß auch der in Arbeitslohn ausgelegte Kapitalteil stofflich nicht aus sich betätigender Arbeitskraft bestehn, sondern aus den stofflichen Elementen, die der Arbeiter mit seinem Lohn kauft, also aus dem Teil des gesellschaftlichen Warenkapitals, der in den Konsum des Arbeiters eingeht - aus Lebensmitteln. Das fixe Kapital besteht dann aus den langsamer vergänglichen und daher langsamer zu ersetzenden Arbeitsmitteln, das in Arbeitskraft ausgelegte Kapital aus den rascher zu ersetzenden Lebensmitteln.

'

<225> Die Grenzen der raschern oder langsamem Vergänglichkeit verwischen sich jedoch.

"Die Nahrung und Kleidung, die der Arbeiter konsumiert, die Gebäude, worin er arbeitet, die Werkzeuge, die bei seiner Arbeit mitwirken, sind alle vergänglicher Natur. Es besteht aber ein gewaltiger Unterschied in der Zeit, während welcher diese verschiednen Kapitale vorhalten; eine Dampfmaschine dauert länger als ein Schiff, ein Schiff länger als die Kleidung des Arbeiters, die Kleidung des Arbeiters wieder länger als die Nahrung, die er verzehrt."

(27)

Wobei Ricardo vergißt das Haus, worin der Arbeiter wohnt, seine Möbel, seine Konsumtionswerkzeuge, wie Messer, Gabeln, Gefäße etc., die alle denselben Charakter der Dauerhaftigkeit besitzen, wie die Arbeitsmittel. Dieselben Dinge, dieselben Klassen von Dingen erscheinen hier als Konsumtionsmittel, dort als Arbeitsmittel.

Der Unterschied, wie Ricardo ihn ausspricht, ist dieser:

"Je nachdem Kapital rasch vergänglich ist und oft reproduziert werden muß, oder je nachdem es langsam konsumiert wird, klassifiziert man es unter das zirkulierende oder unter das fixe Kapital."

(28)

Dazu macht er die Note:

"Eine unwesentliche Einteilung, in welcher zudem die Scheidelinie nicht genau gezogen werden kann."

(29)

So sind wir wieder glücklich bei den Physiokraten angekommen, wo der Unterschied zwischen avances annuelles und avances primitives ein Unterschied war in der Zeit der Konsumtion und daher auch in der verschiednen Reproduktionszeit des angewandten Kapitals. Nur, was bei ihnen ein für die gesellschaftliche Produktion wichtiges Phänomen ausdrückt und im Tableau économique auch im Zusammenhang mit dem Zirkulationsprozeß <226> dargestellt ist, wird hier zu einer subjektiven, und wie Ricardo selbst sagt, überflüssigen Unterscheidung.

Sobald der in Arbeit ausgelegte Kapitalteil sich nur durch seine Reproduktionsperiode und daher seinen Zirkulationstermin von dem in Arbeitsmitteln ausgelegten Kapitalteil unterscheidet, sobald der eine Teil aus Lebensmitteln besteht, wie der andre aus Arbeitsmitteln, so daß die erstern sich von den letztern <1. und 2. Auflage: letztern sich von den erstern> nur durch raschern Grad der Vergänglichkeit unterscheiden, wie erstere ja selbst verschiedne Grade der Vergänglichkeit besitzen - ist natürlich alle differentia spezifica <jeder kennzeichnende Unterschied> zwischen dem in Arbeitskraft und dem in Produktionsmitteln ausgelegten Kapital ausgelöscht.

Dies widerspricht ganz Ricardos Lehre vom Wert, sowie seiner Profittheorie, die tatsächlich Mehrwerttheorie ist. Er betrachtet überhaupt den Unterschied von fixem und zirkulierendem Kapital nur insoweit verschiedne Proportionen von beiden, bei gleich großen Kapitalen, in verschiednen Geschäftszweigen, das Gesetz des Werts beeinflussen, und zwar, inwieweit eine Erhöhung oder Senkung des Arbeitslohns infolge dieser Umstände die Preise affiziert. Doch selbst innerhalb dieser beschränkten Untersuchung begeht er, infolge der Verwechslung von fixem und zirkulierendem Kapital mit konstantem und variablem, die größten Irrtümer und geht in der Tat von einer ganz falschen Basis der Untersuchung aus. Es werden also 1., so weit der in Arbeitskraft ausgelegte Wertteil des Kapitals unter die Rubrik des zirkulierenden Kapitals zu subsumieren ist, die Bestimmungen des zirkulierenden Kapitals selbst falsch entwickelt und speziell die Umstände, die den in Arbeit ausgelegten Kapitalteil unter diese Rubrik subsumieren. 2. Es findet Verwechslung statt zwischen der Bestimmung, wonach der in Arbeit ausgelegte Kapitalteil variabel, und derjenigen, wonach er zirkulierend im Gegensatz zum fixen Kapital ist.

Es ist von vornherein klar, daß die Bestimmung des in Arbeitskraft ausgelegten Kapitals als zirkulierend oder flüssig eine sekundäre Bestimmung ist, worin seine differentia specifica im Produktionsprozeß ausgelöscht ist; denn in dieser Bestimmung sind einerseits die in Arbeit und die in Rohstoffen etc. ausgelegten Kapitale gleichwertig; eine Rubrik, die einen Teil des konstanten Kapitals identifiziert mit dem variablen Kapital, hat es nicht mit der differentia specifica des variablen Kapitals im Gegensatz zum konstanten zu tun. Andrerseits werden zwar die in Arbeit und die in Arbeitsmitteln ausgelegten Kapitalteile einander entgegengesetzt, aber keineswegs mit Bezug darauf, daß sie in ganz verschiedner Weise in die Produktion <227> des Werts eingehn, sondern mit Bezug darauf, daß von beiden ihr gegebner Wert auf das Produkt übertragen wird, nur in verschiednen Zeiträumen.

Es handelt sich in allen diesen Fällen darum, wie ein gegebner Wert, der im Produktionsprozeß der Ware ausgelegt wird, sei es Arbeitslohn, Preis des Rohstoffs oder Preis der Arbeitsmittel, auf das Produkt übertragen, daher durch das Produkt zirkuliert und durch seinen Verkauf zu seinem Ausgangspunkt zurückgeführt oder ersetzt wird. Der einzige Unterschied besteht hier in dem "wie", in der besondren Art und Weise der Übertragung und daher auch der Zirkulation dieses Werts.

Ob der in jedem Fall kontraktlich vorher bestimmte Preis der Arbeitskraft in Geld oder Lebensmitteln gezahlt wird, ändert nichts an seinem Charakter, ein bestimmter gegebner Preis zu sein. Indes ist bei dem in Geld gezahlten Arbeitslohn evident, daß nicht das Geld selbst in den Produktionsprozeß eingeht, in derselben Weise, wie nicht nur der Wert, sondern auch der Stoff der Produktionsmittel in den Produktionsprozeß eingeht. Werden dagegen die Lebensmittel, die der Arbeiter mit seinem Lohn kauft, direkt als stoffliche Gestalt des zirkulierenden Kapitals mit den Rohstoffen etc. unter eine Rubrik und den Arbeitsmitteln entgegen gestellt, so gibt dies der Sache einen andern Schein. Wenn der Wert dieser Dinge, der Produktionsmittel, im Arbeitsprozeß auf das Produkt übertragen wird, so erscheint der Wert jener andern Dinge, der Lebensmittel, in der Arbeitskraft, die sie verzehrt, wieder und wird durch Betätigung derselben ebenfalls auf das Produkt übertragen. Es handelt sich in allem diesem gleichmäßig um das bloße Wiedererscheinen der während der Produktion vorgeschoßnen Werte im Produkt. (Die Physiokraten nahmen dies ernsthaft und leugneten daher, daß die industrielle Arbeit Mehrwert schaffe.) So in der bereits zitierten Stelle <Siehe Band 23, S. 222> von Wayland:

"Es kommt nicht darauf an, in welcher Form das Kapital wieder erscheint ... die verschiednen Arten der Nahrung, Kleidung und Wohnung, die für das Dasein und Wohlbefinden des Menschen nötig sind, werden auch verändert. Sie werden im Lauf der Zeit verzehrt, und ihr Wert erscheint wieder etc." ("Elements of Pol. Econ.", p. 31, 32.)

Die der Produktion in Gestalt von Produktionsmitteln und Lebensmitteln vorgeschoßnen Kapitalwerte erscheinen hier gleichmäßig im Wert des Produkts wieder. Damit ist denn die Verwandlung des kapitalistischen Produktionsprozesses in ein vollständiges Mysterium glücklich vollbracht und <228> der Ursprung des im Produkt vorhandnen Mehrwerts gänzlich dem Blick entrückt.

Ferner vollendet sich damit der der bürgerlichen Ökonomie eigentümliche Fetischismus, der den gesellschaftlichen, ökonomischen Charakter, welchen Dinge im gesellschaftlichen Produktionsprozeß aufgeprägt erhalten, in einen natürlichen, aus der stofflichen Natur dieser Dinge entspringenden Charakter verwandelt. Z.B. Arbeitsmittel sind fixes Kapital - eine scholastische Bestimmung, die zu Widersprüchen und Konfusion führt. Ganz wie beim Arbeitsprozeß (Buch I, Kap. V) nachgewiesen wurde, daß es ganz von der jedesmaligen Rolle abhängt, welche die gegenständlichen Bestandteile in einem bestimmten Arbeitsprozeß spielen, von ihrer Funktion, ob sie als Arbeitsmittel, Arbeitsmaterial oder Produkt fungieren, - ganz ebenso sind Arbeitsmittel nur da fixes Kapital, wo der Produktionsprozeß überhaupt kapitalistischer Produktionsprozeß und daher die Produktionsmittel überhaupt Kapital sind, die ökonomische Bestimmtheit, den gesellschaftlichen Charakter von Kapital besitzen; und zweitens sind sie fixes Kapital nur, wenn sie ihren Wert in einer besondern Weise auf das Produkt übertragen. Wenn nicht, bleiben sie Arbeitsmittel, ohne fixes Kapital zu sein. Ebenso Hilfsstoffe, wie Dünger, wenn sie in derselben besondern Art Wert abgeben, wie der größte Teil der Arbeitsmittel, werden fixes Kapital, obgleich sie keine Arbeitsmittel sind. Es handelt sich hier nicht um Definitionen, unter welchen die Dinge subsumiert werden. Es handelt sich um bestimmte Funktionen, welche in bestimmten Kategorien ausgedrückt werden.

Gilt es für eine den Lebensmitteln an sich, unter allen Umständen zukommende Eigenschaft, in Arbeitslohn ausgelegtes Kapital zu sein, so wird es auch Charakter dieses "zirkulierenden" Kapitals, "die Arbeit zu erhalten", to support labour {Ricardo, p. 25}. Wären die Lebensmittel nicht "Kapital", so würden sie also nicht die Arbeitskraft erhalten; während ihr Kapitalcharakter ihnen gerade die Eigenschaft gibt, das Kapital zu erhalten durch fremde Arbeit.

Sind Lebensmittel an sich zirkulierendes Kapital - nachdem dieses verwandelt in Arbeitslohn -, so ergibt sich ferner, daß die Größe des Arbeitslohns abhängt von dem Verhältnis der Arbeiterzahl zu der gegebnen Masse des zirkulierenden Kapitals - ein beliebter ökonomischer Satz -, während in der Tat die Masse der Lebensmittel, die der Arbeiter dem Markt entzieht, und die Masse der Lebensmittel, worüber der Kapitalist zu seinem Konsum verfügt, abhängt vom Verhältnis des Mehrwerts zum Preis der Arbeit.

'

<229> Ricardo, wie Barton (29a), verwechselt überall das Verhältnis des variablen Kapitals zum konstanten mit dem Verhältnis des zirkulierenden Kapitals zum fixen. Wir werden später <Siehe Band 25, 1. bis 3. Kapitel> sehn, wie dies seine Untersuchung über die Profitrate verfälscht.

Ricardo setzt ferner die Unterschiede, die im Umschlag aus andren Gründen entspringen als aus dem Unterschied von fixem und zirkulierendem Kapital, mit diesem gleich:

"Es ist ferner zu bemerken, daß das zirkulierende Kapital in sehr ungleichen Zeiträumen zirkulieren oder seinem Anwender zurückfließen kann. Der von einem Pächter zur Aussaat gekaufte Weizen ist ein fixes Kapital verglichen mit dem von einem Bäcker zur Verwandlung in Brot gekauften Weizen. Der eine läßt ihn im Boden, und kann erst nach einem Jahr einen Rückfluß erhalten, der andre kann ihn zu Mehl vermahlen lassen und als Brot an seine Kunden verkaufen, so daß er innerhalb einer Woche sein Kapital wieder frei hat, um dieselbe Operation von neuem oder irgendeine andre damit zu beginnen."

(30)

Hier ist charakteristisch, daß Weizen, obgleich er als Saatkorn, nicht als Lebensmittel, sondern als Rohmaterial dient, erstens zirkulierendes Kapital ist, weil an sich Lebensmittel, und zweitens fixes Kapital, weil sein Rückfluß sich über ein Jahr erstreckt. Es ist aber nicht nur der langsamere oder schnellere Rückfluß, der ein Produktionsmittel zu fixem Kapital macht, sondern die bestimmte Art und Weise der Wertabgabe an das Produkt.

Die von A. Smith angerichtete Konfusion hat zu folgenden Resultaten geführt:

1. Der Unterschied zwischen fixem und flüssigem Kapital wird verwechselt mit dem Unterschied von produktivem Kapital und Warenkapital. So ist z.B. dieselbe Maschine zirkulierendes Kapital, wenn sie sich als Ware auf dem Markt befindet, und fixes Kapital, wenn sie dem Produktionsprozeß <230> einverleibt ist. Dabei ist absolut nicht abzusehn, warum eine bestimmte Art Kapital mehr fix oder mehr zirkulierend sein soll als die andre.

2. Alles zirkulierende Kapital wird identifiziert mit in Arbeitslohn ausgelegtem oder auszulegendem Kapital. So bei J. St. Mill u.a.

3. Der Unterschied zwischen variablem und konstantem Kapital, der schon bei Barton, Ricardo u.a. mit dem von zirkulierendem und fixem verwechselt, wird endlich ganz auf diesen reduziert, wie z.B. bei Ramsay, wo alle Produktionsmittel, Rohstoffe etc. sowohl wie Arbeitsmittel, fixes Kapital und nur das in Arbeitslohn ausgelegte Kapital zirkulierendes Kapital ist. Weil aber die Reduktion in dieser Form geschieht, wird der wirkliche Unterschied von konstantem und variablem Kapital nicht begriffen.

4. Bei den neuesten englischen, besonders schottischen Ökonomen, die alles vom unsäglich bornierten Standpunkt des Bankierkommis betrachten, wie Macleod, Patterson u.a., verwandelt sich der Unterschied von fixem und zirkulierendem Kapital in den von money at call und money not at call (Depositengeld, das ohne Kündigung oder nur nach vorheriger Kündigung zurückgezogen werden kann).



Fußnoten

(25) "This difference in the degree of durability of fixed capital, and this variety in the proportions in which the two sorts of capital may be combined." - "Principles", p. 25. <=

(26) "The proportions, too, in which the capital that is to support labour, and the capital that is invested in tools, machinery, and buildings, may be variously combined." - l.c. <=

(27) "The food and clothing consumed by the labourer, the buildings in which he works, the implements with which his labour is assisted, are all of a perishable nature. There is, however, a vast difference in the time for which these different capitals will endure: a steam-engine will last longer than a ship, a ship than the clothing of the labourer, and the clothing of the labourer longer than the food which he consumes." - Ricardo, etc., p. 26. <=

(28) "According as capital is rapidly perishable and requires to be frequently reproduced, or is of slow consumption, it is classed under the heads of circulating, or fixed capital." <=

(29) "A division not essential, and in which the line of demarcation cannot be accurately drawn." <=

(29a) "Observations on the Circumstances which influence the Condition of the labouring Classes of Society." London 1817. Eine einschlägige Stelle ist zitiert Buch I, S. 655 <Siehe Band 23, S. 660>, Note 79. <=

(30) "It is also to be observed that the circulating capital may circulate, or be returned to its employer, in very unequal times. The wheat bought by a farmer to sow is comparatively a fixed capital to the wheat purchased by a baker to make into loaves. The one leaves it in the ground, and can obtain no return for a year; the other can get it ground into flour, sell it as bread to his customers, and have his capital free, to renew the same, or commence any other employment in a week." (p. 26, 27.) <=


11. Kapitel. Theorien über fixes und zirkulierendes Kapital | Inhalt | 13. Kapitel. Die Produktionszeit

Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 24, "Das Kapital", Bd. II, 2. Abschnitt, S. 231 - 240 Dietz Verlag, Berlin/DDR 1963

ZWÖLFTES KAPITEL Die Arbeitsperiode

'

<231> Nehmen wir zwei Geschäftszweige, worin gleich großer Arbeitstag, sage zehnstündiger Arbeitsprozeß, z.B. Baumwollspinnerei und Fabrikation von Lokomotiven. In dem einen Zweig wird täglich, wöchentlich ein bestimmtes Quantum fertiges Produkt geliefert, Baumwollengarn; in dem andren muß der Arbeitsprozeß vielleicht während drei Monaten wiederholt werden, um ein fertiges Produkt, eine Lokomotive, herzustellen. In dem einen Fall ist das Produkt diskreter Natur, und täglich oder wöchentlich beginnt dieselbe Arbeit von neuem. In dem andern Fall ist der Arbeitsprozeß kontinuierlich, erstreckt sich über eine längere Anzahl täglicher Arbeitsprozesse, die in ihrer Verbindung, in der Kontinuität ihrer Operation erst nach längrer Frist ein fertiges Produkt liefern. Obgleich die Dauer des täglichen Arbeitsprozesses hier dieselbe ist, findet ein sehr bedeutender Unterschied statt in der Dauer des Produktionsakts, d.h. in der Dauer der wiederholten Arbeitsprozesse, die erheischt sind, um das Produkt fertig zu liefern, es als Ware auf den Markt zu schicken, also es aus produktivem Kapital in Warenkapital zu verwandeln. Der Unterschied zwischen fixem und zirkulierendem Kapital hat hiermit nichts zu tun. Der angegebne Unterschied würde bestehn, selbst wenn in beiden Geschäftszweigen genau dieselben Proportionen von fixem und zirkulierendem Kapital angewandt würden.

Diese Unterschiede in der Dauer des Produktionsakts finden statt, nicht nur zwischen verschiednen Produktionssphären, sondern auch innerhalb derselben Produktionssphäre, je nach dem Umfang des zu liefernden Produkts. Ein gewöhnliches Wohnhaus wird in kürzrer Zeit gebaut als eine größre Fabrik und erfordert daher eine geringre Zahl kontinuierlicher Arbeitsprozesse. Wenn der Bau einer Lokomotive drei Monate, kostet der eines Panzerschiffes ein oder mehrere Jahre. Die Getreideproduktion nimmt beinahe ein Jahr in Anspruch, die Produktion von Hornvieh mehrere Jahre, die Holzzucht kann von 12 bis 100 Jahre umfassen; ein Landweg vielleicht <232> in einigen Monaten gebaut werden, wo eine Eisenbahn Jahre erfordert; ein gewöhnlicher Teppich vielleicht eine Woche, Gobelins Jahre etc. Die Unterschiede in der Dauer des Produktionsakts sind also unendlich mannigfaltig.

Der Unterschied in der Dauer des Produktionsakts muß offenbar einen Unterschied in der Geschwindigkeit des Umschlags bei gleichgroßer Kapitalauslage erzeugen, also in den Zeiträumen, für welche ein gegebnes Kapital vorgeschossen ist. Gesetzt, die Maschinenspinnerei und die Lokomotivenfabrik wendeten gleichgroßes Kapital an, die Teilung zwischen konstantem und variablem Kapital sei dieselbe, auch die zwischen den fixen und flüssigen Bestandteilen des Kapitals, endlich sei der Arbeitstag gleich groß und seine Teilung zwischen notwendiger Arbeit und Mehrarbeit dieselbe. Um ferner alle aus dem Zirkulationsprozeß entspringenden und diesem Fall äußerlichen Umstände zu beseitigen, wollen wir annehmen, daß beide, Garn und Lokomotive, auf Bestellung fabriziert und bei Lieferung des fertigen Produkts bezahlt werden. Nach Ende der Woche, bei Ablieferung des fertigen Garns, erhält der Spinnfabrikant (wir sehn hier vom Mehrwert ab) das ausgelegte zirkulierende Kapital zurück und ebenso den Verschleiß des fixen Kapitals, der im Garnwert steckt. Er kann also mit demselben Kapital denselben Kreislauf von neuem wiederholen. Es hat seinen Umschlag vollbracht. Der Lokomotivfabrikant dagegen muß während der drei Monate Woche für Woche immer neues Kapital in Arbeitslohn und Rohmaterial auslegen, und erst nach drei Monaten, nach Ablieferung der Lokomotive, befindet sich das während dieser Zeit in einem und demselben Produktionsakt, zur Herstellung einer und derselben Ware, nach und nach ausgelegte zirkulierende Kapital wieder in einer Form, worin es seinen Kreislauf von neuem beginnen kann; ebenso wird ihm der Verschleiß der Maschinerie während dieser drei Monate erst jetzt ersetzt. Die Auslage des einen ist die für eine Woche, die des andren ist die Wochenauslage multipliziert mit 12. Alle andren Umstände gleich vorausgesetzt, muß der eine zwölfmal mehr zirkulierendes Kapital zur Verfügung haben als der andre.

Daß die wöchentlich vorgeschoßnen Kapitale gleich sind, ist hier jedoch ein gleichgültiger Umstand. Welches immer die Größe des vorgeschoßnen Kapitals, in dem einen Fall ist es nur für eine Woche, in dem andren für zwölf Wochen vorgeschossen, bevor von neuem damit operiert, dieselbe Operation damit wiederholt oder eine andersartige damit begonnen werden kann.

Der Unterschied in der Geschwindigkeit des Umschlags oder der Zeitlänge, für welche das einzelne Kapital vorgeschossen werden muß, bevor <233> derselbe Kapitalwert wieder zu einem neuen Arbeits- oder Verwertungsprozeß dienen kann, entspringt hier daraus:

Nehmen wir an, der Bau der Lokomotive oder irgendeiner Maschine koste 100 Arbeitstage. Mit Bezug auf die in Spinnerei und Maschinenbau beschäftigten Arbeiter bilden die 100 Arbeitstage gleichmäßig eine diskontinuierliche (diskrete) Größe, nach der Unterstellung aus 100 aufeinanderfolgenden, separaten zehnstündigen Arbeitsprozessen bestehend. Aber mit Bezug auf das Produkt - die Maschine - bilden die 100 Arbeitstage eine kontinuierliche Größe, einen Arbeitstag von 1000 Arbeitsstunden, einen einzigen zusammenhängenden Produktionsakt. Einen solchen Arbeitstag, der durch die Aufeinanderfolge mehr oder minder zahlreicher zusammenhängender Arbeitstage gebildet ist, nenne ich eine Arbeitsperiode. Sprechen wir vom Arbeitstag, so meinen wir die Länge der Arbeitszeit, während deren der Arbeiter seine Arbeitskraft täglich verausgaben, täglich arbeiten muß. Sprechen wir dagegen von der Arbeitsperiode, so bedeutet das die Zahl zusammenhängender Arbeitstage, die in einem bestimmten Geschäftszweig erheischt ist, um ein fertiges Produkt zu liefern. Das Produkt jedes Arbeitstags ist hier nur ein Teilprodukt, welches Tag für Tag weiter ausgeführt wird und erst am Schluß der längern oder kürzern Periode der Arbeitszeit seine fertige Gestalt erhält, ein fertiger Gebrauchswert ist.

Unterbrechungen, Störungen des gesellschaftlichen Produktionsprozesses, z.B. infolge von Krisen, wirken daher sehr verschieden auf Arbeitsprodukte, die diskreter Natur sind, und auf solche, die zu ihrer Produktion eine längere, zusammenhängende Periode erheischen. Auf die heutige Produktion einer bestimmten Masse von Garn, Kohle usw. folgt in dem einen Fall morgen keine neue Produktion von Garn, Kohle usw. Anders aber mit Schiffen, Gebäuden, Eisenbahnen usw. Nicht nur die Arbeit wird unterbrochen, ein zusammenhängender Produktionsakt wird unterbrochen. Wird das Werk nicht weitergeführt, so sind die bereits in seiner Produktion verzehrten Produktionsmittel und Arbeit nutzlos verausgabt. Selbst wenn es wieder aufgenommen wird, hat in der Zwischenzeit stets Deterioration stattgefunden.

Während der ganzen Dauer der Arbeitsperiode häuft sich schichtweis der Wertteil, den das fixe Kapital täglich an das Produkt bis zu dessen Reife abgibt. Und hier zeigt sich zugleich der Unterschied von fixem und zirkulierendem Kapital in seiner praktischen Wichtigkeit. Das fixe Kapital ist für längre Zeitdauer dem Produktionsprozeß vorgeschossen, es braucht nicht vor Ablauf dieser vielleicht mehrjährigen Frist erneuert zu werden. <234> Der Umstand, ob die Dampfmaschine ihren Wert stückweis täglich auf Garn, das Produkt eines diskreten Arbeitsprozesses, oder während drei Monaten auf eine Lokomotive, das Produkt eines kontinuierlichen Produktionsakts, abgibt, ändert durchaus nichts an der Auslage des für den Ankauf der Dampfmaschine nötigen Kapitals. In dem einen Fall strömt ihr Wert in kleinen Dosen zurück, z.B. wöchentlich, im andern in größren Massen, z.B. dreimonatlich. Aber in beiden Fällen findet die Erneuerung der Dampfmaschine vielleicht erst nach 20 Jahren statt. Solange jede einzelne Periode, innerhalb deren ihr Wert durch Verkauf des Produkts stückweis zurückfließt, kürzer ist als ihre eigne Existenzperiode, fährt dieselbe Dampfmaschine fort, während mehrerer Arbeitsperioden im Produktionsprozeß zu fungieren.

Anders verhält es sich dagegen mit den zirkulierenden Bestandteilen des vorgeschoßnen Kapitals. Die für diese Woche gekaufte Arbeitskraft ist verausgabt während dieser Woche und hat sich im Produkt vergegenständlicht. Sie muß Ende dieser Woche bezahlt werden. Und diese Kapitalauslage in Arbeitskraft wiederholt sich wöchentlich während der drei Monate, ohne daß die Verausgabung dieses Kapitalteils in der einen Woche den Kapitalisten befähige, den Ankauf der Arbeit in der nächsten Woche zu bestreiten. Es muß wöchentlich neues zuschüssiges Kapital in Zahlung von Arbeitskraft verausgabt werden und, wenn wir von allen Kreditverhältnissen absehn, muß der Kapitalist fähig sein, für die Zeit von drei Monaten Arbeitslohn auszulegen, obgleich er ihn nur in wöchentlichen Dosen zahlt. Ebenso mit dem andern Teil des zirkulierenden Kapitals, den Roh- und Hilfsstoffen. Eine Schicht von Arbeit nach der andern lagert sich auf dem Produkt ab. Nicht nur der Wert der verausgabten Arbeitskraft, sondern auch Mehrwert wird beständig während des Arbeitsprozesses auf das Produkt übertragen, aber auf unfertiges Produkt, das noch nicht die Gestalt der fertigen Ware hat, also noch nicht zirkulationsfähig ist. Dasselbe gilt von dem in Roh- und Hilfsstoffen schichtweis auf das Produkt übertragnen Kapitalwert.

Je nach der längern oder kürzern Dauer der Arbeitsperiode, welche die spezifische Natur des Produkts oder des zu erreichenden Nutzeffekts zu ihrer Herstellung beansprucht, ist eine beständige, zuschüssige Ausgabe von zirkulierendem Kapital (Arbeitslohn, Roh- und Hilfsstoffen) erfordert, wovon kein Teil sich in einer zirkulationsfähigen Form befindet und daher zur Erneuerung derselben Operation dienen könnte; jeder Teil vielmehr sukzessive als Bestandteil des werdenden Produkts innerhalb der Produktionssphäre festgelegt, in Form von produktivem Kapital gebunden ist. Die Um- <235> schlagszeit ist aber gleich der Summe der Produktionszeit und der Zirkulationszeit des Kapitals. Eine Verlängerung der Produktionszeit vermindert also ebensosehr die Umschlagsgeschwindigkeit wie eine Verlängerung der Zirkulationszeit. In dem vorliegenden Fall ist aber Doppeltes zu bemerken:

Erstens: der verlängerte Aufenthalt in der Produktionssphäre. Das z.B. in der ersten Woche in Arbeit, Rohmaterial etc. vorgeschoßne Kapital, ebenso wie die vom fixen Kapital an das Produkt abgegebnen Wertteile, bleiben für den ganzen Termin von drei Monaten in die Produktionssphäre gebannt und können, als einem erst werdenden, noch unfertigen Produkt einverleibt, nicht als Ware in die Zirkulation treten.

Zweitens: Da die für den Produktionsakt nötige Arbeitsperiode drei Monate dauert, in der Tat nur einen zusammenhängenden Arbeitsprozeß bildet, so muß beständig wöchentlich eine neue Dose von zirkulierendem Kapital den vorhergehenden zugefügt werden. Die Masse des nacheinander vorgeschoßnen, zusätzlichen Kapitals wächst also mit der Länge der Arbeitsperiode.

Wir haben unterstellt, daß in der Spinnerei und Maschinenfabrikation gleichgroße Kapitale angelegt sind, daß diese Kapitale in gleichgroßen Proportionen in konstantes und variables Kapital, ditto in fixes und zirkulierendes geteilt sind, daß die Arbeitstage gleich lang sind, kurz, daß alle Umstände dieselben sind, außer der Dauer der Arbeitsperiode. In der ersten Woche ist die Auslage für beide gleichgroß, aber das Produkt des Spinners kann verkauft und mit dem Erlös neue Arbeitskraft und neue Rohstoffe etc. gekauft, kurz, die Produktion auf derselben Stufenleiter fortgeführt werden. Der Maschinenfabrikant dagegen kann das in der ersten Woche verausgabte zirkulierende Kapital erst nach drei Monaten, nach Fertigstellung seines Produkts, in Geld rückverwandeln und damit von neuem operieren. Es ist also erstens Differenz im Rückfluß desselben ausgelegten Kapitalquantums. Zweitens aber: Während der drei Monate ist gleichgroßes produktives Kapital in der Spinnerei und dem Maschinenbau angewandt, aber die Größe der Kapitalauslage ist für den Spinner und den Maschinenbauer durchaus verschieden, weil in dem einen Fall dasselbe Kapital sich rasch erneuert und dieselbe Operation daher von neuem wiederholen kann; in dem andern sich relativ nur langsam erneuert und daher bis zum Termin seiner Erneuerung beständig neue Kapitalquanta den alten hinzugefügt werden müssen. Es ist also sowohl die Zeitlänge verschieden, worin sich bestimmte Portionen des Kapitals erneuern, oder die Länge der Vorschußzeit, wie auch die Masse des Kapitals (obgleich das täglich oder wöchentlich angewandte Kapital dasselbe ist), die je nach der Länge des <236> Arbeitsprozesses vorgeschossen werden muß. Der Umstand ist deswegen zu merken, weil die Länge des Vorschusses wachsen kann, wie in den im folgenden Kapitel zu betrachtenden Fällen, ohne daß deswegen die Masse des vorzuschießenden Kapitals im Verhältnis zu dieser Zeitlänge wächst. Das Kapital muß länger vorgeschossen werden, und eine größre Menge Kapital ist in der Form von produktivem Kapital gebunden.

Auf den unentwickelteren Stufen der kapitalistischen Produktion werden Unternehmungen, die eine lange Arbeitsperiode, also große Kapitalauslage für längre Zeit bedingen, namentlich wenn nur auf großer Stufenleiter ausführbar, entweder gar nicht kapitalistisch betrieben, wie z.B. Straßen, Kanäle etc. auf Gemeinde- oder Staatskosten (in ältren Zeiten meist durch Zwangsarbeit, soweit die Arbeitskraft in Betracht kommt). Oder solche Produkte, deren Herstellung eine längre Arbeitsperiode bedingt, werden nur zum geringsten Teil durch das Vermögen des Kapitalisten selbst fabriziert. Z.B. beim Hausbau zahlt die Privatperson, für welche das Haus gebaut wird, portionsweis Vorschüsse an den Bauunternehmer. Sie zahlt daher in der Tat das Haus stückweis, im Maß, wie sein Produktionsprozeß vorangeht. In der entwickelten kapitalistischen Ära dagegen, wo einerseits massenhafte Kapitale in den Händen einzelner konzentriert sind, andrerseits neben den Einzelkapitalisten der assoziierte Kapitalist (Aktiengesellschaften) tritt und gleichzeitig das Kreditwesen entwickelt ist, baut ein kapitalistischer Bauunternehmer nur noch ausnahmsweis auf Bestellung für einzelne Privatpersonen. Er macht ein Geschäft daraus, Häuserreihen und Stadtviertel für den Markt zu bauen, wie einzelne Kapitalisten ein Geschäft daraus machen, Eisenbahnen als Kontraktoren zu bauen.

Wie die kapitalistische Produktion den Häuserbau in London umgewälzt hat, darüber geben uns die Aussagen eines Bauunternehmers vor dem Bankkomitee von 1857 Auskunft. In seiner Jugend, sagte er, wurden Häuser meistens auf Bestellung gebaut und der Betrag während des Baues ratenweise an den Unternehmer bezahlt bei Vollendung gewisser Stadien des Baues. Auf Spekulation wurde nur wenig gebaut; die Unternehmer ließen sich hierauf hauptsächlich nur ein, um ihre Arbeiter regelmäßig beschäftigt und damit zusammenzuhalten. Seit den letzten 40 Jahren hat sich das alles geändert. Auf Bestellung wird nur noch sehr wenig gebaut. Wer ein neues Haus braucht, sucht sich eins aus von den auf Spekulation gebauten oder noch im Bau begriffnen. Der Unternehmer arbeitet nicht mehr für den Kunden, sondern für den Markt; ganz wie jeder andre Industrielle ist er gezwungen, fertige Ware im Markt zu haben. Während früher ein Unternehmer vielleicht drei oder vier Häuser gleichzeitig auf Spekulation im <237> Bau hatte, muß er jetzt ein ausgedehntes Grundstück kaufen (d.h. in kontinentaler Ausdrucksweise auf meist 99 Jahre mieten), bis zu 100 oder 200 Häuser darauf errichten und sich so auf eine Unternehmung einlassen, die sein Vermögen um das zwanzig bis fünfzigfache übersteigt. Die Fonds werden beschafft durch Aufnahme von Hypotheken, und das Geld dem Unternehmer zur Verfügung gestellt im Maß, wie der Bau der einzelnen Häuser fortschreitet. Kommt dann eine Krisis, die die Einzahlung der Vorschußraten zum Stocken bringt, so scheitert gewöhnlich die ganze Unternehmung; im besten Fall bleiben die Häuser unvollendet bis auf beßre Zeiten, im schlimmsten kommen sie unter den Hammer und werden zum halben Preis losgeschlagen. Ohne Spekulationsbau, und das auf großer Stufenleiter, kann heute kein Unternehmer mehr vorankommen. Der Profit aus dem Bauen selbst ist äußerst gering; sein Hauptgewinn besteht in Steigerung der Grundrente, in geschickter Auswahl und Ausnutzung des Bauterrains. Auf diesem Wege der die Nachfrage nach Häusern antizipierenden Spekulation sind fast ganz Belgravia und Tyburnia und die zahllosen Tausende von Villen um London gebaut worden. (Abgekürzt aus "Report from the Select Committee on Bank Acts", Part I, 1857, Evidence, Fragen 5413 - 5418, 5435 - 5436.)

Die Ausführung von Werken von bedeutend langer Arbeitsperiode und großer Stufenleiter fällt erst vollständig der kapitalistischen Produktion anheim, wenn die Konzentration des Kapitals bereits sehr bedeutend ist, andrerseits die Entwicklung des Kreditsystems dem Kapitalisten das bequeme Auskunftsmittel bietet, fremdes statt sein eignes Kapital vorzuschießen und daher auch zu riskieren. Es versteht sich jedoch von selbst, daß der Umstand, ob das der Produktion vorgeschoßne Kapital seinem Anwender gehört oder nicht gehört, auf Umschlagsgeschwindigkeit und Umschlagszeit keinen Einfluß hat.

Die Umstände, welche das Produkt des einzelnen Arbeitstags vergrößern, wie Kooperation, Teilung der Arbeit, Anwendung der Maschinerie, verkürzen zugleich die Arbeitsperiode bei zusammenhängenden Produktionsakten. So verkürzt Maschinerie die Bauzeit von Häusern, Brücken etc.; die Mäh- und Dreschmaschine etc. verkürzen die Arbeitsperiode, erheischt, um das gereifte Korn in fertige Ware zu verwandeln. Verbesserter Schiffsbau verkürzt mit vermehrter Geschwindigkeit die Umschlagszeit des in der Schiffahrt ausgelegten Kapitals. Diese Verbesserungen, welche die Arbeitsperiode und daher die Zeit verkürzen, für welche zirkulierendes Kapital vorgeschossen werden muß, sind jedoch meist verbunden mit vermehrter Auslage von fixem Kapital. Andrerseits kann die Arbeitsperiode in bestimmten <238> Zweigen verkürzt werden durch bloße Ausdehnung der Kooperation; die Fertigstellung einer Eisenbahn wird dadurch verkürzt, daß große Arbeiterarmeen auf die Beine gestellt werden und das Werk daher vielseitig im Raum angegriffen wird. Die Umschlagszeit wird hier verkürzt durch Wachstum des vorgeschoßnen Kapitals. Mehr Produktionsmittel und mehr Arbeitskraft müssen unter dem Kommando des Kapitalisten vereint sein.

Wenn die Verkürzung der Arbeitsperiode daher meist mit Vergrößerung des für die kürzre Zeit vorgeschoßnen Kapitals verbunden ist, so daß, im Maß wie die Vorschußzeit sich verkürzt, die Masse, worin das Kapital vorgeschossen wird, sich vergrößert - so ist hier zu erinnern, daß, abgesehn von der vorhandnen Masse des gesellschaftlichen Kapitals, es darauf ankommt, in welchem Grade die Produktions- und Lebensmittel, resp. die Verfügung darüber, zersplittert oder in den Händen individueller Kapitalisten vereinigt sind, also welchen Umfang die Konzentration der Kapitale bereits erreicht hat. Insofern der Kredit die Konzentration von Kapital in einer Hand vermittelt, beschleunigt und steigert, trägt er dazu bei, die Arbeitsperiode, und damit die Umschlagszeit, abzukürzen.

In Produktionszweigen, wo die Arbeitsperiode, sei sie nun kontinuierlich oder unterbrochen, durch bestimmte Naturbedingungen vorgeschrieben ist, kann keine Verkürzung durch die oben angegebnen Mittel stattfinden.

"Der Ausdruck: rascherer Umschlag, kann nicht auf Kornernten angewandt werden, da nur ein Umschlag im Jahr möglich ist. Was den Viehstand angeht, wollen wir einfach fragen: Wie ist der Umschlag zwei- und dreijähriger Schafe und vier- und fünfjähriger Ochsen zu beschleunigen?" (W. Walter Good: "Political, Agricultural, and Commercial Fallacies", London 1866, p. 325.)

Die Notwendigkeit, früher Geld flüssig zu haben (z.B. um fixe Leistungen wie Steuern, Grundrente etc. zu zahlen), löst diese Frage dadurch, daß Vieh z.B. verkauft und geschlachtet wird, bevor es das ökonomische Normalalter erreicht hat, zum großen Schaden der Agrikultur; es bewirkt dies auch schließlich ein Steigen der Fleischpreise.

"Die Leute, welche früher hauptsächlich Vieh züchteten, um die Weidegründe der Midland counties <Grafschaften im Inneren des Landes> im Sommer und die Ställe der östlichen Grafschaften im Winter damit zu versorgen ... sind durch die Schwankungen und Senkungen der Kornpreise so heruntergebracht worden, daß sie froh sind, aus den hohen Preisen von Butter und Käse Vorteil ziehn zu können; die erstre bringen sie wöchentlich auf den Markt, um laufende Ausgaben zu decken; gegen den letztren nehmen sie Vorschüsse von einem Faktor, der den Käse abholt, sobald er transportfähig ist, und <239> der natürlich seinen eignen Preis macht. Aus diesem Grund, und da die Landwirtschaft durch die Grundsätze der politischen Ökonomie regiert wird, werden die Kälber, die früher von den milchwirtschaftenden Gegenden zur Aufzucht nach Süden kamen, jetzt massenweise geopfert, oft, wenn sie erst acht bis zehn Tage alt sind, in den Schlachthäusern von Birmingham, Manchester, Liverpool und andern benachbarten Großstädten. Wäre dagegen das Malz unbesteuert, so hatten nicht nur die Pächter mehr Profit gemacht, und so ihr Jungvieh behalten können, bis es älter und schwerer wurde, sondern das Malz hätte auch statt Milch zur Aufzucht von Kälbern gedient bei Leuten, die keine Kühe halten; und der jetzige erschreckende Mangel an Jungvieh wäre großenteils vermieden worden. Empfiehlt man diesen kleinen Leuten jetzt, die Kälber aufzuziehn, so sagen sie: Wir wissen sehr wohl, daß die Aufzucht mit Milch sich lohnen würde, aber erstens müßten wir Geld auslegen, und das können wir nicht, und zweitens müßten wir lange warten, bis wir unser Geld wiederbekommen, während wir es in der Milchwirtschaft sogleich zurückerhalten." (Ibid., p. 11, 12.)

Wenn die Verlängrung des Umschlags solche Folgen schon bei kleinern englischen Pächtern hat, so ist leicht zu begreifen, welche Störungen sie bei den Kleinbauern des Kontinents hervorrufen muß.

Entsprechend der Dauer der Arbeitsperiode, also auch der Zeitperiode bis zur Fertigstellung der zirkulationsfähigen Ware, häuft sich der Wertteil, den das fixe Kapital schichtweis an das Produkt abgibt, und verzögert sich der Rückfluß dieses Wertteils. Aber diese Verzögrung verursacht nicht erneuerte Auslage in fixem Kapital. Die Maschine fährt fort, im Produktionsprozeß zu wirken, ob der Ersatz ihres Verschleißes langsamer oder rascher in Geldform zurückströmt. Anders verhält es sich mit dem zirkulierenden Kapital. Nicht nur muß im Verhältnis zur Dauer der Arbeitsperiode Kapital auf längre Zeit festgelegt, es muß auch beständig neues Kapital in Arbeitslohn, Roh- und Hilfsstoffen vorgeschossen werden. Verzögerter Rückfluß wirkt daher verschieden auf beide. Der Rückfluß mag langsamer oder rascher sein, das fixe Kapital fährt fort zu wirken. Das zirkulierende Kapital dagegen wird funktionsunfähig bei verzögertem Rückfluß, wenn es in der Form von unverkauftem oder unfertigem, noch nicht verkäuflichem Produkt festliegt und kein Zuschußkapital vorhanden ist. um es in natura zu erneuern. -

"Während der Bauer verhungert, gedeiht sein Vieh. Es hatte ziemlich geregnet, und das Grasfutter stand üppig. Der indische Bauer wird verhungern neben einem fetten Ochsen. Die Vorschriften des Aberglaubens erscheinen grausam gegenüber dem Einzelnen, aber sie sind erhaltend für die Gesellschaft; die Erhaltung des Arbeitsviehs sichert den Fortgang des Ackerbaus, und damit die Quellen künftigen Lebensunterhalts und Reichtums. Es mag hart und traurig lauten, aber es ist so: In Indien ist ein Mensch <240> leichter zu ersetzen als ein Ochse." ("Return, East India. Madras and Orissa Famine", Nr. 4, p. 44.)

Man vergleiche hiermit den Satz des "Manava-Dharma-Sastra", Cap. X, § 62:

"Hingebung des Lebens ohne Belohnung, um einen Priester oder eine Kuh zu erhalten ... kann die Seligkeit dieser niedrig gebornen Stämme sichern."

Es ist natürlich unmöglich, ein fünfjähriges Tier vor dem Ende von fünf Jahren zu liefern. Was aber innerhalb gewisser Grenzen möglich, das ist, durch veränderte Behandlungsweise Tiere in kürzrer Zeit für ihre Bestimmung fertigzumachen. Dies wurde namentlich geleistet durch Bakewell. Früher waren englische Schafe, wie die französischen noch 1855, vor dem vierten oder fünften Jahre nicht schlachtfertig. Nach Bakewells System kann schon ein einjähriges Schaf gemästet werden, und in jedem Fall ist es vor Ablauf des zweiten Jahres vollständig ausgewachsen. Durch sorgfältige Zuchtwahl reduzierte Bakewell, Pächter von Dishley Grange, das Knochenskelett der Schafe auf das zu ihrer Existenz notwendige Minimum. Seine Schafe hießen die New Leicesters.

"Der Züchter kann jetzt drei Schafe auf den Markt liefern in derselben Zeit, in der er früher eins fertigstellte, und das in breiterer, runderer, größerer Entwicklung der am meisten Fleisch gebenden Teile. Fast ihr ganzes Gewicht ist pures Fleisch." (Lavergne, "The Rural Economy of England etc.", 1855, p. 20.)

Die Methoden, welche die Arbeitsperiode abkürzen, sind in verschiednen Industriezweigen nur in sehr verschiednem Grad anwendbar und gleichen nicht die Unterschiede in der Zeitlänge der verschiednen Arbeitsperioden aus. Um bei unsrem Beispiel zu bleiben, so mag durch Anwendung neuer Werkzeugmaschinen die zur Herstellung einer Lokomotive nötige Arbeitsperiode absolut verkürzt werden. Wird aber durch verbesserte Prozesse in der Spinnerei das täglich oder wöchentlich gelieferte fertige Produkt ungleich rascher vermehrt, so hat die Länge der Arbeitsperiode in der Maschinenfabrikation dennoch relativ zugenommen, im Vergleich mit der Spinnerei.


12. Kapitel. Die Arbeitsperiode | Inhalt | 14. Kapitel. Die Umlaufszeit

Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 24, "Das Kapital", Bd. II, 2. Abschnitt, S. 241 - 250 Dietz Verlag, Berlin/DDR 1963

DREIZEHNTES KAPITEL Die Produktionszeit

'

<241> Die Arbeitszeit ist immer Produktionszeit, d.h. Zeit, während deren das Kapital in die Produktionssphäre gebannt ist. Aber umgekehrt ist nicht alle Zeit, während deren das Kapital sich im Produktionsprozeß befindet, deswegen notwendig auch Arbeitszeit.

Es handelt sich hier nicht um Unterbrechungen des Arbeitsprozesses, welche durch die Naturschranken der Arbeitskraft selbst bedingt sind, obgleich sich gezeigt hat, wie sehr der bloße Umstand, daß das fixe Kapital, Fabrikgebäude, Maschinerie usw., während der Pausen des Arbeitsprozesses brachliegt, eins der Motive wurde zur unnatürlichen Verlängrung des Arbeitsprozesses und zur Tag - und Nachtarbeit. <Siehe Band 23, S. 271 - 278> Es handelt sich hier von einer, von der Länge des Arbeitsprozesses unabhängigen, durch die Natur des Produkts und seiner Herstellung selbst bedingten Unterbrechung, während deren der Arbeitsgegenstand kürzer oder länger dauernden Naturprozessen unterworfen ist, physikalische, chemische, physiologische Veränderungen durchmachen muß, während deren der Arbeitsprozeß ganz oder teilweise suspendiert ist.

So muß gekelterter Wein erst eine Zeitlang die Gärung durchmachen und dann wieder eine Zeitlang liegen, um einen bestimmten Grad der Vollkommenheit zu erreichen. In vielen Industriezweigen muß das Produkt eine Trocknung durchmachen, wie in der Töpferei, oder gewissen Umständen ausgesetzt sein, um seine chemische Beschaffenheit zu ändern, wie in der Bleicherei. Winterkorn braucht vielleicht neun Monate zur Reife. Zwischen Saat- und Erntezeit ist der Arbeitsprozeß fast ganz unterbrochen. In der Holzzucht, nachdem die Aussaat und die dabei nötigen Vorarbeiten beendet, braucht der Same vielleicht 100 Jahre, um in fertiges Produkt verwandelt zu werden; während dieser ganzen Zeit braucht er relativ nur sehr unbedeutende Einwirkung von Arbeit.

'

<242> In allen diesen Fällen wird während eines großen Teils der Produktionszeit nur stellenweis zuschüssige Arbeit zugesetzt. Das im vorigen Kapitel beschriebne Verhältnis, wo dem bereits im Produktionsprozeß festgelegten Kapital zuschüssiges Kapital und Arbeit zugesetzt werden muß, findet hier nur mit längern oder kurzem Unterbrechungen statt.

In allen diesen Fällen besteht also die Produktionszeit des vorgeschoßnen Kapitals aus zwei Perioden: Einer Periode, worin das Kapital sich im Arbeitsprozeß befindet: einer zweiten Periode, worin seine Existenzform - die von unfertigem Produkt - dem Walten von Naturprozessen überlassen ist, ohne sich im Arbeitsprozeß zu befinden. Ob diese beiden Zeiträume sich stellenweis durchkreuzen und zwischeneinanderschieben, ändert nichts an der Sache. Arbeitsperiode und Produktionsperiode decken sich hier nicht. Die Produktionsperiode ist größer als die Arbeitsperiode. Aber erst nach Zurücklegung der Produktionsperiode ist das Produkt fertig, reif, also aus der Form von produktivem Kapital verwandelbar in die von Warenkapital. Je nach der Länge der nicht aus Arbeitszeit bestehenden Produktionszeit verlängert sich also auch seine Umschlagsperiode. Soweit die über die Arbeitszeit überschüssige Produktionszeit nicht durch ein für allemal gegebne Naturgesetze bestimmt ist, wie beim Reifen des Korns, dem Wuchs der Eiche usw., kann die Umschlagsperiode oft mehr oder minder verkürzt werden durch künstliche Abkürzung der Produktionszeit. So durch Einführung der chemischen Bleicherei statt der Wiesenbleicherei, durch wirksamere Trockenapparate in Trocknungsprozessen. So in der Gerberei, wo das Eindringen der Gerbsäure in die Häute nach der alten Methode 6 bis 18 Monate wegnahm, nach der neuen, worin die Luftpumpe angewandt wird, nur anderthalb bis zwei Monate. (J. G. Courcelle-Seneuil, "Traité theorique et pratique des entreprises industrielles etc.", Paris 1857, 2. éd. [p. 49].) Das großartigste Beispiel von künstlicher Abkürzung der durch Naturprozesse ausgefüllten bloßen Produktionszeit liefert die Geschichte der Eisenproduktion und namentlich die Verwandlung von Roheisen in Stahl in den letzten 100 Jahren, von dem um 1780 entdeckten Puddling bis zu dem modernen Bessemerprozeß und den seitdem eingeführten neuesten Verfahrungsweisen. Die Produktionszeit ist enorm abgekürzt worden, aber in demselben Maß auch die Anlage von fixem Kapital vergrößert.

Ein eigentümliches Beispiel für die Abweichung der Produktionszeit von der Arbeitszeit liefert die amerikanische Fabrikation von Schuhleisten. Hier entsteht ein bedeutender Teil der Unkosten daraus, daß das Holz bis zu 18 Monaten zur Austrocknung lagern muß, damit der fertige Leisten sich nachher nicht zieht, seine Form verändert. Während dieser Zeit macht das <243> Holz keinen andern Arbeitsprozeß durch. Die Umschlagsperiode des angelegten Kapitals ist daher nicht nur bestimmt durch die zur Leistenfabrikation selbst erheischte Zeit, sondern auch durch die Zeit, während deren es im austrocknenden Holz brachliegt. Es befindet sich 18 Monate im Produktionsprozeß, bevor es in den eigentlichen Arbeitsprozeß eintreten kann. Dies Beispiel zeigt zugleich, wie die Umschlagszeiten verschiedner Teile des zirkulierenden Gesamtkapitals verschieden sein können infolge von Umständen, die nicht innerhalb der Zirkulationssphäre, sondern aus dem Produktionsprozeß entspringen.

Besonders deutlich tritt der Unterschied von Produktionszeit und Arbeitszeit hervor in der Landwirtschaft. In unsern gemäßigten Klimaten trägt das Land einmal jährlich Korn. Die Abkürzung oder Verlängrung der Produktionsperiode (für Wintersaat durchschnittlich neun Monate) ist selbst wieder vom Wechsel guter oder schlechter Jahre abhängig, daher nicht genau vorher bestimmbar und kontrollierbar wie in der eigentlichen Industrie. Nur Nebenprodukte, Milch, Käse etc., sind fortlaufend in kürzern Perioden produzierbar und verkaufbar. Dagegen stellt sich die Arbeitszeit wie folgt:

"Die Zahl der Arbeitstage wird in den verschiednen Gegenden von Deutschland mit Rücksicht auf die klimatischen und übrigen einwirkenden Verhältnisse für die drei Hauptarbeitsperioden anzunehmen sein: Für die Frühjahrsperiode von Mitte März oder Anfang April bis Mitte Mai auf 50 - 60; für die Sommerperiode von Anfang Juni bis Ende August auf 65 - 80; und für die Herbstperiode von Anfang September bis Ende Oktober oder Mitte oder Ende November auf 55 - 75 Arbeitstage. Für den Winter sind bloß die darin zu verrichtenden Arbeiten, wie Dünger-, Holz-, Markt-, Baufuhren zu bemerken." (F. Kirchhof, Handbuch der landwirthschaftlichen Betriebslehre, Dessau 1852, S. 160.)

Je ungünstiger daher das Klima, desto mehr drängt sich die Arbeitsperiode der Landwirtschaft, und daher die Auslage in Kapital und Arbeit, auf kurzem Zeitraum zusammen. Z.B. Rußland. Dort ist in einigen nördlichen Gegenden Feldarbeit nur möglich während 130 - 150 Tagen im Jahr. Man begreift, welchen Verlust Rußland erleiden würde, wenn 50 aus den 65 Millionen seiner europäischen Bevölkrung ohne Beschäftigung blieben während der sechs oder acht Wintermonate, wo alle Feldarbeit aufhören muß. Außer den 200.000 Bauern, welche in den 10.500 Fabriken Rußlands arbeiten, haben sich überall auf den Dörfern eigne Hausindustrien entwickelt. So gibt es Dörfer, worin alle Bauern seit Generationen Weber, Gerber, Schuhmacher, Schlosser, Messerschmiede etc. sind; besonders ist dies der Fall in den Gouvernements Moskau, Wladimir, Kaluga, Kostroma und Petersburg. Beiläufig wird diese Hausindustrie schon mehr und mehr in den <244> Dienst der kapitalistischen Produktion gepreßt; den Webern z.B. Kette und Einschlag von Kaufleuten direkt oder durch Vermittlung von Faktoren geliefert. (Abgekürzt nach: "Reports by H. M. Secretaries of Embassy and Legation, on the Manufactures, Commerce etc.", Nr. 8, 1865, p. 86, 87.) Man sieht hier, wie das Auseinanderfallen von Produktionsperiode und Arbeitsperiode, welche letztre nur einen Teil der erstren bildet, die natürliche Grundlage der Vereinigung der Agrikultur mit ländlicher Nebenindustrie bildet, wie andrerseits letztre wieder Anhaltspunkt wird für den Kapitalisten, der sich zunächst als Kaufmann dazwischendrängt. Indem die kapitalistische Produktion dann später die Scheidung zwischen Manufaktur und Agrikultur vollzieht, wird der Landarbeiter immer mehr von bloß zufälliger Nebenbeschäftigung abhängig und seine Lage dadurch verschlechtert. Für das Kapital, wie man später sehn wird, gleichen sich alle Verschiedenheiten im Umschlag aus. Für den Arbeiter nicht.

Während in den meisten Zweigen der eigentlichen Industrie, des Bergbaus, des Transports usw. der Betrieb ein gleichmäßiger ist, gleichmäßige Arbeitszeit jahraus, jahrein gearbeitet wird und, von Preisschwankungen, Geschäftsstörungen etc. als von anormalen Unterbrechungen abgesehn, die Auslagen für das in den täglichen Zirkulationsprozeß eingehende Kapital sich gleichmäßig verteilen; während ebenfalls, bei sonst gleichbleibenden Marktverhältnissen, auch der Rückfluß des zirkulierenden Kapitals oder seine Erneuerung das Jahr hindurch in gleichmäßige Perioden sich verteilt - findet in den Kapitalauslagen, wo die Arbeitszeit nur einen Teil der Produktionszeit bildet, im Laufe der verschiednen Perioden des Jahrs die größte Ungleichmäßigkeit in der Auslage von zirkulierendem Kapital statt, indes der Rückfluß nur auf einmal zu der durch Naturbedingungen fixierten Zeit erfolgt. Bei gleicher Stufenleiter des Geschäfts, d.h. bei gleicher Größe des vorgeschoßnen zirkulierenden Kapitals, muß es daher in größren Massen auf einmal und auf längre Zeit vorgeschossen werden als in den Geschäften mit kontinuierlichen Arbeitsperioden. Die Lebensdauer des fixen Kapitals unterscheidet sich hier auch bedeutender von der Zeit, worin es wirklich produktiv fungiert. Mit der Differenz von Arbeitszeit und Produktionszeit wird natürlich auch die Gebrauchszeit des angewandten fixen Kapitals auf längre oder kürzre Zeit fortwährend unterbrochen, wie z.B. im Ackerbau bei Arbeitsvieh, Geräten und Maschinen. Soweit dies fixe Kapital aus Arbeitstieren besteht, erheischt es fortwährend dieselben oder fast dieselben Ausgaben in Futter etc. wie während der Zeit, worin es arbeitet. Bei toten Arbeitsmitteln verursacht auch der Nichtgebrauch eine gewisse Entwertung. Es findet also überhaupt Verteuerung des Produkts statt, indem die Wert- <245> abgabe an das Produkt sich berechnet nicht nach der Zeit, worin das fixe Kapital fungiert, sondern nach der Zeit, worin es Wert verliert. In diesen Produktionszweigen bildet das Brachliegen des fixen Kapitals, ob noch mit laufenden Kosten verbunden oder nicht, ebenso eine Bedingung seiner normalen Anwendung wie z.B. der Verlust eines gewissen Quantums von Baumwolle bei der Spinnerei; und ebenso zählt bei jedem Arbeitsprozeß die unter den normalen technischen Bedingungen unproduktiv, aber unvermeidlich, verausgabte Arbeitskraft geradesogut wie die produktive. Jede Verbeßrung, die unproduktive Verausgabung von Arbeitsmitteln, Rohstoff und Arbeitskraft vermindert, vermindert auch den Wert des Produkts.

In der Landwirtschaft vereinigt sich beides, die längre Dauer der Arbeitsperiode und die große Differenz zwischen Arbeitszeit und Produktionszeit. Hodgskin bemerkt darüber richtig:

"Der Unterschied in der Zeit", {obgleich er hier nicht zwischen Arbeitszeit und Produktionszeit unterscheidet} "die erforderlich ist, um die Produkte der Landwirtschaft fertigzumachen, und der von andern Arbeitszweigen, ist die Hauptursache der großen Abhängigkeit der Landwirte. Sie können ihre Waren nicht in kürzrer Zeit zu Markte bringen als in einem Jahr. Während dieses ganzen Zeitraums müssen sie borgen vom Schuhmacher, Schneider, Schmied, Wagenmacher und den verschiednen andren Produzenten, von denen sie Produkte brauchen, und welche Produkte in wenig Tagen oder Wochen fertig werden. Infolge dieses natürlichen Umstands, und infolge der raschern Reichtumsvermehrung in den andern Arbeitszweigen, sind die Grundbesitzer, die den Boden des ganzen Reichs monopolisiert haben, obgleich sie außerdem sich das Monopol der Gesetzgebung angeeignet haben, dennoch unfähig, sich und ihre Diener, die Pächter, vor dem Schicksal zu retten, die abhängigsten Leute im Lande zu werden." (Thomas Hodgskin, "Popular Political Economy", London 1827, p. 147, Note.)

Alle Methoden, wodurch teilweis die Ausgaben in Arbeitslohn und Arbeitsmitteln in der Agrikultur gleichmäßiger über das ganze Jahr verteilt werden, teilweis der Umschlag verkürzt wird, indem verschiedenartigere Produkte erzeugt und so verschiedne Ernten während des Jahres möglich werden, erheischen Vergrößrung des in der Produktion vorgeschoßnen, in Arbeitslohn, Dünger, Samen etc. ausgelegten zirkulierenden Kapitals. So beim Übergang von der Dreifelderwirtschaft mit Brache zur Fruchtwechselwirtschaft ohne Brache. So bei den cultures dérobées <dem Zwischenfruchtanbau> in Flandern.

"Man nimmt die Wurzelgewächse in culture dérobée; dasselbe Feld trägt zuerst Getreide, Flachs, Raps, für die Bedürfnisse der Menschen, und nach der Ernte werden Wurzelkräuter gesät zur Erhaltung des Viehs. Dies System, wobei das Hornvieh fort- <246> während im Stall bleiben kann, ergibt eine beträchtliche Anhäufung von Dünger und wird so der Angelpunkt der Wechselwirtschaft. Mehr als ein Drittel der bebauten Oberfläche wird in den Sandgegenden auf die cultures dérobées verwandt; es ist gerade so, als ob man die Ausdehnung des bebauten Landes um ein Drittel vermehrt hätte."

Neben Wurzelgewächsen wird hierzu auch Klee und andre Futterkräuter verwandt.

"Der Ackerbau, so auf einen Punkt getrieben, wo er in Gartenbau übergeht, erfordert begreiflicherweise ein verhältnismäßig beträchtliches Anlagekapital. In England rechnet man 250 Franken Anlagekapital auf die Hektare. In Flandern werden unsre Bauern ein Anlagekapital von 500 Franken per Hektare wahrscheinlich viel zu niedrig finden." ("Essais sur l'Économie Rurale de la Belgique", par Émile de Laveleye. Bruxelles 1863, p. 59, 60, 63.)

Nehmen wir schließlich die Holzzucht. -

"Die Holzproduktion unterscheidet sich von den meisten übrigen Produktionen wesentlich dadurch, daß bei ihr die Naturkraft selbständig wirkt und bei natürlicher Verjüngung der Menschen- und Kapitalkraft nicht bedarf. Übrigens ist auch selbst da, wo die Wälder künstlich verjüngt werden, der Aufwand von Menschen- und Kapitalkraft neben dem Wirken der Naturkräfte nur gering. Außerdem findet der Wald noch auf Bodenarten und in Lagen Gedeihen, wo das Getreide nicht mehr fortkommt oder dessen Produktion doch nicht mehr lohnt. Der Waldbau erfordert aber auch, zu einer regelmäßigen Wirtschaft, einen größren Flächenraum als die Getreidekultur, indem bei kleinren Parzellen keine forstwirtschaftliche Schlagführung ausführbar ist, die Nebennutzungen meist verloren gehn, der Forstschutz schwerer zu handhaben ist usw. Der Produktionsprozeß ist aber auch an so lange Zeiträume gebunden, daß er über die Pläne einer Privatwirtschaft, einzeln sogar über die Zeit eines Menschenlebens hinausgeht. Das für Erwerbung des Waldbodens <1. und 2. Auflage: Landbodens> angelegte Kapital"

{bei Gemeinproduktion fällt dieses Kapital fort und ist die Frage nur, wieviel Boden die Gemeinde für Waldproduktion dem Acker- und Weideboden entziehen kann}

"trägt nämlich erst nach langer Zeit lohnende Früchte und schlägt nur teilweise, vollständig aber erst bei manchen Holzarten in Fristen <1. und 2. Auflage: Forsten> bis zu 150 Jahren um. Außerdem erfordert die nachhaltige Holzproduktion selbst einen Vorrat lebendigen Holzes, welcher das zehn- bis vierzigfache der jährlichen Nutzung beträgt. Wer daher nicht noch andres Einkommen hat und bedeutende Waldstrecken besitzt, kann keine regelmäßige Waldwirtschaft führen." (Kirchhof, p. 58.)

Die lange Produktionszeit (die einen relativ nur geringen Umfang der Arbeitszeit einschließt), daher die Länge ihrer Umschlagsperioden, macht <247> die Waldzucht zu einem ungünstigen Privat- und daher kapitalistischen Betriebszweig, welcher letztre wesentlich Privatbetrieb ist, auch wenn statt des einzelnen Kapitalisten der assoziierte Kapitalist auftritt. Die Entwicklung der Kultur und Industrie überhaupt hat sich von jeher so tätig in der Zerstörung der Waldungen gezeigt, daß dagegen alles, was sie umgekehrt zu deren Erhaltung und Produktion getan hat, eine vollständig verschwindende Größe ist.

Besonders bemerkenswert in dem Zitat von Kirchhof ist folgende Stelle:

"Außerdem erfordert die nachhaltige Holzproduktion selbst einen Vorrat lebendigen Holzes, welcher das zehn- bis vierzigfache der jährlichen Nutzung beträgt."

Also einmaliger Umschlag in zehn bis vierzig und mehr Jahren.

Ebenso bei der Viehzucht. Ein Teil der Herde (Viehvorrat) bleibt im Produktionsprozeß, während ein andrer Teil derselben als jährliches Produkt verkauft wird. Nur ein Teil des Kapitals schlägt hier jährlich um, ganz wie bei dem fixen Kapital, Maschinerie, Arbeitsvieh etc. Obgleich dies Kapital für längre Zeit im Produktionsprozeß fixiertes Kapital ist, und so den Umschlag des Gesamtkapitals verlängert, bildet es nicht fixes Kapital im kategorischen Sinn.

Was hier Vorrat genannt wird - ein bestimmtes Quantum lebendigen Holzes oder Viehs - befindet sich relativ im Produktionsprozeß (zugleich als Arbeitsmittel und als Arbeitsmaterial); nach den Naturbedingungen seiner Reproduktion, bei geregelter Wirtschaft, muß sich stets ein bedeutender Teil in dieser Form befinden.

Ähnlich auf den Umschlag wirkt eine andre Art des Vorrats, die nur potentielles produktives Kapital bildet, aber infolge der Natur der Wirtschaft in größren oder geringren Massen angehäuft sein, daher für längre Zeit der Produktion vorgeschossen sein muß, obgleich sie nur nach und nach in den aktiven Produktionsprozeß eingeht. Dazu gehört z.B. der Dünger, bevor er aufs Feld geführt wird, ebenso Korn, Heu etc. und solche Lebensmittelvorräte, die in die Produktion des Viehs eingehn.

"Ein beträchtlicher Teil des Betriebskapitals ist in den Vorräten der Wirtschaft enthalten. Diese können aber in ihrem Wert mehr oder weniger verlieren, sobald die für ihre gute Erhaltung erforderlichen Vorsichtsmaßregeln nicht gehörig in Anwendung gebracht werden; ja es kann durch Mangel an Aufsicht selbst ein Teil der Produktenvorräte für die Wirtschaft gänzlich verlorengehn. Es wird daher in dieser Beziehung vorzugsweis eine sorgfältige Aufsicht über die Scheunen, Futter- und Getreideböden und Keller erforderlich, sowie die Vorratsräume stets gehörig zu verschließen, außerdem aber reinlich zu halten, auszulüften sind usw.; das Getreide und andre zur Aufbewahrung gebrachte Früchte müssen von Zeit zu Zeit gehörig gewendet, Kartoffeln <248> und Rüben sowohl gegen Frost als gegen Wasser und Fäulnis <1. und 2. Auflage: Feuer > geschützt werden." (Kirchhof, p. 292.) "Bei Berechnung des eignen Bedarfs, besonders für die Viehhaltung, wobei die Verteilung nach Maßgabe des Erzeugnisses und des Zwecks vorzunehmen ist, muß man nicht nur auf die Deckung des Bedürfnisses, sondern außerdem auch noch darauf Rücksicht nehmen, daß für unvorhergesehne Fälle auch noch ein verhältnismäßiger Vorrat übrigbleibe. Sobald sich nun hierbei ergibt, daß der Bedarf durch das eigne Erzeugnis nicht vollständig gedeckt werden kann, so hat man zunächst in Betracht zu ziehn, ob man nicht durch andre Erzeugnisse (Ersatzmittel) diesen Mangel decken oder doch solche statt der fehlenden wohlfeiler anschaffen könne. Wenn z.B. sich ein Mangel an Heu herausstellen sollte, so läßt sich dieser durch Wurzelwerk mit Strohzusatz decken. Überhaupt muß man hierbei den Sachwert und den Marktpreis der verschiednen Erzeugnisse stets im Auge behalten und die Bestimmungen für die Konsumtion darnach treffen; ist z.B. der Hafer teurer, während Erbsen und Roggen verhältnismäßig niedrig stehn, so wird man mit Vorteil einen Teil des Hafers bei Pferden durch Erbsen oder Roggen ersetzen und den hierdurch erübrigten Hafer verkaufen." (Ibidem, p. 300.)

Es ist früher bei Betrachtung der Vorratsbildung <siehe vorl. Band, S. 139 - 145> bereits bemerkt worden, daß ein bestimmtes größres oder kleinres Quantum von potentiellem produktivem Kapital erfordert ist, d.h. von für die Produktion bestimmten Produktionsmitteln, die in größren oder kleinren Massen vorrätig sein müssen, um nach und nach in den Produktionsprozeß einzugehn. Es ist dabei bemerkt worden, daß bei einer gegebnen Geschäftsunternehmung oder einem Kapitalbetrieb von bestimmtem Umfang die Größe dieses Produktionsvorrats abhängt von der größren oder geringren Schwierigkeit seiner Erneuerung, relativer Nähe der Bezugsmärkte, Entwicklung der Transport- und Kommunikationsmittel etc. Alle diese Umstände wirken ein auf das Minimum von Kapital, das in der Form von produktivem Vorrat vorhanden sein muß, also auf die Zeitlänge, wofür die Kapitalvorschüsse zu machen, und auf den Umfang der auf einmal vorzuschießenden Kapitalmasse. Dieser Umfang, der also auch auf den Umschlag wirkt, wird bedingt durch die längre oder kürzre Zeit, für welche zirkulierendes Kapital in der Form von produktivem Vorrat als bloß potentielles produktives Kapital festliegt. Andrerseits, soweit diese Stauung von größrer oder geringrer Möglichkeit des raschen Ersatzes, von Marktverhältnissen usw. abhängt, entspringt sie selbst wieder aus der Umlaufszeit, aus Umständen, die der Zirkulationssphäre angehören.

"Ferner müssen alle solche Inventarienstücke oder Zutaten, wie Handarbeitsgeräte, Siebe, Körbe, Stricke, Wagenschmiere, Nägel usw., um so mehr zum augen- <249> blicklichen Ersatze im Vorrat vorhanden sein, je weniger man die Gelegenheit in der Nähe hat, solche schnell anschaffen zu können. Endlich soll jährlich das ganze Geräteinventar im Winter sorgfältig nachgesehn und für die hierbei sich notwendig machende Ergänzung und Instandsetzung sofort gesorgt werden. Ob man sich nun aber im allgemeinen größre oder kleinre Vorräte zum Bedarf des Inventars halten soll, wird hauptsächlich durch die Lokalverhältnisse bestimmt. Wo Handwerksleute und Kaufläden nicht in der Nähe sind, da muß man auf größre Vorräte halten als dort, wo man solche im Orte oder doch sehr nahe findet. Wenn man aber unter sonst gleichen Verhältnissen die bedürfenden Vorräte in größren Mengen auf einmal anschafft, gewinnt man in der Regel den Vorteil des billigen Einkaufs, wenn man nur sonst hierzu einen geeigneten Zeitpunkt gewählt hat; freilich entzieht man hierdurch aber auch dem umlaufenden Betriebskapital eine um so größre Summe auf einmal, welche nicht immer gut aus dem Wirtschaftsbetriebe entbehrt werden kann." (Kirchhof, p. 301.)

Die Differenz von Produktions- und Arbeitszeit läßt, wie wir gesehn, sehr verschiedne Fälle zu. Das zirkulierende Kapital kann sich in der Produktionszeit befinden, ehe es in den eigentlichen Arbeitsprozeß eingeht (Leistenfabrikation); oder es befindet sich in Produktionszeit, nachdem es den eigentlichen Arbeitsprozeß durchgemacht hat (Wein, Saatkorn); oder die Produktionszeit wird stellenweis durch Arbeitszeit durchbrochen (Feldhau, Holzzucht); ein großer Teil von zirkulationsfähigem Produkt bleibt dem aktiven Produktionsprozeß einverleibt, während ein viel geringrer Teil in die jährliche Zirkulation eingeht (Holz- und Viehzucht); die größre oder geringre Zeitlänge, für welche zirkulierendes Kapital in der Form von potentiellem produktivem Kapital, also auch die größre oder geringre Masse, worin dies Kapital auf einmal ausgelegt werden muß, entspringt teils aus der Art des Produktionsprozesses (Agrikultur) und hängt teils von der Nähe von Märkten etc., kurz, von Umständen ab, die der Zirkulationssphäre angehören.

Man wird später sehn (Buch III), welche widersinnige Theorien bei MacCulloch, James Mill etc. der Versuch veranlaßt hat, die von der Arbeitszeit abweichende Produktionszeit mit der erstren zu identifizieren, ein Versuch, selbst wieder entspringend aus falscher Anwendung der Werttheorie.

__________

Der Umschlagszyklus, den wir vorher betrachtet, ist gegeben durch die Dauer des dem Produktionsprozeß vorgeschoßnen fixen Kapitals. Da dieser eine größre oder geringre Reihe von Jahren umfaßt, so auch eine Reihe jährlicher, resp. während des Jahres wiederholter Umschläge des fixen Kapitals.

'

<250> In der Agrikultur entsteht ein solcher Umschlagszyklus aus dem System der Fruchtfolge.

"Die Dauer der Pachtzeit darf jedenfalls nicht kürzer angenommen werden als die Umlaufszeit der eingeführten Fruchtfolge aussagt <1. und 2. Auflage: Fruchfolgeaussaat >, ' daher bei der Dreifelderwirtschaft immer mit 3, 6, 9 gerechnet wird. Bei angenommener Dreifelderwirtschaft mit reiner Brache wird aber der Acker in sechs Jahren nur viermal bebaut, und in den Baujahren mit Winter- und Sommergetreide, und erfordert oder erlaubt es die Beschaffenheit des Bodens, auch mit Weizen und Roggen, Gerste und Hafer gewechselt. Jede Getreideart vervielfältigt sich nun auf demselben Boden mehr oder weniger als die andre, jede hat einen andren Wert und wird auch für einen andren Preis verkauft. Deshalb fällt der Ertrag des Ackers in jedem Baujahre anders aus, auch anders in der ersten Hälfte des Umlaufs" (in den ersten drei Jahren), "anders in der zweiten. Selbst der durchschnittliche Ertrag in der Umlaufszeit ist nicht in der einen wie in der andern gleich groß, indem die Fruchtbarkeit nicht allein von der Güte des Bodens, sondern auch von der Jahreswitterung, sowie die Preise von mancherlei Verhältnissen abhängen. Berechnet man nun den Ertrag <1. u. 2. Auflage: Betrag> des Ackers nach mittlern Fruchtjahren der ganzen Umlaufszeit auf sechs Jahre und nach den Durchschnittspreisen derselben, so hat man den Gesamtertrag auf ein Jahr sowohl in der einen als in der andern Umlaufszeit gefunden. Dies ist jedoch nicht der Fall, wenn der Ertrag nur für die Hälfte der Umlaufszeit, also für drei Jahre berechnet wird, indem alsdann der Gesamtertrag ungleich ausfallen würde. Hieraus geht hervor, daß die Dauer der Pachtzeit bei der Dreifelderwirtschaft mindestens auf sechs Jahre bestimmt werden muß. Weit wünschenswerter aber für Pächter und Verpächter bleibt es aber immer, wenn die Pachtzeit ein Vielfaches der Pachtzeit" {sic! <- so steht es wörtlich da!>} "ausmacht, und also bei der Dreifelderwirtschaft anstatt auf 6 auf 12, 18 und noch mehr Jahre, bei Siebenfelderwirtschaft aber anstatt auf 7 auf 14, 28 Jahre gestellt ist." (Kirchhof, p. 117, 118.)

{Hier steht im Manuskript: "Die englische Fruchtwechselwirtschaft. Hier Note zu machen."}


13. Kapitel. Die Produktionszeit | Inhalt | 15. Kapitel. Wirkung der Umschlagszeit auf die Größe des Kapitalvorschusses

Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 24, "Das Kapital", Bd. II, 2. Abschnitt, S. 251 - 259 Dietz Verlag, Berlin/DDR 1963

VIERZEHNTES KAPITEL Die Umlaufszeit

'

<251> Alle bisher betrachteten Umstände, welche die Umlaufsperioden verschiedner, in verschiednen Geschäftszweigen angelegter Kapitale differenzieren, daher auch die Zeiten, während deren Kapital vorgeschossen werden muß, entspringen innerhalb des Produktionsprozesses selbst, wie der Unterschied von fixem und flüssigem Kapital, der Unterschied in den Arbeitsperioden usw. Die Umschlagszeit des Kapitals ist jedoch gleich der Summe seiner Produktionszeit und seiner Umlaufs- oder Zirkulationszeit. Es versteht sich daher von selbst, daß verschiedne Länge der Umlaufszeit die Umschlagszeit und daher die Länge der Umschlagsperiode verschieden macht. Am handgreiflichsten wird dies sichtbar, entweder wenn man zwei verschiedne Kapitalanlagen vergleicht, worin alle andren den Umschlag modifizierenden Umstände gleich und nur die Umlaufszeiten verschieden sind, oder wenn man ein gegebnes Kapital nimmt mit gegebner Zusammensetzung aus fixem und flüssigem Kapital, gegebner Arbeitsperiode etc., und nur die Umlaufszeiten hypothetisch variieren läßt.

Der eine Abschnitt der Umlaufszeit - und der relativ entscheidendste - besteht aus der Verkaufszeit, der Epoche, worin das Kapital sich im Zustand von Warenkapital befindet. Je nach der relativen Größe dieser Frist verlängert oder verkürzt sich die Umlaufszeit und daher die Umschlagsperiode überhaupt. Es kann auch infolge von Aufbewahrungskosten etc. zuschüssige Auslage von Kapital notwendig werden. Von vornherein ist klar, daß die für den Verkauf ihrer fertigen Waren erforderliche Zeit sehr verschieden sein kann für die einzelnen Kapitalisten in einem und demselben Geschäftszweig, also nicht nur für die Kapitalmassen, die in verschiednen Produktionszweigen angelegt sind, sondern auch für die verschiednen selbständigen Kapitale, die in der Tat nur verselbständigte Stücke des in derselben Produktionssphäre angelegten Gesamtkapitals bilden. Unter sonst gleichbleibenden Umständen wird die Verkaufsperiode für dasselbe indivi- <252> duelle Kapital mit den allgemeinen Schwankungen der Marktverhältnisse oder mit ihren Schwankungen in dem besondren Geschäftszweig wechseln. Hierbei halten wir uns jetzt nicht länger auf. Wir konstatieren nur die einfache Tatsache: Alle Umstände, welche überhaupt Verschiedenheit in den Umschlagsperioden der in verschiednen Geschäftszweigen angelegten Kapitale erzeugen, haben, wenn sie individuell wirken (wenn z.B. der eine Kapitalist Gelegenheit hat, rascher zu verkaufen als sein Konkurrent, wenn der eine mehr Methoden anwendet, welche die Arbeitsperioden verkürzen, als der andre etc.), ebenfalls Verschiedenheit im Umschlag der verschiednen, in demselben Geschäftszweig hausenden Einzelkapitale zur Folge.

Eine stetig wirkende Ursache in der Differenzierung der Verkaufszeit, und daher der Umschlagszeit überhaupt, ist die Entfernung des Markts, wo die Ware verkauft wird, von ihrem Produktionsplatz <1. und 2. Auflage: Verkaufsplatz>. Während der ganzen Zeit seiner Reise zum Markt befindet sich das Kapital gebannt in den Zustand des Warenkapitals; wenn auf Ordre produziert wird, bis zum Moment der Abliefrung; wenn nicht auf Ordre produziert, kommt zur Zeit der Reise zum Markt noch die Zeit hinzu, wo die Ware sich auf dem Markt zum Verkauf befindet. Verbeßrung der Kommunikations- und Transportmittel kürzt die Wandrungsperiode der Waren absolut ab, hebt aber nicht die aus der Wandrung entspringende relative Differenz in der Umlaufszeit verschiedner Warenkapitale auf, oder auch verschiedner Stücke desselben Warenkapitals, die nach verschiednen Märkten wandern. Die verbesserten Segelschiffe und Dampfschiffe z.B., welche die Reise verkürzen, verkürzen sie ebensowohl für nahe gelegne wie ferne Häfen. Die relative Differenz bleibt, obwohl oft vermindert. Die relativen Differenzen können aber infolge der Entwicklung der Transport- und Kommunikationsmittel verschoben werden in einer Weise, die nicht den natürlichen Entfernungen entspricht. Z.B. eine Eisenbahn, die von dem Produktionsplatz nach einem inländischen Hauptzentrum der Bevölkrung führt, mag die Entfernung nach einem näher gelegnen Punkt des Inlands, wohin keine Eisenbahn führt, absolut oder relativ verlängern im Vergleich zu dem natürlich entferntern; ebenso mag infolge desselben Umstands die relative Entfernung der Produktionsplätze von den größern Absatzmärkten selbst verschoben werden, woraus sich der Verfall alter und das Aufkommen neuer Produktionszentren mit veränderten Transport- und Kommunikationsmitteln erklärt. (Hierzu kommt noch die größre relative Wohlfeilheit des Transports für längre als für kürzre Distanzen.) Gleichzeitig mit der Entwicklung der Transport- <253> mittel wird nicht nur die Geschwindigkeit der Raumbewegung beschleunigt und damit die räumliche Entfernung zeitlich verkürzt. Es entwickelt sich nicht nur die Masse der Kommunikationsmittel, so daß z.B. viele Schiffe gleichzeitig nach demselben Hafen abgehn, mehrere Züge gleichzeitig auf verschiednen Eisenbahnen zwischen denselben zwei Punkten fahren, sondern es gehn z.B. in der Woche an verschiednen sukzessiven Tagen Frachtschiffe von Liverpool nach New York oder zu verschiednen Tagesstunden Warenzüge von Manchester nach London. Die absolute Geschwindigkeit - also dieser Teil der Umlaufszeit - wird durch diesen letztren Umstand, bei gegebner Leistung der Transportmittel, zwar nicht alteriert. Aber sukzessive Quanta Waren können in kürzer aufeinanderfolgenden Zeiträumen die Reise antreten und so sukzessive auf den Markt kommen, ohne sich bis zur wirklichen Versendung in größren Massen als potentielles Warenkapital aufzuhäufen. Es verteilt sich daher auch der Rückfluß über kürzre sukzessive Zeitperioden, so daß beständig ein Teil in Geldkapital verwandelt ist, während der andre als Warenkapital zirkuliert. Durch diese Verteilung des Rückflusses auf mehrere sukzessive Perioden wird die Gesamtumlaufszeit abgekürzt und daher auch der Umschlag. Zunächst entwickelt sich die größre oder geringre Häufigkeit, worin die Transportmittel fungieren, z.B. die Anzahl der Züge einer Eisenbahn, einerseits mit dem Grade, worin ein Produktionsplatz mehr produziert, ein größres Produktionszentrum wird, und nach der Richtung auf den bereits vorhandnen Absatzmarkt hin, also nach den großen Produktions- und Bevölkrungszentren, nach Exporthäfen usw. Andrerseits bewirkt aber umgekehrt diese besondre Verkehrsleichtigkeit und der dadurch beschleunigte Umschlag des Kapitals (soweit er von der Umlaufszeit bedingt wird) eine beschleunigte Konzentration einerseits des Produktionszentrums, andrerseits seines Marktplatzes. Mit der so beschleunigten Konzentration von Menschen- und Kapitalmassen an gegebnen Punkten schreitet fort die Konzentration dieser Kapitalmassen in wenigen Händen. Zugleich findet wieder Verschiebung und Deplacement statt infolge der mit den veränderten Kommunikationsmitteln veränderten relativen Lage von Produktions- und Marktplätzen. Ein Produktionsplatz, der durch seine Lage an Landstraße oder Kanal besondren Positionsvorteil besaß, befindet sich jetzt an der Seite einer einzigen Zweigbahn, die nur in relativ großen Intervallen fungiert, während ein andrer Punkt, der ganz von den Hauptverkehrswegen ablag, nun am Kreuzpunkt mehrerer Bahnen liegt Der zweite Ort kommt auf, der erste verkommt. Es wird also durch die Verändrung in den Transportmitteln eine örtliche Verschiedenheit in der Umlaufszeit der Waren, der Gelegenheiten einzukaufen, zu verkaufen <254> usw. erzeugt, oder die schon existierende örtliche Verschiedenheit wird anders verteilt. Die Wichtigkeit dieses Umstandes für den Umschlag des Kapitals zeigt sich in den Streitereien der kaufmännischen und industriellen Repräsentanten der verschiednen Plätze mit den Eisenbahndirektionen. (Siehe z.B. das oben <Siehe vorl. Band, S. 152> zitierte Blaubuch des Railway Committee.)

Alle Produktionszweige, die der Natur ihres Produkts nach hauptsächlich auf lokalen Absatz angewiesen sind, wie Brauereien, entwickeln sich daher in der größten Dimension in Hauptzentren der Bevölkrung. Der raschere Umschlag des Kapitals gleicht hier zum Teil die Verteurung mancher Produktionsbedingungen, des Bauplatzes etc., aus.

Wenn einerseits mit dem Fortschritt der kapitalistischen Produktion die Entwicklung der Transport- und Kommunikationsmittel die Umlaufszeit für ein gegebnes Quantum Waren abkürzt, so führt derselbe Fortschritt und die mit der Entwicklung der Transport- und Kommunikationsmittel gegebne Möglichkeit - umgekehrt die Notwendigkeit herbei, für immer entferntere Märkte, mit einem Wort, für den Weltmarkt zu arbeiten. Die Masse der auf Reise befindlichen und nach entfernten Punkten reisenden Waren wächst enorm, und daher absolut und relativ auch der Teil des gesellschaftlichen Kapitals, der sich beständig für längre Fristen im Stadium des Warenkapitals, innerhalb der Umlaufszeit befindet. Damit wächst gleichzeitig auch der Teil des gesellschaftlichen Reichtums, der, statt als direktes Produktionsmittel zu dienen, in Transport- und Kommunikationsmitteln und in dem für ihren Betrieb erheischten fixen und zirkulierenden Kapital ausgelegt wird.

Die bloße relative Länge der Reise der Ware vom Produktions- zum Absatzort bewirkt eine Differenz nicht nur in dem ersten Teil der Umlaufszeit, der Verkaufszeit, sondern auch in dem zweiten Teil, der Rückverwandlung des Geldes in die Elemente des produktiven Kapitals, der Kaufzeit. Z.B. die Ware wird nach Indien geschickt. Dies dauert z.B. vier Monate. Wir wollen die Verkaufszeit 0 setzen, d.h. die Ware sei auf Bestellung gesandt und werde bei Abliefrung an den Agenten des Produzenten gezahlt. Die Rücksendung des Geldes (die Form, in der es zurückgesandt wird, ist hier gleichgültig) dauert wieder vier Monate. So dauert es im ganzen acht Monate, bevor dasselbe Kapital wieder als produktives Kapital fungieren, dieselbe Operation damit erneuert werden kann. Die so hervorgebrachten Verschiedenheiten im Umschlag bilden eine der materiellen Grundlagen der verschiednen Kredittermine, wie denn der überseeische Handel z.B. <255> in Venedig und Genua überhaupt eine der Quellen des eigentlichen Kredit Wesens bildet.

"Die Krisis von 1847 befähigte das Bank- und Handelsgeschäft jener Zeit, die indische und chinesische Usance" (für die Laufzeit von Wechseln zwischen dort und Europa) "von zehn Monate nach Dato auf 6 Monate nach Sicht zu reduzieren, und der Verlauf von 20 Jahren mit seiner Beschleunigung der Fahrt und Einrichtung von Telegraphen macht jetzt eine fernere Reduktion nötig von sechs Monaten nach Sicht auf vier Monate nach Dato als ersten Schritt zu vier Monate nach Sicht. Die Reise eines Segelschiffs um das Kap von Kalkutta nach London dauert durchschnittlich unter 90 Tagen. Eine Usance von vier Monaten nach Sicht würde einer Laufzeit von sage 150 Tagen gleichkommen. Die gegenwärtige Usance von sechs Monaten nach Sicht kommt einer Laufzeit von sage 210 Tagen gleich." ("London Economist", 16. Juni 1866.) -

Dagegen:

"Die Brasilische Usance steht noch immer auf zwei und drei Monate nach Sicht, Wechsel von Antwerpen" (auf London) "werden drei Monate nach Dato gezogen, und selbst Manchester und Bradford ziehn auf London auf drei Monate und längre Daten. Durch stillschweigende Übereinkunft wird dem Kaufmann so eine hinreichende Gelegenheit gegeben, seine Ware zu realisieren, zwar nicht vor, aber doch bis zu der Zeit, wo die dagegen gezognen Wechsel verfallen. Daher ist die Usance indischer Wechsel nicht übermäßig. Indische Produkte, die in London meistens auf drei Monate Ziel verkauft werden, können nicht, wenn man einige Zeit für den Verkauf einrechnet, in viel kürzrer Zeit als fünf Monaten realisiert werden, während andre fünf Monate durchschnittlich verfließen zwischen dem Einkauf in Indien und der Ablieferung im englischen Lagerhaus. Hier haben wir eine Periode von zehn Monaten, während die gegen die Waren gezognen Wechsel nicht über sieben Monate laufen." (Ibid., 30. Juni 1866.) "Am 2. Juli 1866 notifizierten fünf große Londoner Banken, die hauptsächlich mit Indien und China verkehren, sowie das Pariser Comptoir d'Escompte, daß vom 1. Januar 1867 ihre Zweigbanken und Agenturen im Orient nur solche Wechsel kaufen und verkaufen würden, die nicht über vier Monate nach Sicht gezogen wären." (Ibidem, 7. Juli 1866.)

Diese Herabsetzung mißglückte jedoch und mußte wieder aufgegeben werden. (Seitdem hat der Suezkanal dies alles revolutioniert.)

Es versteht sich, daß mit der längern Umlaufszeit der Waren das Risiko eines Preiswechsels auf dem Verkaufsmarkt steigt, da die Periode wächst, innerhalb deren Preiswechsel stattfinden können.

Eine Verschiedenheit in der Umlaufszeit, teils individuell zwischen verschiednen Einzelkapitalen desselben Geschäftszweigs, teils zwischen verschiednen Geschäftszweigen nach den verschiednen Usancen, da wo nicht gleich bar gezahlt wird, entspringt aus den verschiednen Terminen der <256> Zahlung bei Ein- und Verkauf. Wir halten uns bei diesem für das Kreditwesen wichtigen Punkt hier nicht weiter auf.

Aus dem Umfang der Liefrungskontrakte, und dieser wächst mit Umfang und Stufenleiter der kapitalistischen Produktion, entspringen ebenfalls Unterschiede in der Umschlagszeit. Der Liefrungskontrakt als Transaktior zwischen Käufer und Verkäufer ist eine dem Markt, der Zirkulationssphäre angehörige Operation. Die hieraus entspringenden Unterschiede in der Umschlagszeit entspringen also aus der Zirkulationssphäre, schlagen aber unmittelbar auf die Produktionssphäre zurück, und zwar abgesehn vor allen Zahlungsterminen und Kreditverhältnissen, also auch bei barer Zahlung. Kohle, Baumwolle, Garn usw. sind z.B. diskrete Produkte. Jeder Tag liefert sein Quantum fertiges Produkt. Übernimmt nun aber der Spinnei oder der Grubenbesitzer Liefrungen von Produktenmassen, welche eine sage vier- oder sechswöchentliche Periode nacheinanderfolgender Arbeitstage erheischen, so ist das mit Bezug auf die Zeitlänge, wofür Kapital vorzuschießen ist, ganz dasselbe, als ob eine kontinuierliche Arbeitsperiode von vier oder sechs Wochen in diesem Arbeitsprozeß eingeführt wäre. Es wird hier natürlich vorausgesetzt, daß die ganze bestellte Masse Produkt auf einmal zu liefern ist oder doch erst gezahlt wird, nachdem sie ganz geliefert. So hat denn, einzeln betrachtet, jeder Tag sein bestimmtes Quantum fertiges Produkt geliefert. Aber diese fertige Masse ist immer nur ein Teil der kontraktlich zu liefernden Masse. Befindet sich in diesem Fall der bereits fertige Teil der bestellten Waren nicht weiter im Produktionsprozeß so liegt er doch als nur potentielles Kapital auf dem Lagerhaus.

Kommen wir nun zur zweiten Epoche der Umlaufszeit: der Kaufzeit oder der Epoche, während deren das Kapital sich aus Geldform in die Elemente des produktiven Kapitals rückverwandelt. Während dieser Epoche muß es kürzre oder längre Zeit in seinem Zustand als Geldkapital verharren, also ein gewisser Teil des vorgeschoßnen Gesamtkapitals sich fortwährend im Zustand des Geldkapitals befinden, obgleich dieser Teil aus beständig wechselnden Elementen besteht. Es muß z.B. in einem bestimmten Geschäft von dem vorgeschoßnen Gesamtkapital n * 100 Pfd.St. in der Form von Geldkapital vorhanden sein, so daß, während alle Bestandteile dieser n * 100 Pfd.St. sich fortwährend in produktives Kapital verwandeln, diese Summe dennoch durch den Zufluß aus der Zirkulation, aus dem realisierter Warenkapital sich ebenso beständig wieder ergänzt. Ein bestimmter Wertteil des vorgeschoßnen Kapitals befindet sich also beständig im Zustand vor Geldkapital, also in einer nicht seiner Produktionssphäre, sondern seiner Zirkulationssphäre angehörigen Form.

'

<257> Man hat bereits gesehn, daß die durch Entfernung des Markts bewirkte Verlängrung der Zeit, in der das Kapital in die Form des Warenkapitals gebannt ist, direkt verspäteten Rückfluß des Geldes bewirkt, also auch die Verwandlung des Kapitals aus Geldkapital in produktives Kapital verzögert.

Man hat ferner gesehn (Kap. VI), wie mit Bezug auf den Einkauf der Waren die Kaufzeit, die größre oder geringre Entfernung von den Hauptbezugsquellen des Rohmaterials es nötig macht, für längre Perioden Rohmaterial einzukaufen und in der Form von produktivem Vorrat, latentem oder potentiellem produktivem Kapital, verwendbar zu halten; daß sie also die Masse des Kapitals, das auf einmal vorgeschossen werden muß, und die Zeit, für die es vorgeschossen werden muß, bei sonst gleicher Stufenleiter der Produktion vergrößert.

Ähnlich wirken in verschiednen Geschäftszweigen die Perioden - kürzre oder längre -, worin größre Massen Rohmaterial auf den Markt geworfen werden. So finden z.B. in London alle drei Monate große Wollversteigerungen statt, die den Wollmarkt beherrschen; während der Baumwollmarkt von Ernte zu Ernte im ganzen kontinuierlich, wenn auch nicht immer gleichmäßig, erneuert wird. Solche Perioden bestimmen die Haupteinkaufstermine dieser Rohstoffe und wirken namentlich auch auf die spekulativen, längre oder kürzre Vorschüsse in diesen Produktionselementen bedingenden Einkäufe, ganz wie die Natur der produzierten Waren auf die spekulative, absichtliche, längre oder kürzre Zurückhaltung des Produkts in der Form von potentiellem Warenkapital wirkt.

"Der Landwirt muß also auch bis zu einem gewissen Grade Spekulant sein und daher nach Maßgabe der Zeitverhältnisse mit dem Verkauf seiner Produkte zurückhalten ... "

Folgen einige allgemeine Regeln.

"Indessen kommt doch bei dem Absatz der Produkte das meiste auf die Person, auf das Produkt selbst und auf die Lokalität an. Wer bei Geschick und Glück (!) mit hinreichendem Betriebskapital versehn ist, wird nicht zu tadeln sein, wenn er seine gewonnene Fruchternte bei ungewöhnlich niedrigem Preise einmal ein Jahr liegen läßt; wem es dagegen an Betriebskapital oder überhaupt (!) an Spekulationsgeist fehlt, der wird die laufenden Durchschnittspreise zu erreichen suchen und also absetzen müssen, sobald und sooft er dazu Gelegenheit hat. Wolle länger als ein Jahr liegen zu lassen, wird fast immer nur Schaden bringen; während Getreidefrüchte und Ölsaat ein paar Jahre ohne Nachteil für Beschaffenheit und Güte aufbewahrt werden können. Solche Produkte, welche für gewöhnlich einem großen Steigen und Fallen in kurzen Zeiträumen unterworfen sind, wie z.B. Ölsaat, Hopfen, Karden und dergl., läßt man mit <258> Recht in den Jahren liegen, wo der Preis weit unter den Produktionspreisen steht. Am wenigsten darf man mit dem Verkauf von solchen Gegenständen zögern, welche tägliche Unterhaltungskosten verursachen, wie ausgemästetes Vieh, oder welche dem Verderben unterliegen, wie Obst, Kartoffeln usw. In manchen Gegenden hat ein Produkt zu gewissen Jahreszeiten im Durchschnitt seinen niedrigsten, zu andern Zeiten dagegen seinen höchsten Preis; so steht z.B. das Getreide um Martini im Durchschnitt an manchen Orten niedriger im Preise als zwischen Weihnachten und Ostern. Ferner sind manche Produkte in manchen Gegenden nur zu gewissen Zeiten allein gut zu verkaufen, wie das z.B. mit der Wolle auf den Wollmärkten in solchen Gegenden der Fall ist, wo außerdem der Wollhandel gewöhnlich stockt usw." (Kirchhof, p.302.)

Bei Betrachtung der zweiten Hälfte der Umlaufszeit, worin das Geld in die Elemente des produktiven Kapitals zurückverwandelt wird, kommt in Betracht nicht nur dieser Umsatz selbst, für sich genommen; nicht nur die Zeit, worin das Geld zurückfließt, je nach der Entfernung des Markts, auf dem das Produkt verkauft wird; es kommt auch vor allem in Betracht der Umfang, worin ein Teil des vorgeschoßnen Kapitals sich beständig in Geldform, im Zustand von Geldkapital befinden muß.

Abgesehn von aller Spekulation hängt der Umfang der Einkäufe derjenigen Waren, die beständig als produktiver Vorrat vorhanden sein müssen, ab von den Zeiten der Erneuerung dieses Vorrats, also von Umständen, die wieder von Marktverhältnissen abhängig, daher für verschiedne Rohstoffe etc. verschieden sind; es muß hier also von Zeit zu Zeit Geld in größren Mengen auf einmal vorgeschossen werden. Es fließt, je nach dem Umschlag des Kapitals, rascher oder langsamer, stets aber bruchweis zurück. Ein Teil davon wird ebenso beständig wieder in kürzern Zeiträumen ausgegeben, nämlich der in Arbeitslohn rückverwandelte Teil. Ein andrer Teil aber, der in Rohmaterial etc. rückzuverwandelnde, ist für längre Zeiträume aufzuhäufen, als Reservefonds, sei es für Ankauf, sei es für Zahlung. Er existiert daher in der Form des Geldkapitals, obgleich der Umfang wechselt, worin er als solches existiert.

Wir werden im nächsten Kapitel sehn, wie andre Umstände, ob sie nun aus dem Produktions- oder Zirkulationsprozeß entspringen, dies Vorhandensein einer bestimmten Portion des vorgeschoßnen Kapitals in Geldform ernötigen. Allgemein aber ist zu bemerken, daß die Ökonomen sehr geneigt sind zu vergessen, daß ein Teil des im Geschäft nötigen Kapitals beständig nicht nur die drei Formen von Geldkapital, produktivem Kapital und Warenkapital wechselweis durchläuft, sondern daß verschiedne Portionen desselben beständig nebeneinander diese Formen besitzen, wenn auch die <259> relative Größe dieser Portionen beständig wechselt. Namentlich ist es der beständig als Geldkapital vorhandne Teil, den die Ökonomen vergessen, obgleich gerade dieser Umstand zum Verständnis der bürgerlichen Wirtschaft sehr nötig ist und daher auch in der Praxis als solcher sich geltend macht.


14. Kapitel. Die Umlaufszeit | Inhalt | 16. Kapitel. Der Umschlag des variablen Kapitals

Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 24, "Das Kapital", Bd. II, 2. Abschnitt, S. 260 - 295 Dietz Verlag, Berlin/DDR 1963

FÜNFZEHNTES KAPITEL Wirkung der Umschlagszeit auf die Größe des Kapitalvorschusses

'

<260> In diesem und dem nächstfolgenden sechzehnten Kapitel behandeln wir den Einfluß der Umschlagszeit auf die Verwertung des Kapitals.

Nehmen wir das Warenkapital, welches das Produkt einer Arbeitsperiode ist, z.B. von neun Wochen. Sehn wir einstweilen ab sowohl von dem Wertteil des Produkts, der ihm durch den Durchschnittsverschleiß des fixen Kapitals zugesetzt ist, wie von dem während des Produktionsprozesses ihm zugesetzten Mehrwert, so ist der Wert dieses Produkts gleich dem Wert des zu seiner Produktion vorgeschoßnen flüssigen Kapitals, d.h. des Arbeitslohns und der in seiner Produktion aufgezehrten Roh- und Hilfsstoffe. Dieser Wert sei = 900 Pfd.St., so daß die Wochenauslage 100 Pfd.St. beträgt. Die periodische Produktionszeit, welche hier mit der Arbeitsperiode zusammenfällt, beträgt also 9 Wochen. Es ist dabei gleichgültig, ob man annimmt, es handle sich hier um eine Arbeitsperiode für ein kontinuierliches Produkt oder um eine kontinuierliche Arbeitsperiode für ein diskretes Produkt, sofern nur das Quantum von diskretem Produkt, welches auf einmal zu Markte geschafft wird, 9 Wochen Arbeit kostet. Die Umlaufszeit daure 3 Wochen. Die ganze Umschlagsperiode daure also 12 Wochen. Nach Verlauf von 9 Wochen ist das vorgeschoßne produktive Kapital in Warenkapital verwandelt, aber es haust nun drei Wochen in der Zirkulationsperiode. Der neue Produktionstermin kann also erst wieder beginnen Anfang der 13. Woche, und die Produktion wäre für drei Wochen stillgesetzt oder für ein Viertel der ganzen Umschlagsperiode. Es ist wieder gleichgültig, ob man voraussetzt, es daure im Durchschnitt so lange bis die Ware verkauft ist oder es sei diese Zeit durch die Entfernung des Markts bedingt oder durch die Zahlungstermine für die verkaufte Ware. Während je 3 Monaten stände die Produktion 3 Wochen still, also während des Jahres 4 * 3 = 12 Wochen = 3 Monaten = 1/4 der jährlichen Umschlagsperiode. <261> Soll die Produktion daher kontinuierlich sein und Woche aus, Woche ein auf demselben Maßstab betrieben werden, so ist nur zweierlei möglich.

Entweder muß der Maßstab der Produktion verkürzt werden, so daß also die 900 Pfd.St. reichen, um die Arbeit in Gang zu halten, sowohl während der Arbeitsperiode wie während der Umlaufszeit des ersten Umschlags. Mit der 10. Woche wird dann eine zweite Arbeitsperiode, also auch Umschlagsperiode, eröffnet, bevor die erste Umschlagsperiode beendet ist, denn die Umschlagsperiode ist zwölfwöchentlich, die Arbeitsperiode neunwöchentlich. 900 Pfd.St. auf 12 Wochen verteilt gibt 75 Pfd.St. wöchentlich. Zunächst ist klar, daß eine solche verkürzte Stufenleiter des Geschäfts veränderte Dimensionen des fixen Kapitals, also überhaupt eine verkürzte Geschäftsanlage voraussetzt. Zweitens ist es fraglich, ob diese Verkürzung überhaupt stattfinden kann, da der Entwicklung der Produktion in den verschiednen Geschäften gemäß ein Normalminimum der Kapitalanlage besteht, unterhalb dessen das einzelne Geschäft konkurrenzunfähig wird. Dies Normalminimum selbst wächst beständig mit der kapitalistischen Entwicklung der Produktion, ist also kein fixes. Zwischen dem jedesmal gegebnen Normalminimum und dem sich stets ausdehnenden Normalmaximum finden aber zahlreiche Zwischenstufen statt - eine Mitte, die sehr verschiedne Grade der Kapitalanlage zuläßt. Innerhalb der Grenzen dieser Mitte kann daher auch Verkürzung stattfinden, deren Grenze das jedesmalige Normalinimum selbst ist. - Bei Hemmung der Produktion, Überfüllung der Märkte, Teurung des Rohstoffs etc. findet Beschränkung der normalen Auslage von zirkulierendem Kapital bei gegebner Grundlage des fixen Kapitals statt durch Beschränkung der Arbeitszeit, indem z.B. nur halbe Tage gearbeitet wird; wie ebenso in Zeiten der Prosperität auf gegebner Grundlage des fixen Kapitals anormale Ausdehnung des zirkulierenden Kapitals stattfindet, teils durch Verlängrung der Arbeitszeit, teils durch Intensifikation derselben. Bei Geschäften, die von vornherein auf solche Schwankungen berechnet sind, hilft man sich teils durch die obigen Mittel, teils durch die gleichzeitige Anwendung einer größeren Arbeiteranzahl, verbunden mit Anwendung von Reserve-Fixkapital, z.B. Reservelokomotiven bei der Eisenbahn etc. Solche anormalen Schwankungen bleiben aber hier, wo wir normale Verhältnisse voraussetzen, außer Betracht.

Um die Produktion kontinuierlich zu machen, ist also hier die Ausgabe desselben zirkulierenden Kapitals über eine größre Zeitlänge verteilt, über 12 Wochen statt über 9. In jedem gegebnen Zeitabschnitt fungiert also ein verkürztes produktives Kapital; der flüssige Teil des produktiven Kapitals ist verkürzt von 100 auf 75 oder um ein Viertel. Die Gesamtsumme, um welche <262> das während der Arbeitsperiode von 9 Wochen fungierende produktive Kapital verkürzt wird, ist = 9 * 25 = 225 Pfd.St., oder 1/4 von 900 Pfd.St. Aber das Verhältnis der Umlaufszeit zur Umschlagsperiode ist ebenfalls 3/12 = 1/4. Es folgt daher: Soll die Produktion nicht unterbrochen werden während der Umlaufszeit des in Warenkapital verwandelten produktiven Kapitals, soll sie vielmehr gleichzeitig und kontinuierlich Woche für Woche fortgesetzt werden, und ist hierfür kein besondres zirkulierendes Kapital gegeben, so kann dies nur erreicht werden durch Vermindrung des Produktionsbetriebs, durch Verkürzung des flüssigen Bestandteils des fungierenden produktiven Kapitals. Der so für die Produktion während der Umlaufszeit freigesetzte flüssige Kapitalteil verhält sich zum vorgeschoßnen flüssigen Gesamtkapital wie die Umlaufszeit zur Umschlagsperiode. Es gilt dies, wie bereits bemerkt, nur für Produktionszweige, in denen der Arbeitsprozeß Woche ein, Woche aus, auf derselben Stufenleiter ausgeführt wird, wo also nicht zu verschiednen Arbeitsperioden wechselnde Kapitalsummen auszulegen sind, wie in der Agrikultur.

Nehmen wir aber umgekehrt an, die Anlage des Geschäfts schließe eine Verkürzung der Stufenleiter der Produktion und daher auch des wöchentlich vorzuschießenden flüssigen Kapitals aus, so kann die Kontinuität der Produktion nur erreicht werden durch ein zuschüssiges flüssiges Kapital, im obigen Fall von 300 Pfd.St. Während der Umschlagsperiode von 12 Wochen werden sukzessive 1.200 Pfd.St. vorgeschossen, davon 300 der vierte Teil, wie 3 Wochen von 12. Nach der Arbeitsperiode von 9 Wochen ist der Kapitalwert von 900 Pfd.St. aus der Form von produktivem Kapital in die Form von Warenkapital verwandelt. Seine Arbeitsperiode ist beschlossen, aber sie kann nicht mit demselben Kapital erneuert werden. Während der drei Wochen, worin es die Zirkulationssphäre behaust, als Warenkapital fungiert, befindet es sich mit Bezug auf den Produktionsprozeß in demselben Zustand, als wenn es überhaupt nicht existierte. Es wird hier von allen Kreditverhältnissen abgesehn und daher unterstellt, daß der Kapitalist nur mit eignem Kapital wirtschaftet. Während aber das für die erste Arbeitsperiode vorgeschoßne Kapital, nach vollbrachtem Produktionsprozeß, sich während 3 Wochen im Zirkulationsprozeß aufhält, fungiert ein zuschüssig ausgelegtes Kapital von 300 Pfd.St., so daß die Kontinuität der Produktion nicht unterbrochen wird.

Es ist nun hierbei folgendes zu bemerken:

Erstens: Die Arbeitsperiode des zuerst vorgeschoßnen Kapitals von 900 Pfd.St. ist beendet nach 9 Wochen, und es fließt zurück nicht vor 3 Wochen, also erst im Beginn der 13. Woche. Aber eine neue Arbeits- <263> periode wird sofort wieder eröffnet mit dem zuschüssigen Kapital von 300 Pfd.St. Eben dadurch ist die Kontinuität der Produktion hergestellt.

Zweitens: Die Funktionen des ursprünglichen Kapitals von 900 Pfd.St. und des am Schluß der ersten Arbeitsperiode von 9 Wochen neu zugeschoßnen Kapitals von 300 Pfd.St., das die zweite Arbeitsperiode nach Schluß der ersten ohne Unterbrechung eröffnet, sind in der ersten Umschlagsperiode genau geschieden, oder können es wenigstens sein, während sie dagegen im Verlauf der zweiten Umschlagsperiode einander durchkreuzen.

Stellen wir uns die Sache sinnlich vor:

Erste Umschlagsperiode von 12 Wochen. Erste Arbeitsperiode von 9 Wochen; der Umschlag des hierin vorgeschoßnen Kapitals wird vollendet im Anfang der 13. Woche. Während der letzten 3 Wochen fungiert das zusätzliche Kapital von 300 Pfd.St. und eröffnet die zweite Arbeitsperiode von 9 Wochen.

Zweite Umschlagsperiode. Anfang der 13. Woche sind 900 Pfd.St. zurückgeflossen und fähig, einen neuen Umschlag zu beginnen. Aber die zweite Arbeitsperiode ist bereits durch die zuschüssigen 300 Pfd.St. in der 10. Woche eröffnet worden; im Beginn der 13. Woche ist durch dasselbe bereits ein Drittel der Arbeitsperiode vollendet, 300 Pfd.St. aus produktivem Kapital in Produkt verwandelt. Da nur noch 6 Wochen zur Beendigung der zweiten Arbeitsperiode nötig, können nur zwei Drittel des zurückgefloßnen Kapitals von 900 Pfd.St., nämlich nur 600 Pfd.St., in den Produktionsprozeß der zweiten Arbeitsperiode eingehn. 300 Pfd.St. sind freigesetzt von den ursprünglichen 900 Pfd.St., um dieselbe Rolle zu spielen, welche das zugeschoßne Kapital von 300 Pfd.St. in der ersten Arbeitsperiode spielte. Ende der 6. Woche der zweiten Umschlagsperiode ist die zweite Arbeitsperiode absolviert. Das in ihr ausgelegte Kapital von 900 Pfd.St. fließt zurück nach 3 Wochen, also Ende der 9. Woche der zweiten zwölfwöchentlichen Umschlagsperiode. Während der 3 Wochen seiner Umlaufszeit tritt ein das freigesetzte Kapital von 300 Pfd.St. Damit beginnt die dritte Arbeitsperiode eines Kapitals von 900 Pfd.St. in der 7. Woche der zweiten Umschlagsperiode oder der 19. Jahreswoche.

Dritte Umschlagsperiode. Ende der 9. Woche der zweiten Umschlagsperiode neuer Rückfluß von 900 Pfd.St. Aber die dritte Arbeitsperiode hat bereits begonnen in der 7. Woche der vorigen Umschlagsperiode, und 6 Wochen sind bereits zurückgelegt. Sie dauert also nur noch 3 Wochen. Von den zurückgefloßnen 900 Pfd.St. gehn also nur 300 Pfd.St. in den Produktionsprozeß ein. Die vierte Arbeitsperiode füllt die übrigen 9 Wochen <264> dieser Umschlagsperiode aus, und so beginnt mit der 37. Woche des Jahres gleichzeitig die vierte Umschlagsperiode und die fünfte Arbeitsperiode.

Um den Fall für die Berechnung zu vereinfachen, wollen wir annehmen: Arbeitsperiode 5 Wochen, Umlaufszeit 5 Wochen, also Umschlagsperiode von 10 Wochen: das Jahr zu 50 Wochen gerechnet, Kapitalauslage per Woche 100 Pfd.St. Die Arbeitsperiode erfordert also ein flüssiges Kapital von 500 Pfd.St., und die Umlaufszeit ein zuschüssiges Kapital von fernern 500 Pfd.St. Arbeitsperioden und Umschlagszeiten stellen sich dann wie folgt:

Arbeitsperiode '

Woche

'

Pfd.St. Ware

'

retourniert

1. 1. - 5. 500 Ende der 10. Woche
2. 6. - 10. 500 Ende der 15. Woche
3. 11. - 15. 500 Ende der 20. Woche
4. 16. - 20. 500 Ende der 25. Woche
5. 21. - 25. 500 Ende der 30. Woche
usw.

Wenn die Umlaufszeit = 0, die Umschlagsperiode also gleich der Arbeitsperiode, so ist die Anzahl der Umschläge gleich der Anzahl der Arbeitsperioden im Jahr. Bei fünfwöchentlicher Arbeitsperiode also 50/5 Wochen = 10, und der Wert des umgeschlagnen Kapitals wäre = 500 * 10 = 5.000. In der Tabelle, wo eine Umlaufszeit von 5 Wochen angenommen, werden jährlich ebenfalls Waren zum Wert von 5.000 Pfd.St. produziert, wovon aber 1/10 = 500 Pfd.St. sich stets in Gestalt von Warenkapital befindet und erst nach 5 Wochen zurückfließt. Am Ende des Jahrs hat dann das Produkt der zehnten Arbeitsperiode (46. - 50. Arbeitswoche) seine Umschlagszeit nur zur Hälfte vollendet, indem deren Umlaufszeit in die ersten 5 Wochen des nächsten Jahres fällt.

Wir wollen noch ein drittes Beispiel nehmen: Arbeitsperiode 6 Wochen, Umlaufszeit 3 Wochen, wöchentlicher Vorschuß im Arbeitsprozeß 100 Pfd.St.

1 .Arbeitsperiode: 1. - 6. Woche. Am Ende der 6. Woche ein Warenkapital von 600 Pfd.St., retourniert Ende der 9. Woche.

2. Arbeitsperiode: 7. - 12. Woche. Während der 7.-9. Woche 300 Pfd.St. zuschüssiges Kapital vorgeschossen. Ende der 9. Woche Rückfluß von 600 Pfd.St. Davon 10. - 12. Woche vorgeschossen 300 Pfd.St.; am Ende der 12. Woche also flüssig 300 Pfd.St., in Warenkapital vorhanden 600 Pfd.St., retourniert am Ende der 15. Woche.

'

<265> 3. Arbeitsperiode: 13.- 18. Woche. 13.- 15. Woche Vorschuß der obigen 300 Pfd.St., dann Rückfluß von 600 Pfd.St., wovon 300 Pfd.St. vorgeschossen für 16. - 18. Woche. Am Ende der 18. Woche 300 Pfd.St. flüssig in Geld; 600 Pfd.St. in Warenkapital vorhanden, das Ende der 21. Woche zurückfließt. (Siehe die eingehendere Darstellung dieses Falls unter II weiter unten.)

Es werden also in 9 Arbeitsperioden (= 54 Wochen) 600 * 9 = 5.400 Pfd.St. Ware produziert. Am Ende der neunten Arbeitsperiode besitzt der Kapitalist 300 Pfd.St. in Geld und 600 Pfd.St. in Ware, die ihre Umlaufszeit noch nicht zurückgelegt hat.

Bei Vergleichung dieser drei Beispiele finden wir erstens, daß nur beim zweiten Beispiel eine sukzessive Ablösung des Kapitals I von 500 Pfd.St. und des Zuschußkapitals II von ebenfalls 500 Pfd.St. stattfindet, so daß diese zwei Kapitalteile sich getrennt voneinander bewegen, und zwar nur deswegen, weil hier die ganz ausnahmsweise Unterstellung gemacht ist, daß Arbeitsperiode und Umlaufszeit zwei gleiche Hälften der Umschlagsperiode bilden. In allen andern Fällen, welches auch immer die Ungleichheit zwischen den beiden Perioden der Umschlagsperiode sei, durchkreuzen sich die Bewegungen der beiden Kapitale, wie in Beispiel I und III, schon von der zweiten Umschlagsperiode an. Es bildet dann das zuschüssige Kapital II zusammen mit einem Teil des Kapitals I das in der zweiten Umschlagsperiode fungierende Kapital, während der Rest des Kapitals I für die ursprüngliche Funktion des Kapitals II freigesetzt wird. Das während der Umlaufszeit des Warenkapitals tätige Kapital ist hier nicht identisch mit dem ursprünglich für diesen Zweck vorgeschoßnen Kapital II, aber es ist ihm gleich an Wert und bildet dieselbe Aliquote des vorgeschoßnen Gesamtkapitals.

Zweitens: Das Kapital, welches während der Arbeitsperiode fungiert hat, liegt während der Umlaufszeit brach. Im zweiten Beispiel fungiert das Kapital während 5 Wochen Arbeitsperiode und liegt brach während 5 Wochen Umlaufszeit. Die gesamte Zeit also, während deren Kapital I hier im Verlauf des Jahres brachliegt, beträgt ein halbes Jahr. Für diese Zeit tritt dann das Zuschußkapital II ein, das also im vorliegenden Fall seinerseits auch ein halbes Jahr brachliegt. Aber das zuschüssige Kapital, erforderlich, um die Kontinuität der Produktion während der Umlaufszeit zu bewirken, ist nicht bestimmt durch den Gesamtumfang, resp. durch die Summe der Umlaufszeiten innerhalb des Jahres, sondern nur durch das Verhältnis der Umlaufszeit zur Umschlagsperiode. (Es ist hier natürlich vorausgesetzt, daß sämtliche Umschläge unter denselben Bedingungen <266> vorgehn.) Es sind daher im Beispiel II 500 Pfd.St. Zusatzkapital nötig, nicht 2.500 Pfd.St. Es rührt dies einfach daher, daß das Zusatzkapital ebensogut in den Umschlag eintritt, wie das ursprünglich vorgeschoßne, und also ganz wie dieses durch die Zahl seiner Umschläge seine Masse ersetzt.

Drittens: Ob die Produktionszeit länger ist als die Arbeitszeit, ändert an den hier betrachteten Umständen nichts. Es werden dadurch allerdings die Gesamtumschlagsperioden verlängert, aber wegen dieses verlängerten Umschlags wird kein zuschüssiges Kapital für den Arbeitsprozeß erheischt. Das zuschüssige Kapital hat nur den Zweck, die durch die Umlaufszeit entstehenden Lücken im Arbeitsprozeß auszufüllen; es soll also die Produktion nur vor Störungen schützen, die aus der Umlaufszeit entspringen; Störungen, die aus den eignen Bedingungen der Produktion entstehn, sind auf andre, hier nicht zu betrachtende Weise, auszugleichen. Es gibt dagegen Geschäfte, in denen nur stoßweis, auf Bestellung gearbeitet wird, wo also zwischen den Arbeitsperioden Unterbrechungen eintreten können. Bei solchen fällt die Notwendigkeit des zusätzlichen Kapitals pro tanto weg. Andrerseits ist in den meisten Fällen von Saisonarbeit auch eine gewisse Grenze für die Zeit des Rückflusses gegeben. Dieselbe Arbeit kann mit demselben Kapital nächstes Jahr nicht erneuert werden, wenn inzwischen die Zirkulationszeit dieses Kapitals nicht abgelaufen. Dagegen kann die Umlaufszeit auch kürzer sein als der Abstand von einer Produktionsperiode bis zur nächsten. In diesem Fall liegt das Kapital brach, wenn es nicht in der Zwischenzeit anderweitig angewandt wird.

Viertens: Das für eine Arbeitsperiode vorgeschoßne Kapital, z.B. die 600 Pfd.St. im Beispiel III, werden teils in Roh- und Hilfsstoffen ausgelegt, in produktivem Vorrat für die Arbeitsperiode, in konstantem zirkulierendem Kapital, teils in variablem zirkulierendem Kapital, in Zahlung der Arbeit selbst. Der in konstantem zirkulierendem Kapital ausgelegte Teil mag nicht für dieselbe Zeitlänge in der Form von produktivem Vorrat existieren, z.B. das Rohmaterial nicht für die ganze Arbeitsperiode daliegen, die Kohlen nur alle zwei Wochen beschafft werden. Indes - da hier Kredit noch ausgeschlossen - muß dieser Teil des Kapitals, soweit er nicht in Form von produktivem Vorrat disponibel ist, in der Form von Geld disponibel bleiben, um nach Bedarf in produktiven Vorrat verwandelt zu werden. Es ändert dies nichts an der Größe des für 6 Wochen vorgeschoßnen konstanten zirkulierenden Kapitalwerts. Dagegen - abgesehn von dem Geldvorrat für unvorhergesehene Ausgaben, dem eigentlichen Reservefonds zur Ausgleichung von Störungen - wird der Arbeitslohn in kürzern <267> Perioden, meist wöchentlich gezahlt. Falls also nicht der Kapitalist den Arbeiter zwingt, ihm längre Vorschüsse seiner Arbeit zu machen, muß das für Arbeitslohn nötige Kapital in Geldform vorhanden sein. Beim Rückfluß des Kapitals muß also ein Teil in Geldform festgehalten werden zur Zahlung der Arbeit, während der andre Teil in produktiven Vorrat verwandelt werden kann.

Das Zuschußkapital teilt sich ein ganz wie das ursprüngliche. Was es aber von Kapital I unterscheidet ist, daß es (von Kreditverhältnissen abgesehn), um für seine eigne Arbeitsperiode disponibel zu sein, vorgeschossen sein muß schon während der ganzen Dauer der ersten Arbeitsperiode von Kapital I, in die es nicht eingeht. Während dieser Zeit kann es, teilweise wenigstens, schon in konstantes zirkulierendes Kapital verwandelt werden, das für die ganze Umschlagsperiode vorgeschossen ist. Wieweit es diese Form annimmt oder wieweit es in der Form von zuschüssigem Geldkapital verharrt, bis zum Moment, wo diese Verwandlung notwendig wird, wird abhängen teils von den besondren Produktionsbedingungen bestimmter Geschäftszweige, teils von Lokalumständen, teils von Preisschwankungen der Rohstoffe etc. Das gesellschaftliche Gesamtkapital betrachtet, wird sich stets ein mehr oder minder bedeutender Teil dieses zuschüssigen Kapitals für längre Zeit im Zustand des Geldkapitals befinden. Was dagegen den in Arbeitslohn vorzuschießenden Teil des Kapitals II betrifft, so wird er stets erst allmählich in Arbeitskraft verwandelt im Maß, wie kleinre Arbeitsperioden ablaufen und bezahlt werden. Dieser Teil des Kapitals II ist also für die ganze Dauer der Arbeitsperiode in der Form des Geldkapitals vorhanden, bis er durch Verwandlung in Arbeitskraft in die Funktion des produktiven Kapitals eingeht.

Dies Hereinkommen des zur Verwandlung der Umlaufszeit von Kapital I in Produktionszeit erheischten Zuschußkapitals vermehrt also nicht nur die Größe des vorgeschoßnen Kapitals und die Länge der Zeit, wofür das Gesamtkapital notwendig vorgeschossen wird, sondern es vermehrt auch spezifisch den Teil des vorgeschoßnen Kapitals, der als Geldvorrat existiert, also sich im Zustand von Geldkapital befindet und die Form von potentiellem Geldkapital besitzt.

Dies findet ebenso statt - sowohl, was den Vorschuß in der Form von produktivem Vorrat wie in der Form von Geldvorrat betrifft -, wenn die durch die Umlaufszeit erheischte Spaltung des Kapitals in zwei Teile: Kapital für die erste Arbeitsperiode und Ersatzkapital für die Umlaufszeit, nicht durch Vergrößrung des ausgelegten Kapitals, sondern durch Vermindrung der Stufenleiter der Produktion hervorgebracht ist. Im Verhält- <268> nis zur Stufenleiter der Produktion wächst hier eher noch die Zunahme des in Geldform gebannten Kapitals.

Was durch diese Verteilung des Kapitals in ursprünglich produktives und Zuschußkapital überhaupt erreicht ist, ist die ununterbrochne Aufeinanderfolge der Arbeitsperioden, die beständige Funktion eines gleichgroßen Teils des vorgeschoßnen Kapitals als produktives Kapital.

Sehn wir uns Beispiel II an. Das beständig im Produktionsprozeß befindliche Kapital ist 500 Pfd.St. Da die Arbeitsperiode = 5 Wochen, arbeitet es während 50 Wochen (als Jahr angenommen) zehnmal. Das Produkt beträgt daher auch, abgesehn vom Mehrwert, 10 * 500 = 5.000 Pfd.St. Vom Standpunkt des unmittelbar und ununterbrochen im Produktionsprozeß arbeitenden Kapitals - eines Kapitalwerts von 500 Pfd.St. - erscheint also die Umlaufszeit als gänzlich ausgelöscht. Die Umschlagsperiode fällt zusammen mit der Arbeitsperiode; die Umlaufszeit ist = 0 gesetzt.

Wäre dagegen das Kapital von 500 Pfd.St. in seiner produktiven Tätigkeit regelmäßig durch die Umlaufszeit von 5 Wochen gehemmt, so daß es erst wieder produktionsfähig wäre nach Beendigung der ganzen Umschlagsperiode von 10 Wochen, so hätten wir in den 50 Jahreswochen 5 zehnwöchentliche Umschläge; darin 5 fünfwöchentliche Produktionsperioden, also zusammen 25 Produktionswochen mit einem Gesamtprodukt von 5 * 500 = 2.500 Pfd.St.; 5 fünfwöchentliche Umlaufszeiten, also Gesamtumlaufszeit ebenfalls 25 Wochen. Sagen wir hier: Das Kapital von 500 Pfd.St. hat fünfmal im Jahre umgeschlagen, so ist sichtbar und klar, daß während der Hälfte jeder Umschlagsperiode dies Kapital von 500 Pfd.St. gar nicht als produktives Kapital fungiert hat und daß, alles zusammengerechnet, es nur während eines halben Jahres fungiert hat, während des andern Halbjahrs aber gar nicht.

In unserm Beispiel tritt für die Dauer dieser fünf Umlaufszeiten das Ersatzkapital von 500 Pfd.St. ein, und dadurch wird der Umschlag von 2.500 auf 5.000 Pfd.St. erhöht. Aber das vorgeschoßne Kapital ist nun auch 1.000 Pfd.St. statt 500 Pfd.St. 5.000 dividiert durch 1.000 ist gleich 5. Also statt der zehn Umschläge fünf. So wird denn auch in der Tat gerechnet. Aber indem es dann heißt, das Kapital von 1.000 Pfd.St. hat fünfmal im Jahr umgeschlagen, verschwindet in den hohlen Kapitalistenschädeln die Erinnerung an die Umlaufszeit, und eine konfuse Vorstellung bildet sich, als ob dies Kapital während der sukzessiven fünf Umschläge beständig im Produktionsprozeß fungiert habe. Sagen wir aber, dies Kapital von 1.000 Pfd.St. hat fünfmal umgeschlagen, so ist darin sowohl Umlaufszeit wie Produk- <269> tionszeit eingeschlossen. In der Tat, wären wirklich 1.000 Pfd.St. im Produktionsprozeß fortwährend tätig gewesen, so müßte das Produkt unter unsern Voraussetzungen 10.000 Pfd.St. statt 5.000 sein. Um aber 1.000 Pfd.St. fortwährend im Produktionsprozeß zu haben, müßten dann auch 2.000 Pfd.St. überhaupt vorgeschossen sein. Die Ökonomen, bei denen überhaupt nichts Klares über den Mechanismus des Umschlags zu finden, übersehn fortwährend dies Hauptmoment, daß stets nur ein Teil des industriellen Kapitals tatsächlich im Produktionsprozeß engagiert sein kann, wenn die Produktion ununterbrochen vorangehn soll. Während der eine Teil sich in der Produktionsperiode, muß stets ein andrer Teil sich in der Zirkulationsperiode befinden. Oder mit andern Worten, der eine Teil kann nur als produktives Kapital fungieren unter der Bedingung, daß ein andrer Teil in der Form von Waren- oder Geldkapital der eigentlichen Produktion entzogen bleibt. Indem dies übersehn wird, wird überhaupt die Bedeutung und Rolle des Geldkapitals übersehn.

Wir haben jetzt zu untersuchen, welche Verschiedenheit im Umschlag sich herausstellt, je nachdem die beiden Abschnitte der Umschlagsperiode - Arbeitsperiode und Zirkulationsperiode - einander gleich sind, oder die Arbeitsperiode größer oder kleiner als die Zirkulationsperiode ist, und ferner, wie dies auf die Bindung von Kapital in der Form Geldkapital wirkt.

Wir nehmen an, daß das wöchentlich vorzuschießende Kapital in allen Fällen 100 Pfd.St. und die Umschlagsperiode 9 Wochen sei, also das für jede Umschlagsperiode vorzuschießende Kapital = 900 Pfd.St.

'

I. Arbeitsperiode gleich der Zirkulationsperiode

Dieser Fall, obgleich in der Wirklichkeit nur zufällige Ausnahme, muß als Ausgangspunkt für die Betrachtung dienen, weil hier die Verhältnisse sich am einfachsten und handgreiflichsten darstellen.

Die zwei Kapitale (Kapital I, das für die erste Arbeitsperiode vorgeschossen, und Zusatzkapital II, das während der Zirkulationsperiode von Kapital I fungiert) lösen sich in ihren Bewegungen ab, ohne sich zu durchkreuzen. Mit Ausnahme der ersten Periode ist daher auch jedes der beiden Kapitale nur für seine eigne Umschlagsperiode vorgeschossen. Die Umschlagsperiode sei, wie in den folgenden Beispielen, 9 Wochen, Arbeitsperiode und Umlaufsperiode also je 41/2 Woche. Dann haben wir folgendes Jahresschema:

'

<270>

Tabelle I

'

Kapital I

'

Umschlagsperioden

'

Arbeitsperioden

'

Vorschuß Pfd.St.

'

Zirkulationsperioden

Woche Woche Woche
I. 1. - 9. 1. - 41/2. 450 41/2. - 9.
II. 10. - 18. 10. - 131/2. 450 131/2. - 18.
III. 19. - 27. 19. - 221/2. 450 221/2. - 27.
IV. 28. - 36. 28. - 311/2. 450 311/2. - 36.
V. 37. - 45. 37. - 401/2. 450 401/2. - 45.
VI. 46. - (54.) 46. - 491/2. 450 491/2. - (54.)(31)

'

Kapital II

'

Umschlagsperioden

'

Arbeitsperioden

'

Vorschuß Pfd.St.

'

Zirkulationsperioden

Woche Woche Woche
I. 41/2. - 131/2. 41/2. - 9. 450 10. - 131/2.
II. 131/2. - 221/2. 131/2. - 18. 450 19. - 221/2.
III. 221/2. - 311/2. 221/2. - 27. 450 28. - 311/2.
IV. 311/2. - 401/2. 311/2. - 36. 450 37. - 401/2.
V. 401/2. - 491/2. 401/2. - 45. 450 46. - 491/2.
VI. 491/2. - (581/2.) 491/2. - (54.) 450 (55. - 581/2.)

Innerhalb der 51 Wochen, die wir hier als Jahr annehmen, hat Kapital I sechs volle Arbeitsperioden absolviert, also für 6 * ' 450 = 2.700 Pfd.St., und Kapital II in fünf vollen Arbeitsperioden für 5 * ' 450 = 2.250 Pfd.St. Waren produziert. Dazu hat Kapital II in den letzten 11/2 Wochen des Jahrs (Mitte der 50. bis Ende der 51 Woche) noch für 150 Pfd.St. produziert - Gesamtprodukt in 51 Wochen: 5.100 Pfd.St. In bezug auf unmittelbare Produktion von Mehrwert, der nur während der Arbeitsperiode produziert wird, hätte das Gesamtkapital von 900 Pfd.St. also 52/3 mal umgeschlagen (52/3 * 900 = 5.100 Pfd.St.). Aber wenn wir den wirklichen Umschlag betrachten, so hat Kapital I 52/3 mal umgeschlagen, da es am Ende der 51 Woche noch 3 Wochen seiner sechsten Umschlagsperiode zu absolvieren hat; 52/3 * 450 = 2.550 Pfd.St.; und Kapital II 51/6mal, da es erst 11/2 Woche seiner sechsten Umschlagsperiode vollendet hat, also noch 71/2 Woche davon ins nächste Jahr fallen; 51/2 * 450 = 2.325 Pfd.St.; wirklicher Gesamtumschlag = 4.875 Pfd.St.

'

<271> Betrachten wir Kapital I und Kapital II als zwei gegeneinander ganz selbständige Kapitale. In ihren Bewegungen sind sie ganz selbständig; diese Bewegungen ergänzen sich nur, weil ihre Arbeits- und Zirkulationsperioden einander direkt ablösen. Sie können als zwei ganz unabhängige, verschiednen Kapitalisten gehörige Kapitale betrachtet werden.

Das Kapital I hat fünf vollständige und zwei Drittel seiner sechsten Umschlagsperiode zurückgelegt. Es befindet sich am Ende des Jahres in der Form von Warenkapital, dem zu seiner normalen Realisierung noch 3 Wochen erforderlich sind. Während dieser Zeit kann es nicht in den Produktionsprozeß eingehn. Es fungiert als Warenkapital: es zirkuliert. Von seiner letzten Umschlagsperiode hat es nur 2/3 zurückgelegt. Dies wird so ausgedrückt: es hat nur 2/3mal umgeschlagen, nur 2/3 seines Gesamtwerts haben einen vollständigen Umschlag zurückgelegt. Wir sagen: 450 Pfd.St. legen ihren Umschlag in 9 Wochen zurück, also 300 Pfd.St. in 6 Wochen. Bei dieser Ausdrucksweise werden die organischen Verhältnisse zwischen den beiden spezifisch verschiednen Bestandteilen der Umschlagszeit vernachlässigt. Der exakte Sinn davon, daß das vorgeschoßne Kapital von 450 Pfd.St. 52/3 Umschläge gemacht, ist nur, daß es fünf Umschläge ganz und vom sechsten nur 2/3 zurückgelegt hat. Dagegen hat der Ausdruck, daß das umgeschlagne Kapital = 52/3mal das vorgeschoßne Kapital, also im obigen Fall = 52/3 * 450 Pfd.St. = 2.550 Pfd.St., das Richtige, daß, wenn dies Kapital von 450 Pfd.St. nicht ergänzt wäre durch ein andres Kapital von 450 Pfd.St., in der Tat ein Teil davon sich im Produktionsprozeß, ein andrer im Zirkulationsprozeß befinden müßte. Soll die Umschlagszeit in der Masse des umgeschlagnen Kapitals ausgedrückt werden, so kann sie immer nur in einer Masse von vorhandnem Wert (in der Tat von fertigem Produkt) ausgedrückt werden. Der Umstand, daß das vorgeschoßne Kapital sich nicht in einem Zustand befindet, worin es den Produktionsprozeß von neuem eröffnen kann, drückt sich darin aus, daß nur ein Teil davon sich im produktionsfähigen Zustand befindet, oder daß, um sich im Zustand kontinuierlicher Produktion zu befinden, das Kapital geteilt werden müßte in einen Teil, der sich beständig in der Produktionsperiode und einen andern Teil, der sich beständig in der Zirkulationsperiode befände, je nach dem Verhältnis dieser Perioden zueinander. Es ist dasselbe Gesetz, das die Masse des beständig fungierenden produktiven Kapitals bestimmt durch das Verhältnis der Umlaufszeit zur Umschlagszeit.

Von Kapital II sind Ende der 51. Jahreswoche, die wir hier als Jahresschluß annehmen, vorgeschossen 150 Pfd.St. in der Produktion von unfertigem Produkt. Ein fernerer Teil befindet sich in der Form von flüssigem <272> konstantem Kapital - Rohstoff etc.-, d.h. in einer Form, worin es als produktives Kapital im Produktionsprozeß fungieren kann. Aber ein dritter Teil befindet sich in Geldform, nämlich zum mindesten der Betrag des Arbeitslohns für den Rest der Arbeitsperiode (3 Wochen), der aber erst Ende jeder Woche bezahlt wird. Obgleich nun dieser Teil des Kapitals am Anfang des neuen Jahrs, also eines neuen Umschlagszyklus, sich nicht in der Form von produktivem Kapital befindet, sondern in der von Geldkapital, in der es nicht in den Produktionsprozeß eingehn kann, so befindet sich dennoch bei Eröffnung des neuen Umschlags flüssiges variables Kapital, d.h. lebendige Arbeitskraft, im Produktionsprozeß tätig. Diese Erscheinung kommt daher, daß die Arbeitskraft zwar am Anfang der Arbeitsperiode, sage per Woche, gekauft und verbraucht, aber erst Ende der Woche gezahlt wird. Das Geld wirkt hier als Zahlungsmittel. Es befindet sich daher einerseits als Geld noch in der Hand des Kapitalisten, während andrerseits die Arbeitskraft, die Ware, worin es umgesetzt wird, sich schon im Produktionsprozeß tätig befindet, derselbe Kapitalwert hier also doppelt erscheint.

Betrachten wir bloß die Arbeitsperioden, so hat

Kapital I produziert 6 * 450 = 2.700 Pfd.St.
Kapital II produziert 51/2 * 450 = 2.400 Pfd.St.
also zusammen 52/3 * 900 = 5.100 Pfd.St.

Das vorgeschoßne Gesamtkapital von 900 Pfd.St. hat also 52/3mal im Jahr als produktives Kapital fungiert. Ob stets 450 Pfd.St. im Produktionsprozeß und stets 450 Pfd.St. im Zirkulationsprozeß abwechselnd, oder ob 900 Pfd.St. während je 41/2 Wochen im Produktionsprozeß und während der folgenden 41/2 Wochen im Zirkulationsprozeß fungieren, ist für die Produktion von Mehrwert einerlei.

Betrachten wir dagegen die Umschlagsperioden, so hat

Kapital I 52/3 * 450 = 2.550 Pfd.St.
Kapital II 51/6 * 450 = 2.325 Pfd.St.
also das Gesamtkapital 55/12 * 900 = 4.875 Pfd.St.

umgeschlagen. Denn der Umschlag des Gesamtkapitals ist gleich der Summe der von I und II umgeschlagnen Beträge, dividiert durch die Summe von I und II.

Es ist zu bemerken, daß Kapital I und II, wenn sie selbständig gegeneinander wären, doch nur verschiedne selbständige Teile des in derselben <273> Produktionssphäre vorgeschoßnen gesellschaftlichen Kapitals bilden würden. Bestände also das gesellschaftliche Kapital innerhalb dieser Produktionssphäre nur aus I und II, so würde für den Umschlag des gesellschaftlichen Kapitals in dieser Sphäre dieselbe Rechnung gelten, die hier für die beiden Bestandteile I und II desselben Privatkapitals gilt. Weiter ausgedehnt kann jeder in einer besondern Produktionssphäre angelegte Teil des gesamten Gesellschaftskapitals so berechnet werden. Schließlich aber ist die Umschlagszahl des gesamten gesellschaftlichen Kapitals gleich der Summe des in den verschiednen Produktionssphären umgeschlagnen Kapitals, dividiert durch die Summe des in diesen Produktionssphären vorgeschoßnen Kapitals.

Es ist ferner zu bemerken, daß, wie hier in demselben Privatgeschäft die Kapitale I und II, genau genommen, verschiedne Umschlagsjahre haben (indem der Umschlagszyklus von Kapital II 41/2 Woche später beginnt als der von Kapital I, das Jahr von I daher 41/2 Woche früher abläuft als das von II), so auch die verschiednen Privatkapitale in derselben Produktionssphäre ihre Geschäfte in ganz verschiednen Zeitabschnitten beginnen und ihren Jahresumschlag daher auch zu verschiednen Zeiten im Jahr vollenden. Dieselbe Durchschnittsrechnung, die wir oben für I und II anwandten, reicht auch hier aus, um die Umschlagsjahre der verschiednen selbständigen Teile des gesellschaftlichen Kapitals auf ein einheitliches Umschlagsjahr zu reduzieren.

'

II. Arbeitsperiode großer als Zirkulationsperiode

Es durchkreuzen sich die Arbeits- und Umschlagsperioden der Kapitale I und II, statt einander abzulösen. Gleichzeitig findet hier Freisetzung von Kapital statt, was bei dem bisher betrachteten Fall nicht vorkam.

Es ändert dies aber nichts daran, daß nach wie vor 1. die Zahl der Arbeitsperioden des vorgeschoßnen Gesamtkapitals gleich ist der Summe des Werts des Jahresprodukts beider vorgeschoßnen Kapitalteile, dividiert durch das vorgeschoßne Gesamtkapital, und 2. die Umschlagszahl des Gesamtkapitals gleich ist der Summe der beiden umgeschlagnen Beträge, dividiert durch die Summe der beiden vorgeschoßnen Kapitale. Wir müssen auch hier beide Kapitalteile so betrachten, als vollzögen sie voneinander ganz unabhängige Umschlagsbewegungen.

__________

'

<274> Wir nehmen also wieder an, daß wöchentlich 100 Pfd.St. im Arbeitsprozeß vorzuschießen sind. Die Arbeitsperiode daure 6 Wochen, beanspruche also jedesmal 600 Pfd.St. Vorschuß (Kapital I). Die Zirkulationsperiode 3 Wochen; also Umschlagsperiode, wie oben, 9 Wochen. Ein Kapital II von 300 Pfd.St. trete ein während der dreiwöchentlichen Zirkulationsperiode von Kapital 1. Betrachten wir beide als voneinander unabhängige Kapitale, so stellt sich das Schema des Jahresumschlags wie folgt:

Tabelle II

'

Kapital I, 600 Pfd.St.

'

Umschlagsperioden

'

Arbeitsperioden

'

Vorschuß Pfd.St.

'

Zirkulationsperioden

Woche Woche Woche
I. 1. - 9. 1. - 6. 600 7. - 9.
II. 10. - 18. 10. - 15. 600 16. - 18.
III. 19. - 27. 19. - 24. 600 25. - 27.
IV. 28. - 36. 28. - 33. 600 34. - 36.
V. 37. - 45. 37. - 42. 600 43. - 45.
VI. 46. - (54.) 46. - 51. 600 (52. - 54.)

'

Zusatzkapital II, 300 Pfd.St.

'

Umschlagsperioden

'

Arbeitsperioden

'

Vorschuß Pfd.St.

'

Zirkulationsperioden

Woche Woche Woche
I. 7. - 15. 7. - 9. 300 10. - 15.
II. 16. - 24. 16. - 18. 300 19. - 24.
III. 25. - 33. 25. - 27. 300 28. - 33.
IV. 34. - 42. 34. - 36. 300 37. - 42.
V. 43. - 51. 43. - 45. 300 46. - 51.

Der Produktionsprozeß geht das ganze Jahr durch ununterbrochen auf derselben Stufenleiter vor sich. Die beiden Kapitale I und II bleiben vollständig getrennt. Aber, um sie so getrennt darzustellen, mußten wir ihre wirklichen Kreuzungen und Verschlingungen zerreißen und dadurch auch die Umschlagszahl ändern. Nach obiger Tabelle nämlich schlüge

Kapital I 52/3 * 600 = 3.400 Pfd.St. um und
Kapital II 5 * 300 = 1.500 Pfd.St.
also das Gesamtkapital 54/9 * 900 = 4.900 Pfd.St. um

'

<275> Dies stimmt aber nicht, weil, wie wir sehn werden, die wirklichen Produktions- und Zirkulationsperioden nicht absolut zusammenfallen mit denen des obigen Schemas, worin es hauptsächlich darauf ankam, die beiden Kapitale I und II als voneinander unabhängige erscheinen zu lassen.

In Wirklichkeit nämlich hat Kapital II keine von der des Kapital I getrennte, besondre Arbeits- und Zirkulationsperiode. Die Arbeitsperiode ist 6 Wochen, die Zirkulationsperiode 3 Wochen. Da Kapital II nur = 300 Pfd.St., kann es nur Teil einer Arbeitsperiode ausfüllen. Dies ist der Fall. Ende der 6. Woche tritt ein Produktenwert von 600 Pfd.St. in Zirkulation und fließt Ende der 9. Woche in Geld zurück. Damit tritt Anfang der 7. Woche das Kapital II in Tätigkeit und deckt die Bedürfnisse der nächsten Arbeitsperiode für die 7. - 9. Woche. Nun aber ist nach unsrer Annahme Ende der 9. Woche die Arbeitsperiode nur halb abgemacht. Es tritt also Anfang der 10. Woche das soeben zurückgeflossene Kapital I von 600 Pfd.St. wieder in Tätigkeit und füllt mit 300 Pfd.St. die für die 10. - 12. Woche nötigen Vorschüsse aus. Damit ist die zweite Arbeitsperiode erledigt. Es befindet sich ein Produktenwert von 600 Pfd.St. in Zirkulation und wird Ende der 15. Woche zurückfließen; daneben aber sind 300 Pfd.St., der Betrag des ursprünglichen Kapitals II, freigesetzt und können in der ersten Hälfte der folgenden Arbeitsperiode, also in der 13. - 15. Woche, fungieren. Nach deren Ablauf fließen dann wieder die 600 Pfd.St. zurück, 300 Pfd.St. davon reichen bis zum Schluß der Arbeitsperiode, 300 Pfd.St. bleiben für die folgende freigesetzt.

Die Sache verläuft also wie folgt:

I. Umschlagsperiode: 1. - 9. Woche.
1. Arbeitsperiode: 1. - 6. Woche. Kapital I, 600 Pfd.St., fungiert.
1. Zirkulationsperiode: 7. - 9. Woche. Ende der 9. Woche fließen 600 Pfd.St. zurück.
II. Umschlagsperiode: 7.- 15. Woche.
2. Arbeitsperiode: 7. - 12. Woche.
Erste Hälfte: 7. - 9. Woche. Kapital II, 300 Pfd.St., fungieren. Ende der 9. Woche fließen 600 Pfd.St. in Geld zurück (Kapital I).
Zweite Hälfte: 10. - 12. Woche. 300 Pfd.St. von Kapital I fungieren. Die andern 300 Pfd.St. von Kapital I bleiben freigesetzt.
2. Zirkulationsperiode: 13. - 15. Woche.
Ende der 15. Woche fließen 600 Pfd.St. (halb aus Kapital I, halb aus Kapital II gebildet) in Geld zurück.
III Umschlagsperiode: 13. - 21. Woche.
3. Arbeitsperiode: 13. - 18. Woche.
'

<276>

Erste Hälfte: 13. - 15. Woche. Die freigesetzten 300 Pfd.St. treten in Funktion. Ende der 15. Woche fließen 600 Pfd.St. in Geld zurück.
Zweite Hälfte: 16. - 18. Woche. Von den zurückgefloßnen 600 Pfd.St. fungieren 300 Pfd.St., die andern 300 Pfd.St. bleiben wieder freigesetzt.
3. Zirkulationsperiode: 19. - 21. Woche, an deren Schluß wieder 600 Pfd.St. in Geld zurückfließen; in diesen 600 Pfd.St. sind Kapital I und Kapital II jetzt ununterscheidbar verschmolzen.

Auf diese Weise ergeben sich acht volle Umschlagsperioden eines Kapitals von 600 Pfd.St. (I: 1. - 9. Woche; II: 7. - 15.; III: 13. - 21.; IV: 19. - 27.; V: 25. - 33.; VI: 31. - 39.; VII: 37. - 45.; VIII: 43. - 51. Woche) bis Ende der 51. Woche. Da aber die 49. - 51 Woche auf die achte Zirkulationsperiode fallen, müssen während derselben die 300 Pfd.St. freigesetztes Kapital eintreten und die Produktion im Gang halten. Damit stellt sich der Umschlag am Ende des Jahres wie folgt: 600 Pfd.St. haben ihren Kreislauf achtmal vollendet, macht 4.800 Pfd.St. Dazu kommt das Produkt der letzten 3 Wochen (49. - 51.), das aber erst ein Drittel seines Kreislaufs von 9 Wochen zurückgelegt hat, also in der Umschlagssumme nur für ein Drittel seines Betrags, mit 100 Pfd.St. zählt. Wenn also das Jahresprodukt von 51 Wochen = 5.100 Pfd.St., so ist das umgeschlagne Kapital nur 4.800 + 100 = 4.900 Pfd.St.; das vorgeschoßne Gesamtkapital von 900 Pfd.St. hat also 54/9mal umgeschlagen, also um eine Kleinigkeit mehr als unter Fall I.

In dem vorliegenden Beispiel war ein Fall unterstellt, wo die Arbeitszeit = 2/3, die Umlaufszeit = 1/3 der Umschlagsperiode, also die Arbeitszeit ein einfaches Multipel der Umlaufszeit ist. Es fragt sich, ob die oben konstatierte Freisetzung von Kapital auch stattfindet, wenn dies nicht der Fall.

Nehmen wir Arbeitsperiode = 5 Wochen, Umlaufszeit = 4 Wochen, Kapitalvorschuß per Woche 100 Pfd.St.

I. Umschlagsperiode: 1. - 9. Woche.
1. Arbeitsperiode: 1. - 5. Woche. Kapital I, 500 Pfd.St., fungiert.
1. Zirkulationsperiode: 6. - 9. Woche. Ende der 9. Woche fließen 500 Pfd.St. zurück.
II. Umschlagsperiode: 6.- 14. Woche.
2. Arbeitsperiode: 6. - 10. Woche.
Erster Abschnitt: 6. - 9. Woche. Kapital II = 400 Pfd.St. fungiert. Ende der 9. Woche fließt Kapital I = 500 Pfd.St. in Geld zurück.
Zweiter Abschnitt: 10. Woche. Von den zurückgefloßnen 500 Pfd.St. fungieren 100 Pfd.St. Die übrigen 400 Pfd.St. bleiben freigesetzt für die folgende Arbeitsperiode.
'

<277>

2. Zirkulationsperiode: 11. - 14. Woche. Am Ende der 14. Woche fließen 500 Pfd.St. in Geld zurück.

Bis zu Ende der 14. Woche (11.- 14.) fungieren die oben freigesetzten 400 Pfd.St.; 100 Pfd.St. aus den alsdann zurückgefloßnen 500 Pfd.St. komplettieren den Bedarf für die dritte Arbeitsperiode (11. - 15. Woche), so daß wiederum 400 Pfd.St. für die vierte Arbeitsperiode freigesetzt werden. Dasselbe Phänomen wiederholt sich in jeder Arbeitsperiode; bei ihrem Beginn findet sie 400 Pfd.St. vor, die für die ersten 4 Wochen reichen. Ende der 4. Woche fließen 500 Pfd.St. in Geld zurück, von denen nur 100 Pfd.St. für die letzte Woche benötigt sind, die übrigen 400 Pfd.St. für die nächste Arbeitsperiode freigesetzt bleiben.

Nehmen wir ferner eine Arbeitsperiode von 7 Wochen, mit Kapital I von 700 Pfd.St.; eine Umlaufszeit von 2 Wochen mit Kapital II von 200 Pfd.St.

Dann dauert die erste Umschlagsperiode von 1. - 9. Woche, davon erste Arbeitsperiode 1. - 7. Woche, mit Vorschuß von 700 Pfd.St., und erste Zirkulationsperiode 8. - 9. Woche. Ende der 9. Woche fließen die 700 Pfd.St. in Geld zurück.

Die zweite Umschlagsperiode 8. - 16. Woche umschließt die zweite Arbeitsperiode 8.- 14. Woche. Davon ist der Bedarf für 8. und 9. Woche gedeckt durch Kapital II. Ende der 9. Woche fließen obige 700 Pfd.St. zurück; davon werden verbraucht bis Schluß der Arbeitsperiode (10. - 14. Woche) 500 Pfd.St. Bleiben 200 Pfd.St. freigesetzt für die nächstfolgende Arbeitsperiode. Die zweite Umlaufsperiode dauert 15. - 16. Woche; Ende der 16. Woche fließen wieder 700 Pfd.St. zurück. Von nun an wiederholt sich in jeder Arbeitsperiode dieselbe Erscheinung. Der Kapitalbedarf der ersten beiden Wochen ist gedeckt durch die am Schluß der vorigen Arbeitsperiode freigesetzten 200 Pfd.St.; Ende der 2. Woche fließen 700 zurück; die Arbeitsperiode zählt aber nur noch 5 Wochen, so daß sie nur 500 Pfd.St. verbrauchen kann; es bleiben also stets 200 Pfd.St. freigesetzt für die nächste Arbeitsperiode.

Es stellt sich also heraus, daß in unserm Fall, wo die Arbeitsperiode größer angenommen als die Umlaufsperiode, unter allen Umständen am Schluß einer jeden Arbeitsperiode sich ein Geldkapital freigesetzt findet, welches von gleicher Größe ist wie das für die Zirkulationsperiode vorgeschoßne Kapital II. In unsern drei Beispielen war Kapital II im ersten = 300 Pfd.St., im zweiten = 400 Pfd.St., im dritten = 200 Pfd.St.; dementsprechend war das am Schluß der Arbeitsperiode freigesetzte Kapital je 300, 400, 200 Pfd.St.

'

III. Arbeitsperiode kleiner als Umlaufsperiode

'

<278> Wir nehmen zunächst wieder an eine Umschlagsperiode von 9 Wochen; davon Arbeitsperiode 3 Wochen, für welche disponibel Kapital I = 300 Pfd.St. Die Umlaufsperiode sei 6 Wochen. Für diese 6 Wochen ist ein Zusatzkapital von 600 Pfd.St. nötig, das wir aber wieder in zwei Kapitale von je 300 Pfd.St. einteilen können, wovon jedes eine Arbeitsperiode ausfüllt. Wir haben dann drei Kapitale von je 300 Pfd.St., wovon immer 300 Pfd.St. in der Produktion beschäftigt sind, während 600 Pfd.St. umlaufen.

Tabelle III

'

Kapital I:

'

Umschlagsperioden

'

Arbeitsperioden

'

Umlaufsperioden

Woche Woche Woche
I. 1. - 9. 1. - 3. 4. - 9.
II. 10. - 18. 10. - 12. 13. - 18.
III. 19. - 27. 19. - 21. 22. - 27.
IV. 28. - 36. 28. - 30. 31. - 36.
V. 37. - 45. 37. - 39. 40. - 45.
VI. 46. - (54.) 46. - 48. 49. - (54.)

'

Kapital II:

'

Umschlagsperioden

'

Arbeitsperioden

'

Umlaufsperioden

Woche Woche Woche
I. 4. - 12. 4. - 6. 7. - 12.
II. 13. - 21. 13. - 15. 16. - 21.
III. 22. - 30. 22. - 24. 25. - 30.
IV. 31. - 39. 31. - 33. 34. - 39.
V. 40. - 48. 40. - 42. 43. - 48.
VI. 49. - (57.) 49. - 51. (52. - 57.)

'

Kapital III:

'

Umschlagsperioden

'

Arbeitsperioden

'

Umlaufsperioden

Woche Woche Woche
I. 7. - 15. 7. - 9. 10. - 15.
II. 16. - 24. 16. - 18. 19. - 24.
III. 25. - 33. 25. - 27. 28. - 33.
IV. 34. - 42. 34. - 36. 37. - 42.
V. 43. - 51. 43. - 45. 46. - 51.

'

<279> Wir haben hier das genaue Gegenbild von Fall I, nur mit dem Unterschied, daß jetzt drei Kapitale einander ablösen statt zwei. Eine Durchkreuzung oder Verschlingung der Kapitale findet nicht statt; jedes einzelne kann bis zum Jahresschluß getrennt verfolgt werden. Ebensowenig wie bei Fall I findet also eine Freisetzung von Kapital am Schluß einer Arbeitsperiode statt. Kapital I ist ganz ausgelegt Ende der 3. Woche, fließt ganz zurück Ende der 9., und tritt wieder in Funktion Anfang der 10. Woche. Ähnlich mit Kapital II und III. Die regelmäßige und vollständige Ablösung schließt jede Freisetzung aus.

Der Gesamtumschlag berechnet sich folgendermaßen:

Kapital I 300 Pfd.St. 52/3 * = 1.700 Pfd.St.
Kapital II 300 Pfd.St. 51/3 * = 1.600 Pfd.St.
Kapital III 300 Pfd.St. 5 * = 1.500 Pfd.St.
Gesamtkapital 900 Pfd.St. 51/3 * = 4.800 Pfd.St.

Nehmen wir jetzt auch ein Beispiel, wo die Umlaufsperiode nicht ein genaues Vielfaches der Arbeitsperiode bietet; z.B. Arbeitsperiode 4 Wochen, Zirkulationsperiode 5 Wochen; die entsprechenden Kapitalbeträge wären also Kapital I = 400 Pfd.St., Kapital II = 400 Pfd.St., Kapital III = 100 Pfd.St. Wir geben nur die ersten drei Umschläge.

Tabelle IV

'

Kapital I:

'

Umschlagsperioden

'

Arbeitsperioden

'

Umlaufsperioden

Woche Woche Woche
I. 1. - 9. 1. - 4. 5. - 9.
II. 9. - 17. 9.10. - 12. 13. - 17.
III. 17. - 25. 17.18. - 20. 21. - 25.

'

Kapital II:

'

Umschlagsperioden

'

Arbeitsperioden

'

Umlaufsperioden

Woche Woche Woche
I. 5. - 13. 5. - 8. 9. - 13.
II. 13. - 21. 13.14. - 16. 17. - 21.
III. 21. - 29. 21.22. - 24. 25. - 29.

'

Kapital III:

<280> '

Umschlagsperioden

'

Arbeitsperioden

'

Umlaufsperioden

Woche Woche Woche
I. 9. - 17. 9. 10. - 17.
II. 17. - 25. 17. 18. - 25.
III. 25. - 33. 25. 26. - 33.

Es findet hier insofern Verschlingung der Kapitale statt, als die Arbeitsperiode von Kapital III, das keine selbständige Arbeitsperiode hat, weil es nur für eine Woche reicht, zusammenfällt mit der ersten Arbeitswoche von Kapital I. Dafür aber findet sich am Schluß der Arbeitsperiode, sowohl von Kapital I wie von Kapital II, ein dem Kapital III gleicher Betrag von 100 Pfd.St. freigesetzt. Wenn nämlich Kapital III die erste Woche der zweiten und aller folgenden Arbeitsperioden von Kapital I ausfüllt und am Schluß dieser ersten Woche das ganze Kapital I, 400 Pfd.St., zurückströmt, so bleibt für den Rest der Arbeitsperiode von Kapital I nur eine Zeit von 3 Wochen und eine entsprechende Kapitalauslage von 300 Pfd.St. Die so freigesetzten 100 Pfd.St. genügen dann für die erste Woche der sich unmittelbar anschließenden Arbeitsperiode von Kapital II; am Schluß dieser Woche fließt das ganze Kapital II mit 400 Pfd.St. zurück; da aber die angebrochne Arbeitsperiode nur noch 300 Pfd.St. absorbieren kann, so bleiben an deren Schluß wieder 100 Pfd.St. freigesetzt; und so weiter. Es findet also Freisetzung von Kapital am Schlusse der Arbeitsperiode statt, sobald die Umlaufszeit nicht ein einfaches Multipel der Arbeitsperiode bildet; und zwar ist dies freigesetzte Kapital gleich dem Kapitalteil, welcher den Überschuß der Zirkulationsperiode über eine Arbeitsperiode oder über ein Multipel von Arbeitsperioden auszufüllen hat.

In allen untersuchten Fällen wurde angenommen, daß sowohl Arbeitsperiode wie Umlaufszeit das ganze Jahr hindurch in dem beliebigen, hier betrachteten Geschäft dieselben bleiben. Diese Voraussetzung war nötig, wollten wir den Einfluß der Umlaufszeit auf Umschlag und Kapitalvorschuß feststellen. Daß sie in der Wirklichkeit nicht in dieser Unbedingtheit und oft gar nicht gilt, ändert an der Sache nichts.

Wir haben in diesem ganzen Abschnitt nur die Umschläge des zirkulierenden Kapitals betrachtet, nicht die des fixen. Aus dem einfachen Grund, weil die behandelte Frage nichts mit dem fixen Kapital zu tun hat. Die im Produktionsprozeß angewandten Arbeitsmittel etc. bilden nur fixes Kapital, soweit ihre Gebrauchszeit länger dauert als die Umschlagsperiode des flüs- <281> sigen Kapitals; soweit die Zeit, während deren diese Arbeitsmittel fortfahren, in beständig wiederholten Arbeitsprozessen zu dienen, größer ist als die Umschlagsperiode des flüssigen Kapitals, also = n Umschlagsperioden des flüssigen Kapitals ist. Ob die Gesamtzeit, welche durch diese n Umschlagsperioden des flüssigen Kapitals gebildet wird, länger oder kürzer ist, der Teil des produktiven Kapitals, der für diese Zeit in fixem Kapital vorgeschossen war, wird innerhalb derselben nicht von neuem vorgeschossen. Er fährt fort, in seiner alten Gebrauchsform zu fungieren. Der Unterschied ist nur der: je nach der verschiednen Länge der einzelnen Arbeitsperiode jeder Umschlagsperiode des flüssigen Kapitals gibt das fixe Kapital größern oder geringern Teil seines Originalwerts an das Produkt dieser Arbeitsperiode ab, und je nach der Dauer der Zirkulationszeit einer jeden Umschlagsperiode fließt dieser an das Produkt abgegebne Wertteil des fixen Kapitals rascher oder langsamer in Geldform zurück. Die Natur des Gegenstands, den wir in diesem Abschnitt behandeln - der Umschlag des zirkulierenden Teils des produktiven Kapitals -, geht aus der Natur dieses Kapitalteils selbst hervor. Das in einer Arbeitsperiode angewandte flüssige Kapital kann nicht in einer neuen Arbeitsperiode angewandt werden, bevor es seinen Umschlag vollendet, sich in Warenkapital, aus diesem in Geldkapital und aus diesem wieder in produktives Kapital verwandelt hat. Um daher die erste Arbeitsperiode sofort durch eine zweite zu kontinuieren, muß von neuem Kapital vorgeschossen und in die flüssigen Elemente des produktiven Kapitals verwandelt werden, und zwar in hinreichender Quantität, um die durch die Zirkulationsperiode des für die erste Arbeitsperiode vorgeschoßnen flüssigen Kapitals entstehende Lücke auszufüllen. Daher der Einfluß der Länge der Arbeitsperiode des flüssigen Kapitals auf die Betriebsstufenleiter des Arbeitsprozesses und auf die Teilung des vorgeschoßnen Kapitals, resp. auf Zuschuß von neuen Kapitalportionen. Dies aber ist es gerade, was wir in diesem Abschnitt zu betrachten hatten.

'

IV. Resultate

Aus der bisherigen Untersuchung ergibt sich:

A. Die verschiednen Portionen, worin das Kapital geteilt werden muß, damit ein Teil desselben sich beständig in der Arbeitsperiode befinden kann, während andre Teile sich in der Zirkulationsperiode befinden - lösen sich ab, wie verschiedne selbständige Privatkapitale, in zwei Fällen. 1. Wenn die Arbeitsperiode gleich der Zirkulationsperiode, die Umschlagsperiode <282> also in zwei gleiche Abschnitte geteilt ist. 2. Wenn die Zirkulationsperiode länger ist als die Arbeitsperiode, aber zugleich ein einfaches Multipel der Arbeitsperiode bildet, so daß eine Zirkulationsperiode = n Arbeitsperioden, wo n eine ganze Zahl sein muß. In diesen Fällen wird kein Teil des sukzessiv vorgeschoßnen Kapitals freigesetzt.

B. Dagegen in allen Fällen, wo 1. die Zirkulationsperiode größer als die Arbeitsperiode, ohne ein einfaches Multipel derselben zu bilden, und 2. wo die Arbeitsperiode größer als die Zirkulationsperiode, wird ein Teil des flüssigen Gesamtkapitals vom zweiten Umschlag an beständig und periodisch am Schluß jeder Arbeitsperiode freigesetzt. Und zwar ist dieses freigesetzte Kapital gleich dem für die Zirkulationsperiode vorgeschoßnen Teil des Gesamtkapitals, wenn die Arbeitsperiode größer als die Zirkulationsperiode; und gleich dem Kapitalteil, welcher den Überschuß der Zirkulationsperiode über eine Arbeitsperiode oder über ein Multipel von Arbeitsperioden auszufüllen hat, wenn die Zirkulationsperiode größer ist als die Arbeitsperiode.

C. Es folgt daraus, daß für das gesellschaftliche Gesamtkapital, nach seinem flüssigen Teil betrachtet, die Freisetzung von Kapital die Regel, die bloße Ablösung der sukzessive im Produktionsprozeß fungierenden Kapitalteile die Ausnahme bilden muß. Denn die Gleichheit von Arbeitsperiode und Zirkulationsperiode, oder die Gleichheit der Zirkulationsperiode mit einem einfachen Multipel der Arbeitsperiode, diese regelmäßige Proportionalität der zwei Bestandteile der Umschlagsperiode hat mit der Natur der Sache durchaus nichts zu tun und kann daher im ganzen und großen nur ausnahmsweise stattfinden.

Ein sehr bedeutender Teil des jährlich mehrmals umschlagenden gesellschaftlichen zirkulierenden Kapitals wird sich also während des jährlichen Umschlagszyklus periodisch in der Form von freigesetztem Kapital befinden.

Es ist ferner klar, daß, alle andern Umstände gleichbleibend gesetzt, die Größe dieses freigesetzten Kapitals mit dem Umfang des Arbeitsprozesses oder mit der Stufenleiter der Produktion, also überhaupt mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktion wächst. In dem Falle sub B.2., weil das vorgeschoßne Gesamtkapital wächst; in B. 1., weil mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktion die Länge der Zirkulationsperiode wächst, also auch die Umschlagsperiode in den Fällen, wo die Arbeitsperiode ohne regelmäßiges Verhältnis der beiden Perioden.

Im ersten Fall hatten wir z.B. 100 Pfd.St. wöchentlich auszulegen. Für sechswöchentliche Arbeitsperiode 600 Pfd.St., für dreiwöchentliche Zir- <283> kulationsperiode 300 Pfd.St., zusammen 900 Pfd.St. Hier werden beständig 300 Pfd.St. freigesetzt. Werden dagegen 300 Pfd.St. wöchentlich ausgelegt, so haben wir für die Arbeitsperiode 1.800 Pfd.St., für die Zirkulationsperiode 900 Pfd.St.; also auch 900 Pfd.St. statt 300 Pfd.St. periodisch freigesetzt.

D. Das Gesamtkapital von z.B. 900 Pfd.St. muß in zwei Teile geteilt werden, wie oben 600 Pfd.St. für die Arbeitsperiode und 300 Pfd.St. für die Zirkulationsperiode. Der Teil, der wirklich im Arbeitsprozeß ausgelegt, wird dadurch um ein Drittel vermindert, von 900 Pfd.St. auf 600 Pfd.St., und daher die Produktionsleiter um ein Drittel reduziert. Andrerseits fungieren die 300 Pfd.St. nur, um die Arbeitsperiode kontinuierlich zu machen, so daß in jeder Woche des Jahres 100 Pfd.St. im Arbeitsprozeß ausgelegt werden können.

Abstrakt genommen ist es dasselbe, ob 600 Pfd.St. während 6 * 8 = 48 Wochen arbeiten (Produkt = 4.800 Pfd.St.), oder ob das ganze Kapital von 900 Pfd.St. während 6 Wochen im Arbeitsprozeß ausgelegt wird und dann während der Zirkulationsperiode von 3 Wochen brachliegt; im letztem Fall würde es im Lauf der 48 Wochen 51/3 * 6 = 32 Wochen arbeiten (Produkt = 51/3 * 900 = 4.800 Pfd.St.), und 16 Wochen brachliegen. Aber abgesehn vom größern Verderb des fixen Kapitals während der Brache von 16 Wochen und der Verteurung der Arbeit, die während des ganzen Jahres bezahlt werden muß, obgleich sie nur einen Teil desselben wirkt, ist eine solche regelmäßige Unterbrechung des Produktionsprozesses mit dem Betrieb der modernen großen Industrie überhaupt unvereinbar. Diese Kontinuität ist selbst eine Produktivkraft der Arbeit.

Sehn wir uns nun das freigesetzte, in der Tat suspendierte Kapital näher an, so zeigt sich, daß ein bedeutender Teil desselben stets die Form von Geldkapital besitzen muß. Bleiben wir bei dem Beispiel: Arbeitsperiode 6 Wochen, Zirkulationsperiode 3 Wochen, Auslage per Woche 100 Pfd.St. In der Mitte der zweiten Arbeitsperiode, Ende der 9. Woche, fließen 600 Pfd.St. zurück, von denen nur 300 Pfd.St. während des Rests der Arbeitsperiode anzulegen sind. Ende der zweiten Arbeitsperiode werden also 300 Pfd.St. davon freigesetzt. In welchem Zustand befinden sich diese 300 Pf. St.? Wir wollen annehmen, daß 1/3 für Arbeitslohn, 2/3 für Roh- und Hilfsstoffe auszulegen sind. Von den zurückgefloßnen 600 Pfd.St. befinden sich also 200 Pfd.St. für Arbeitslohn in Geldform und 400 Pfd.St. in. der Form von produktivem Vorrat, in der Form von Elementen des konstanten flüssigen produktiven Kapitals. Da aber für die zweite Hälfte der Arbeitsperiode II nur die Hälfte dieses produktiven Vorrats erheischt ist, befindet <284> sich die andre Hälfte während 3 Wochen in der Form von überschüssigem, d.h. von über eine Arbeitsperiode überschüssigem produktivem Vorrat. Der Kapitalist weiß aber, daß er von diesem Teil (= 400 Pfd.St.) des zurückfließenden Kapitals nur die Hälfte = 200 Pfd.St. für die laufende Arbeitsperiode braucht. Es wird also von den Marktverhältnissen abhängen ob er diese 200 Pfd.St. sofort wieder ganz oder nur zum Teil in überschüssigen produktiven Vorrat verwandeln oder sie ganz oder teilweise in Erwartung günstigerer Marktverhältnisse als Geldkapital festhalten wird. Andrerseits versteht sich von selbst, daß der in Arbeitslohn auszulegende Teil = 200 Pfd.St. in Geldform festgehalten wird. Der Kapitalist kann die Arbeitskraft nicht wie das Rohmaterial im Warenlager deponieren, nachdem er sie gekauft hat. Er muß sie dem Produktionsprozeß einverleiben und zahlt sie Ende der Woche. Von dem freigesetzten Kapital von 300 Pfd.St. werden also jedenfalls diese 100 Pfd.St. die Form von freigesetztem, d.h. nicht für die Arbeitsperiode nötigem Geldkapital besitzen. Das in Form von Geldkapital freigesetzte Kapital muß also mindestens gleich sein dem variablen, in Arbeitslohn ausgelegten Kapitalteil; im Maximum kann es das ganze freigesetzte Kapital umfassen. In der Wirklichkeit schwankt es beständig zwischen diesem Minimum und Maximum.

Das so durch den bloßen Mechanismus der Umschlagsbewegung freigesetzte Geldkapital (neben dem durch den sukzessiven Rückfluß des fixen Kapitals und dem in jedem Arbeitsprozeß für variables Kapital nötigem Geldkapital) muß eine bedeutende Rolle spielen, sobald sich das Kreditsystem entwickelt, und muß zugleich eine der Grundlagen desselben bilden.

Nehmen wir in unserm Beispiel an, die Zirkulationszeit verkürze sich von 3 Wochen auf 2. Dies sei nicht normal, sondern etwa Folge guter Geschäftszeit, verkürzter Zahlungstermine etc. Das Kapital von 600 Pfd.St., das während der Arbeitsperiode ausgelegt worden, fließt eine Woche früher als nötig zurück, es ist also für diese Woche freigesetzt. Es werden ferner, wie vorher, in der Mitte der Arbeitsperiode 300 Pfd.St. freigesetzt (Teil jener 600 Pfd.St.), aber für 4 Wochen statt für 3. Es befinden sich also auf dem Geldmarkt während einer Woche 600 Pfd.St. und während 4 statt 3 Wochen 300 Pfd.St. Da dies nicht nur einen Kapitalisten betrifft, sondern viele und zu verschiednen Perioden in verschiednen Geschäftszweigen sich ereignet, so erscheint hiermit mehr disponibles Geldkapital auf dem Markt. Dauert dieser Zustand länger, so wird die Produktion erweitert werden, wo dies zulässig; Kapitalisten, die mit geborgtem Kapital arbeiten, werden weniger Nachfrage auf dem Geldmarkt ausüben, was diesen ebensosehr erleichtert wie vermehrtes Angebot; oder endlich die Summen, die für den <285> Mechanismus überschüssig geworden sind, werden definitiv auf den Geldmarkt hinausgeworfen.

Infolge der Kontraktion der Umlaufszeit <1. und 2. Auflage: Umschlagszeit> von 3 auf 2 Wochen, und daher der Umschlagsperiode von 9 auf 8 Wochen, wird 1/9 des vorgeschoßnen Gesamtkapitals überflüssig; die sechswöchentliche Arbeitsperiode kann nun mit 800 Pfd.St. ebenso beständig in Gang gehalten werden wie früher mit 900 Pfd.St. Ein Wertteil des Warenkapitals = 100 Pfd.St., einmal in Geld rückverwandelt, verharrt daher in diesem Zustand als Geldkapital, ohne weiter als Teil des für den Produktionsprozeß vorgeschoßnen Kapitals zu fungieren. Während die Produktion auf gleichbleibender Stufenleiter und zu sonst gleichbleibenden Bedingungen, wie Preisen etc., fortgeführt wird, vermindert sich die Wertsumme des vorgeschoßnen Kapitals von 900 Pfd.St. auf 800 Pfd.St.; der Rest von 100 Pfd.St. des ursprünglich vorgeschoßnen Werts wird ausgeschieden in der Form von Geldkapital. Als solches tritt es in den Geldmarkt ein und bildet zuschüssigen Teil der hier fungierenden Kapitale.

Man ersieht hieraus, wie eine Plethora von Geldkapital entstehn kann - und zwar nicht nur in dem Sinn, daß das Angebot von Geldkapital größer ist als die Nachfrage; dies ist immer nur eine relative Plethora, die z.B. stattfindet in der "melancholischen Periode", welche nach Ende der Krise den neuen Zyklus eröffnet. Sondern in dem Sinn, daß für die Betreibung des gesamten gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses (welcher den Zirkulationsprozeß einschließt) ein bestimmter Teil des vorgeschoßnen Kapitalwerts überflüssig und daher in der Form von Geldkapital ausgeschieden ist; eine Plethora, entstanden bei gleichbleibender Stufenleiter der Produktion und gleichbleibenden Preisen durch bloße Kontraktion der Umschlagsperiode. Es hat die Masse - größere oder kleinere - des in Zirkulation befindlichen Geldes hierauf nicht den geringsten Einfluß gehabt.

Nehmen wir umgekehrt an, die Zirkulationsperiode verlängre sich, sage von 3 Wochen zu 5. Dann findet schon beim nächsten Umschlag der Rückfluß des vorgeschoßnen Kapitals um 2 Wochen zu spät statt. Der letzte Teil des Produktionsprozesses dieser Arbeitsperiode kann nicht weitergeführt werden durch den Mechanismus des Umschlags des vorgeschoßnen Kapitals selbst. Bei längrer Dauer dieses Zustandes könnte, wie im vorigen Fall Erweiterung, so hier Kontraktion des Produktionsprozesses - des Umfangs, auf dem er betrieben - eintreten. Um aber den Prozeß auf derselben Stufenleiter fortzuführen, müßte das vorgeschoßne Kapital für die ganze Dauer <286> dieser Verlängrung der Zirkulationsperiode um 2/9 = 200 Pfd.St. vermehrt werden. Dies Zusatzkapital kann nur dem Geldmarkt entnommen werden. Gilt die Verlängerung der Zirkulationsperiode für einen oder mehrere große Geschäftszweige, so kann sie daher einen Druck auf den Geldmarkt herbeiführen, wenn nicht diese Wirkung durch Gegenwirkung von andrer Seite aufgehoben wird. Auch in diesem Fall ist sichtbar und handgreiflich, daß dieser Druck, wie vorher jene Plethora, nicht das geringste zu tun hatte mit einer Änderung weder in den Preisen der Waren noch in der Masse der vorhandnen Zirkulationsmittel.

{Die Fertigstellung dieses Kapitels für den Druck hat nicht geringe Schwierigkeiten gemacht. So sattelfest Marx als Algebraiker war, so ungeläufig blieb ihm das Rechnen mit Zahlen, namentlich das kaufmännische, trotzdem ein dickes Konvolut Hefte existiert, worin er sämtliche kaufmännische Rechnungsarten selbst in vielen Exempeln durchgerechnet hat. Aber Kenntnis der einzelnen Rechnungsarten und Übung im alltäglichen praktischen Rechnen des Kaufmanns sind keineswegs dasselbe, und so verwickelte er sich in den Umschlagsberechnungen derart, daß neben Unvollendetem schließlich manches Unrichtige und Widersprechende herauskam. Ich habe in den oben abgedruckten Tabellen nur das Einfachste und arithmetisch Richtige beibehalten, und zwar hauptsächlich aus folgendem Grund.

Die unsichern Resultate dieser mühsamen Rechnerei haben Marx veranlaßt, einem - nach meiner Ansicht - tatsächlich wenig wichtigen Umstand eine unverdiente Wichtigkeit beizulegen. Ich meine das, was er "Freisetzung" von Geldkapital nennt. Der wirkliche Sachverhalt, unter den oben angenommenen Voraussetzungen, ist dieser:

Einerlei, welches das Größenverhältnis von Arbeitsperiode und Umlaufszeit, also das von Kapital I zu Kapital II, - nach Ablauf des ersten Umschlags kehrt dem Kapitalisten, in regelmäßigen Intervallen von der Länge der Arbeitsperiode, das für je eine Arbeitsperiode nötige Kapital - also eine Summe gleich Kapital I - in Geldform zurück.

Ist die Arbeitsperiode = 5 Wochen, Umlaufszeit = 4 Wochen, Kapital I = 500 Pfd.St., so fließt jedesmal eine Geldsumme von 500 Pfd.St. zurück: Ende der 9., der 14., der 19., der 24., der 29. Woche usw.

Ist die Arbeitsperiode = 6 Wochen, Umlaufszeit = 3 Wochen, Kapital I = 600 Pfd.St., so fließen je 600 Pfd.St. zurück: Ende der 9., der 15., der 21., der 27., der 33. Woche usw.

Endlich ist die Arbeitsperiode = 4 Wochen, Umlaufszeit = 5 Wochen, Kapital I = 400 Pfd.St., so erfolgt Rückfluß von je 400 Pfd.St.: Ende der 9., der 13., der 17., der 21., der 25. Woche usw.

'

<287> Ob und wieviel von diesem zurückgefloßnen Geld für die laufende Arbeitsperiode überschüssig, also freigesetzt ist, macht keinen Unterschied. Es wird vorausgesetzt, daß die Produktion ununterbrochen auf dem laufenden Maßstab vorangeht, und damit dies erfolge, muß das Geld vorhanden sein, also rückfließen, ob "freigesetzt" oder nicht. Wird die Produktion unterbrochen, so hört auch die Freisetzung auf.

Mit andern Worten: Es erfolgt allerdings Freisetzung von Geld, also Bildung von latentem, nur potentiellem Kapital in Geldform; aber unter allen Umständen und nicht nur unter den im Text näher präzisierten speziellen Bedingungen; und sie erfolgt auf größerm als auf dem im Text angenommenen Maßstab. Mit Beziehung auf das zirkulierende Kapital I befindet sich der industrielle Kapitalist am Ende jedes Umschlags ganz in der Lage wie bei Errichtung des Geschäfts: er hat es wieder ganz und auf einmal in der Hand, während er es nur allmählich wieder in produktives Kapital verwandeln kann.

Worauf es im Text ankommt, ist der Nachweis, daß einerseits ein beträchtlicher Teil des industriellen Kapitals stets in Geldform vorhanden sein, andrerseits ein noch beträchtlicherer zeitweilig Geldform annehmen muß. Dieser Nachweis wird durch diese meine zusätzlichen Bemerkungen höchstens verstärkt. - F. E.}

'

V. Wirkung von Preiswechsel

Wir haben eben unterstellt gleichbleibende Preise, gleichbleibende Stufenleiter der Produktion auf der einen Seite, Kontraktion oder Expansion der Zirkulationszeit auf der andern. Unterstellen wir jetzt dagegen gleichbleibende Größe der Umschlagsperiode, gleichbleibende Stufenleiter der Produktion, aber auf der andern Seite Preiswechsel, d.h. Fall oder Steigen im Preis von Rohmaterialen, Hilfsstoffen und Arbeit oder der beiden ersten dieser Elemente. Gesetzt, der Preis von Roh- und Hilfsstoffen, sowie der Arbeitslohn, falle um die Hälfte. Es wären dann also in unserm Beispiel wöchentlich 50 Pfd.St. statt 100 Pfd.St. und für die neunwöchentliche Umschlagsperiode 450 Pfd.St. statt 900 Pfd.St. vorgeschoßnes Kapital nötig. 450 Pfd.St. des vorgeschoßnen Kapitalwerts werden ausgeschieden zunächst als Geldkapital, aber der Produktionsprozeß auf derselben Stufenleiter und mit derselben Umschlagsperiode und der frühern Teilung derselben werde fortgesetzt. Auch die jährliche Produktmasse bleibt dieselbe, aber ihr Wert ist um die Hälfte gefallen. Weder eine Beschleunigung im <288> Umlauf, noch eine Änderung in der Masse des zirkulierenden Geldes hat diesen Wechsel hervorgebracht, der auch von einem Wechsel in Angebot und Nachfrage von Geldkapital begleitet ist. Umgekehrt. Der Fall im Wert, resp. Preis, der Elemente des produktiven Kapitals um die Hälfte hätte zuerst die Wirkung, daß ein um die Hälfte verminderter Kapitalwert für das nach wie vor auf gleicher Stufenleiter fortgeführte Geschäft X vorgeschossen, also auch nur die Hälfte Geld von seiten des Geschäfts X auf den Markt zu werfen wäre, da das Geschäft X diesen Kapitalwert zunächst in der Form von Geld, d.h. als Geldkapital vorschießt. Die in Zirkulation geworfne Geldmasse hätte abgenommen, weil die Preise der Produktionselemente gefallen. Dies wäre die erste Wirkung.

Zweitens aber: Die Hälfte des ursprünglich vorgeschoßnen Kapitalwerts von 900 Pfd.St. = 450 Pfd.St., die a) abwechselnd die Form von Geldkapital, produktivem Kapital und Warenkapital durchlief, b) sich gleichzeitig beständig nebeneinander zum Teil in der Form von Geldkapital, zum Teil in der von produktivem Kapital und zum Teil in der von Warenkapital befand, würde ausgeschieden aus dem Kreislauf des Geschäfts X und daher als zuschüssiges Geldkapital auf den Geldmarkt treten, als zuschüssiger Bestandteil auf ihn wirken. Diese freigesetzten 450 Pfd.St. Geld wirken als Geldkapital, nicht weil sie zur Betreibung des Geschäfts X überschüssig gewordnes Geld sind, sondern weil sie Bestandteil des Original-Kapitalwerts sind, daher als Kapital fortwirken und nicht als bloßes Zirkulationsmittel verausgabt werden sollen. Die nächste Form, sie als Kapital wirken zu lassen, ist, sie als Geldkapital auf den Geldmarkt zu werfen. Andrerseits könnte auch die Stufenleiter der Produktion (abgesehn vom fixen Kapital) verdoppelt werden. Mit demselben vorgeschoßnen Kapital von 900 Pfd.St. würde dann ein Produktionsprozeß von doppeltem Umfang betrieben.

Stiegen andrerseits die Preise der flüssigen Elemente des produktiven Kapitals um die Hälfte, so wären statt 100 Pfd.St. wöchentlich 150 Pfd.St. nötig, also statt 900 Pfd.St. vielmehr 1.350 Pfd.St. 450 Pfd.St. zuschüssiges Kapital wäre nötig, um das Geschäft auf derselben Stufenleiter zu betreiben, und dies würde pro tanto, je nach dem Stand des Geldmarkts, einen größern oder geringem Druck auf ihn ausüben. Wäre alles auf ihm disponible Kapital schon verlangt, so entstände erhöhte Konkurrenz um disponibles Kapital. Läge ein Teil desselben brach, so würde er pro tanto in Aktivität gerufen.

Aber es kann auch drittens, bei gegebner Stufenleiter der Produktion, gleichbleibender Umschlagsgeschwindigkeit und gleichbleibendem Preise der Elemente des flüssigen produktiven Kapitals, der Preis der Produkte des <289> Geschäfts X fallen oder steigen. Fällt der Preis der vom Geschäft X gelieferten Waren, so sinkt der Preis seines Warenkapitals von 600 Pfd.St., die es beständig in Zirkulation warf, z.B. auf 500 Pfd.St. Ein Sechstel vom Wert des vorgeschoßnen Kapitals fließt also nicht aus dem Zirkulationsprozeß zurück (der im Warenkapital steckende Mehrwert bleibt hier außer Frage); es geht in demselben verloren. Aber da der Wert, resp. Preis, der Produktionselemente derselbe bleibt, reicht dieser Rückfluß von 500 Pfd.St. nur hin, um 5/6 des beständig im Produktionsprozeß beschäftigten Kapitals von Wo Pfd.St. zu ersetzen. Es müßten also 100 Pfd.St. zuschüssiges Geldkapital verausgabt werden, um die Produktion auf derselben Stufenleiter fortzusetzen.

Umgekehrt: Stiege der Preis der Produkte des Geschäfts X, so der Preis des Warenkapitals von 600 Pfd.St. auf z.B. 700 Pfd.St. Ein Siebentel seines Preises = 100 Pfd.St. kommt nicht aus dem Produktionsprozeß her, ist nicht in ihm vorgeschossen worden, sondern fließt aus dem Zirkulationsprozeß her. Es sind aber nur 600 Pfd.St. nötig, um die produktiven Elemente zu ersetzen; also Freisetzung von 100 Pfd.St.

Die Untersuchung der Ursachen, warum im ersten Fall die Umschlagsperiode sich abkürzt oder verlängert, im zweiten Fall die Preise von Rohmaterial und Arbeit, im dritten Fall die Preise der gelieferten Produkte steigen oder fallen, gehört nicht in den Kreis der bisherigen Untersuchung.

Was aber wohl hierher gehört ist dies:

'

I. Fall. Gleichbleibende Produktionsleiter, gleichbleibende Preise der Produktionselemente und Produkte, Wechsel in der Zirkulations- und daher der Umschlagsperiode.

Nach Voraussetzung unsers Beispiels wird durch Verkürzung der Zirkulationsperiode 1/9 weniger vorgeschoßnes Gesamtkapital nötig, das letztre daher von 900 Pfd.St. auf 800 Pfd.St. reduziert und 100 Pfd.St. Geldkapital ausgeschieden.

Das Geschäft X liefert nach wie vor dasselbe sechswöchentliche Produkt mit demselben Wert von 600 Pfd.St., und da das ganze Jahr hindurch ununterbrochen gearbeitet wird, liefert es in 51 Wochen dieselbe Masse Produkt zum Wert von 5.100 Pfd.St. Also in bezug auf die Massen und den Preis des Produkts, den das Geschäft in die Zirkulation wirft, besteht keine Verändrung, auch nicht in bezug auf die Termine, in welchen es das Produkt auf den Markt wirft. Aber es sind 100 Pfd.St. ausgeschieden, weil durch Verkürzung der Zirkulationsperiode der Prozeß mit nur 800 Pfd.St. Vorschußkapital gesättigt ist, statt vorher mit 900 Pfd.St. Die 100 Pfd.St. <290> ausgeschiednes Kapital existieren in der Form von Geldkapital. Sie repräsentieren aber keineswegs den Teil des vorgeschoßnen Kapitals, der beständig in der Form von Geldkapital fungieren müßte. Unterstellen wir, von dem vorgeschoßnen flüssigen Kapital I = 600 Pfd.St. würden 4/5 beständig in Produktionsmaterialien ausgelegt, = 480 Pfd.St., und 1/5 = 120 Pfd.St. in Arbeitslohn. Also wöchentlich 80 Pfd.St. in Produktionsstoffen, 20 Pfd.St. in Arbeitslohn. Kapital II = 300 Pfd.St. muß also ebenfalls geteilt werden in 4/5 = 240 Pfd.St. für Produktionsstoffe und 1/5 = 60 Pfd.St. für Arbeitslohn. Das in Arbeitslohn ausgelegte Kapital muß stets in Geldform vorgeschossen werden. Sobald das Warenprodukt zum Wertbetrag von 600 Pfd.St. in Geldform rückverwandelt, verkauft ist, können davon 480 Pfd.St. in Produktionsstoffe (in produktiven Vorrat) verwandelt werden, aber 120 Pfd.St. behalten ihre Geldform, um zur Zahlung des Arbeitslohns für 6 Wochen zu dienen. Diese 120 Pfd.St. sind das Minimum des zurückfließenden Kapitals von 600 Pfd.St., welches stets in der Form von Geldkapital erneuert und ersetzt werden, und daher stets als in Geldform fungierender Teil des vorgeschoßnen Kapitals vorhanden sein muß.

Wenn nun von dem periodisch für drei Wochen freigesetzten, und ebenfalls in 240 Pfd.St. produktiven Vorrat und 60 Pfd.St. Arbeitslohn spaltbaren, 300 Pfd.St. durch Verkürzung der Umlaufszeit 100 Pfd.St. in der Form von Geldkapital ausgeschieden, ganz aus dem Mechanismus des Umschlags herausgeworfen werden - wo kommt das Geld für diese 100 Pfd.St. Geldkapital her? Nur zum fünften Teil bestehn sie aus periodisch innerhalb der Umschläge freigesetztem Geldkapital. Aber 4/5 = 80 Pfd.St. sind bereits ersetzt durch zuschüssigen Produktionsvorrat zu demselben Wert. In welcher Weise wird dieser zuschüssige Produktionsvorrat in Geld verwandelt, und wo kommt das Geld zu diesem Umsatz her?

Ist die Verkürzung der Umlaufszeit einmal eingetreten, so werden von den obigen 600 Pfd.St. statt 480 Pfd.St. nur 400 Pfd.St. in Produktionsvorrat rückverwandelt. Die übrigen 80 Pfd.St. werden in ihrer Geldform festgehalten und bilden mit den obigen 20 Pfd.St. für Arbeitslohn die 100 Pfd.St. ausgeschiednes Kapital. Obgleich diese 100 Pfd.St. vermittelst des Kaufs der 600 Pfd.St. Warenkapital aus der Zirkulation herkommen und ihr jetzt entzogen werden, indem sie nicht wieder in Arbeitslohn und Produktionselementen ausgelegt werden, so ist nicht zu vergessen, daß sie in Geldform wieder in derselben Form sind, worin sie ursprünglich in die Zirkulation geworfen wurden. Anfänglich wurden 900 Pfd.St. Geld in Produktionsvorrat und Arbeitslohn ausgelegt. Um denselben Produktionsprozeß auszuführen, sind jetzt nur noch 800 Pfd.St. nötig. Die hiermit in Geld- <291> form ausgeschiednen 100 Pfd.St. bilden jetzt ein neues, Anlage suchendes Geldkapital, einen neuen Bestandteil des Geldmarkts. Sie befanden sich zwar periodisch schon früher in der Form von freigesetztem Geldkapital und von zuschüssigem Produktivkapital, aber diese latenten Zustände selbst waren Bedingung für die Ausführung, weil für die Kontinuität, des Produktionsprozesses. Jetzt sind sie nicht mehr dazu nötig und bilden deswegen neues Geldkapital und einen Bestandteil des Geldmarkts, obgleich sie durchaus weder ein zuschüssiges Element des vorhandnen gesellschaftlichen Geldvorrats bilden (denn sie existierten beim Beginn des Geschäfts und wurden durch es in die Zirkulation geworfen) noch einen neuakkumulierten Schatz.

Diese 100 Pfd.St. sind jetzt in der Tat der Zirkulation entzogen, soweit sie ein Teil des vorgeschoßnen Geldkapitals sind, der nicht mehr in demselben Geschäft angewandt wird. Aber diese Entziehung ist nur möglich, weil die Verwandlung des Warenkapitals in Geld und dieses Geldes in produktives Kapital, W´- G - W, um eine Woche beschleunigt, also auch der Umlauf des in diesem Prozeß tätigen Geldes beschleunigt ist. Sie sind ihr entzogen, weil sie nicht mehr zum Umschlag des Kapitals X nötig.

Es ist hier angenommen, daß das vorgeschoßne Kapital seinem Anwender gehört. Wäre es geborgt, so änderte das nichts. Mit der Verkürzung der Umlaufszeit hätte er statt 900 Pfd.St. nur noch 800 Pfd.St. geborgtes Kapital nötig. 100 Pfd.St. dem Borger zurückgegeben, bilden nach wie vor 100 Pfd.St. neues Geldkapital, nur in der Hand von Y statt in der Hand von X. Erhält ferner Kapitalist X seine Produktionsstoffe zum Wert von 480 Pfd.St. auf Kredit, so daß er nur 120 Pfd.St. in Geld für Arbeitslohn selbst vorzuschießen hat, so würde er jetzt für 80 Pfd.St. weniger Produktionsstoffe auf Kredit zu beziehn haben, diese also überschüssiges Warenkapital für den Kredit gebenden Kapitalisten bilden, während Kapitalist X 20 Pfd.St. in Geld ausgeschieden hätte.

Der zuschüssige Produktionsvorrat ist jetzt reduziert um 1/3. Er war, als 4/5 von 300 Pfd.St., dem zuschüssigen Kapital II, = 240 Pfd.St., er ist jetzt nur = 160 Pfd.St.; d.h. zuschüssiger Vorrat für 2 Wochen statt für 3. Er wird jetzt alle 2 Wochen erneuert statt alle 3, aber auch nur für 2 Wochen statt für 3. Die Einkäufe, z.B. auf dem Baumwollmarkt, wiederholen sich so häufiger und in kleinem Portionen. Dieselbe Portion Baumwolle wird dem Markt entzogen, denn die Masse des Produkts bleibt gleich. Aber die Entziehung verteilt sich anders in der Zeit und über mehr Zeit. Nehmen wir z.B. an, es handle sich um 3 Monate und um 2; der Jahreskonsum an Baumwolle sei 1.200 Ballen. Im ersten Fall werden verkauft:

<292> 1. Januar 300 Ballen, bleiben auf Lager 900 Ballen
1. April 300 Ballen, bleiben auf Lager 600 Ballen
1. Juli 300 Ballen, bleiben auf Lager 300 Ballen
1. Oktober 300 Ballen, bleiben auf Lager 0 Ballen

Dagegen im zweiten Fall:

1. Januar verkauft 200, auf Lager 1.000 Ballen
1. März verkauft 200, auf Lager 800 Ballen
1. Mai verkauft 200, auf Lager 600 Ballen
1. Juli verkauft 200, auf Lager 400 Ballen
1. September verkauft 200, auf Lager 200 Ballen
1. November verkauft 200, auf Lager 0 Ballen

Also fließt das in Baumwolle angelegte Geld erst einen Monat später vollständig zurück, im November statt im Oktober. Wenn also durch die Verkürzung der Umlaufszeit, und damit des Umschlags, 1/9 des vorgeschoßnen Kapitals = 100 Pfd.St. ausgeschieden wird in der Form von Geldkapital, und wenn diese 100 Pfd.St. sich zusammensetzten aus 20 Pfd.St. periodisch überschüssigem Geldkapital für Zahlung des Wochenlohns und aus 80 Pfd.St., die als periodisch überschüssiger Produktionsvorrat für eine Woche existierten - so entspricht, mit Bezug auf diese 80 Pfd.St., dem verringerten überschüssigen Produktionsvorrat auf Seite des Fabrikanten der vergrößerte Warenvorrat auf Seite des Baumwollhändlers. Dieselbe Baumwolle liegt ebensoviel länger auf seinem Lager als Ware, als sie kürzer auf dem Lager des Fabrikanten als Produktionsvorrat liegt.

Bisher nahmen wir an, die Verkürzung der Umlaufszeit im Geschäft X rühre daher, daß X seine Ware rascher verkauft oder bezahlt erhält, resp. bei Kredit der Zahlungstermin verkürzt wird. Diese Verkürzung ist also abgeleitet aus einer Verkürzung des Verkaufs der Ware, der Verwandlung von Warenkapital in Geldkapital, W´- G, der ersten Phase des Zirkulationsprozesses. Sie könnte auch entspringen aus der zweiten Phase G - W und daher aus gleichzeitiger Ändrung, sei es in der Arbeitsperiode, sei es in der Umlaufszeit der Kapitale Y, Z etc., die dem Kapitalisten X die Produktionselemente seines flüssigen Kapitals liefern.

Z.B. wenn Baumwolle, Kohle etc. bei dem alten Transport 3 Wochen auf Reisen sind von ihrem Produktions- oder Stapelplatz bis zum Sitz der Produktionsstätte des Kapitalisten X, so muß das Minimum des Produktionsvorrats von X bis zur Ankunft neuer Vorräte wenigstens für 3 Wochen reichen. Solange Baumwolle und Kohle sich auf Reisen befinden, können sie nicht als Produktionsmittel dienen. Sie bilden jetzt vielmehr einen <293> Arbeitsgegenstand der Transportindustrie und des darin beschäftigten Kapitals und in seiner Zirkulation befindliches Warenkapital für den Kohlenproduzenten oder den Baumwollenverkäufer. Bei verbessertem Transport reduziere sich die Reise auf 2 Wochen. So kann der Produktionsvorrat aus einem dreiwöchentlichen sich in einen zweiwöchentlichen verwandeln. Damit wird das hierfür vorgeschoßne Zuschußkapital von 80 Pfd.St. freigesetzt und ebenso das von 20 Pfd.St. für Arbeitslohn, weil das umgeschlagne Kapital von 600 Pfd.St. eine Woche früher zurückfließt.

Andrerseits, wenn z.B. die Arbeitsperiode des Kapitals, das den Rohstoff liefert, sich verkürzt (wovon Beispiele in den vorigen Kapiteln gegeben), also auch die Möglichkeit, den Rohstoff zu erneuern, kann der produktive Vorrat sich vermindern, der Zeitraum von einer Erneuerungsperiode bis zur andern sich verkürzen.

Wenn umgekehrt die Umlaufszeit und daher die Umschlagsperiode sich verlängert, so ist Vorschuß von zuschüssigem Kapital nötig. Aus der Tasche des Kapitalisten selbst, wenn er zuschüssiges Kapital besitzt. Dies wird dann aber in irgendeiner Form angelegt sein, als Teil des Geldmarkts; um es disponibel zu machen, muß es aus der alten Form losgeschält, z.B. Aktien verkauft, Depositen entzogen werden, so daß auch hier indirekte Wirkung auf den Geldmarkt eintritt. Oder er muß es aufnehmen. Was den für Arbeitslohn nötigen Teil des zuschüssigen Kapitals betrifft, so ist er unter normalen Umständen stets als Geldkapital vorzuschießen, und hierfür übt der Kapitalist X seinen Anteil direkten Drucks auf den Geldmarkt aus. Für den in Produktionsstoffen anzulegenden Teil ist dies nur dann unerläßlich, wenn er sie bar zahlen muß. Kann er sie auf Kredit erhalten, so übt dies keinen direkten Einfluß auf den Geldmarkt, da das zuschüssige Kapital dann direkt als Produktionsvorrat und nicht in erster Instanz als Geldkapital vorgeschossen wird. Sofern sein Kreditgeber etwa den von X erhaltnen Wechsel wieder direkt auf den Geldmarkt wirft, ihn diskontieren läßt etc., würde dies indirekt, durch zweite Hand auf den Geldmarkt wirken. Benutzt er aber diesen Wechsel, um damit z.B. eine später abzutragende Schuld zu decken, so wirkt dies zuschüssig vorgeschoßne Kapital weder direkt noch indirekt auf den Geldmarkt.

'

II. Fall. Preiswechsel der Produktionsstoffe, alle andren Umstände unverändert.

Wir nahmen eben an, daß das Gesamtkapital von 900 Pfd.St. ausgelegt wird zu = 720 Pfd.St. in Produktionsstoffen und zu 1/5 = 180 Pfd.St. in Arbeitslohn.

'

<294> Fallen die Produktionsstoffe um die Hälfte, so erfordern sie für die sechswöchentliche Arbeitsperiode nur 240 Pfd.St. statt 480 Pfd.St., und für das Zusatzkapital Nr. II nur 120 Pfd.St. statt 240 Pfd.St. Kapital I wird also reduziert von 600 Pfd.St. auf 240 + 120 = 360 Pfd.St. und Kapital II von 300 Pfd.St. auf 120 + 60 = 180 Pfd.St. Das Gesamtkapital von 900 Pfd.St. auf 360 + 180 = 540 Pfd.St. Es werden also ausgeschieden 360 Pfd.St.

Dies ausgeschiedne und jetzt unbeschäftigte, daher auf dem Geldmarkt Anlage suchende Kapital, Geldkapital, ist nichts als ein Stück des ursprünglich als Geldkapital vorgeschoßnen Kapitals von 900 Pfd.St., das durch den Preisfall der Produktionselemente, worin es periodisch rückverwandelt, überflüssig geworden ist, soll das Geschäft nicht erweitert, sondern auf der alten Stufenleiter fortgesetzt werden. Wäre dieser Preisfall nicht zufälligen Umständen geschuldet (besonders reicher Ernte, Überzufuhr etc.), sondern einer Vermehrung der Produktivkraft in dem Zweig, der den Rohstoff liefert, so wäre dies Geldkapital ein absoluter Zuschuß zum Geldmarkt, überhaupt zu dem in der Form von Geldkapital disponiblen Kapital, weil es keinen integrierenden Bestandteil des bereits angewandten Kapitals mehr bildete.

'

III. Fall. Preiswechsel im Marktpreis des Produkts selbst.

Hier geht bei Fall des Preises ein Teil des Kapitals verloren und muß daher durch neuen Vorschuß von Geldkapital ersetzt werden. Dieser Verlust des Verkäufers mag wiedergewonnen werden durch den Käufer. Direkt, wenn das Produkt nur durch zufällige Konjunkturen in seinem Marktpreis gefallen und nachher wieder auf seinen normalen Preis steigt. Indirekt, wenn der Preiswechsel durch Wertwechsel hervorgebracht ist, der auf das alte Produkt reagiert, und wenn dies Produkt wieder als Produktionselement in eine andre Produktionssphäre eingeht und hier pro tanto Kapital freisetzt. In beiden Fällen kann das für X verlorne Kapital, für dessen Ersatz er auf den Geldmarkt drückt, von seinen Geschäftsfreunden als neues zuschüssiges Kapital zugeführt sein. Es findet dann nur Übertragung statt.

Steigt umgekehrt der Preis des Produkts, so wird ein Kapitalteil, der nicht vorgeschossen war, aus der Zirkulation angeeignet. Es ist kein organischer Teil des im Produktionsprozeß vorgeschoßnen Kapitals und bildet daher, wenn die Produktion nicht ausgedehnt wird, ausgeschiednes Geldkapital. Da hier angenommen, daß die Preise der Elemente des Produkts gegeben waren, bevor es als Warenkapital auf den Markt trat, so könnte hier ein wirklicher Wertwechsel die Preiserhöhung verursacht haben, soweit er retroaktiv wirkte, z.B. die Rohmaterialien nachträglich gestiegen wären. In diesem Falle gewänne der Kapitalist X an seinem als Warenkapital zirku- <295> lierenden Produkt und an seinem vorhandnen Produktionsvorrat. Dieser Gewinn würde ihm ein Zuschußkapital liefern, das bei den neuen, erhöhten Preisen der Produktionselemente zum Fortbetrieb seines Geschäfts jetzt nötig wird.

Oder aber die Preiserhöhung ist nur vorübergehend. Was dann auf Seite des Kapitalisten X als zuschüssiges Kapital nötig wird, fällt auf andrer Seite als freigesetztes aus, soweit sein Produkt ein Produktionselement für andre Geschäftszweige bildet. Was der eine verloren, hat der andre gewonnen.



Fußnoten

(31) Die in das zweite Umschlagsjahr fallenden Wochen sind in Klammern gesetzt. <=


15. Kapitel. Wirkung der Umschlagszeit auf die Größe des Kapitalvorschusses | Inhalt | 17. Kapitel. Die Zirkulation des Mehrwerts

Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 24, "Das Kapital", Bd. II, 2. Abschnitt, S. 296 - 320 Dietz Verlag, Berlin/DDR 1963

SECHZEHNTES KAPITEL Der Umschlag des variablen Kapitals

'

1. Die Jahresrate des Mehrwerts

'

<296> Unterstellen wir ein zirkulierendes Kapital von 2.500 Pfd.St., und zwar = 2.000 Pfd.St. konstantes Kapital (Produktionsstoffe) und 1/5 = 500 Pfd.St. variables, in Arbeitslohn ausgelegtes Kapital.

Die Umschlagsperiode sei = 5 Wochen; die Arbeitsperiode = 4 Wochen, die Zirkulationsperiode = 1 Woche. Dann ist Kapital I = 2.000 Pfd.St., bestehend aus 1.600 Pfd.St. konstantem Kapital und 400 Pfd.St. variablem Kapital; Kapital II = 500 Pfd.St., davon 400 Pfd.St. konstant und 100 Pfd.St. variabel. In jeder Arbeitswoche wird ein Kapital von 500 Pfd.St. ausgelegt. In einem Jahr von 50 Wochen wird ein Jahresprodukt von 50 * 500 = 25.000 Pfd.St. hergestellt. Das beständig in einer Arbeitsperiode angewandte Kapital I von 2.000 Pfd.St. schlägt also 121/2mal um. 121/2 * 2.000 = 25.000 Pfd.St. Von diesen 25.000 Pfd.St. sind 4/5 = 20.000 Pfd.St. konstantes, in Produktionsmitteln ausgelegtes Kapital und 1/5 = 5000 Pfd.St. variables, in Arbeitslohn ausgelegtes Kapital. Dagegen schlägt das Gesamtkapital von 2.500 Pfd.St. 25.000/2.500 = 10mal um.

Das während der Produktion verausgabte variable zirkulierende Kapital kann nur von neuem im Zirkulationsprozeß dienen, soweit das Produkt, worin sein Wert reproduziert ist, verkauft, aus Warenkapital in Geldkapital verwandelt ist, um von neuem in Zahlung von Arbeitskraft ausgelegt zu werden. Aber ebenso verhält es sich mit dem in der Produktion ausgelegten konstanten zirkulierenden Kapital (den Produktionsstoffen), deren Wert als Wertteil im Produkt wieder erscheint. Was diese beiden Teile - der variable und der konstante Teil des zirkulierenden Kapitals - gemein haben, und was sie unterscheidet vom fixen Kapital, ist nicht, daß ihr auf das Produkt übertragner Wert durch das Warenkapital zirkuliert wird, d.h. durch die Zirkulation des Produkts als Ware zirkuliert. Ein Wertteil des Produkts, <297> und daher des als Ware zirkulierenden Produkts, des Warenkapitals, besteht immer aus dem Verschleiß des fixen Kapitals oder dem Wertteil des fixen Kapitals, den es während der Produktion auf das Produkt übertragen hat. Aber der Unterschied ist: Das fixe Kapital fährt fort, in seiner alten Gebrauchsgestalt im Produktionsprozeß zu fungieren während eines längern oder kürzern Zyklus von Umschlagsperioden des zirkulierenden Kapitals (= zirkulierendem konstantem + zirkulierendem variablem Kapital); während jeder einzelne Umschlag den Ersatz des gesamten, aus der Produktionssphäre - in der Gestalt von Warenkapital - in die Zirkulationssphäre eingetretnen zirkulierenden Kapitals zur Bedingung hat. Die erste Phase der Zirkulation W´- G´ haben flüssiges konstantes und flüssiges variables Kapital gemein. In der zweiten Phase trennen sie sich. Das Geld, worin die Ware rückverwandelt ist, wird zu einem Teil in Produktionsvorrat umgesetzt (zirkulierendes konstantes Kapital). Je nach den verschiednen Kaufterminen der Bestandteile desselben mag ein Teil früher, der andre später aus Geld in Produktionsstoffe umgesetzt werden, schließlich aber geht er ganz darin auf. Ein andrer Teil des aus dem Verkauf der Ware gelösten Geldes bleibt liegen als Geldvorrat, um nach und nach in Zahlung der dem Produktionsprozeß einverleibten Arbeitskraft verausgabt zu werden. Er bildet das zirkulierende variable Kapital. Nichtsdestoweniger kommt der ganze Ersatz des einen oder andern Teils jedesmal aus dem Umschlag des Kapitals, seiner Verwandlung in Produkt, aus Produkt in Ware, aus Ware in Geld her. Dies ist der Grund, warum im vorigen Kapitel, ohne Rücksicht auf das fixe Kapital, der Umschlag des zirkulierenden Kapitals - konstanten und variablen - besonders und gemeinsam behandelt worden ist.

Für die Frage, die wir jetzt zu behandeln haben, müssen wir einen Schritt weiter gehn und den variablen Teil des zirkulierenden Kapitals so behandeln, als oh er ausschließlich das zirkulierende Kapital bilde. D.h., wir sehn ab von dem konstanten zirkulierenden Kapital, das zusammen mit ihm umschlägt.

Es sind vorgeschossen 2.500 Pfd.St., und der Wert des Jahresprodukts ist 25.000 Pfd.St. Aber der variable Teil des zirkulierenden Kapitals ist 500 Pfd.St.; daher das in 25.000 Pfd.St. enthaltne variable Kapital gleich 25.000/5 = 5.000 Pfd.St. Dividieren wir die 5.000 Pfd.St. durch 500, so erhalten wir die Umschlagszahl 10, ganz wie beim Gesamtkapital von 2.500 Pfd.St.

Diese Durchschnittsrechnung, wonach der Wert des Jahresprodukts dividiert wird durch den Wert des vorgeschoßnen Kapitals und nicht durch <298> den Wert des beständig in einer Arbeitsperiode angewandten Teils dieses Kapitals (also hier nicht durch 400, sondern 500, nicht durch Kapital I, sondern durch Kapital I + Kapital II) ist hier, wo es sich nur um Produktion des Mehrwerts handelt, absolut exakt. Man wird später sehn, daß sie unter andrem Gesichtspunkt nicht ganz exakt ist, wie überhaupt diese Durchschnittsrechnung nicht ganz exakt ist. D.h., sie genügt für die praktischen Zwecke des Kapitalisten, aber sie drückt nicht alle realen Umstände des Umschlags exakt oder angemessen aus.

Wir haben bisher von einem Wertteil des Warenkapitals ganz abgesehn, nämlich von dem in ihm steckenden Mehrwert, der während des Produktionsprozesses produziert und dem Produkt einverleibt worden ist. Hierauf haben wir jetzt unser Augenmerk zu richten.

Gesetzt, das wöchentlich ausgelegte variable Kapital von 100 Pfd.St. produziert einen Mehrwert von 100% = 100 Pfd.St., so produziert das in der Umschlagsperiode von 5 Wochen ausgelegte variable Kapital von 500 Pfd.St. einen Mehrwert von 500 Pfd.St., d.h. eine Hälfte des Arbeitstags besteht aus Mehrarbeit.

Wenn aber 500 Pfd.St. variables Kapital 500 Pfd.St., so produzieren 5.000 einen Mehrwert von 10 * 500 = 5.000 Pfd.St. Das vorgeschoßne variable Kapital ist aber 500 Pfd.St. Das Verhältnis der während des Jahres produzierten Gesamtmasse von Mehrwert zu der Wertsumme des vorgeschoßnen variablen Kapitals nennen wir die Jahresrate des Mehrwerts. Diese ist also im vorliegenden Fall = 5.000/500 = 1000%. Analysieren wir diese Rate näher, so zeigt sich, daß sie gleich ist der Rate des Mehrwerts, die das vorgeschoßne variable Kapital während einer Umschlagsperiode produziert, multipliziert mit der Anzahl der Umschläge des variablen Kapitals (die mit der Anzahl der Umschläge des ganzen zirkulierenden Kapitals zusammenfällt).

Das während einer Umschlagsperiode vorgeschoßne variable Kapital ist im vorliegenden Fall = 500 Pfd.St.; der darin erzeugte Mehrwert ebenfalls = 500 Pfd.St. Die Rate des Mehrwerts während einer Umschlagsperiode ist daher = 500m/500v = 100%. Diese 100% multipliziert mit 10, der Anzahl der Umschläge im Jahr, gibt 5.000m/500v = 1.000%.

Dies gilt für die Jahresrate des Mehrwerts. Was aber die Masse des Mehrwerts anbetrifft, die während einer bestimmten Umschlagsperiode erzielt wird, so ist diese Masse gleich dem Wert des während dieser Periode vorgeschoßnen variablen Kapitals, hier = 500 Pfd.St., multipliziert mit der Rate des Mehrwerts, hier also 500 * 100/100 = 500 * 1 = 500 Pfd.St. Wäre das <299> vorgeschoßne Kapital = 1.500 Pfd.St. bei gleicher Rate des Mehrwerts, so die Masse des Mehrwerts = 1.500 * 100/100 = 1.500 Pfd.St.

Das variable Kapital von 500 Pfd.St., welches zehnmal im Jahr umschlägt, innerhalb des Jahres einen Mehrwert von 5.000 Pfd.St. produziert, für welches die Jahresrate des Mehrwerts also = 1.000% ist, wollen wir Kapital A nennen.

Unterstellen wir nun, daß ein andres variables Kapital B von 5.000 Pfd.St. für ein ganzes Jahr (d.h. hier für 50 Wochen) vorgeschossen wird, und daher nur einmal im Jahr umschlägt. Wir unterstellen dabei ferner, daß Ende des Jahres das Produkt am selben Tag bezahlt wird, wo es fertig, also das Geldkapital, worin es verwandelt, am selben Tag zurückfließt. Die Zirkulationsperiode ist also hier = 0, die Umschlagsperiode = der Arbeitsperiode, nämlich = 1 Jahr. Wie im vorigen Fall befindet sich im Arbeitsprozeß jede Woche ein variables Kapital von 100 Pfd.St., daher in 50 Wochen von 5.000 Pfd.St. Die Rate des Mehrwerts sei ferner dieselbe = 100%, d.h. bei gleicher Länge des Arbeitstags bestehe die Hälfte aus Mehrarbeit. Betrachten wir 5 Wochen, so ist das angelegte variable Kapital = 500 Pfd.St., Rate des Mehrwerts = 100%, die während der 5 Wochen erzeugte Masse des Mehrwerts also = 500 Pfd.St. Die Masse der Arbeitskraft, die hier exploitiert wird, und der Exploitationsgrad derselben, sind hier nach der Voraussetzung exakt gleich denen von Kapital A.

In je einer Woche erzeugt das angelegte variable Kapital von 100 Pfd.St. einen Mehrwert von 100 Pfd.St., in 50 Wochen daher das angelegte Kapital von 50 * 100 = 5.000 Pfd.St., einen Mehrwert von 5.000 Pfd.St. Die Masse des jährlich produzierten Mehrwerts ist dieselbe wie im vorigen Fall = 5.000 Pfd.St., aber die Jahresrate des Mehrwerts ist durchaus verschieden. Sie ist gleich dem während des Jahres produzierten Mehrwert, dividiert durch das vorgeschoßne variable Kapital: 5.000m/5.000v = 100%, während sie vorher für Kapital A = 1.000% war.

Bei Kapital A wie bei Kapital B haben wir wöchentlich 100 Pfd.St. variables Kapital verausgabt; der Verwertungsgrad oder die Rate des Mehrwerts ist ebenso dieselbe = 100%; die Größe des variablen Kapitals ist auch dieselbe = 100 Pfd.St. Es wird dieselbe Masse Arbeitskraft exploitiert, die Größe und der Grad der Exploitation sind in beiden Fällen dieselben, die Arbeitstage sind gleich, und gleich geteilt in notwendige Arbeit und Mehrarbeit. Die während des Jahres angewandte variable Kapitalsumme ist gleich groß, = 5.000 Pfd.St., setzt dieselbe Masse von Arbeit in Bewegung und extrahiert aus der von den beiden gleichen Kapitalen in Bewegung ge- <300> setzten Arbeitskraft dieselbe Masse Mehrwert, 5.000 Pfd.St. Dennoch ist in der Jahresrate des Mehrwerts von A und B eine Differenz von 900%,

Dies Phänomen sieht allerdings danach aus, als hinge die Rate des Mehrwerts nicht nur ab von der Masse und dem Exploitationsgrad der vom variablen Kapital in Bewegung gesetzten Arbeitskraft, sondern außerdem von, aus dem Zirkulationsprozeß entspringenden, unerklärlichen Einflüssen; und in der Tat ist dies Phänomen so gedeutet worden und hat, wenn auch nicht in dieser seiner reinen, sondern in seiner komplizierteren und versteckteren Form (der der jährlichen Profitrate) eine völlige Deroute in der Ricardoschen Schule seit Anfang der 20er Jahre hervorgerufen.

Das Wunderliche des Phänomens verschwindet sofort, wenn wir nicht nur scheinbar, sondern wirklich Kapital A und Kapital B unter exakt dieselben Umstände stellen. Dieselben Umstände finden nur statt, wenn das variable Kapital B in demselben Zeitraum seinem ganzen Umfang nach zur Zahlung von Arbeitskraft verausgabt wird wie Kapital A.

Die 5.000 Pfd.St. Kapital B werden dann ausgelegt in 5 Wochen, per Woche 1.000 Pfd.St. gibt für das Jahr eine Auslage von 50.000 Pfd.St. Der Mehrwert ist dann ebenfalls unter unserer Voraussetzung = 50.000 Pfd.St. Das umgeschlagne Kapital = 50.000 Pfd.St., dividiert durch das vorgeschoßne Kapital = 5.000 Pfd.St. ergibt die Anzahl der Umschläge = 10. Die Rate des Mehrwerts = 5.000m/5.000v = 100%, multipliziert mit der Zahl der Umschläge = 10, ergibt die Jahresrate des Mehrwerts = 50.000m/5000v = 10/1 = 1.000%. Jetzt sind also die Jahresraten des Mehrwerts für A und B gleich, nämlich 1.000%, aber die Massen des Mehrwerts sind: für B 50.000 Pfd.St., für A 5.000 Pfd.St.; die Massen des produzierten Mehrwerts verhalten sich jetzt wie die vorgeschoßnen Kapitalwerte B und A, nämlich wie 5.000 : 500 = 10 : 1. Dafür hat aber auch Kapital B zehnmal soviel Arbeitskraft in derselben Zeit in Bewegung gesetzt wie Kapital A.

Es ist nur das im Arbeitsprozeß wirklich angewandte Kapital, welches den Mehrwert erzeugt und für welches alle über den Mehrwert gegebnen Gesetze gelten, also auch das Gesetz, daß bei gegebner Rate die Masse des Mehrwerts durch die relative Größe des variablen Kapitals bestimmt ist. <Siehe Band 23, S. 321 - 330>

Der Arbeitsprozeß selbst ist gemessen durch die Zeit. Länge des Arbeitstags gegeben (wie hier, wo wir alle Umstände zwischen Kapital A und Kapital B gleichsetzen, um die Differenz in der Jahresrate des Mehrwerts in klares Licht zu stellen), besteht die Arbeitswoche aus bestimmter Zahl <301> Arbeitstage. Oder wir können irgendeine Arbeitsperiode, z.B. hier fünfwöchentliche, als einen einzigen Arbeitstag, von 300 Stunden z.B., betrachten, wenn der Arbeitstag = 10 Stunden und die Woche = 6 Arbeitstagen. Ferner aber müssen wir diese Zahl multiplizieren mit der Anzahl der Arbeiter, die jeden Tag gleichzeitig in demselben Arbeitsprozesse gemeinsam angewandt werden. Wäre diese Zahl z.B. 10, so der Wochenbetrag = 60 * 10 = 600 Stunden und eine fünfwöchentliche Arbeitsperiode = 600 * 5 = 3000 Stunden. Gleichgroße variable Kapitale sind also angewandt bei gleichgroßer Rate des Mehrwerts und bei gleicher Lange des Arbeitstags, wenn gleichgroße Massen Arbeitskraft (eine Arbeitskraft vom selben Preis multipliziert mit derselben Anzahl) in demselben Zeittermin in Bewegung gesetzt werden.

Kehren wir nun zu unsern ursprünglichen Beispielen zurück. In beiden Fällen A und B werden gleichgroße variable Kapitale, 100 Pfd.St. per Woche, während jeder Woche des Jahres angewandt. Die angewandten, im Arbeitsprozeß wirklich fungierenden variablen Kapitale sind daher gleich, aber die vorgeschoßnen variablen Kapitale sind durchaus ungleich. Sub A sind für je 5 Wochen 500 Pfd.St. vorgeschossen, von denen in jeder Woche 100 Pfd.St. angewandt werden. Sub B sind für die erste fünfwöchentliche Periode 5.000 Pfd.St. vorzuschießen, von denen aber nur 100 Pfd.St. per Woche, in den 5 Wochen daher nur 500 Pfd.St. = 1/10 des vorgeschoßnen Kapital angewandt werden. In der zweiten fünfwöchentlichen Periode sind 4.500 Pfd.St. vorzuschießen, aber nur 500 Pfd.St. angewandt usw. Das für eine bestimmte Zeitperiode vorgeschoßne variable Kapital verwandelt sich nur in angewandtes, also wirklich fungierendes und wirkendes variables Kapital in dem Maß, wie es wirklich in die vom Arbeitsprozeß erfüllten Abschnitte jener Zeitperiode eintritt, im Arbeitsprozeß wirklich fungiert. In der Zwischenzeit, worin ein Teil davon vorgeschossen ist, um erst in einem spätern Zeitabschnitt angewandt zu werden, ist dieser Teil so gut wie nicht vorhanden für den Arbeitsprozeß und hat daher keinen Einfluß weder auf Wert- noch Mehrwertbildung. Z.B. beim Kapital A von 500 Pfd.St. Es ist für 5 Wochen vorgeschossen, aber jede Woche gehn nur 100 Pfd.St. davon sukzessiv in den Arbeitsprozeß ein. In der ersten Woche wird 1/5 davon angewandt; 4/5 sind vorgeschossen, ohne angewandt zu werden, obgleich sie für die Arbeitsprozesse der 4 folgenden Wochen vorrätig und daher vorgeschossen sein müssen.

Die Umstände, welche das Verhältnis zwischen dem vorgeschoßnen und angewandten variablen Kapital differenzieren, wirken auf die Produktion von Mehrwert - bei gegebner Rate des Mehrwerts - nur insofern und <302> nur dadurch ein, daß sie das Quantum variablen Kapitals differenzieren, welches in einer bestimmten Zeitperiode, z.B. in 1 Woche, 5 Wochen etc., wirklich angewandt werden kann. Das vorgeschoßne variable Kapital fungiert nur als variables Kapital, soweit wie und während der Zeit, worin es wirklich angewandt wird; nicht während der Zeit, worin es vorrätig vorgeschossen bleibt, ohne angewandt zu werden. Alle Umstände aber, welche das Verhältnis zwischen vorgeschoßnem und angewandtem variablem Kapital differenzieren, fassen sich zusammen in der Differenz der Umschlagsperioden (bestimmt durch Differenz, sei es der Arbeitsperiode, sei es der Zirkulationsperiode, sei es beider). Das Gesetz der Mehrwertsproduktion ist, daß bei gleicher Rate des Mehrwerts gleiche Massen von fungierendem variablem Kapital gleiche Massen Mehrwert erzeugen. Werden also von den Kapitalen A und B in gleichen Zeitabschnitten bei gleicher Mehrwertsrate gleiche Massen variables Kapital angewandt, so müssen sie in denselben Zeiträumen gleiche Massen Mehrwert erzeugen, wie verschieden immer das Verhältnis dieses in bestimmtem Zeitraum angewandten variablen Kapitals zu dem während desselben Zeitraums vorgeschoßnen variablen Kapital sei, wie verschieden daher auch das Verhältnis der erzeugten Mehrwertmassen, nicht zu dem angewandten, sondern zu dem überhaupt vorgeschoßnen variablen Kapital sei. Die Verschiedenheit dieses Verhältnisses, statt den über die Produktion des Mehrwerts entwickelten Gesetzen zu widersprechen, bestätigt sie vielmehr und ist eine unerläßliche Konsequenz derselben.

Betrachten wir den ersten fünfwöchentlichen Produktionsabschnitt von Kapital B. Ende der 5. Woche sind 500 Pfd.St. angewandt und aufgezehrt. Das Wertprodukt ist = 1.000 Pfd.St., also 500m/500v = 100%. Ganz wie bei Kapital A. Daß bei Kapital A der Mehrwert nebst dem vorgeschoßnen Kapital realisiert ist, bei B nicht, geht uns hier noch nichts an, wo es sich nur noch um die Produktion des Mehrwerts und um sein Verhältnis zu dem während seiner Produktion vorgeschoßnen variablen Kapital handelt. Berechnen wir dagegen das Verhältnis des Mehrwerts in B nicht zu dem während seiner Produktion angewandten und daher aufgezehrten Teil des vorgeschoßnen Kapitals von 5.000 Pfd.St., sondern zu diesem vorgeschoßnen Gesamtkapital selbst, so erhalten wir 500m/5.000v = 1/10 = 10%. Also für Kapital B 10% und für Kapital A 100%, d.h. zehnmal mehr. Würde hier gesagt: Diese Differenz in der Rate des Mehrwerts für gleichgroße Kapital., die ein gleiches Quantum Arbeit in Bewegung gesetzt haben, und zwar Arbeit, die sich zu gleichen Teilen in bezahlte und unbezahlte Arbeit <303> scheidet, widerspricht den Gesetzen über die Produktion des Mehrwerts - so wäre die Antwort einfach - und durch den bloßen Anblick der faktischen Verhältnisse gegeben: Sub A drückt ihr die wirkliche Rate des Mehrwerts aus, d.h. das Verhältnis des während 5 Wochen von einem variablen Kapital von 500 Pfd.St. produzierten Mehrwerts zu diesem variablen Kapital von 500 Pfd.St. Sub B dagegen wird in einer Art gerechnet, die nichts zu tun hat weder mit der Produktion des Mehrwerts, noch mit der ihr entsprechenden Bestimmung der Rate des Mehrwerts. Die 500 Pfd.St. Mehrwert, die mit einem variablen Kapital von 500 Pfd.St. produziert worden sind, werden nämlich nicht berechnet mit Bezug auf die 500 Pfd.St. variables Kapital, das während ihrer Produktion vorgeschossen wird, sondern auf ein Kapital von 5.000 Pfd.St., wovon 9/10, 4.500 Pfd.St., mit der Produktion dieses Mehrwerts von 500 Pfd.St. gar nichts zu tun haben, vielmehr erst allmählich im Verlauf der folgenden 45 Wochen fungieren sollen, also gar nicht existieren für die Produktion der ersten 5 Wochen, um die es sich hier allein handelt. In diesem Fall also bildet die Differenz in der Rate des Mehrwerts von A und B gar kein Problem.

Vergleichen wir nun die Jahresraten des Mehrwerts für die Kapitale B und A. Für Kapital B haben wir 5.000m/5.000v = 100%; für Kapital A 5.000m/500v = 1000%. Aber das Verhältnis der Mehrwertsraten ist dasselbe wie vorher. Dort hatten wir:


Rate des Mehrwerts von Kapital B

/Rate des Mehrwerts von Kapital A = 10%/100%, jetzt haben wir:

Jahresrate des Mehrwerts von Kapital B

/Jahresrate des Mehrwerts von Kapital A = 100%/1.000%,

aber 10%/100% = 100%/1.000% also dasselbe Verhältnis wie oben.

Jedoch hat sich das Problem jetzt umgedreht. Die Jahresrate des Kapitals B: 5.000m/5.000v = 100% bietet durchaus keine Abweichung - auch nicht mehr den Schein einer Abweichung - von den uns bekannten Gesetzen über die Produktion und die ihr entsprechende Rate des Mehrwerts dar. Es sind 5.000, während des Jahres vorgeschossen und produktiv konsumiert worden, sie haben 5.000m produziert. Die Rate des Mehrwerts ist also der obige Bruch 5.000m/5.000v = 100%. Die Jahresrate stimmt mit der wirklichen Rate des Mehrwerts. Es ist also diesmal nicht, wie vorher, Kapital B, sondern Kapital A, das die Anomalie darbietet, die zu erklären ist.

Wir haben hier die Rate des Mehrwerts 5.000m/500v = 1.000%. Aber wenn im ersten Fall 500m, das Produkt von 5 Wochen, berechnet wurde auf ein vorgeschoßnes Kapital von 5.000 Pfd.St., wovon 9/10 nicht in seiner Produk- <304> tion verwandt waren, so jetzt 5.000m berechnet auf 500v, d.h. nur 1/10 des variablen Kapitals, das wirklich in der Produktion von 5.000m verwandt worden; denn die 5.000m sind das Produkt eines während 50 Wochen produktiv konsumierten variablen Kapitals von 5.000, nicht eines während einer einzigen fünfwöchentlichen Periode verbrauchten Kapitals von 500 Pfd.St. Im ersten Fall wurde der während 5 Wochen produzierte Mehrwert berechnet auf ein Kapital, das für 50 Wochen vorgeschossen ist, also zehnmal größer als das während der 5 Wochen verbrauchte. Jetzt wird der während 50 Wochen produzierte Mehrwert berechnet auf ein Kapital, das für 5 Wochen vorgeschossen, also zehnmal kleiner ist, als das während der 50 Wochen verbrauchte.

Das Kapital A von 500 Pfd.St. wird nie länger als für 5 Wochen vorgeschossen. Am Ende derselben ist es zurückgeflossen und kann denselben Prozeß im Lauf des Jahres durch zehnmaligen Umschlag 10mal erneuern. Es folgt daraus zweierlei.

'

Erstens: Das sub A vorgeschoßne Kapital ist nur fünfmal größer als der beständig im Produktionsprozeß einer Woche angewandte Kapitalteil. Kapital B dagegen, das nur einmal in 50 Wochen umschlägt, also auch für 50 Wochen vorgeschossen sein muß, ist 50mal größer als der Teil desselben, der beständig in einer Woche angewandt werden kann. Der Umschlag modifiziert daher das Verhältnis zwischen dem für den Produktionsprozeß während des Jahres vorgeschoßnen und dem für eine bestimmte Produktionsperiode, z.B. Woche, beständig anwendbaren Kapital. Und dies gibt uns den ersten Fall, wo der Mehrwert von 5 Wochen nicht auf das während dieser 5 Wochen angewandte Kapital berechnet wird, sondern auf das während 50 Wochen angewandte, zehnmal größre.

'

Zweitens: Die Umschlagsperiode des Kapitals A von 5 Wochen bildet nur 1/10 des Jahres, das Jahr umfaßt daher 10 solcher Umschlagsperioden, in welchen Kapital A von 500 Pfd.St. stets von neuem angewandt wird. Das angewandte Kapital ist hier gleich dem für 5 Wochen vorgeschoßnen Kapital, multipliziert mit der Zahl der Umschlagsperioden im Jahr. Das während des Jahres angewandte Kapital ist = 500 * 10 = 5.000 Pfd.St. Das während des Jahres vorgeschoßne Kapital = 5.000/10 = 500 Pfd.St. In der Tat, obgleich die 500 Pfd.St. stets von neuem angewandt werden, werden nie mehr als dieselben 500 Pfd.St. alle 5 Wochen vorgeschossen. Andrerseits, bei Kapital B, werden während 5 Wochen zwar nur 500 Pfd.St. angewandt und für diese 5 Wochen vorgeschossen. Aber da die Umschlagsperiode hier = 50 Wochen, so ist das während des Jahres angewandte Kapital gleich dem, nicht für je 5 Wochen, sondern für 50 Wochen vorgeschoßnen Kapital. <305> Die jährlich produzierte Masse des Mehrwerts richtet sich aber, bei gegebner Rate des Mehrwerts, nach dem während des Jahres angewandten und nicht nach dem während des Jahres vorgeschoßnen Kapital. Sie ist also für dies einmal umschlagende Kapital von 5.000 Pfd.St. nicht größer als für das zehnmal umschlagende Kapital von 500 Pfd.St., und sie ist nur deshalb so groß, weil das einmal im Jahr umschlagende Kapital selbst zehnmal größer ist als das zehnmal im Jahr umschlagende.

Das während des Jahres umgeschlagne variable Kapital - also der Teil des jährlichen Produkts oder auch der jährlichen Verausgabung, der gleich diesem Teil - ist das im Lauf des Jahrs wirklich angewandte, produktiv verzehrte variable Kapital. Es folgt daher, daß, wenn das jährlich umgeschlagne variable Kapital A und das jährlich umgeschlagne variable Kapital B gleichgroß und sie unter gleichen Verwertungsbedingungen angewandt sind, die Rate des Mehrwerts also für beide dieselbe ist, auch die jährlich produzierte Masse Mehrwert für beide dieselbe sein muß; also auch - da die angewandten Kapitalmassen dieselben - die aufs Jahr berechnete Rate des Mehrwerts, soweit sie ausgedrückt wird durch: Jährlich produzierte Masse Mehrwert/Jährlich umgeschlagenes variables Kapital. Oder allgemein ausgedrückt: Welches immer die relative Größe der umgeschlagnen variablen Kapitale, die Rate ihres im Jahreslauf produzierten Mehrwerts ist bestimmt durch die Rate des Mehrwerts, wozu die respektiven Kapitale in durchschnittlichen Perioden (z.B. im wöchentlichen oder auch Tagesdurchschnitt) gearbeitet haben.

Dies ist die einzige Konsequenz, welche aus den Gesetzen über die Produktion des Mehrwerts und über die Bestimmung der Rate des Mehrwerts folgt.

Sehen wir nun weiter zu, was das Verhältnis: Jährlich umgeschlagenes Kapital/Vorgeschossenes Kapital (wobei wir, wie gesagt, nur das variable Kapital in Betracht ziehn) ausdrückt. Die Division ergibt die Anzahl der Umschläge des in einem Jahr vorgeschoßnen Kapitals.

Für Kapital A haben wir: 5.000 Pfd.St. jährlich umgeschlagenes Kapital/500 Pfd.St. vorgeschossenes Kapital; für Kapital B: 5.000 Pfd.St. jährlich umgeschlagenes Kapital/5.000 Pfd.St. vorgeschossenes Kapital.

In beiden Verhältnissen drückt der Zähler aus das vorgeschoßne Kapital multipliziert mit der Umschlagszahl; für A 500 * 10, für B 5.000 * 1. Oder aber multipliziert mit der umgekehrten auf ein Jahr berechneten Umschlagszeit. Die Umschlagszeit für A ist 1/10 Jahr; die umgekehrte Umschlagszeit ist 10/1 Jahr, also 500 * 10/1 = 5.000; für B 5.000 * 1/1 = 5.000. Der Nenner <306> drückt aus das umgeschlagne Kapital multipliziert mit der umgekehrten Umschlagszahl; für A 5.000 * 1/10, für B 5.000 * 1/1.

Die respektiven Massen Arbeit (Summe der bezahlten und unbezahlten Arbeit), die durch die beiden jährlich umgeschlagnen variablen Kapitale in Bewegung gesetzt sind, sind hier gleich, weil die umgeschlagnen Kapitale selbst gleich sind und ihre Rate der Verwertung ebenfalls gleich.

Das Verhältnis des jährlich umgeschlagnen zum vorgeschoßnen variablen Kapital zeigt an 1. das Verhältnis, worin das vorzuschießende Kapital zu dem in einer bestimmten Arbeitsperiode angewandten variablen Kapital steht. Ist die Umschlagszahl = 10, wie sub A, und das Jahr zu 50 Wochen angenommen, so ist die Umschlagszeit = 5 Wochen. Für diese 5 Wochen muß variables Kapital vorgeschossen werden, und das für 5 Wochen vorgeschoßne Kapital muß fünfmal so groß sein, wie das während einer Woche angewandte variable Kapital. D.h. nur 1/5 des vorgeschoßnen Kapitals (hier 500 Pfd.St.) kann im Lauf einer Woche angewandt werden. Beim Kapital B dagegen, wo die Umschlagszahl = 1/1, ist die Umschlagszeit = 1 Jahr = 50 Wochen. Das Verhältnis des vorgeschoßnen Kapitals zum wöchentlich angewandten ist also 50 : 1. Wäre es für B dasselbe wie für A, so müßte B wöchentlich 1.000 Pfd.St. anlegen statt 100. - 2. Es folgt, daß von B ein zehnmal so großes Kapital (5.000 Pfd.St.) angewandt worden ist wie von A, um dieselbe Masse variables Kapital, also auch bei gegebner Rate des Mehrwerts dieselbe Masse Arbeit (bezahlte und unbezahlte) in Bewegung zu setzen, also auch dieselbe Masse Mehrwert während des Jahrs zu produzieren. Die wirkliche Rate des Mehrwerts drückt nichts aus als das Verhältnis des in einem bestimmten Zeitraum angewandten variablen Kapitals zu dem in demselben Zeitraum produzierten Mehrwert; oder die Masse unbezahlter Arbeit, die das während dieses Zeitraums angewandte variable Kapital in Bewegung setzt. Sie hat absolut nichts zu tun mit dem Teil des variablen Kapitals, der vorgeschossen ist während der Zeit, wo er nicht angewandt wird, und daher ebensowenig zu tun mit dem für verschiedne Kapitale durch die Umschlagsperiode modifizierten und differenzierten Verhältnis zwischen ihrem während eines bestimmten Zeitraums vorgeschoßnen und ihrem während desselben Zeitraums angewandten Teil.

Es folgt vielmehr aus dem bereits Entwickelten, daß die Jahresrate des Mehrwerts nur in einem einzigen Fall zusammenfällt mit der wirklichen Rate des Mehrwerts, die den Exploitationsgrad der Arbeit ausdrückt; wenn nämlich das vorgeschoßne Kapital nur einmal im Jahr umschlägt, daher <307> das vorgeschoßne Kapital gleich ist dem während des Jahrs umgeschlagnen Kapital, daher das Verhältnis der während des Jahrs produzierten Mehrwertmasse zu dem behufs dieser Produktion während des Jahrs angewandten Kapital zusammenfällt und identisch ist mit dem Verhältnis der während des Jahrs produzierten Mehrwertsmasse zu dem während des Jahrs vorgeschoßnen Kapital.

A) Die Jahresrate des Mehrwerts ist gleich Masse des während des Jahrs produzierten Mehrwerts/Vorgeschoßnes variables Kapital. Aber die Masse des während des Jahrs produzierten Mehrwerts ist gleich der wirklichen Rate des Mehrwerts, multipliziert mit dem zu seiner Produktion angewandten variablen Kapital. Das zur Produktion der jährlichen Mehrwertsmasse angewandte Kapital ist gleich dem vorgeschoßnen Kapital, multipliziert mit der Anzahl seiner Umschläge, die wir n nennen wollen. Die Formel A verwandelt sich daher

B) Die Jahresrate des Mehrwerts ist gleich


Wirkliche Rate des Mehrwerts*dem vorgeschoßnen variablen Kapital*n

/Vorgeschoßnes variables Kapital.

Z.B. für Kapital B = 100%*5.000*1/5.000 oder 100%. Nur wenn n = 1, d.h. wenn das vorgeschoßne variable Kapital nur einmal im Jahr umschlägt, also gleich dem im Jahr angewandten oder umgeschlagnen Kapital ist, ist die Jahresrate des Mehrwerts gleich der wirklichen Rate des Mehrwerts.

Nennen wir die Jahresrate des Mehrwerts M´, die wirkliche Rate des Mehrwerts m´, das vorgeschoßne variable Kapital v, die Umschlagszahl n, so ist: M´ = m´vn/v = m´n; also M´ = m´n, und nur = m´, wenn n = 1, also M´ = m´ * 1 = m´.

Es folgt ferner: Die jährliche Rate des Mehrwerts ist immer = m´n, d.h. gleich der wirklichen Rate des Mehrwerts, produziert in einer Umschlagsperiode durch das während der Periode verzehrte variable Kapital, multipliziert mit der Zahl der Umschläge dieses variablen Kapitals während des Jahrs, oder multipliziert (was dasselbe ist) mit seiner auf das Jahr als Einheit berechneten umgekehrten Umschlagszeit. (Schlägt das variable Kapital zehnmal im Jahr um, so ist seine Umschlagszeit = 1/10 Jahr; seine umgekehrte Umschlagszeit also = 10/1 = 10.)

Es folgt weiter: M´ = m´, wenn n 1. M´ ist größer als m´, wenn n größer ist als 1; d.h. wenn das vorgeschoßne Kapital mehr als einmal im Jahr umschlägt, oder das umgeschlagne Kapital größer ist als das vorgeschoßne.

Endlich, M´ ist kleiner als m´, wenn n kleiner ist als 1; d.h. wenn das <308> während des Jahrs umgeschlagne Kapital nur ein Teil des vorgeschoßnen Kapitals ist, die Umschlagsperiode also länger als ein Jahr dauert.

Verweilen wir einen Augenblick bei dem letzten Fall.

Wir behalten alle Voraussetzungen unsers frühern Beispiels bei, nur sei die Umschlagsperiode auf 55 Wochen verlängert. Der Arbeitsprozeß erfordert wöchentlich 100 Pfd.St. variables Kapital, also 5.500 Pfd.St. für die Umschlagsperiode, und produziert wöchentlich 100m; m´ ist also wie bisher 100%. Die Umschlagszahl n ist hier = 50/55 = 10/11, weil die Umschlagszeit 1 + 1/10 Jahr (das Jahr zu 50 Wochen), = 11/10 Jahr.

M´ = 100% * 5.500 * 10/11/5.500 =100 * 10/11 = 1.000/11 = 9010/11%, also kleiner als 100%. In der Tat, wäre die Jahresrate des Mehrwerts 100%, so müßten 5.500v in einem Jahre produzieren 5.500m, während es dazu 11/10 Jahre braucht. Die 5.500v produzieren während des Jahrs nur 5.000m, also die Jahresrate des Mehrwerts = 5.000m/5.500v = 10/11 = 9010/11%.

Die Jahresrate des Mehrwerts, oder die Vergleichung zwischen dem während des Jahrs produzierten Mehrwert und dem überhaupt vorgeschoßnen variablen Kapital (im Unterschied zu dem während des Jahrs umgeschlagnen variablen Kapital), ist daher keine bloß subjektive, sondern die wirkliche Bewegung des Kapitals bringt selbst diese Gegeneinanderstellung hervor. Für den Besitzer des Kapitals A ist Ende des Jahrs sein vorgeschoßnes variables Kapital zurückgeflossen = 500 Pfd.St., und außerdem 5.000 Pfd.St. Mehrwert. Nicht die Kapitalmasse, die er während des Jahrs angewandt hat, sondern die periodisch zu ihm zurückfließt, drückt die Größe seines vorgeschoßnen Kapitals aus. Ob das Kapital Ende des Jahrs zum Teil als Produktionsvorrat, zum Teil als Waren- oder Geldkapital existiert, und in welchem Verhältnis es in diese verschiednen Portionen geteilt ist, tut nichts zur vorliegenden Frage. Für den Besitzer des Kapitals B sind zurückgeflossen 5.000 Pfd.St., sein vorgeschoßnes Kapital, dazu 5.000 Pfd.St. Mehrwert. Für den Besitzer des Kapitals C (des zuletzt betrachteten von 5.500 Pfd.St.) sind 5.000 Pfd.St. Mehrwert während des Jahrs produziert (5.000 Pfd.St. ausgelegt und Mehrwertsrate 100%), aber sein vorgeschoßnes Kapital ist noch nicht zurückgeflossen, und ebensowenig sein produzierter Mehrwert.

M´ = m´n drückt aus, daß die während einer Umschlagsperiode für das angewandte variable Kapital gültige Rate des Mehrwerts:


Während einer Umschlagsperiode erzeugte Masse von Mehrwert

/Während einer Umschlagsperiode angewandtes variables Kapital, <309> zu multiplizieren ist mit der Anzahl der Umschlagsperioden oder der Reproduktionsperioden des vorgeschoßnen variablen Kapitals, der Anzahl der Perioden, worin es seinen Kreislauf erneuert.

Man sah bereits Buch I, Kap. IV (Verwandlung von Geld in Kapital) und dann Buch I, Kap. XXI (Einfache Reproduktion), daß der Kapitalwert überhaupt vorgeschossen ist, nicht ausgegeben, indem dieser Wert, nachdem er die verschiednen Phasen seines Kreislaufs durchgemacht, wieder zu seinem Ausgangspunkt zurückkehrt, und zwar bereichert durch Mehrwert. Dies charakterisiert ihn als vorgeschoßnen. Die Zeit, die verstreicht von seinem Ausgangspunkt bis zu seinem Rückkehrpunkt, ist die Zeit, wofür er vorgeschossen ist. Der ganze Kreislauf, den der Kapitalwert durchläuft, gemessen durch die Zeit von seinem Vorschuß zu seinem Rückfluß, bildet seinen Umschlag und die Dauer dieses Umschlags eine Umschlagsperiode. Ist diese Periode abgelaufen, der Kreislauf beendigt, so kann derselbe Kapitalwert denselben Kreislauf von neuem beginnen, also auch von neuem sich verwerten, Mehrwert erzeugen. Schlägt das variable Kapital, wie sub A, zehnmal im Jahre um, so wird im Lauf des Jahrs mit demselben Kapitalvorschuß zehnmal die einer Umschlagsperiode entsprechende Masse von Mehrwert erzeugt.

Man muß sich die Natur des Vorschusses vom Standpunkt der kapitalistischen Gesellschaft klarmachen.

Kapital A, das zehnmal umschlägt während des Jahrs, ist zehnmal während des Jahrs vorgeschossen. Es ist für jede neue Umschlagsperiode neu vorgeschossen. Aber zugleich schießt A während des Jahrs nie mehr als denselben Kapitalwert von 500 Pfd.St. vor und verfügt in der Tat für den von uns betrachteten Produktionsprozeß nie über mehr als 500 Pfd.St. Sobald diese 500 Pfd.St. einen Kreislauf vollendet, läßt A sie denselben Kreislauf von neuem beginnen; wie das Kapital seiner Natur nach den Kapitalcharakter gerade nur dadurch bewahrt, daß es stets in wiederholten Produktionsprozessen als Kapital fungiert. Es wird auch nie länger vorgeschossen als für 5 Wochen. Dauert der Umschlag länger, so reicht es nicht. Verkürzt er sich, so wird ein Teil überschüssig. Es sind nicht zehn Kapitale von 500 Pfd.St. vorgeschossen, sondern ein Kapital von 500 Pfd.St. wird in sukzessiven Zeitabschnitten zehnmal vorgeschossen. Die Jahresrate des Mehrwerts wird daher nicht auf ein zehnmal vorgeschoßnes Kapital von 500 oder auf 5.000 Pfd.St. berechnet, sondern auf ein einmal vorgeschoßnes von 500 Pfd.St.; ganz wie wenn l Taler zehnmal zirkuliert, er immer nur einen einzigen in Zirkulation befindlichen Taler vorstellt, obgleich er die Funktion von 10 Talern verrichtet. Aber in der Hand, worin er sich bei jedem <310> Händewechsel befindet, bleibt er nach wie vor derselbe identische Wert von 1 Taler.

Ebenso zeigt das Kapital A bei seinem jedesmaligen Rückfluß und auch bei seinem Rückfluß am Ende des Jahrs, daß sein Besitzer immer nur mit demselben Kapitalwert von 500 Pfd.St. operiert. Es fließen daher in seine Hand auch jedesmal nur 500 Pfd.St. zurück. Sein vorgeschoßnes Kapital ist daher nie mehr als 500 Pfd.St. Das vorgeschoßne Kapital von 500 Pfd.St. bildet daher den Nenner des Bruchs, der die Jahresrate des Mehrwerts ausdrückt. Wir hatten dafür oben die Formel: M´= m´vn/v = m´n. Da die wirkliche Mehrwertsrate m´ = m/v, gleich der Masse des Mehrwerts, dividiert durch das sie produziert habende variable Kapital ist, können wir in m´n den Wert von m´, also m/v setzen, und erhalten dann die andre Formel: M´ = mn/v.

Aber durch seinen zehnmaligen Umschlag, und daher durch die zehnmalige Erneuerung seines Vorschusses, verrichtet das Kapital von 500 Pfd.St. die Funktion eines zehnmal größren Kapitals, eines Kapitals von 5.000 Pfd.St., ganz wie 500 Talerstücke, die zehnmal im Jahre umlaufen, dieselbe Funktion vollziehn wie 5.000, die nur einmal umlaufen.

'

II. Der Umschlag des variablen Einzelkapitals

"Welches immer die gesellschaftliche Form des Produktionsprozesses, er muß kontinuierlich sein oder periodisch stets von neuem dieselben Stadien durchlaufen ... In seinem stetigen Zusammenhang und dem beständigen Fluß seiner Erneuerung betrachtet, ist jeder gesellschaftliche Produktionsprozeß daher zugleich Reproduktionsprozeß ... Als periodisches Inkrement des Kapitalwerts oder periodische Frucht des Kapitals erhält der Mehrwert die Form einer aus dem Kapital entspringenden Revenue." (Buch I, Kap. XXI, S.588, 589. <Siehe Band 23, S. 591, 592>)

Wir haben 10 fünfwöchentliche Umschlagsperioden des Kapitals A; in der ersten Umschlagsperiode werden 500 Pfd.St. variables Kapital vorgeschossen; d.h. jede Woche werden 100 Pfd.St. in Arbeitskraft umgesetzt, so daß am Ende der ersten Umschlagsperiode 500 Pfd.St. in Arbeitskraft verausgabt worden sind. Diese 500 Pfd.St., ursprünglich Teil des vorgeschoßnen Gesamtkapitals, haben aufgehört, Kapital zu sein. Sie sind in <311> Arbeitslohn wegbezahlt. Die Arbeiter zahlen sie ihrerseits weg in Ankauf ihrer Lebensmittel, verzehren also Lebensmittel zum Wert von 500 Pfd.St. Eine Warenmasse zu diesem Wertbetrag ist also vernichtet (was der Arbeiter etwa als Geld etc. aufspart, ist ebenfalls nicht Kapital). Diese Warenmasse ist unproduktiv verzehrt für den Arbeiter, außer soweit sie seine Arbeitskraft, also ein unentbehrliches Instrument des Kapitalisten, wirkungsfähig erhält. - Zweitens aber sind diese 500 Pfd.St. für den Kapitalisten in Arbeitskraft für denselben Wert (resp. Preis) umgesetzt. Die Arbeitskraft wird von ihm im Arbeitsprozeß produktiv konsumiert. Am Ende der 5 Wochen ist ein Wertprodukt da von 1.000 Pfd.St. Die Hälfte davon, 500 Pfd.St., ist der reproduzierte Wert des in Zahlung von Arbeitskraft verausgabten variablen Kapitals. Die andre Hälfte, 500 Pfd.St., ist neu produzierter Mehrwert. Aber die fünfwöchentliche Arbeitskraft, durch Umsatz in welche ein Teil des Kapitals sich in variables Kapital verwandelte, ist ebenfalls verausgabt, verzehrt, wenn auch produktiv. Die gestern tätige Arbeit ist nicht dieselbe Arbeit, die heute tätig ist. Ihr Wert, plus dem von ihr geschaffnen Mehrwert, existiert jetzt als Wert eines von der Arbeitskraft selbst unterschiednen Dings, des Produkts. Dadurch jedoch, daß das Produkt in Geld verwandelt wird, kann der Wertteil desselben, der gleich dem Wert des vorgeschoßnen variablen Kapitals ist, von neuem gegen Arbeitskraft umgesetzt werden und daher von neuem als variables Kapital fungieren. Der Umstand, daß mit dem nicht nur reproduzierten, sondern auch in Geldform rückverwandelten Kapitalwert dieselben Arbeiter, d.h. dieselben Träger der Arbeitskraft, beschäftigt werden, ist gleichgültig. Es ist möglich, daß der Kapitalist in der zweiten Umschlagsperiode neue Arbeiter statt der alten anwendet.

Es wird also in der Tat in den 10 fünfwöchentlichen Umschlagsperioden sukzessive ein Kapital von 5.000 Pfd.St. und nicht von 500 Pfd.St. in Arbeitslohn verausgabt, welcher Arbeitslohn wieder von den Arbeitern in Lebensmitteln verausgabt wird. Das so vorgeschoßne Kapital von 5.000 Pfd.St. ist verzehrt. Es existiert nicht mehr. Andrerseits wird Arbeitskraft zum Wert, nicht von 500, sondern von 5.000 Pfd.St. sukzessive dem Produktionsprozeß einverleibt und reproduziert nicht nur ihren eignen Wert = 5.000 Pfd.St., sondern produziert im Überschuß einen Mehrwert von 5.000 Pfd.St. Das variable Kapital von 500 Pfd.St., welches in der zweiten Umschlagsperiode vorgeschossen wird, ist nicht das identische Kapital von 500 Pfd.St., das in der ersten Umschlagsperiode vorgeschossen. Dies ist verzehrt, in Arbeitslohn verausgabt. Aber es ist ersetzt durch ein neues variables Kapital von 500 Pfd.St., welches in der ersten Umschlagsperiode in Warenform produ- <312> ziert und in Geldform rückverwandelt wurde. Dies neue Geldkapital von 500 Pfd.St. ist also die Geldform der in der ersten Umschlagsperiode neu produzierten Warenmasse. Der Umstand, daß sich wieder in der Hand des Kapitalisten eine identische Geldsumme von 500 Pfd.St. befindet, d.h. abgesehn vom Mehrwert gerade so viel Geldkapital als er ursprünglich vorschoß, verdeckt den Umstand, daß er mit einem neu produzierten Kapital operiert. (Was die andern Wertbestandteile des Warenkapitals angeht, welche die konstanten Kapitalteile ersetzen, so ist ihr Wert nicht neu produziert, sondern nur die Form verändert, worin dieser Wert existiert.) - Nehmen wir die dritte Umschlagsperiode. Hier ist es augenscheinlich, daß das zum dritten Mal vorgeschoßne Kapital von 500 Pfd.St. nicht ein altes, sondern ein neu produziertes Kapital ist, denn es ist die Geldform der in der zweiten Umschlagsperiode und nicht in der ersten Umschlagsperiode produzierten Warenmasse, d.h. des Teils dieser Warenmasse, dessen Wert gleich dem Wert des vorgeschoßnen variablen Kapitals ist. Die in der ersten Umschlagsperiode produzierte Warenmasse ist verkauft. Ihr Wertteil, der gleich dem variablen Wertteil des vorgeschoßnen Kapitals, wurde in die neue Arbeitskraft der zweiten Umschlagsperiode umgesetzt und produzierte eine neue Warenmasse, die wieder verkauft wurde und wovon ein Wertteil das in der dritten Umschlagsperiode vorgeschoßne Kapital von 500 Pfd.St. bildet.

Und so während der zehn Umschlagsperioden. Während derselben werden alle fünf Wochen neu produzierte Warenmassen (deren Wert, soweit er variables Kapital ersetzt, ebenfalls neu produziert ist, nicht nur wieder erscheint, wie bei dem konstanten zirkulierenden Kapitalteil) auf den Markt geworfen, um stets neue Arbeitskraft dem Produktionsprozeß einzuverleiben.

Was also durch den zehnmaligen Umschlag des vorgeschoßnen variablen Kapitals von 500 Pfd.St. erreicht wird, ist nicht, daß dies Kapital von 500 Pfd.St. zehnmal produktiv konsumiert werden kann, oder daß ein für 5 Wochen reichendes variables Kapital während 50 Wochen angewandt werden kann. Es werden vielmehr 10 * 500 Pfd.St. variables Kapital in den 50 Wochen angewandt, und das Kapital von 500 Pfd.St. reicht immer nur für 5 Wochen aus und muß nach Ende der 5 Wochen durch ein neu produziertes Kapital von 500 Pfd.St. ersetzt werden. Dies findet statt ebensogut für Kapital A wie für Kapital B. Aber hier beginnt der Unterschied.

Am Ende des ersten Zeitabschnitts von 5 Wochen ist von B wie von A ein variables Kapital von 500 Pfd.St. vorgeschossen und verausgabt. Von B <313> wie von A ist sein Wert in Arbeitskraft umgesetzt und ersetzt worden durch den Teil des von dieser Arbeitskraft neu erzeugten Werts des Produkts, der gleich ist dem Wert des vorgeschoßnen variablen Kapitals von 500 Pfd.St. Für B wie für A hat die Arbeitskraft nicht nur den Wert des verausgabten variablen Kapitals von 500 Pfd.St. durch einen Neuwert zum selben Betrag er setzt, sondern einen Mehrwert - und nach der Voraussetzung von derselben Größe - zugefügt.

Aber bei B befindet sich das Wertprodukt, welches das vorgeschoßne variable Kapital ersetzt und seinem Wert einen Mehrwert zufügt, nicht in der Form worin es von neuem als produktives Kapital, resp. variables Kapital fungieren kann. Für A befindet es sich in dieser Form. Und bis zu Ende des Jahres besitzt B das in den ersten 5 Wochen und dann sukzessive in je 5 Wochen verausgabte variable Kapital, obgleich ersetzt durch neu produzierten Wert plus Mehrwert, nicht in der Form, worin es von neuem als produktives Kapital, resp. variables Kapital fungieren kann. Sein Wert ist zwar durch einen Neuwert ersetzt, also erneuert, aber seine Wertform (hier die absolute Wertform, seine Geldform) ist nicht erneuert.

Für den zweiten Zeitraum von 5 Wochen (und so sukzessive für je 5 Wochen während des Jahrs) müssen also ebensowohl fernere 500 Pfd.St. vorrätig sein, wie für den ersten Zeitraum. Also müssen, von Kreditverhältnissen abgesehn, am Anfang des Jahrs 5.000 Pfd.St. vorrätig, als latentes vorgeschoßnes Geldkapital da sein, obgleich sie erst während des Jahrs nach und nach wirklich verausgabt, in Arbeitskraft umgesetzt werden.

Bei A dagegen, weil der Kreislauf, der Umschlag des vorgeschoßnen Kapitals vollendet, befindet sich der Wertersatz schon nach Ablauf der ersten 5 Wochen in der Form, worin er neue Arbeitskraft für 5 Wochen in Bewegung setzen kann: in seiner ursprünglichen Geldform.

Sub A wie sub B wird in der zweiten Periode von 5 Wochen neue Arbeitskraft verzehrt und ein neues Kapital von 500 Pfd.St. in Zahlung dieser Arbeitskraft verausgabt. Die mit den ersten 500 Pfd.St. bezahlten Lebensmittel der Arbeiter sind weg, in allen Fällen ist der Wert dafür verschwunden aus der Hand des Kapitalisten. Mit den zweiten 500 Pfd.St. wird neue Arbeitskraft gekauft, neue Lebensmittel dem Markt entzogen. Kurz, es wird ein neues Kapital von 500 Pfd.St. verausgabt, nicht das alte. Aber sub A ist dies neue Kapital von 500 Pfd.St. die Geldform des neu produzierten Wertersatzes der früher verausgabten 500 Pfd. Sub B befindet sich dieser Wertersatz in einer Form, worin er nicht als variables Kapital fungieren kann. Er ist da, aber nicht in der Form von variablem Kapital. Es muß daher zur Fortsetzung des Produktionsprozesses für die <314> nächsten 5 Wochen ein zuschüssiges Kapital von 500 Pfd.St. in der hier unumgänglichen Geldform vorhanden sein und vorgeschossen werden. So wird von A wie von B während 50 Wochen gleichviel variables Kapital verausgabt, gleichviel Arbeitskraft gezahlt und verbraucht. Aber von B muß sie gezahlt werden mit einem vorgeschoßnen Kapital gleich ihrem Gesamtwert = 5.000 Pfd.St. Von A wird sie sukzessiv gezahlt durch die stets erneute Geldform des während je 5 Wochen produzierten Wertersatzes des für je 5 Wochen vorgeschoßnen Kapitals von 500 Pfd.St. Es wird also hier nie ein größres Geldkapital vorgeschossen als für 5 Wochen, d.h. nie ein größres als das für die ersten 5 Wochen vorgeschoßne von 500 Pfd.St. Diese 500 Pfd.St. reichen für das ganze Jahr. Es ist daher klar, daß bei gleichem Exploitationsgrad der Arbeit, gleicher wirklicher Rate des Mehrwerts, die Jahresraten von A und B sich umgekehrt verhalten müssen wie die Größen der variablen Geldkapitale, die vorgeschossen werden mußten, um während des Jahrs dieselbe Masse Arbeitskraft in Bewegung zu setzen. A: 5.000m/500v = 1.000%, und B: 5.000m/5.000v = 100%. Aber 500v : 5.000v = 1 : 10 = 100% : 1.000%.

Der Unterschied entspringt aus der Verschiedenheit der Umschlagsperioden, d.h. der Perioden, worin der Wertersatz des in einem bestimmten Zeitraum angewandten variablen Kapitals von neuem als Kapital fungieren kann, also als neues Kapital. Bei B wie bei A findet derselbe Wertersatz für das während derselben Perioden angewandte variable Kapital statt. Es findet auch derselbe Zuwachs von Mehrwert während derselben Perioden statt. Aber bei B ist alle 5 Wochen zwar ein Wertersatz von 500 Pfd.St., plus 500 Pfd.St. Mehrwert da, dieser Wertersatz bildet jedoch noch kein neues Kapital, weil er sich nicht in der Geldform befindet. Bei A ist nicht nur der alte Kapitalwert durch einen neuen ersetzt, sondern er ist in seiner Geldform wiederhergestellt, daher als neues funktionsfähiges Kapital ersetzt.

Die frühere oder spätere Verwandlung des Wertersatzes in Geld und daher in die Form, worin das variable Kapital vorgeschossen wird, ist offenbar ein für die Produktion des Mehrwerts selbst ganz gleichgültiger Umstand. Diese hängt von der Größe des angewandten variablen Kapitals und dem Exploitationsgrad der Arbeit ab. Jener Umstand aber modifiziert die Größe des Geldkapitals, das vorgeschossen werden muß, um während des Jahrs ein bestimmtes Quantum Arbeitskraft in Bewegung zu setzen, und bestimmt daher die Jahresrate des Mehrwerts.

'

III. Der Umschlag des variablen Kapitals, gesellschaftlich betrachtet

'

<315> Betrachten wir die Sache einen Augenblick vom gesellschaftlichen Standpunkt. Ein Arbeiter koste 1 Pfd.St. per Woche, der Arbeitstag sei = 10 Stunden. Sub A wie sub B sind während des Jahrs 100 Arbeiter beschäftigt (100 Pfd.St. per Woche für 100 Arbeiter macht für 5 Wochen 500 Pfd.St. und für 50 Wochen 5.000 Pfd.St.), und diese arbeiten per Woche von 6 Tagen jeder 60 Arbeitsstunden. Also 100 Arbeiter per Woche tun 6.000 Arbeitsstunden und in 50 Wochen 300.000 Arbeitsstunden. Diese Arbeitskraft ist von A wie von B mit Beschlag belegt und kann also von der Gesellschaft für nichts andres verausgabt werden. Insoweit ist die Sache also gesellschaftlich dieselbe bei A wie bei B. Ferner: Bei A wie bei B erhalten die je 100 Arbeiter einen Lohn per Jahr von 5.000 Pfd.St. (die 200 zusammen also 10.000 Pfd.St.) und entziehn für diese Summe der Gesellschaft Lebensmittel. Soweit ist die Sache gesellschaftlich wieder dieselbe sub A wie sub B. Da die Arbeiter in beiden Fällen wöchentlich bezahlt werden, entziehn sie auch der Gesellschaft wöchentlich Lebensmittel, wofür sie ebenfalls in beiden Fällen das Geldäquivalent wöchentlich in Zirkulation werfen. Aber hier beginnt der Unterschied.

'

Erstens. Das Geld, welches der Arbeiter sub A in Zirkulation wirft, ist nicht nur, wie für den Arbeiter sub B, die Geldform für den Wert seiner Arbeitskraft (in der Tat Zahlungsmittel für bereits geleistete Arbeit); es ist, schon von der zweiten Umschlagsperiode nach Eröffnung des Geschäfts an gerechnet, die Geldform seines eignen Wertprodukts (= Preis der Arbeitskraft plus Mehrwert) der ersten Umschlagsperiode, womit seine Arbeit während der zweiten Umschlagsperiode bezahlt wird. Sub B ist dies nicht der Fall. Mit Bezug auf den Arbeiter ist hier das Geld zwar ein Zahlungsmittel für bereits von ihm geleistete Arbeit, aber diese geleistete Arbeit wird nicht bezahlt mit ihrem eignen vergoldeten Wertprodukt (der Geldform des von ihr selbst produzierten Werts). Dies kann erst eintreten vom zweiten Jahr an, wo der Arbeiter sub B bezahlt wird mit seinem vergoldeten Wertprodukt des vergangnen Jahrs.

Je kürzer die Umschlagsperiode des Kapitals - in je kürzern Zeiträumen daher seine Reproduktionstermine sich innerhalb des Jahrs erneuern -, um so rascher verwandelt sich der ursprünglich in Geldform vom Kapitalisten vorgeschoßne variable Teil seines Kapitals in die Geldform des vom Arbeiter zum Ersatz dieses variablen Kapitals geschaffnen Wertprodukts (das außerdem Mehrwert einschließt); desto kürzer ist also die Zeit, wofür der <316> Kapitalist Geld aus seinem eignen Fonds vorschießen muß, desto kleiner ist, im Verhältnis zu gegebnem Umfang der Produktionsleiter, das Kapital, das er überhaupt vorschießt; und desto größer ist im Verhältnis die Masse Mehrwert, die er bei gegebner Rate des Mehrwerts während des Jahrs herausschlägt, weil er um so öfter den Arbeiter mit der Geldform seines eignen Wertprodukts stets von neuem kaufen und seine Arbeit in Bewegung setzen kann.

Bei gegebner Stufenleiter der Produktion verringert sich im Verhältnis zur Kürze der Umschlagsperiode die absolute Größe des vorgeschoßnen variablen Geldkapitals (wie des zirkulierenden Kapitals überhaupt) und wächst die Jahresrate des Mehrwerts. Bei gegebner Größe des vorgeschoßnen Kapitals wächst die Stufenleiter der Produktion, daher bei gegebner Rate des Mehrwerts die absolute Masse des in einer Umschlagsperiode erzeugten Mehrwerts, gleichzeitig mit der durch die Verkürzung der Reproduktionsperioden bewirkten Steigerung in der Jahresrate des Mehrwerts. Es hat sich überhaupt aus der bisherigen Untersuchung ergeben, daß je nach den verschiednen Größen der Umschlagsperiode Geldkapital von sehr verschiednem Umfang vorzuschießen ist, um dieselbe Masse produktives zirkulierendes Kapital und dieselbe Arbeitsmasse bei demselben Exploitationsgrad der Arbeit in Bewegung zu setzen.

'

Zweitens - und dies hängt mit dem ersten Unterschied zusammen - zahlt der Arbeiter sub B wie sub A die Lebensmittel, die er kauft, mit dem variablen Kapital, das sich in seiner Hand in Zirkulationsmittel verwandelt hat. Er entzieht z.B. nicht nur Weizen vom Markt, sondern ersetzt ihn auch durch ein Äquivalent in Geld. Da aber das Geld, womit der Arbeiter sub B seine Lebensmittel zahlt und dem Markt entzieht, nicht die Geldform eines von ihm während des Jahrs auf den Markt geworfnen Wertprodukts ist, wie beim Arbeiter sub A, so liefert er dem Verkäufer seiner Lebensmittel zwar Geld, aber keine Ware - sei es Produktionsmittel, sei es Lebensmittel -, die dieser mit dem gelösten Geld kaufen könne, was dagegen sub A der Fall ist. Es werden daher dem Markt Arbeitskraft, Lebensmittel für diese Arbeitskraft, fixes Kapital in der Form der sub B angewandten Arbeitsmittel und Produktionsstoffe entzogen, und zu ihrem Ersatz wird ein Äquivalent in Geld in den Markt geworfen; aber es wird während des Jahrs kein Produkt in den Markt geworfen, um die ihm entzognen stofflichen Elemente des produktiven Kapitals zu ersetzen. Denken wir die Gesellschaft nicht kapitalistisch, sondern kommunistisch, so fällt zunächst das Geldkapital ganz fort, also auch die Verkleidungen der Transaktionen, die durch es hineinkommen. Die Sache reduziert sich einfach darauf, daß die Gesellschaft im <317> voraus berechnen muß, wieviel Arbeit, Produktionsmittel und Lebensmittel sie ohne irgendwelchen Abbruch auf Geschäftszweige verwenden kann, die, wie Bau von Eisenbahnen z.B., für längre Zeit, ein Jahr oder mehr, weder Produktionsmittel noch Lebensmittel, noch irgendeinen Nutzeffekt liefern, aber wohl Arbeit, Produktionsmittel und Lebensmittel der jährlichen Gesamtproduktion entziehn. In der kapitalistischen Gesellschaft dagegen, wo der gesellschaftliche Verstand sich immer erst post festum geltend macht, können und müssen so beständig große Störungen eintreten. Einerseits Druck auf den Geldmarkt, während umgekehrt die Leichtigkeit des Geldmarkts ihrerseits solche Unternehmungen in Masse hervorruft, also gerade die Umstände, welche später den Druck auf den Geldmarkt hervorrufen. Der Geldmarkt wird gedrückt, da Vorschuß von Geldkapital auf großer Stufenleiter hier beständig während langen Zeitraums nötig ist. Ganz abgesehn davon, daß Industrielle und Kaufleute das für den Betrieb ihres Geschäfts nötige Geldkapital in Eisenbahnspekulationen etc. werfen und durch Anleihen auf dem Geldmarkt ersetzen. - Andrerseits: Druck auf das disponible produktive Kapital der Gesellschaft. Da beständig Elemente des produktiven Kapitals dem Markt entzogen werden und für dieselben nur ein Geldäquivalent in den Markt geworfen wird, so steigt die zahlungsfähige Nachfrage, ohne aus sich selbst irgendein Element der Zufuhr zu liefern. Daher Steigen der Preise, sowohl der Lebensmittel wie der Produktionsstoffe. Es kommt hinzu, daß während dieser Zeit regelmäßig geschwindelt wird, große Übertragung von Kapital stattfindet. Eine Bande von Spekulanten, Kontraktoren, Ingenieuren, Advokaten etc. bereichert sich. Sie verursachen starke konsumtive Nachfrage auf dem Markt, daneben steigen die Arbeitslöhne. Mit Bezug auf Nahrungsmittel wird dadurch allerdings auch der Landwirtschaft ein Sporn gegeben. Da jedoch diese Nahrungsmittel nicht plötzlich, innerhalb des Jahres zu vermehren sind, wächst ihre Einfuhr, wie überhaupt die Einfuhr der exotischen Nahrungsmittel (Kaffee, Zucker, Wein etc.) und der Luxusgegenstände. Daher Übereinfuhr und Spekulation in diesem Teil des Importgeschäfts. Andrerseits in den Industriezweigen, worin die Produktion rasch vermehrt werden kann (eigentliche Manufaktur, Bergbau etc.), bewirkt das Steigen der Preise plötzliche Ausdehnung, der bald der Zusammenbruch folgt. Dieselbe Wirkung findet statt auf dem Arbeitsmarkt, um große Massen der latenten relativen Übervölkerung, und selbst der beschäftigten Arbeiter, für die neuen Geschäftszweige heranzuziehn. Überhaupt entziehn solche Unternehmungen auf großer Stufenleiter, wie Eisenbahnen, dem Arbeitsmarkt ein bestimmtes Quantum Kräfte, das nur aus gewissen Zweigen, wie Landwirtschaft etc., <318> herkommen kann, wo ausschließlich starke Burschen gebraucht werden. Dies findet noch statt, selbst nachdem die neuen Unternehmungen schon stehender Betriebszweig geworden sind und daher die für sie nötige wandernde Arbeiterklasse bereits gebildet ist. Sobald z.B. der Eisenbahnbau momentan auf einer größern als der Durchschnittsstufenleiter betrieben wird. Ein Teil der Arbeiterreservearmee wird absorbiert, deren Druck den Lohn niedriger hielt. Die Löhne steigen allgemein, selbst in den bisher gut beschäftigten Teilen des Arbeitsmarkts. Dies dauert solange, bis der unvermeidliche Krach die Reservearmee von Arbeitern wieder freisetzt und die Löhne wieder auf ihr Minimum und darunter herabgedrückt werden.(32)

Soweit die größre oder geringre Länge der Umschlagsperiode abhängt von der Arbeitsperiode im eigentlichen Sinn, d.h. der Periode, nötig, um das Produkt für den Markt fertigzumachen, beruht sie auf den jedesmal gegebnen sachlichen Produktionsbedingungen der verschiednen Kapitalanlagen, die innerhalb der Agrikultur mehr den Charakter von Naturbedingungen der Produktion besitzen, in der Manufaktur und dem größten Teil der extraktiven Industrie mit der gesellschaftlichen Entwicklung des Produktionsprozesses selbst wechseln.

Soweit die Länge der Arbeitsperiode auf der Größe der Lieferungen beruht (dem quantitativen Umfang, worin das Produkt als Ware in der Regel auf den Markt geworfen wird), hat dies konventionellen Charakter. Aber die Konvention selbst hat zur materiellen Basis die Stufenleiter der Produktion und ist daher nur im einzelnen betrachtet zufällig.

Soweit endlich die Länge der Umschlagsperiode von der Länge der Zirkulationsperiode abhängt, ist diese zum Teil zwar bedingt durch den beständigen Wechsel in den Marktkonjunkturen, die größre oder geringre Leichtigkeit zu verkaufen und die dieser entspringende Notwendigkeit, das <319> Produkt teilweise auf nähern oder entferntern Markt zu werfen. Abgesehn vom Umfang der Nachfrage überhaupt, spielt die Bewegung der Preise hier eine Hauptrolle, indem der Verkauf bei fallenden Preisen absichtlich beschränkt wird, während die Produktion vorangeht; umgekehrt bei steigenden Preisen, wo Produktion und Verkauf Schritt halten oder im voraus verkauft werden kann. Jedoch ist als eigentliche materielle Basis zu betrachten die wirkliche Entfernung des Produktionssitzes vom Absatzmarkt.

Es wird z.B. englisches Baumwollgewebe oder Garn nach Indien verkauft. Der Exportkaufmann zahle den englischen Baumwollfabrikanten (der Exportkaufmann tut dies nur willig bei gutem Stand des Geldmarkts. Sobald der Fabrikant selbst durch Kreditoperationen sein Geldkapital ersetzt, steht's schon schief). Der Exporteur verkauft seine Baumwollware später auf dem indischen Markt, von wo ihm sein vorgeschoßnes Kapital remittiert wird. Bis zu diesem Rückfluß verhält sich die Sache ganz wie in dem Fall, wo die Länge der Arbeitsperiode Vorschuß von neuem Geldkapital nötig macht, um den Produktionsprozeß auf gegebner Stufenleiter in Gang zu halten. Das Geldkapital, womit der Fabrikant seine Arbeiter zahlt und ebenso die übrigen Elemente seines zirkulierenden Kapitals erneuert, sind nicht die Geldform der von ihm produzierten Garne. Dies kann erst der Fall sein, sobald der Wert dieses Garns in Geld oder Produkt nach England zurückgeflossen ist. Sie sind zuschüssiges Geldkapital wie vorher. Der Unterschied ist nur, daß statt des Fabrikanten der Kaufmann es vorschießt, dem es vielleicht selbst wieder durch Kreditoperationen vermittelt ist. Ebenso ist nicht, bevor dies Geld in den Markt geworfen wird oder gleichzeitig mit ihm, ein zuschüssiges Produkt in den englischen Markt geworfen worden, das mit diesem Geld gekauft werden und in die produktive oder individuelle Konsumtion eingehn kann. Tritt dieser Zustand für längre Zeit und auf größrer Stufenleiter ein, so muß er dieselben Folgen bewirken, wie vorher die verlängerte Arbeitsperiode.

Es ist nun möglich, daß in Indien selbst wieder das Garn auf Kredit verkauft wird. Mit diesem Kredit wird in Indien Produkt gekauft und als Retour nach England geschickt oder Wechsel für den Betrag remittiert. Verlängert sich dieser Zustand, so tritt ein Druck auf den indischen Geldmarkt ein, dessen Rückschlag auf England hier eine Krise hervorrufen mag. Die Krise ihrerseits, selbst wenn verbunden mit Export edler Metalle nach Indien, ruft in letztrem Lende eine neue Krise hervor, wegen des Bankrotts englischer Geschäftshäuser und ihrer indischen Zweighäuser, denen von den indischen Banken Kredit gegeben war. So entsteht eine gleichzeitige Krise sowohl auf dem Markt, gegen den, wie auf dem Markt, <320> für den die Handelsbilanz ist. Dies Phänomen kann noch komplizierter sein. England hat z.B. Silberbarren nach Indien geschickt, aber die englischen Gläubiger von Indien treiben jetzt ihre Forderungen dort ein, und Indien wird kurz nachher seine Silberbarren nach England zurückzuschicken haben.

Es ist möglich, daß der Exporthandel nach Indien und der Importhandel von Indien sich ungefähr ausgleichen, obgleich der letztre (ausgenommen besondre Umstände, wie Baumwollteurung etc.) seinem Umfang nach durch den erstem bestimmt und stimuliert sein wird. Die Handelsbilanz zwischen England und Indien kann ausgeglichen scheinen oder nur schwache Schwankungen nach der einen oder andern Seite aufweisen. Sobald aber die Krise in England ausbricht, zeigt sich, daß unverkaufte Baumwollwaren in Indien lagern (sich also nicht aus Warenkapital in Geldkapital verwandelt haben - Überproduktion nach dieser Seite), und daß andrerseits in England nicht nur unverkaufte Vorräte indischer Produkte liegen, sondern daß ein großer Teil der verkauften und verzehrten Vorräte noch gar nicht bezahlt ist. Was daher als Krise auf dem Geldmarkt erscheint, drückt in der Tat Anomalien im Produktions- und Reproduktionsprozeß selbst aus.

'

Drittens: In bezug auf das angewandte zirkulierende Kapital selbst (variables wie konstantes) macht die Länge der Umschlagsperiode, soweit sie aus der Länge der Arbeitsperiode hervorgeht, diesen Unterschied: Bei mehreren Umschlägen. während des Jahrs kann ein Element des variablen oder konstanten zirkulierenden Kapitals durch sein eignes Produkt geliefert werden, wie bei Kohlenproduktion, Kleiderkonfektion etc. Im andern Fall nicht, wenigstens nicht während des Jahrs.



Fußnoten

(32) Im Manuskript ist hier die folgende Notiz für künftige Ausführung eingeschaltet: "Widerspruch in der kapitalistischen Produktionsweise: Die Arbeiter als Käufer von Ware sind wichtig für den Markt. Aber als Verkäufer ihrer Ware - der Arbeitskraft - hat die kapitalistische Gesellschaft die Tendenz, sie auf das Minimum des Preises zu beschränken. - Fernerer Widerspruch: Die Epochen, worin die kapitalistische Produktion alle ihre Potenzen anstrengt, erweisen sich regelmäßig als Epochen der Überproduktion; weil die Produktionspotenzen nie so weit angewandt werden können, daß dadurch mehr Wert nicht nur produziert, sondern realisiert werden kann; der Verkauf der Waren, die Realisation des Warenkapitals, also auch des Mehrwerts, ist aber begrenzt, nicht durch die konsumtiven Bedürfnisse der Gesellschaft überhaupt, sondern durch die konsumtiven Bedürfnisse einer Gesellschaft, wovon die große Mehrzahl stets arm ist und stets arm bleiben muß. Dies gehört jedoch erst in den nächsten Abschnitt." <=


16. Kapitel. Der Umschlag des variablen Kapitals | Inhalt | 18. Kapitel. Einleitung zum 3. Abschnitt.

Seitenzahlen verweisen auf: Karl Marx - Friedrich Engels - Werke, Band 24, "Das Kapital", Bd. II, 2. Abschnitt, S. 321 - 350 Dietz Verlag, Berlin/DDR 1963

SIEBZEHNTES KAPITEL Die Zirkulation des Mehrwerts

'

<321> Wir haben bisher gesehn, daß die Verschiedenheit in der Umschlagsperiode eine Verschiedenheit in der Jahresrate des Mehrwerts erzeugt, selbst bei gleichbleibender Masse des jährlich erzeugten Mehrwerts.

Aber es findet ferner notwendig Verschiedenheit statt in der Kapitalisation des Mehrwerts, der Akkumulation, und insofern auch in der, bei gleichbleibender Rate des Mehrwerts, während des Jahrs erzeugten Mehrwertsmasse.

Wir bemerken nun zunächst, daß das Kapital A (im Beispiel des vorigen Kapitels) eine laufende periodische Revenue hat, also, mit Ausnahme der Umschlagsperiode bei Beginn des Geschäfts, seinen eignen Verzehr innerhalb des Jahrs aus seiner Produktion von Mehrwert bestreitet und nicht aus eignem Fonds vorzuschießen hat. Dies letztre findet dagegen bei B statt. Er produziert zwar während derselben Zeitabschnitte ebensoviel Mehrwert wie A, aber der Mehrwert ist nicht realisiert und kann daher weder individuell verzehrt werden noch produktiv. Soweit der individuelle Verzehr in Betracht kommt, wird der Mehrwert antizipiert. Fonds dafür muß vorgeschossen werden.

Ein Teil des produktiven Kapitals, der schwer zu rangieren ist, nämlich das zur Reparatur und Instandhaltung des fixen Kapitals nötige Zuschußkapital, stellt sich jetzt auch unter neuem Licht dar.

Bei A wird dieser Kapitalteil - ganz oder großenteils - nicht vorgeschossen bei Beginn der Produktion. Er braucht weder disponibel, noch selbst vorhanden zu sein. Er entspringt aus dem Geschäft selbst durch unmittelbare Verwandlung von Mehrwert in Kapital, d.h. seine direkte Anwendung als Kapital. Ein Teil des periodisch innerhalb des Jahrs nicht nur erzeugten, sondern auch realisierten Mehrwerts kann die für Reparatur etc. nötigen Ausgaben bestreiten. Ein Teil des zur Führung des Geschäfts auf seiner ursprünglichen Stufenleiter nötigen Kapitals wird so während des Geschäfts <322> vom Geschäft selbst erzeugt durch Kapitalisierung eines Teils des Mehrwerts. Dies ist für den Kapitalisten B unmöglich. Der fragliche Kapitalteil muß bei ihm einen Teil des ursprünglich vorgeschoßnen Kapitals bilden. In beiden Fällen wird dieser Kapitalteil in den Büchern des Kapitalisten als vorgeschoßnes Kapital figurieren, was er auch ist, da er nach unsrer Annahme einen Teil des zur Führung des Geschäfts auf gegebner Stufenleiter notwendigen produktiven Kapitals bildet. Aber es macht einen gewaltigen Unterschied, aus welchem Fonds er vorgeschossen wird. Bei B ist er wirklich Teil des ursprünglich vorzuschießenden oder disponibel zu haltenden Kapitals. Bei A dagegen ist er als Kapital angewandter Teil des Mehrwerts. Dieser letztre Fall zeigt uns, wie nicht nur das akkumulierte Kapital, sondern auch ein Teil des ursprünglich vorgeschoßnen Kapitals, bloß kapitalisierter Mehrwert sein kann.

Sobald die Entwicklung des Kredits dazwischen kommt, verwickelt sich das Verhältnis von ursprünglich vorgeschoßnem Kapital und kapitalisiertem Mehrwert noch mehr. Z.B. A borgt Teil des produktiven Kapitals, womit er das Geschäft anfängt oder während des Jahrs fortführt, beim Bankier C. Er hat von vornherein kein eignes hinreichendes Kapital für Führung des Geschäfts. Bankier C leiht ihm eine Summe, die bloß aus bei ihm deponiertem Mehrwert der Industriellen D, E, F etc. besteht. Vom Standpunkt des A handelt es sich noch nicht um akkumuliertes Kapital. In der Tat aber ist für D, E, F etc. der A nichts als ein Agent, der den von ihnen angeeigneten Mehrwert kapitalisiert.

Wir haben Buch I, Kap. XXII gesehn, daß die Akkumulation, die Verwandlung von Mehrwert in Kapital, ihrem realen Gehalt nach Reproduktionsprozeß auf erweiterter Stufenleiter ist, ob diese Erweiterung extensiv in Gestalt der Zufügung neuer Fabriken zu den alten oder in der intensiven Ausdehnung der bisherigen Stufenleiter des Betriebs sich ausdrücke.

Die Erweiterung der Produktionsleiter kann in kleinern Dosen vor sich gehn, indem ein Teil des Mehrwerts zu Verbesserungen angewandt wird, die entweder nur die Produktivkraft der angewandten Arbeit erhöhn oder zugleich erlauben, sie intensiver auszubeuten. Oder auch, wo der Arbeitstag nicht gesetzlich beschränkt ist, genügt eine zuschüssige Ausgabe von zirkulierendem Kapital (in Produktionsstoffen und in Arbeitslohn), um die Produktionsleiter zu erweitern, ohne Ausdehnung des fixen Kapitals, dessen tägliche Gebrauchszeit so nur verlängert, während seine Umschlagsperiode entsprechend verkürzt wird. Oder der kapitalisierte Mehrwert mag, bei günstigen Marktkonjunkturen, Spekulationen in Rohstoff erlauben, Operationen, wozu das ursprünglich vorgeschoßne Kapital nicht hingereicht hätte usw. <323> Indes ist es klar, daß dort, wo die größre Anzahl der Umschlagsperioden eine häufigere Realisation des Mehrwerts innerhalb des Jahrs mit sich bringt, Perioden eintreten werden, in denen weder der Arbeitstag zu verlängern noch Einzelverbeßrungen anzubringen sind; während andrerseits Ausdehnung des ganzen Geschäfts auf proportioneller Stufenleiter teils durch die ganze Anlage des Geschäfts, die Baulichkeiten z.B., teils durch Ausdehnung des Arbeitsfonds, wie in der Landwirtschaft, nur innerhalb gewisser weiterer oder engerer Schranken möglich ist, und zudem einen Umfang von zuschüssigem Kapital erheischt, wie er nur durch mehrjährige Akkumulation des Mehrwerts geliefert werden kann.

Neben der wirklichen Akkumulation oder Verwandlung des Mehrwerts in produktives Kapital (und entsprechender Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter) läuft also Geldakkumulation, Zusammenscharren eines Teils des Mehrwerts als latentes Geldkapital, das erst später, sobald es gewissen Umfang erreicht, als zuschüssiges aktives Kapital fungieren soll.

So stellt sich die Sache vom Standpunkt des einzelnen Kapitalisten dar. Mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktion entwickelt sich jedoch gleichzeitig das Kreditsystem. Das Geldkapital, das der Kapitalist noch nicht in seinem eignen Geschäft anwenden kann, wird von andren angewandt, von denen er Zinsen dafür erhält. Es fungiert für ihn als Geldkapital im spezifischen Sinn, als eine vom produktiven Kapital unterschiedne Sorte Kapital. Aber es wirkt als Kapital in andrer Hand. Es ist klar, daß mit der häufigern Realisation des Mehrwerts und der steigenden Stufenleiter, worauf er produziert wird, die Proportion wächst, worin neues Geldkapital oder Geld als Kapital auf den Geldmarkt geworfen und von hier aus wenigstens großenteils wieder für erweiterte Produktion absorbiert wird.

Die einfachste Form, worin sich dies zuschüssige latente Geldkapital darstellen kann, ist die des Schatzes. Es ist möglich, daß dieser Schatz zuschüssiges Gold oder Silber ist, erhalten direkt oder indirekt im Austausch mit den edle Metalle produzierenden Ländern. Und nur in dieser Weise wächst der Geldschatz innerhalb eines Landes absolut. Es ist andrerseits möglich - und dies ist die Mehrzahl der Fälle -, daß dieser Schatz nichts andres ist als der inländischen Zirkulation entzognes Geld, welches die Form des Schatzes in der Hand einzelner Kapitalisten angenommen hat. Es ist ferner möglich, daß dies latente Geldkapital bloß in Wertzeichen besteht - wir sehn hier noch vom Kreditgeld ab - oder auch in bloßen, durch legale Dokumente konstatierten Ansprüchen (Rechtstiteln) der Kapitalisten auf dritte Personen. In allen diesen Fällen, welches immer die Daseinsform die- <324> ses zuschüssigen Geldkapitals, repräsentiert es, soweit es Kapital in spe ist, durchaus nichts als zuschüssige und in Reserve gehaltne Rechtstitel von Kapitalisten auf zukünftige, zuschüssige jährliche Produktion der Gesellschaft.

"Die Masse des wirklich akkumulierten Reichtums, nach seiner Größe betrachtet, ist so durchaus unbedeutend im Vergleich mit den Produktivkräften der Gesellschaft, der er angehört, was auch ihre Zivilisationsstufe sei; oder auch nur im Vergleich zu der wirklichen Konsumtion dieser selben Gesellschaft während nur weniger Jahre; so unbedeutend, daß die Hauptaufmerksamkeit der Gesetzgeber und der politischen Ökonomen gerichtet sein sollte auf die Produktivkräfte und ihre künftige freie Entwicklung, nicht aber, wie bisher, auf den bloßen akkumulierten Reichtum, der das Auge frappiert. Der bei weitem größte Teil des sogenannten akkumulierten Reichtums ist nur nominell und besteht nicht aus wirklichen Gegenständen, Schiffen, Häusern, Baumwollenwaren, Landmeliorationen, sondern aus bloßen Rechtstiteln, Ansprüchen auf die künftigen jährlichen produktiven Kräfte der Gesellschaft, Rechtstiteln, erzeugt und verewigt durch die Auskunftsmittel oder Institutionen der Unsicherheit ... Der Gebrauch solcher Artikel (Akkumulationen physischer Dinge oder wirklicher Reichtum) als bloßes Mittel, ihren Besitzern den Reichtum anzueignen, den die zukünftigen Produktivkräfte der Gesellschaft erst schaffen sollen, dieser Gebrauch würde ihnen durch die Naturgesetze der Verteilung ohne Anwendung von Gewalt allmählich entzogen werden; unterstützt durch genossenschaftliche Arbeit (co-operative labour) würde er ihnen in wenigen Jahren entzogen werden." (William Thompson, "Inquiry into the Principles of the Distribution of Wealth", London 1850, p. 453. - Dies Buch erschien zuerst 1824.)

"Es wird wenig bedacht, von den meisten nicht einmal vermutet, in einem wie äußerst kleinen Verhältnis, sei es nach Masse oder Wirkungskraft, die tatsächlichen Akkumulationen der Gesellschaft stehn zu den menschlichen Produktivkräften, ja selbst zu der gewöhnlichen Konsumtion einer einzigen Menschengeneration während nur weniger Jahre. Der Grund ist augenscheinlich, aber die Wirkung ist sehr schädlich. Der Reichtum, der jährlich verzehrt wird, verschwindet mit seinem Gebrauch; er steht vor dem Auge nur für einen Augenblick, und macht Eindruck nur während man ihn genießt oder verbraucht. Aber der nur langsam verzehrbare Teil des Reichtums, Möbel, Maschinen, Gebäude, von unsrer Kindheit bis zum Alter stehn sie vor unserm Auge, dauernde Denkmäler der menschlichen Anstrengung. Kraft des Besitzes dieses fixen, dauernden, nur langsam verzehrten Teils des öffentlichen Reichtums - des Bodens und der Rohstoffe, an denen, der Werkzeuge, mit denen gearbeitet wird, der Häuser, die während der Arbeit Obdach geben -, kraft dieses Besitzes beherrschen die Eigentümer dieser Gegenstände zu ihrem eignen Vorteil die jährlichen Produktivkräfte aller wirklich produktiven Arbeiter der Gesellschaft, so unbedeutend jene Gegenstände auch sein mögen im Verhältnis zu den stets wiederkehrenden Produkten dieser Arbeit. Die Bevölkerung von Britannien und Irland ist 20 Millionen; der Durchschnittsverbrauch jedes einzelnen, Mann, Weib und Kind, ist wahrscheinlich ungefähr 20 Pfd.St., zusammen ein Reichtum von ungefähr 400 Millionen Pfd.St., das jährlich verzehrte <325> Arbeitsprodukt. Der Gesamtbetrag des akkumulierten Kapitals dieser Länder übersteigt nicht, nach der Abschätzung, 1.200 Millionen oder das dreifache jährliche Arbeitsprodukt; bei gleicher Teilung 60 Pfd.St. Kapital auf den Kopf. Wir haben es hier mehr mit dem Verhältnis zu tun, als mit den mehr oder minder genauen absoluten Beträgen dieser Schätzungssummen. Die Zinsen dieses Gesamtkapitals würden hinreichen, um die Gesamtbevölkerung in ihrer gegenwärtigen Lebenshaltung ungefähr zwei Monate in einem Jahr zu erhalten, und das gesamte akkumulierte Kapital selbst (könnten Käufer gefunden werden) würde sie ohne Arbeit unterhalten für ganze drei Jahre! Am Ende welcher Zeit, ohne Häuser, Kleider oder Nahrung, sie verhungern müßten oder aber die Sklaven werden derer, die sie während der drei Jahre unterhalten haben. Wie drei Jahre sich verhalten zur Lebenszeit einer gesunden Generation, sage zu 40 Jahren, so verhält sich die Größe und Bedeutung des wirklichen Reichtums, das akkumulierte Kapital selbst des reichsten Landes, zu ihrer Produktivkraft, zu den produktiven Kräften einer einzigen Menschengeneration; nicht zu dem, was sie produzieren könnten unter verständigen Anordnungen gleicher Sicherheit, und besonders bei genossenschaftlicher Arbeit, sondern zu dem, was sie wirklich absolut produzieren unter den mangelhaften und entmutigenden Ausfluchtsmitteln der Unsicherheit ... Und um diese scheinbar gewaltige Masse des vorhandnen Kapitals oder vielmehr das vermittelst ihrer erworbne Kommando und Monopol über die Produkte der jährlichen Arbeit in seinem gegenwärtigen Zustand erzwungner Teilung zu erhalten und zu verewigen, soll die ganze schauderhafte Maschinerie, die Laster, Verbrechen und Leiden der Unsicherheit verewigt werden. Nichts kann akkumuliert werden, ohne daß die notwendigen Bedürfnisse zuerst befriedigt sind, und der große Strom menschlicher Neigungen fließt dem Genusse nach; daher der verhältnismäßig unbedeutende Betrag des wirklichen Reichtums der Gesellschaft in jedem gegebnen Augenblick. Es ist ein ewiger Kreislauf von Produktion und Konsumtion. In dieser ungeheuren Masse jährlicher Produktion und Konsumtion würde die Handvoll wirklicher Akkumulation kaum entbehrt werden; und doch ist das Hauptaugenmerk gerichtet worden nicht auf jene Masse Produktivkraft, sondern auf diese Handvoll Akkumulation. Aber diese Handvoll ist mit Beschlag belegt worden durch einige wenige und verwandelt worden in das Werkzeug zur Aneignung der beständig jährlich wiederkehrenden Produkte der Arbeit der großen Masse. Daher die entscheidende Wichtigkeit eines solchen Werkzeugs für diese wenigen ... Ungefähr ein Drittel des nationalen Jahresprodukts wird jetzt unter dem Namen öffentlicher Lasten den Produzenten entzogen und unproduktiv konsumiert durch Leute, die kein Äquivalent dafür geben, d.h. keins, was den Produzenten als solches gilt ... Das Auge der Menge blickt erstaunt auf die akkumulierten Massen, besonders wenn sie in den Händen einiger wenigen konzentriert sind. Aber die jährlich produzierten Massen, wie die ewigen und unzählbaren Wogen eines mächtigen Stroms, rollen vorbei und verlieren sich im vergeßnen Ozean der Konsumtion. Und doch bedingt diese ewige Konsumtion nicht allein alle Genüsse, sondern die Existenz des ganzen Menschengeschlechts. Die Menge und Verteilung dieses Jahresprodukts sollte vor allem zum Gegenstand der Erwägung gemacht werden. Die wirkliche Akkumulation ist von durchaus sekundärer Bedeutung und erhält auch diese Bedeutung fast ausschließlich durch ihren Einfluß <326> auf die Verteilung des Jahresprodukts ... Die wirkliche Akkumulation und Verteilung wird hier" (in Thompsons Schrift) "stets betrachtet mit Bezug und Unterordnung zur Produktivkraft. In fast allen andren Systemen ist die Produktivkraft betrachtet worden mit Bezug und Unterordnung zur Akkumulation und zur Verewigung der bestehenden Verteilungsweise. Verglichen mit der Erhaltung dieser bestehenden Verteilungsweise wird das stets wiederkehrende Elend oder Wohlergehn des ganzen Menschengeschlechts nicht eines Blicks würdig gehalten. Die Ergebnisse der Gewalt, des Betrugs und des Zufalls verewigen, das hat man Sicherheit genannt; und der Erhaltung dieser erlognen Sicherheit sind alle Produktivkräfte des Menschengeschlechts erbarmungslos zum Opfer gebracht worden." (Ibidem, p. 440 - 443.)

__________

Für die Reproduktion sind nur zwei normale Fälle möglich, abgesehn von Störungen, welche selbst die Reproduktion auf gegebner Stufenleiter hemmen.

Entweder es findet Reproduktion auf einfacher Stufenleiter statt.

Oder es findet Kapitalisierung von Mehrwert statt, Akkumulation.

'

1. Einfache Reproduktion

Bei einfacher Reproduktion wird der jährlich oder mit mehreren Umschlägen innerhalb des Jahrs periodisch produzierte und realisierte Mehrwert individuell, d.h. unproduktiv, konsumiert von seinen Eignern, den Kapitalisten.

Der Umstand, daß der Produktenwert zum Teil aus Mehrwert besteht, zum andren Teil aus dem Wertteil, gebildet durch das in ihm reproduzierte variable Kapital plus dem in ihm aufgezehrten konstanten Kapital, ändert absolut nichts, weder an dem Quantum noch dem Wert des Gesamtprodukts, welches als Warenkapital beständig in die Zirkulation eingeht und ihr ebenso beständig entzogen wird, um der produktiven oder individuellen Konsumtion anheimzufallen, d.h. um als Produktionsmittel oder als Konsumtionsmittel zu dienen. Von dem konstanten Kapital abgesehn, wird nur die Verteilung des jährlichen Produkts zwischen Arbeitern und Kapitalisten dadurch affiziert.

Selbst die einfache Reproduktion unterstellt, muß daher ein Teil des Mehrwerts beständig in Geld und nicht in Produkt existieren, weil er sonst nicht behufs der Konsumtion aus Geld in Produkt verwandelt werden kann. Diese Verwandlung des Mehrwerts aus seiner ursprünglichen Warenform in Geld ist hier weiter zu untersuchen. Zur Vereinfachung der Sache wird <327> die einfachste Form des Problems unterstellt, nämlich die ausschließliche Zirkulation von Metallgeld, von Geld, welches wirkliches Äquivalent ist.

Nach den für die einfache Warenzirkulation entwickelten Gesetzen (Buch I, Kap. III <Siehe Band 23, S. 153 - 156>) muß die Masse des im Lande vorhandenen Metallgelds nicht nur hinreichen, um die Waren zu zirkulieren. Sie muß hinreichen für die Schwankungen des Geldumlaufs, die teils entspringen aus Fluktuationen in der Geschwindigkeit der Zirkulation, teils aus dem Preiswechsel der Waren, teils aus den verschiednen und wechselnden Proportionen, worin das Geld als Zahlungsmittel oder als eigentliches Zirkulationsmittel fungiert. Das Verhältnis, worin die vorhandne Geldmasse sich in Schatz und umlaufendes Geld spaltet, wechselt beständig, aber die Masse des Geldes ist stets gleich der Summe des als Schatz und als umlaufendes Geld vorhandnen Gelds. Diese Geldmasse (Masse edlen Metalls) ist ein nach und nach akkumulierter Schatz der Gesellschaft. Soweit ein Teil dieses Schatzes sich durch Verschleiß verzehrt, muß er jährlich, wie jedes andre Produkt, neu ersetzt werden. Dies geschieht in der Wirklichkeit durch direkten oder indirekten Austausch eines Teils des jährlichen Landesprodukts mit dem Produkt der Gold und Silber produzierenden Länder. Dieser internationale Charakter der Transaktion verhüllt indes ihren einfachen Verlauf. Um das Problem daher auf seinen einfachsten und durchsichtigsten Ausdruck zu reduzieren, muß vorausgesetzt werden, daß Gold- und Silberproduktion im Lande selbst stattfindet, also Gold- und Silberproduktion einen Teil der gesellschaftlichen Gesamtproduktion innerhalb jedes Landes bildet.

Abgesehn von dem für Luxusartikel produzierten Gold oder Silber muß das Minimum ihrer jährlichen Produktion gleich sein dem durch die jährliche Geldzirkulation bewirkten Verschleiß der Geldmetalle. Ferner: Wächst die Wertsumme der jährlich produzierten und zirkulierten Warenmasse, so muß auch die jährliche Gold- und Silberproduktion wachsen, soweit die gewachsne Wertsumme der zirkulierenden Waren und die für ihre Zirkulation (und entsprechende Schatzbildung) erforderliche Geldmasse nicht kompensiert wird durch größre Geschwindigkeit des Geldumlaufs und durch umfangreichre Funktion des Gelds als Zahlungsmittel, d.h. durch größre gegenseitige Saldierung der Käufe und Verkäufe ohne Dazwischenkunft von wirklichem Geld.

Ein Teil der gesellschaftlichen Arbeitskraft und ein Teil der gesellschaftlichen Produktionsmittel muß also in der Produktion von Gold und Silber jährlich verausgabt werden.

'

<328> Die Kapitalisten, welche die Gold- und Silberproduktion betreiben - und wie hier bei Voraussetzung einfacher Reproduktion angenommen -, nur betreiben innerhalb der Schranken des jährlichen Durchschnittsverschleißes und des dadurch verursachten jährlichen Durchschnittskonsums von Gold und Silber, werfen ihren Mehrwert, den sie nach der Unterstellung jährlich konsumieren, ohne etwas davon zu kapitalisieren, direkt in die Zirkulation in der Geldform, die für sie die Naturalform, nicht wie in den andern Produktionszweigen die verwandelte Form des Produkts ist.

Ferner: Was den Arbeitslohn betrifft - die Geldform, worin das variable Kapital vorgeschossen wird -, so wird er hier ebenfalls ersetzt nicht durch Verkauf des Produkts, seine Verwandlung in Geld, sondern durch ein Produkt, dessen Naturalform von vornherein die Geldform ist.

Endlich findet dies auch mit dem Teil des Edelmetallprodukts statt, der gleich dem Wert des periodisch aufgezehrten konstanten Kapitals ist, sowohl des konstanten zirkulierenden, wie des während des Jahrs verzehrten konstanten fixen Kapitals.

Betrachten wir den Kreislauf, resp. Umschlag des in der Edelmetallproduktion angelegten Kapitals zunächst unter der Form G - W ... P ... G´. Soweit in G - W das W nicht nur aus Arbeitskraft und Produktionsmitteln besteht, sondern auch aus fixem Kapital, wovon nur ein Wertteil in P aufgebraucht wird, ist klar, daß G´- das Produkt - eine Geldsumme ist gleich dem in Arbeitslohn ausgelegten variablen Kapital plus dem in Produktionsmitteln ausgelegten zirkulierenden konstanten Kapital plus dem Wertteil des verschlißnen fixen Kapitals plus dem Mehrwert. Wäre die Summe geringer, bei unverändertem allgemeinen Wert des Goldes, so wäre die Minenanlage unproduktiv, oder - wenn dies allgemein der Fall - würde in Zukunft der Wert des Goldes, verglichen mit den Waren, deren Wert nicht verändert, steigen; d.h. die Preise der Waren würden fallen, es würde also in Zukunft die in G - W ausgelegte Geldsumme kleiner sein.

Betrachten wir zunächst nur den zirkulierenden Teil des in G, dem Ausgangspunkt von G - W ... P ... G´, vorgeschoßnen Kapitals, so wird eine bestimmte Geldsumme vorgeschossen, in Zirkulation geworfen zur Zahlung von Arbeitskraft und zum Kauf von Produktionsstoffen. Aber sie wird durch den Kreislauf dieses Kapitals der Zirkulation nicht wieder entzogen, um von neuem hineingeworfen zu werden. Das Produkt in seiner Naturalform ist schon Geld, es braucht also nicht erst durch Austausch, durch einen Zirkulationsprozeß, in Geld verwandelt zu werden. Es tritt aus dem Produktionsprozeß in die Zirkulationssphäre nicht in der Form von Warenkapital, das sich in Geldkapital, sondern als Geldkapital, das sich in <329> produktives Kapital rückverwandeln, d.h. von neuem Arbeitskraft und Produktionsstoffe kaufen soll. Die Geldform des zirkulierenden, in Arbeitskraft und Produktionsmitteln verzehrten Kapitals wird ersetzt nicht durch den Verkauf des Produkts, sondern durch die Naturalform des Produkts selbst, also nicht durch Wiederentziehn seines Werts aus der Zirkulation in Geldform, sondern durch zuschüssiges, neuproduziertes Geld.

Nehmen wir an, dies zirkulierende Kapital sei = 500 Pfd.St., die Umschlagsperiode = 5 Wochen, Arbeitsperiode = 4 Wochen, Zirkulationsperiode nur = 1 Woche. Es muß von vornherein für 5 Wochen Geld teils in Produktionsvorrat vorgeschossen werden, teils vorrätig sein, um nach und nach in Arbeitslohn weggezahlt zu werden. Anfang der 6. Woche sind 400 Pfd.St. zurückgeflossen und 100 Pfd.St. freigesetzt. Dies wiederholt sich beständig. Hier, wie früher, werden während gewisser Zeit des Umschlags 100 Pfd.St. beständig in der freigesetzten Form sich befinden. Aber sie bestehn aus zuschüssigem neuproduziertem Geld, ganz wie die andern 400 Pfd.St. Wir hatten hier 10 Umschläge im Jahr, und das produzierte Jahresprodukt ist = 5.000 Pfd.St. Gold. (Die Zirkulationsperiode entsteht hier nicht durch die Zeit, welche die Verwandlung der Ware in Geld, sondern welche die Verwandlung von Geld in die Produktionselemente kostet.)

Bei jedem andren Kapital von 500 Pfd.St., welches unter denselben Bedingungen umschlägt, ist die beständig erneuerte Geldform die verwandelte Form des produzierten Warenkapitals, welches alle 4 Wochen in die Zirkulation geworfen wird und das durch seinen Verkauf - also durch periodische Entziehung des Geldquantums, als das es ursprünglich in den Prozeß eintrat - diese Geldform stets von neuem wiedererhält. Hier dagegen wird in jeder Umschlagsperiode eine neue zuschüssige Geldmasse von 500 Pfd.St. aus dem Produktionsprozeß selbst in die Zirkulation geworfen, um ihr beständig Produktionsstoffe und Arbeitskraft zu entziehn. Dies in die Zirkulation geworfne Geld wird ihr durch den Kreislauf dieses Kapitals nicht wieder entzogen, sondern noch durch beständig neuproduzierte Goldmassen vermehrt.

Betrachten wir den variablen Teil dieses zirkulierenden Kapitals und setzen wir ihn, wie oben, = 100 Pfd.St., so wären in der gewöhnlichen Warenproduktion diese 100 Pfd.St. bei zehnmaligem Umschlag hinreichend, um beständig die Arbeitskraft zu zahlen. Hier, in der Geldproduktion reicht dieselbe Summe; aber die 100 Pfd.St. Rückfluß, womit die Arbeitskraft in je 5 Wochen bezahlt wird, sind nicht verwandelte Form ihres Produkts, sondern sind ein Teil ihres stets erneuten Produkts selbst. Der Goldproduzent zahlt seine Arbeiter direkt mit einem Teil des von ihnen selbst <330> produzierten Goldes. Die so in Arbeitskraft jährlich ausgelegten und von den Arbeitern in die Zirkulation geworfenen 1.000 Pfd.St. kehren daher nicht durch die Zirkulation zu ihrem Ausgangspunkt zurück.

Was ferner das fixe Kapital betrifft, so erheischt es bei erster Anlage des Geschäfts die Verausgabung eines größren Geldkapitals, das also in die Zirkulation geworfen wird. Wie alles fixe Kapital, fließt es nur stückweis im Lauf von Jahren zurück. Aber es fließt zurück als unmittelbares Stück des Produkts, des Goldes, nicht durch Verkauf des Produkts und seine dadurch vollzogne Vergoldung. Es erhält also allmählich seine Geldform nicht durch Entziehung von Geld aus der Zirkulation, sondern durch Anhäufen eines entsprechenden Teils des Produkts. Das so wieder hergestellte Geldkapital ist nicht eine Geldsumme, allmählich der Zirkulation entzogen zur Ausgleichung der ursprünglich für das fixe Kapital in sie geworfnen Geldsumme. Es ist eine zuschüssige Masse Geld.

Endlich, was den Mehrwert betrifft, so ist er ebenfalls gleich einem Teil des neuen Goldprodukts, das in jeder neuen Umschlagsperiode in Zirkulation geworfen wird, um nach unsrer Unterstellung unproduktiv verausgabt, für Lebensmittel und Luxusgegenstände weggezahlt zu werden.

Nach der Voraussetzung aber ersetzt diese ganze jährliche Goldproduktion - wodurch beständig Arbeitskraft und Produktionsstoffe, aber kein Geld dem Markt entzogen und beständig zuschüssiges Geld ihm zugeführt wird - nur das während des Jahrs verschlißne Geld, hält also nur die gesellschaftliche Geldmasse vollzählig, die beständig, wenn auch in wechselnden Portionen, in den zwei Formen von Schatz und im Umlauf befindlichem Geld existiert.

Nach dem Gesetz der Warenzirkulation muß die Geldmasse gleich sein der für die Zirkulation erheischten Geldmasse plus einem in Schatzform befindlichen Geldquantum, welches je nach Kontraktion oder Expansion der Zirkulation zu- oder abnimmt, namentlich aber auch für die Bildung der nötigen Reservefonds von Zahlungsmitteln dient. Was in Geld gezahlt werden muß - soweit keine Ausgleichung der Zahlungen stattfindet -, ist der Wert der Waren. Daß ein Teil dieses Werts aus Mehrwert besteht, d.h. dem Verkäufer der Waren nichts gekostet hat, ändert absolut nichts an der Sache. Gesetzt, die Produzenten seien alle selbständige Besitzer ihrer Produktionsmittel, es finde also Zirkulation statt zwischen den unmittelbaren Produzenten selbst. Abgesehn von dem konstanten Teil ihres Kapitals, könnte man dann ihr jährliches Mehrprodukt, zur Analogie mit dem kapitalistischen Zustand, in zwei Teile teilen: den einen a, der bloß ihre notwendigen Lebensmittel ersetzt, den andern b, den sie zum Teil in Luxus- <331> produkten verzehren, zum Teil zur Erweiterung der Produktion anwenden. a vertritt dann das variable Kapital, b den Mehrwert. Aber diese Einteilung bliebe ohne allen Einfluß auf die Größe der zur Zirkulation ihres Gesamtprodukts erheischten Geldmasse. Bei sonst gleichbleibenden Umständen wäre der Wert der zirkulierenden Warenmasse derselbe, daher auch die für ihn erheischte Geldmasse. Auch müßten sie dieselben Geldreserven bei gleicher Teilung der Umschlagsperioden haben, d.h. denselben Teil ihres Kapitals beständig in Geldform, da nach wie vor, nach der Unterstellung, ihre Produktion Warenproduktion wäre. Der Umstand also, daß ein Teil des Warenwerts aus Mehrwert besteht, ändert absolut nichts an der Masse des zum Betrieb des Geschäfts notwendigen Geldes.

Ein Gegner Tookes, der sich an die Form G - W - G´ hält, fragt ihn, wie es denn der Kapitalist anfange, um beständig der Zirkulation mehr Geld zu entziehn, als er in sie hineinwirft. Man verstehe wohl. Es handelt sich hier nicht um die Bildung des Mehrwerts. Diese, die das einzige Geheimnis ausmacht, versteht sich vom kapitalistischen Standpunkt von selbst. Die angewandte Wertsumme wäre ja nicht Kapital, wenn sie nicht mit einem Mehrwert sich bereicherte. Da sie also der Voraussetzung nach Kapital ist, versteht sich der Mehrwert von selbst.

Die Frage ist also nicht: Wo kommt der Mehrwert her? Sondern: Wo kommt das Geld her, um ihn zu versilbern?

Aber in der bürgerlichen Ökonomie versteht sich die Existenz des Mehrwerts von selbst. Sie ist also nicht nur unterstellt, sondern mit ihr ist auch ferner unterstellt, daß ein Teil der in die Zirkulation geworfnen Warenmasse aus Mehrprodukt besteht, also einen Wert darstellt, den der Kapitalist nicht mit seinem Kapital in die Zirkulation warf; daß der Kapitalist also mit seinem Produkt einen Überschuß über sein Kapital in die Zirkulation wirft und ihr diesen Überschuß auch wieder entzieht.

Das Warenkapital, das der Kapitalist in die Zirkulation wirft, ist von größerm Wert (woher das kommt, wird nicht erklärt oder begriffen, aber c´est un fait <es ist eine Tatsache> vom Standpunkt dieser selbigen) als das produktive Kapital, das er in Arbeitskraft plus Produktionsmitteln der Zirkulation entzogen hat. Unter dieser Voraussetzung ist daher klar, warum nicht nur Kapitalist A, sondern auch B, C, D etc. der Zirkulation durch Austausch seiner Ware beständig mehr Wert entziehn kann, als den Wert seines ursprünglich und stets aufs neue vorgeschoßnen Kapitals. A, B, C, D etc. werfen beständig einen größren Warenwert - diese Operation ist so vielseitig, wie die selb- <332> ständig fungierenden Kapitale - in der Form von Warenkapital in die Zirkulation, als sie ihr unter der Form von produktivem Kapital entziehn. Sie haben also beständig sich in eine Wertsumme zu teilen (d.h. jeder seinerseits der Zirkulation ein produktives Kapital zu entziehn) gleich der Wertsumme ihrer resp. vorgeschoßnen produktiven Kapitale; und ebenso beständig sich in eine Wertsumme zu teilen, die sie ebenso allseitig in Warenform, als respektiven Überschuß des Warenwerts über den Wert seiner Produktionselemente, in die Zirkulation werfen.

Aber das Warenkapital, vor seiner Rückverwandlung in produktives Kapital und vor der Verausgabung des in ihm steckenden Mehrwerts, muß versilbert werden. Wo kommt das Geld dazu her? Diese Frage erscheint auf den ersten Blick schwierig, und weder Tooke noch ein andrer hat sie bisher beantwortet.

Das in der Form von Geldkapital vorgeschoßne zirkulierende Kapital von 500 Pfd.St., welches immer seine Umschlagsperiode, sei das zirkulierende Gesamtkapital der Gesellschaft, d.h. der Kapitalistenklasse. Der Mehrwert sei 100 Pfd.St. Wie kann nun die ganze Kapitalistenklasse beständig 600 Pfd.St. aus der Zirkulation herausziehn, wenn sie beständig nur 500 Pfd.St. hineinwirft?

Nachdem das Geldkapital von 500 Pfd.St. in produktives Kapital verwandelt, verwandelt dieses sich innerhalb des Produktionsprozesses in Warenwert von 600 Pfd.St., und es befindet sich in Zirkulation nicht nur ein Warenwert von 500 Pfd.St., gleich dem ursprünglich vorgeschoßnen Geldkapital, sondern ein neuproduzierter Mehrwert von 100 Pfd.St.

Dieser zuschüssige Mehrwert von 100 Pfd.St. ist in Warenform in die Zirkulation geworfen. Darüber besteht kein Zweifel. Aber durch dieselbe Operation ist nicht das zuschüssige Geld für die Zirkulation dieses zuschüssigen Warenwerts gegeben.

Man muß nun die Schwierigkeit nicht durch plausible Ausflüchte zu umgehn suchen.

Zum Beispiel: Was das konstante zirkulierende Kapital betrifft, so ist klar, daß nicht alle es gleichzeitig auslegen. Während Kapitalist A seine Ware verkauft, also für ihn vorgeschoßnes Kapital Geldform annimmt, nimmt für den Käufer B umgekehrt sein in Geldform vorhandnes Kapital die Form seiner Produktionsmittel an, die gerade A produziert. Durch denselben Akt, wodurch A seinem produzierten Warenkapital die Geldform wiedergibt, gibt B dem seinigen die produktive Form wieder, verwandelt es aus Geldform in Produktionsmittel und Arbeitskraft; dieselbe Geldsumme fungiert in dem doppelseitigen Prozeß wie in jedem einfachen Kauf W - G. <333> Andrerseits, wenn A das Geld wieder in Produktionsmittel verwandelt, kauft er von C, und dieser zahlt damit B etc. So wäre dann der Hergang erklärt. Aber:

Alle in bezug auf das Quantum des zirkulierenden Geldes bei der Warenzirkulation (Buch I, Kap. III) aufgestellten Gesetze werden in keiner Art durch den kapitalistischen Charakter des Produktionsprozesses geändert.

Wenn also gesagt wird, das in Geldform vorzuschießende zirkulierende Kapital der Gesellschaft beträgt 500 Pfd.St., so ist dabei schon in Berechnung gebracht, daß dies einerseits die Summe ist, die gleichzeitig vorgeschossen war, daß aber andrerseits diese Summe mehr produktives Kapital in Bewegung setzt als 500 Pfd.St., weil sie abwechselnd als Geldfonds verschiedner produktiven Kapitale dient. Diese Erklärungsweise setzt also schon das Geld als vorhanden voraus, dessen Dasein sie erklären soll. -

Es könnte ferner gesagt werden: Kapitalist A produziert Artikel, die Kapitalist B individuell, unproduktiv konsumiert. Das Geld von B versilbert also das Warenkapital von A, und so dient dieselbe Geldsumme zur Versilbrung des Mehrwerts von B und des zirkulierenden konstanten Kapitals von A. Hier ist aber die Lösung der Frage, die beantwortet werden soll, noch direkter unterstellt. Nämlich, wo kriegt B dies Geld zur Bestreitung seiner Revenue her? Wie hat er selbst diesen Mehrwertteil seines Produkts versilbert? -

Ferner könnte gesagt werden, der Teil des zirkulierenden variablen Kapitals, den A seinen Arbeitern beständig vorschießt, strömt ihm beständig aus der Zirkulation zurück; und nur ein abwechselnder Teil davon liegt beständig bei ihm selbst für Zahlung des Arbeitslohns fest. Zwischen der Ausgabe und dem Rückstrom verfließt jedoch eine gewisse Zeit, während deren das in Arbeitslohn ausgezahlte Geld unter andrem auch zur Versilberung von Mehrwert dienen kann. - Aber wir wissen erstens, daß je größer diese Zeit, um so größer auch die Masse des Geldvorrats sein muß, die der Kapitalist A beständig in petto halten muß. Zweitens gibt der Arbeiter das Geld aus, kauft Waren damit, versilbert daher den in diesen Waren steckenden Mehrwert pro tanto. Also dient dasselbe Geld, das in der Form des variablen Kapitals vorgeschossen wird, pro tanto auch dazu, Mehrwert zu versilbern. Ohne hier noch tiefer auf diese Frage einzugehn, hier nur soviel: daß die Konsumtion der ganzen Kapitalistenklasse und der von ihr abhängigen unproduktiven Personen gleichzeitig Schritt hält mit der für die Arbeiterklasse; also, gleichzeitig mit dem von den Arbeitern in Zirkulation geworfnen Geld, von den Kapitalisten Geld in die Zirkulation geworfen werden muß, um ihren Mehrwert als Revenue zu verausgaben; also für den- <334> selben der Zirkulation Geld entzogen sein muß. Die eben gegebne Erklärung würde nur das so nötige Quantum verringern, nicht beseitigen. -

Endlich könnte gesagt werden: Es wird doch beständig ein großes Quantum Geld in Zirkulation geworfen bei der ersten Anlage des fixen Kapitals, das der Zirkulation nur allmählich, stückweis, im Lauf von Jahren, von dem wieder entzogen wird, der es hineinwarf. Kann diese Summe nicht hinreichen, um den Mehrwert zu versilbern? - Hierauf ist zu antworten, daß vielleicht in der Summe von 500 Pfd.St. (die auch Schatzbildung für nötige Reservefonds einschließt) schon die Anwendung dieser Summe als fixes Kapital, wenn nicht durch den, der sie hineinwarf, so doch durch jemand anders, einbegriffen ist. Außerdem ist bei der Summe, die für Beschaffung der als fixes Kapital dienenden Produkte ausgegeben wird, schon unterstellt, daß auch der in diesen Waren steckende Mehrwert gezahlt ist, und es frägt sich eben, wo dies Geld herkommt. -

Die allgemeine Antwort ist bereits gegeben: Wenn eine Warenmasse von x * 1.000 Pfd.St. zu zirkulieren, so ändert es absolut nichts am Quantum der zu dieser Zirkulation nötigen Geldsumme, ob der Wert dieser Warenmasse Mehrwert enthält oder nicht, ob die Warenmasse kapitalistisch produziert ist oder nicht. Das Problem selbst existiert also nicht. Bei sonst gegebnen Bedingungen, Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes etc., ist eine bestimmte Geldsumme erheischt, um den Warenwert von x * 1.000 Pfd.St. zu zirkulieren, ganz unabhängig von dem Umstand, wie viel oder wie wenig von diesem Wert den unmittelbaren Produzenten dieser Waren zufällt. Soweit hier ein Problem existiert, fällt es zusammen mit dem allgemeinen Problem: woher die zur Zirkulation der Waren in einem Lande nötige Geldsumme kommt.

Indes existiert allerdings, vom Standpunkt der kapitalistischen Produktion, der Schein eines besondren Problems. Es ist nämlich hier der Kapitalist, welcher als der Ausgangspunkt erscheint, von dem das Geld in die Zirkulation geworfen wird. Das Geld, das der Arbeiter zur Zahlung seiner Lebensmittel ausgibt, existiert vorher als Geldform des variablen Kapitals und wird daher ursprünglich vom Kapitalisten in Zirkulation geworfen als Kauf- oder Zahlungsmittel von Arbeitskraft. Außerdem wirft der Kapitalist das Geld in Zirkulation, das für ihn ursprünglich die Geldform seines konstanten fixen und flüssigen Kapitals bildet; er gibt es aus als Kauf- oder Zahlungsmittel für Arbeitsmittel und Produktionsstoffe. Aber über dies hinaus erscheint der Kapitalist nicht weiter als Ausgangspunkt der in der Zirkulation befindlichen Geldmasse. Nun aber existieren nur zwei Ausgangspunkte: der Kapitalist und der Arbeiter. Alle dritten Personenrubriken <335> müssen entweder für Dienstleistungen Geld von diesen beiden Klassen erhalten, oder soweit sie es ohne Gegenleistung erhalten, sind sie Mitbesitzer des Mehrwerts in der Form von Rente, Zins etc. Daß der Mehrwert nicht ganz in der Tasche des industriellen Kapitalisten bleibt, sondern von ihm mit andern Personen geteilt werden muß, hat mit der vorliegenden Frage nichts zu tun. Es fragt sich, wie er seinen Mehrwert versilbert, nicht wie das dafür gelöste Silber sich später verteilt. Es ist also für unsern Fall der Kapitalist noch als einziger Besitzer des Mehrwerts zu betrachten. Was aber den Arbeiter betrifft, so ist bereits gesagt, daß er nur sekundärer Ausgangspunkt, der Kapitalist aber der primäre Ausgangspunkt des vom Arbeiter in die Zirkulation geworfnen Gelds ist. Das zuerst als variables Kapital vorgeschoßne Geld vollzieht bereits seinen zweiten Umlauf, wenn der Arbeiter es zur Zahlung von Lebensmitteln ausgibt.

Die Kapitalistenklasse bleibt also der einzige Ausgangspunkt der Geldzirkulation. Wenn sie zur Zahlung von Produktionsmitteln 400 Pfd.St., zur Zahlung der Arbeitskraft 100 Pfd.St. braucht, so wirft sie 500 Pfd.St. in Zirkulation. Aber der in dem Produkt steckende Mehrwert, bei Mehrwertsrate von 100% ist gleich einem Wert von 100 Pfd.St. Wie kann sie 600 Pfd.St. aus der Zirkulation beständig herausziehn, wenn sie beständig nur 500 Pfd.St. hineinwirft? Aus nichts wird nichts. Die Gesamtklasse der Kapitalisten kann nichts aus der Zirkulation herausziehn, was nicht vorher hineingeworfen war.

Es wird hier abgesehn davon, daß die Geldsumme von 400 Pfd.St. vielleicht hinreicht, um bei zehnmaligem Umschlag Produktionsmittel zum Wert von 4.000 Pfd.St. und Arbeit zum Wert von 1.000 Pfd.St. zu zirkulieren, und die übrigen 100 Pfd.St. für die Zirkulation des Mehrwerts von 1.000 Pfd.St. ebenfalls genügen. Dies Verhältnis der Geldsumme zu dem von ihr zirkulierten Warenwert tut nichts zur Sache. Das Problem bleibt dasselbe. Fänden nicht verschiedne Umläufe derselben Geldstücke statt, so wären 5.000 Pfd.St. als Kapital in Zirkulation zu werfen und 1.000 Pfd.St. wären nötig, um den Mehrwert zu versilbern. Es fragt sich, wo dies letztre Geld herkommt, ob nun 1.000 oder 100 Pfd.St. Jedenfalls ist es ein Überschuß über das in Zirkulation geworfne Geldkapital.

In der Tat, so paradox es auf den ersten Blick scheint, die Kapitalistenklasse selbst wirft das Geld in Zirkulation, das zur Realisierung des in den Waren steckenden Mehrwerts dient. Aber notabene: sie wirft es hinein nicht als vorgeschoßnes Geld, also nicht als Kapital. Sie verausgabt es als Kaufmittel für ihre individuelle Konsumtion. Es ist also nicht von ihr vorgeschossen, obgleich sie der Ausgangspunkt seiner Zirkulation ist.

'

<336> Nehmen wir einen einzelnen Kapitalisten, der sein Geschäft eröffnet, z.B. einen Pächter. Während des ersten Jahrs schießt er ein Geldkapital, sage von 5.000 Pfd.St. vor, in Zahlung von Produktionsmitteln (4.000 Pfd.St.) und von Arbeitskraft (1.000 Pfd.St.). Die Mehrwertsrate sei 100%, der von ihm angeeignete Mehrwert 1.000 Pfd.St. Die obigen 5.000 Pfd.St. schließen alles Geld ein, was er als Geldkapital vorschießt. Aber der Mann muß auch leben, und er nimmt kein Geld ein vor Ende des Jahrs. Sein Konsum betrage 1.000 Pfd.St. Diese muß er besitzen. Er sagt zwar, daß er sich diese 1.000 Pfd.St. vorschießen muß während des ersten Jahrs. Doch heißt dies Vorschießen - das hier nur subjektiven Sinn hat - weiter nichts, als daß er das erste Jahr seine individuelle Konsumtion aus eigner Tasche, statt aus der Gratisproduktion seiner Arbeiter bestreiten muß. Er schießt dies Geld nicht vor als Kapital. Er verausgabt es, zahlt es fort für ein Äquivalent in Lebensmitteln, die er verzehrt. Dieser Wert ist von ihm in Geld verausgabt, in die Zirkulation geworfen und in Warenwerten ihr entzogen worden. Diese Warenwerte hat er verzehrt. Er hat also aufgehört, in irgendeinem Verhältnis zu ihrem Wert zu stehn. Das Geld, womit er ihn gezahlt, existiert als Element des zirkulierenden Geldes. Aber den Wert dieses Geldes hat er der Zirkulation in Produkten entzogen, und mit den Produkten, worin er existierte, ist auch ihr Wert vernichtet. Er ist alle geworden. Am Ende des Jahres nun wirft er in die Zirkulation einen Warenwert von 6.000 Pfd.St. und verkauft ihn. Damit fließt für ihn zurück: 1. sein vorgeschoßnes Geldkapital von 5.000 Pfd.St., 2. der versilberte Mehrwert von 1.000 Pfd.St. Er hat 5.000 Pfd.St. als Kapital vorgeschossen, in die Zirkulation geworfen, und er entzieht ihr 6.000 Pfd.St., 5.000 Pfd.St. für Kapital und 1.000 Pfd.St. für Mehrwert. Die letztren 1.000 Pfd.St. sind versilbert mit dem Geld, das er selbst nicht als Kapitalist, sondern als Konsument in die Zirkulation geworfen, nicht vorgeschossen, sondern verausgabt hat. Sie kehren jetzt zu ihm zurück als Geldform des von ihm produzierten Mehrwerts. Und von nun an wiederholt sich diese Operation jährlich. Aber vom zweiten Jahr an sind die 1.000 Pfd.St., die er verausgabt, beständig die verwandelte Form, die Geldform des von ihm produzierten Mehrwerts. Er verausgabt sie jährlich, und sie fließen ihm ebenso jährlich zurück.

Schlüge sein Kapital öfter im Jahre um, so änderte das nichts an der Sache, wohl aber an der Länge der Zeit und daher an der Größe der Summe, die er über sein vorgeschoßnes Geldkapital hinaus für seine individuelle Konsumtion in Zirkulation zu werfen hätte.

Dies Geld wird vom Kapitalisten nicht als Kapital in Zirkulation geworfen. Wohl aber gehört es zum Charakter des Kapitalisten, daß er fähig <337> ist, bis zum Rückfluß von Mehrwert von den in seinem Besitz befindlichen Mitteln zu leben.

In diesem Fall war angenommen, daß die Geldsumme, die der Kapitalist bis zum ersten Rückfluß seines Kapitals zur Bestreitung seiner individuellen Konsumtion in Zirkulation wirft, exakt gleich ist dem von ihm produzierten und daher zu versilbernden Mehrwert. Dies ist offenbar, mit Bezug auf den einzelnen Kapitalisten, eine willkürliche Annahme. Aber sie muß richtig sein für die gesamte Kapitalistenklasse, bei Unterstellung einfacher Reproduktion. Sie drückt nur dasselbe aus, was diese Unterstellung besagt, nämlich daß der ganze Mehrwert, aber auch nur dieser, also kein Bruchteil des ursprünglichen Kapitalstocks, unproduktiv verzehrt wird.

Es war oben unterstellt, daß die Gesamtproduktion an edlen Metallen (= 500 Pfd.St. gesetzt) nur hinreicht, um den Geldverschleiß zu ersetzen.

Die Gold produzierenden Kapitalisten besitzen ihr ganzes Produkt in Gold, sowohl den Teil desselben, der konstantes Kapital, wie den, der variables Kapital ersetzt, wie auch den aus Mehrwert bestehenden. Ein Teil des gesellschaftlichen Mehrwerts besteht also aus Gold, nicht aus Produkt, das sich erst innerhalb der Zirkulation vergoldet. Er besteht von vornherein aus Gold und wird in die Zirkulation geworfen, um ihr Produkte zu entziehn. Dasselbe gilt hier vom Arbeitslohn, dem variablen Kapital, und vom Ersatz des vorgeschoßnen konstanten Kapitals. Wenn also ein Teil der Kapitalistenklasse einen Warenwert in die Zirkulation wirft, größer (um den Mehrwert) als das von ihnen vorgeschoßne Geldkapital, so wirft ein andrer Teil der Kapitalisten einen größren Geldwert (größer um den Mehrwert) in die Zirkulation als der Warenwert, den sie der Zirkulation zur Produktion des Goldes beständig entziehn. Wenn ein Teil der Kapitalisten beständig mehr Geld aus der Zirkulation auspumpt, als er einschießt, so pumpt der Gold produzierende Teil beständig mehr Geld ein, als er ihr in Produktionsmitteln entzieht.

Obgleich nun von diesem Produkt von 500 Pfd.St. Gold ein Teil Mehrwert der Goldproduzenten ist, so ist die ganze Summe doch nur bestimmt zum Ersatz des für die Zirkulation der Waren nötigen Geldes; wieviel davon den Mehrwert der Waren versilbert, wieviel ihre andren Wertbestandteile, ist dabei gleichgültig.

Wenn man die Goldproduktion aus dem Land heraus in andre Länder verlegt, so ändert das absolut nichts an der Sache. Ein Teil der gesellschaftlichen Arbeitskraft und der gesellschaftlichen Produktionsmittel im Land A ist in ein Produkt verwandelt, z.B. Leinwand zum Wert von 500 Pfd.St., die nach dem Land B ausgeführt wird, um dort Gold zu kaufen. Das so im <338> Land A verwandte produktive Kapital wirft ebensowenig Ware, im Unterschied von Geld, auf den Markt des Landes A, als wenn es direkt in der Goldproduktion verwandt wäre. Dies Produkt von A stellt sich in 500 Pfd.St. Gold dar und tritt nur als Geld in die Zirkulation des Landes A. Der Teil des gesellschaftlichen Mehrwerts, den dies Produkt enthält, existiert direkt in Geld und für das Land A nie anders als in der Form von Geld. Obgleich für die Kapitalisten, welche das Gold produzieren, nur ein Teil des Produkts Mehrwert, ein andrer den Kapitalersatz darstellt, so hängt dagegen die Frage, wie viel von diesem Gold, außer dem zirkulierenden konstanten Kapital, variables Kapital ersetzt und wie viel Mehrwert darstellt, ausschließlich ab von den resp. Verhältnissen, die Arbeitslohn und Mehr- Wert vom Wert der zirkulierenden Waren bilden. Der Teil, der Mehrwert bildet, verteilt sich unter die verschiednen Mitglieder der Kapitalistenklasse. Obgleich er beständig für die individuelle Konsumtion von ihnen ausgegeben und durch Verkauf neuen Produkts wieder eingenommen wird - gerade dieser Kauf und Verkauf macht überhaupt nur das zur Vergoldung des Mehrwerts nötige Geld unter ihnen selbst zirkulieren -, so befindet sich doch, wenn auch in wechselnden Portionen, ein Teil des gesellschaftlichen Mehrwerts in der Form von Geld in der Tasche der Kapitalisten, ganz wie sich ein Teil des Arbeitslohns wenigstens während eines Teils der Woche in der Form von Geld in den Taschen der Arbeiter aufhält. Und dieser Teil ist nicht beschränkt durch den Teil des Goldprodukts <1. und 2. Auflage: Geldprodukts; geändert nach der Druckvorlage von Engels>, der ursprünglich den Mehrwert der Gold produzierenden Kapitalisten bildet, sondern, wie gesagt, durch die Proportion, worin obiges Produkt von 500 Pfd.St. sich zwischen Kapitalisten und Arbeiter überhaupt verteilt, und worin der zu zirkulierende Warenwert <1. und 2. Auflage: Warenvorrat; geändert nach der Druckvorlage von Engels> aus Mehrwert und den andren Bestandteilen des Werts besteht.

Indes besteht der Teil des Mehrwerts, der nicht in andren Waren existiert, sondern neben diesen andren Waren in Geld, nur soweit aus einem Teil des jährlich produzierten Goldes, als ein Teil der jährlichen Goldproduktion zur Realisierung des Mehrwerts zirkuliert. Der andre Teil des Gelds, der sich fortwährend in wechselnden Portionen als Geldform ihres Mehrwerts in den Händen der Kapitalistenklasse befindet, ist nicht Element des jährlich produzierten Goldes, sondern der früher im Land akkumulierten Geldmassen.

Nach unsrer Unterstellung reicht die jährliche Goldproduktion von 500 Pfd.St. nur gerade hin, um das jährlich verschlißne Geld zu ersetzen. <339> Halten wir daher nur diese 500 Pfd.St. im Auge, und abstrahieren wir von dem Teil der jährlich produzierten Warenmasse, zu deren Zirkulation früher akkumuliertes Geld dient, so findet der in Warenform produzierte Mehrwert schon deswegen Geld zu seiner Vergoldung in der Zirkulation vor, weil auf der andern Seite Mehrwert jährlich in der Form von Gold produziert wird. Dasselbe gilt von den andern Teilen des Goldprodukts von 500 Pfd.St., die das vorgeschoßne Geldkapital ersetzen.

Es ist hier nun zweierlei zu bemerken.

Es folgt erstens: Der von den Kapitalisten in Geld ausgegebne Mehrwert, sowohl wie das von ihnen in Geld vorgeschoßne variable und sonstige produktive Kapital ist in der Tat Produkt der Arbeiter, nämlich der in der Goldproduktion beschäftigten Arbeiter. Sie produzieren neu sowohl den Teil das Goldprodukts, der ihnen als Arbeitslohn "vorgeschossen" wird, wie den Teil des Goldprodukts, worin sich der Mehrwert der kapitalistischen Goldproduzenten unmittelbar darstellt. Was endlich den Teil des Goldprodukts betrifft, der nur den zu seiner Produktion vorgeschoßnen konstanten Kapitalwert ersetzt, so erscheint er nur in Goldform <1. und 2. Auflage: Geldform; geändert nach der Druckvorlage von Engels> (überhaupt in einem Produkt) wieder durch die jährliche Arbeit der Arbeiter. Bei Beginn des Geschäfts wurde er ursprünglich vom Kapitalisten weggegeben in Geld, welches nicht neu produziert, sondern Teil der umlaufenden gesellschaftlichen Geldmasse bildete. Soweit er dagegen durch neues Produkt, zuschüssiges Gold, ersetzt wird, ist er das jährliche Produkt des Arbeiters. Der Vorschuß von seiten des Kapitalisten erscheint auch hier nur als eine Form, die daher stammt, daß der Arbeiter weder Besitzer seiner eignen Produktionsmittel ist, noch während der Produktion über die von andren Arbeitern produzierten Lebensmittel verfügt.

Zweitens aber, was die von diesem jährlichen Ersatz von 500 Pfd.St. unabhängig existierende, teils in Schatzform, teils in Form von umlaufendem Geld befindliche Geldmasse betrifft, so muß es sich mit ihr gerade so verhalten, d.h. ursprünglich verhalten haben, wie es sich mit diesen 500 Pfd.St. noch jährlich verhält. Auf diesen Punkt kommen wir am Schluß dieses Unterabschnitts zurück. Vorher noch einige andre Bemerkungen.

__________

Man hat bei Betrachtung des Umschlags gesehn, daß, unter sonst gleichbleibenden Umständen, mit dem Wechsel in der Größe der Umschlagsperioden wechselnde Massen Geldkapital nötig sind, um die Produktion <340> auf derselben Stufenleiter auszuführen. Die Elastizität der Geldzirkulation muß also groß genug sein, um sich diesem Wechsel von Ausdehnung und Zusammenziehung anzupassen.

Nimmt man ferner sonst gleichbleibende Umstände an - auch unveränderte Größe, Intensität und Produktivität des Arbeitstags -, aber veränderte Teilung des Wertprodukts zwischen Arbeitslohn und Mehrwert, so daß entweder der erstre steigt und der letztre fällt, oder umgekehrt, so wird dadurch die Masse des umlaufenden Gelds nicht berührt. Dieser Wechsel kann vorgehn ohne irgendwelche Expansion oder Kontraktion der im Umlauf befindlichen Geldmasse. Betrachten wir namentlich den Fall, wo der Arbeitslohn allgemein stiege und daher - unter den vorausgesetzten Bedingungen - die Rate des Mehrwerts allgemein fiele, außerdem, ebenfalls nach Unterstellung, kein Wechsel im Wert der zirkulierenden Warenmasse stattfinde. In diesem Fall wächst allerdings das Geldkapital, das als variables Kapital vorgeschossen werden muß, also die Geldmasse, die in dieser Funktion dient. Aber um gerade soviel, wie die zur Funktion von variablem Kapital erforderliche Geldmasse wächst, um gerade soviel nimmt der Mehrwert ab, also auch die zu seiner Realisierung nötige Geldmasse. Die Summe der zur Realisierung des Warenwerts nötigen Geldmasse wird davon ebensowenig berührt wie dieser Warenwert selbst. Der Kostenpreis der Ware steigt für den einzelnen Kapitalisten, aber ihr gesellschaftlicher Produktionspreis bleibt unverändert. Was verändert wird, ist das Verhältnis, worin, abgesehn vom konstanten Wertteil, der Produktionspreis der Waren sich in Arbeitslohn und Profit teilt.

Aber, sagt man, größre Auslage von variablem Geldkapital (der Wert des Gelds ist natürlich als gleichbleibend vorausgesetzt) heißt soviel als größre Masse von Geldmitteln in der Hand der Arbeiter. Hieraus folgt größre Nachfrage nach Waren von seiten der Arbeiter. Weitre Folge ist Steigen im Preis der Waren. - Oder man sagt: Steigt der Arbeitslohn, so erhöhn die Kapitalisten die Preise ihrer Ware. - In beiden Fällen verursacht das allgemeine Steigen des Arbeitslohns Steigen der Warenpreise. Daher muß eine größre Geldmasse nötig sein, um die Waren zu zirkulieren, ob man das Steigen der Preise nun in der einen oder andren Weise erklärt.

Antwort auf die erste Fassung: Infolge steigenden Arbeitslohns wird namentlich die Nachfrage der Arbeiter nach notwendigen Lebensmitteln wachsen. In einem geringren Grad wird ihre Nachfrage nach Luxusartikeln zunehmen oder sich Nachfrage einstellen für Artikel, die früher nicht in den Bereich ihrer Konsumtion fielen. Die plötzliche und auf größrer Stufenleiter gesteigerte Nachfrage nach notwendigen Lebensmitteln wird un- <341> bedingt momentan ihren Preis steigern. Folge davon: Ein größrer Teil des gesellschaftlichen Kapitals wird in Produktion von notwendigen Lebensmitteln, ein geringrer in der Produktion von Luxusmitteln verwandt, da letztre im Preise fallen, wegen des verminderten Mehrwerts und daher der verminderten Nachfrage der Kapitalisten für dieselben. Soweit die Arbeiter dagegen selbst Luxusmittel kaufen, wirkt die Erhöhung ihres Lohns - innerhalb dieses Umfangs - nicht auf Steigerung des Preises von notwendigen Lebensmitteln, sondern deplaciert nur die Käufer von Luxuswaren. Mehr Luxuswaren als bisher gehn ein in den Konsum der Arbeiter und verhältnismäßig weniger in den Konsum der Kapitalisten. Voilà tout. <Das ist alles.> Nach einigen Oszillationen zirkuliert eine Warenmasse vom selben Wert wie vorher. - Was die momentanen Oszillationen betrifft, so werden sie kein andres Resultat haben, als unbeschäftigtes Geldkapital in die inländische Zirkulation zu werfen, das bisher in spekulativen Unternehmungen an der Börse oder im Auslande Beschäftigung suchte.

Antwort auf die zweite Fassung: Wenn es in der Hand der kapitalistischen Produzenten stände, beliebig die Preise ihrer Waren zu erhöhn, so könnten und würden sie das tun auch ohne Steigen des Arbeitslohns. Der Arbeitslohn würde nie steigen bei sinkenden Warenpreisen. Die Kapitalistenklasse würde sich nie den Trade-Unions widersetzen, da sie stets und unter allen Umständen tun könnte, was sie jetzt ausnahmsweis unter bestimmten, besondren, sozusagen lokalen Umständen, wirklich tut - nämlich jede Erhöhung des Arbeitslohns benutzen, um die Warenpreise in viel höherem Grade zu erhöhn, also größern Profit einzustecken.

Die Behauptung, daß die Kapitalisten die Preise der Luxusmittel erhöhen können, weil die Nachfrage danach abnimmt (infolge der verminderten Nachfrage der Kapitalisten, deren Kaufmittel dafür abgenommen haben), wäre eine ganz originelle Anwendung des Gesetzes von Nachfrage und Angebot. Soweit nicht bloß Deplacement der Käufer dafür eintritt, Arbeiter statt Kapitalisten - und soweit dies Deplacement stattfindet, wirkt die Nachfrage der Arbeiter nicht auf Preissteigerung der notwendigen Lebensmittel, denn den Teil des Lohnzuschusses, den die Arbeiter für Luxusmittel verausgaben, können sie nicht für notwendige Lebensmittel verausgaben -, fallen die Preise der Luxusmittel infolge der verminderten Nachfrage. Infolgedessen wird Kapital aus ihrer Produktion zurückgezogen, bis ihre Zufuhr auf das Maß reduziert ist, das ihrer veränderten Rolle im gesellschaftlichen Produktionsprozeß entspricht. Mit dieser verringerten <342> Produktion steigen sie, bei sonst unverändertem Wert, wieder auf ihre normalen Preise. Solange diese Kontraktion oder dieser Ausgleichungsprozeß stattfindet, wird ebenso beständig, bei steigenden Preisen der Lebensmittel, der Produktion dieser letztern ebensoviel Kapital zugeführt, als dem andren Zweig der Produktion entzogen wird, bis die Nachfrage gesättigt ist. Dann tritt wieder Gleichgewicht ein, und das Ende des ganzen Prozesses ist, daß das gesellschaftliche Kapital, und daher auch das Geldkapital, zwischen der Produktion von notwendigen Lebensmitteln und der von Luxusmitteln in veränderter Proportion geteilt ist.

Der ganze Einwurf ist ein Schreckschuß der Kapitalisten und ihrer ökonomischen Sykophanten.

Die Tatsachen, die den Vorwand zu diesem Schreckschuß liefern, sind dreierlei Art.

1. Es ist ein allgemeines Gesetz der Geldzirkulation, daß, wenn die Preissumme der zirkulierenden Waren steigt - ob diese Vermehrung der Preissumme nun für dieselbe Warenmasse oder für eine vergrößerte stattfindet -, bei sonst gleichbleibenden Umständen die Masse des zirkulierenden Geldes wächst. Es wird nun die Wirkung mit der Ursache verwechselt. Der Arbeitslohn steigt (wenn auch selten und nur ausnahmsweis verhältnismäßig) mit dem steigenden Preis der notwendigen Lebensmittel. Sein Steigen ist Folge, nicht Ursache des Steigens der Warenpreise.

2. Bei einem partiellen oder lokalen Steigen des Arbeitslohns - d.h. Steigen in nur einzelnen Produktionszweigen - kann dadurch eine lokale Preissteigerung der Produkte dieser Zweige erfolgen. Aber selbst dies hängt von vielen Umständen ab. Z.B. daß der Arbeitslohn hier nicht abnorm gedrückt und daher die Profitrate nicht abnorm hoch war, daß der Markt für diese Waren sich nicht verengt durch die Preissteigerung (also für ihre Preissteigerung nicht vorherige Kontraktion ihrer Zufuhr nötig ist) etc.

3. Bei allgemeiner Erhöhung des Arbeitslohns steigt der Preis der produzierten Waren in Industriezweigen, wo das variable Kapital vorherrscht, fällt dafür aber in solchen, wo das konstante resp. fixe Kapital vorherrscht.

__________

Es zeigte sich bei der einfachen Warenzirkulation (Buch I, Kap. III, 2), daß, wenn auch innerhalb der Zirkulation jedes bestimmten Warenquantums seine Geldform nur verschwindend ist, doch das bei der Metamorphose einer Ware in der Hand des einen verschwindende Geld notwendig seinen Platz in der eines andern nimmt, also nicht nur in erster Instanz Waren <343> allseitig ausgetauscht werden oder sich ersetzen, sondern auch dieser Ersatz vermittelt und begleitet ist von allseitigem Niederschlag von Geld. "Der Ersatz von Ware durch Ware läßt zugleich an dritter Hand die Geldware hängen. Die Zirkulation schwitzt beständig Geld aus." (Buch I, S. 92. <Siehe Band 23; S. 127>) Dasselbe identische Faktum drückt sich auf Grundlage der kapitalistischen Warenproduktion so aus, daß beständig ein Teil des Kapitals in der Form von Geldkapital existiert und beständig ein Teil des Mehrwerts sich ebenfalls in Geldform in den Händen seiner Besitzer befindet.

Hiervon abgesehn, ist der Kreislauf des Geldes - d.h. der Rückfluß des Geldes zu seinem Ausgangspunkt -, soweit er ein Moment des Umschlags des Kapitals bildet, ein ganz verschiednes, ja selbst entgegengesetztes Phänomen zum Umlauf des Geldes (33), der seine stete Entfernung vom Ausgangspunkt durch eine Reihe von Händen ausdrückt. (Buch I, S. 94. <Siehe Band 23, S. 128/129>) Dennoch schließt beschleunigter Umschlag eo ipso beschleunigten Umlauf ein.

Zunächst was das variable Kapital angeht: Schlägt z.B. ein Geldkapital von 500 Pfd.St. in der Form von variablem Kapital zehnmal im Jahr um, so ist klar, daß dieser aliquote Teil der zirkulierenden Geldmasse seine zehnfache Wertsumme = 5.000 Pfd.St. zirkuliert. Es läuft zehnmal im Jahr um zwischen Kapitalist und Arbeiter. Der Arbeiter wird bezahlt und zahlt zehnmal im Jahr mit demselben aliquoten Teil der zirkulierenden Geld- <344> masse. Schlüge bei gleicher Stufenleiter der Produktion dies variable Kapital einmal im Jahr um, so fände nur einmaliger Umlauf von 5.000 Pfd.St. statt.

Ferner: Der konstante Teil des zirkulierenden Kapitals sei = 1.000 Pfd.St. Schlägt das Kapital zehnmal um, so verkauft der Kapitalist zehnmal im Jahr seine Ware, also auch den konstanten zirkulierenden Teil ihres Werts. Derselbe aliquote Teil der zirkulierenden Geldmasse (= 1.000 Pfd.St.) geht zehnmal im Jahr aus der Hand seiner Besitzer in die des Kapitalisten über. Dies sind zehn Stellenwechsel dieses Geldes aus einer Hand in die andre.

Zweitens: Der Kapitalist kauft zehnmal im Jahr Produktionsmittel; dies sind wieder zehn Umläufe des Gelds aus einer Hand in die andre. Mit Geld zum Betrag von 1.000 Pfd.St. ist Ware für 10.000 Pfd.St. vom industriellen Kapitalisten verkauft und wieder Ware für 10.000 Pfd.St. eingekauft. Durch zwanzigmaligen Umlauf der 1.000 Pfd.St. Geld ist ein Warenvorrat von 20.000 Pfd.St. zirkuliert.

Endlich läuft bei beschleunigtem Umschlag auch der Geldteil rascher um der den Mehrwert realisiert.

Dagegen schließt nicht umgekehrt ein raschrer Geldumlauf notwendig einen raschren Kapitalumschlag und daher auch Geldumschlag ein, d.h. nicht notwendig Verkürzung und raschre Erneuerung des Reproduktionsprozesses.

Raschrer Geldumlauf findet jedesmal statt, sobald eine größre Masse Transaktionen mit derselben Geldmasse vollzogen werden. Dies kann auch bei gleichen Reproduktionsperioden des Kapitals der Fall sein, infolge veränderter technischer Veranstaltungen für den Geldumlauf. Ferner: Es kann sich die Masse von Transaktionen vermehren, in denen Geld umläuft, ohne wirklichen Warenumsatz auszudrücken (Differenzgeschäfte an der Börse usw.). Andrerseits können Geldumläufe ganz wegfallen. Z.B. wo der Landwirt selbst Grundbesitzer ist, findet kein Geldumlauf statt zwischen dem Pächter und Grundbesitzer; wo der industrielle Kapitalist selbst Eigentümer des Kapitals, findet kein Umlauf statt zwischen ihm und dem Kreditgeber.

__________

Was die ursprüngliche Bildung eines Geldschatzes in einem Lande betrifft, sowie die Aneignung desselben durch wenige, so ist es unnötig, hier weiter darauf einzugehn.

Die kapitalistische Produktionsweise - wie ihre Basis die Lohnarbeit ist, so auch die Zahlung des Arbeiters in Geld und überhaupt die Verwandlung <345> von Naturalleistungen in Geldleistungen - kann sich erst in größerm Umfang und tiefrer Durchbildung dort entwickeln, wo im Lande eine Geldmasse, hinreichend für die Zirkulation und die durch sie bedingte Schatzbildung (Reservefonds etc.) vorhanden ist. Dies ist historische Voraussetzung, obgleich die Sache nicht so zu verstehn, daß erst eine hinreichende Schatzmasse gebildet wird und dann die kapitalistische Produktion beginnt. Sondern sie entwickelt sich gleichzeitig mit der Entwicklung ihrer Bedingungen, und eine dieser Bedingungen ist eine genügende Zufuhr von edlen Metallen. Daher die vermehrte Zufuhr der edlen Metalle seit dem 16. Jahrhundert ein wesentliches Moment in der Entwicklungsgeschichte der kapitalistischen Produktion bildet. Soweit es sich aber um die nötige weitere Zufuhr von Geldmaterial auf der Basis der kapitalistischen Produktionsweise handelt, so wird auf der einen Seite Mehrwert in Produkt in die Zirkulation geworfen ohne das zu seiner Versilbrung nötige Geld und auf der andren Seite Mehrwert in Gold ohne vorherige Verwandlung von Produkt in Geld.

Die zuschüssigen Waren, die sich in Geld zu verwandeln haben, finden die nötige Geldsumme vor, weil auf der andren Seite, nicht durch den Austausch, sondern durch die Produktion selbst zuschüssiges Gold (und Silber) in die Zirkulation geworfen wird, das sich in Waren zu verwandeln hat.

'

II. Akkumulation und erweiterte Reproduktion

Soweit die Akkumulation in der Form von Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter stattfindet, ist es klar, daß sie kein neues Problem mit Bezug auf die Geldzirkulation bietet.

Was zunächst das zuschüssige Geldkapital betrifft, erheischt zur Funktion des wachsenden produktiven Kapitals, so wird es geliefert durch den Teil des realisierten Mehrwerts, der als Geldkapital, statt als Geldform der Revenue, von den Kapitalisten in Zirkulation geworfen wird. Das Geld ist bereits in der Hand der Kapitalisten. Bloß seine Anwendung ist verschieden.

Nun wird aber infolge des zuschüssigen produktiven Kapitals, als sein Produkt, eine zuschüssige Warenmasse in Zirkulation geworfen. Mit dieser zuschüssigen Warenmasse wurde zugleich ein Teil des zu ihrer Realisation nötigen zuschüssigen Gelds in Zirkulation geworfen, soweit nämlich der Wert dieser Warenmasse gleich ist dem Wert des in ihrer Produktion verzehrten produktiven Kapitals. Diese zuschüssige Geldmasse ist gerade als zuschüssiges Geldkapital vorgeschossen worden und fließt daher zum Kapitalisten zurück durch den Umschlag seines Kapitals. Hier tritt wieder <346> dieselbe Frage auf wie oben. Wo kommt das zuschüssige Geld her, um den jetzt in Warenform vorhandnen zuschüssigen Mehrwert zu realisieren?

Die allgemeine Antwort ist wieder dieselbe. Die Preissumme der zirkulierenden Warenmasse ist vermehrt, nicht, weil die Preise einer gegebnen Warenmasse gestiegen, sondern, weil die Masse der jetzt zirkulierenden Waren größer ist als die der früher zirkulierenden Waren, ohne daß dies durch einen Fall der Preise ausgeglichen wäre. Das zur Zirkulation dieser größern Warenmasse von größrem Wert erforderte zuschüssige Geld muß beschafft werden entweder durch erhöhte Ökonomisierung der zirkulierenden Geldmasse - sei es durch Ausgleichung der Zahlungen etc., sei es durch Mittel, welche den Umlauf derselben Geldstücke beschleunigen - oder aber durch Verwandlung von Geld aus der Schatzform in die zirkulierende Form. Letztres schließt nicht nur ein, daß brachliegendes Geldkapital in Funktion tritt als Kauf- oder Zahlungsmittel; oder auch, daß bereits als Reservefonds fungierendes Geldkapital, während es seinem Eigner die Funktion des Reservefonds vollzieht, für die Gesellschaft aktiv zirkuliert (wie bei Depositen in Banken, die beständig ausgeliehen werden), also doppelte Funktion vollzieht -, sondern auch, daß die stagnierenden Reservefonds von Münze ökonomisiert werden.

"Damit das Geld als Münze beständig fließt, muß die Münze beständig zu Geld gerinnen. Der beständige Umlauf der Münze ist bedingt durch ihre beständige Stockung in größern oder kleinern Portionen, in allseitig innerhalb der Zirkulation ebensowohl entspringenden als sie bedingenden Reservefonds von Münze, deren Bildung, Verteilung, Auflösung und Wiederbildung stets wechselt, deren Dasein beständig verschwindet, deren Verschwinden beständig da ist. A. Smith hat diese unaufhörliche Verwandlung der Münze in Geld und des Geldes in Münze so ausgedrückt, daß jeder Warenbesitzer neben der besondren Ware, die er verkauft, eine gewisse Summe der allgemeinen Ware, womit er kauft, stets vorrätig haben müsse. Wir sahen, daß in der Zirkulation W - G - W das zweite Glied G - W sich beständig in eine Reihe Käufe zersplittert, die sich nicht auf einmal, sondern sukzessiv in der Zeit vollziehn, so daß eine Portion von G als Münze umläuft, während die andre als Geld ruht. Das Geld ist hier in der Tat nur suspendierte Münze, und die einzelnen Bestandteile der umlaufenden Münzmasse erscheinen stets wechselnd, bald in der einen, bald in der andren Form. Diese erste Verwandlung des Zirkulationsmittels in Geld stellt daher ein nur technisches Moment des Geldumlaufs selbst dar." (Karl Marx, "Zur Kritik der Politischen Oekonomie", 1859, S. 105, 106. < Siehe Band 13, S. 104> - "Münze" im Ge- <347> gensatz zu Geld wird hier gebraucht zur Bezeichnung des Geldes in seiner Funktion als bloßes Zirkulationsmittel im Gegensatz zu seinen übrigen Funktionen.)

Soweit alle diese Mittel nicht hinreichen, muß zuschüssige Goldproduktion stattfinden, oder was auf dasselbe herauskommt, ein Teil des zuschüssigen Produkts wird gegen Gold - das Produkt der Länder der Edelmetallproduktion - direkt oder indirekt ausgetauscht.

Die ganze Summe der Arbeitskraft und der gesellschaftlichen Produktionsmittel, die in der jährlichen Produktion von Gold und Silber als Instrumenten der Zirkulation verausgabt wird, bildet einen schweren Posten der faux frais der kapitalistischen, überhaupt der auf Warenproduktion gegründeten Produktionsweise. Sie entzieht der gesellschaftlichen Ausnutzung eine entsprechende Summe möglicher, zuschüssiger Mittel der Produktion und Konsumtion, d.h. des wirklichen Reichtums. Soweit bei gleichbleibender gegebner Stufenleiter der Produktion oder bei gegebnem Grad ihrer Ausdehnung die Kosten dieser teuren Zirkulationsmaschinerie vermindert werden, soweit wird dadurch die Produktivkraft der gesellschaftlichen Arbeit gesteigert. Soweit also die mit dem Kreditwesen sich entwickelnden Aushilfsmittel diese Wirkung haben, vermehren sie direkt den kapitalistischen Reichtum, sei es, daß ein großer Teil des gesellschaftlichen Produktions- und Arbeitsprozesses dadurch ohne alle Intervention von wirklichem Geld vollzogen, sei es, daß die Funktionsfähigkeit der wirklich fungierenden Geldmasse gesteigert wird.

Es erledigt sich damit auch die abgeschmackte Frage, ob die kapitalistische Produktion in ihrem jetzigen Umfang ohne das Kreditwesen (selbst nur von diesem Standpunkt betrachtet) möglich wäre, d.h. mit bloß metallischer Zirkulation. Es ist dies offenbar nicht der Fall. Sie hätte vielmehr Schranken gefunden an dem Umfang der Edelmetallproduktion. Andrerseits muß man sich keine mystischen Vorstellungen machen über die produktive Kraft des Kreditwesens, soweit es Geldkapital zur Verfügung stellt oder flüssig macht. Die weitre Entwicklung hierüber gehört nicht hierher.

__________

Es ist nun der Fall zu betrachten, wo nicht wirkliche Akkumulation, d.h. unmittelbare Erweitrung der Produktionsleiter stattfindet, sondern ein Teil des realisierten Mehrwerts für längre oder kürzre Zeit als Geldreservefonds aufgehäuft wird, um später in produktives Kapital verwandelt zu werden.

'

<348> Soweit das sich so akkumulierende Geld zuschüssig, ist die Sache selbstverständlich. Es kann nur Teil des aus den Gold produzierenden Ländern zugeführten überschüssigen Goldes sein. Es ist dabei zu merken, daß das nationale Produkt, wogegen dies Gold eingeführt, nicht länger im Lande existiert. Es ist ins Ausland weggegeben gegen Gold.

Wird dagegen unterstellt, daß nach wie vor dieselbe Masse Geld im Land, so ist das aufgehäufte und sich aufhäufende Geld aus der Zirkulation hergeflossen; bloß seine Funktion ist verwandelt. Aus zirkulierendem Geld ist es in sich allmählich bildendes, latentes Geldkapital verwandelt.

Das Geld, das hier aufgehäuft wird, ist die Geldform von verkaufter Ware, und zwar von dem Teile ihres Werts, der für ihren Besitzer Mehrwert darstellt. (Das Kreditwesen wird hier als nicht existierend vorausgesetzt.) Der Kapitalist, der dies Geld aufgehäuft, hat pro tanto verkauft, ohne zu kaufen.

Stellt man sich diesen Vorgang partiell vor, so ist nichts daran zu erklären. Ein Teil der Kapitalisten behält einen Teil des aus dem Verkauf seines Produkts gelösten Geldes, ohne dafür Produkt dem Markt zu entziehn. Ein andrer Teil dagegen verwandelt, mit Ausnahme des beständig rekurrierenden, für den Produktionsbetrieb nötigen Geldkapitals, sein Geld ganz in Produkt. Ein Teil des als Träger von Mehrwert auf den Markt geworfnen Produkts besteht aus Produktionsmitteln oder aus den realen Elementen des variablen Kapitals, notwendigen Lebensmitteln. Es kann also sofort zur Erweiterung der Produktion dienen. Denn es ist keineswegs unterstellt, daß ein Teil der Kapitalisten Geldkapital aufhäuft, während der andre seinen Mehrwert ganz verzehrt, sondern nur, daß der eine Teil seine Akkumulation in Geldform vollzieht, latentes Geldkapital bildet, während der andre wirklich akkumuliert, d.h. die Produktionsleiter erweitert, sein produktives Kapital wirklich ausdehnt. Die vorhandne Geldmasse bleibt hinreichend für die Bedürfnisse der Zirkulation, selbst wenn abwechselnd ein Teil der Kapitalisten Geld aufhäuft, während der andre die Produktionsleiter erweitert, und umgekehrt. Die Geldaufhäufung auf der einen Seite kann zudem auch ohne bares Geld durch bloße Aufhäufung von Schuldforderungen vor sich gehn.

Aber die Schwierigkeit kommt dann, wenn wir nicht partielle, sondern allgemeine Akkumulation von Geldkapital in der Kapitalistenklasse voraussetzen. Außer dieser Klasse gibt es nach unsrer Unterstellung - allgemeine und ausschließliche Herrschaft der kapitalistischen Produktion - überhaupt keine andre Klasse als die Arbeiterklasse. Alles was die Arbeiterklasse kauft, ist gleich der Summe ihres Arbeitslohns, gleich der Summe des <349> von der gesamten Kapitalistenklasse vorgeschoßnen variablen Kapitals. Dies Geld strömt der letztren zurück durch den Verkauf ihres Produkts an die Arbeiterklasse. Ihr variables Kapital erhält dadurch wieder seine Geldform. Die Summe des variablen Kapitals sei = x * 100 Pfd.St., d.h. die Summe nicht des im Jahre vorgeschoßnen, sondern angewandten variablen Kapitals; mit wie viel oder wenig Geld, je nach Umschlagsgeschwindigkeit, dieser variable Kapitalwert während des Jahrs vorgeschossen wird, ändert an der letzt betrachteten Frage nichts. Mit diesen x * 100 Pfd.St. Kapital kauft die Kapitalistenklasse eine gewisse Masse Arbeitskraft, oder zahlt Lohn an eine gewisse Zahl Arbeiter - erste Transaktion. Die Arbeiter kaufen mit derselben Summe ein Quantum Waren von den Kapitalisten, damit fließt die Summe von x * 100 Pfd.St. in die Hände der Kapitalisten zurück - zweite Transaktion. Und dies wiederholt sich beständig. Die Summe von x * 100 Pfd.St. kann also nie die Arbeiterklasse befähigen, den Teil des Produkts zu kaufen, worin sich das konstante Kapital, geschweige den Teil, worin sich der Mehrwert der Kapitalistenklasse darstellt. Die Arbeiter können mit den x * 100 Pfd.St. immer nur einen Wertteil des gesellschaftlichen Produkts kaufen, der gleich ist dem Wertteil, worin sich der Wert des vorgeschoßnen variablen Kapitals darstellt.

Abgesehn von dem Fall, worin diese allseitige Geldakkumulation nichts ausdrückt als die Verteilung des zuschüssig eingeführten Edelmetalls, in welcher Proportion immer, unter die verschiednen einzelnen Kapitalisten, - wie soll da also die gesamte Kapitalistenklasse Geld akkumulieren?

Sie müßten alle einen Teil ihres Produkts verkaufen, ohne wieder zu kaufen. Daß sie alle einen bestimmten Geldfonds besitzen, den sie als Zirkulationsmittel für ihre Konsumtion in Zirkulation werfen, und wovon jedem wieder ein gewisser Teil aus der Zirkulation zurückfließt, ist durchaus nichts Mysteriöses. Aber dieser Geldfonds besteht dann gerade als Zirkulationsfonds durch die Versilberung des Mehrwerts, keineswegs aber als latentes Geldkapital.

Betrachtet man die Sache, wie sie sich in der Wirklichkeit ereignet, so besteht das latente Geldkapital, das zu spätrem Gebrauch aufgehäuft wird:

1. Aus Depositen in Banken; und es ist eine verhältnismäßig geringe Geldsumme, worüber die Bank wirklich verfügt. Es ist hier nur nominell Geldkapital aufgehäuft. Was wirklich aufgehäuft ist, sind Geldfordrungen, die nur deswegen versilberbar sind (soweit sie je versilbert werden), weil ein Gleichgewicht zwischen dem zurückgeforderten und dem eingelegten Geld stattfindet. Was sich als Geld in den Händen der Bank befindet, ist relativ nur eine kleine Summe.

'

<350> 2. Aus Staatspapieren. Diese sind überhaupt kein Kapital, sondern bloße Schuldforderungen auf das jährliche Produkt der Nation.

3. Aus Aktien. Soweit kein Schwindel, sind sie Besitztitel auf einer Korporation gehöriges wirkliches Kapital und Anweisung auf den daraus jährlich fließenden Mehrwert.

In allen diesen Fällen besteht keine Aufhäufung von Geld, sondern, was auf der einen Seite als Aufhäufung von Geldkapital, erscheint auf der andren als beständige, wirkliche Verausgabung von Geld. Ob das Geld von dem verausgabt wird, dem es gehört, oder von andren, seinen Schuldnern, ändert nichts an der Sache.

Auf Grundlage der kapitalistischen Produktion ist die Schatzbildung als solche nie Zweck, sondern Resultat entweder einer Stockung der Zirkulation - indem größre Geldmassen als gewöhnlich die Schatzform annehmen - oder der durch den Umschlag bedingten Anhäufungen, oder endlich: der Schatz ist nur Bildung von Geldkapital, einstweilen in latenter Form, bestimmt, als produktives Kapital zu fungieren.

Wenn daher auf der einen Seite ein Teil des in Geld realisierten Mehrwerts der Zirkulation entzogen und als Schatz aufgehäuft wird, so wird gleichzeitig beständig ein andrer Teil des Mehrwerts in produktives Kapital verwandelt. Mit Ausnahme der Verteilung zuschüssigen Edelmetalls unter die Kapitalistenklasse findet die Aufhäufung in Geldform nie gleichzeitig an allen Punkten statt.

Von dem Teil des jährlichen Produkts, der Mehrwert in Warenform darstellt, gilt ganz dasselbe, was von dem andren Teil des jährlichen Produkts. Zu seiner Zirkulation ist eine gewisse Geldsumme erheischt. Diese Geldsumme gehört ebensowohl der Kapitalistenklasse wie die jährlich produzierte Warenmasse, die Mehrwert darstellt. Sie wird ursprünglich von der Kapitalistenklasse selbst in Zirkulation geworfen. Sie verteilt sich beständig von neuem unter sie durch die Zirkulation selbst. Wie bei der Zirkulation der Münze überhaupt, stockt ein Teil dieser Masse an beständig wechselnden Punkten, während ein andrer Teil beständig zirkuliert. Ob ein Teil dieser Anhäufung absichtlich ist, um Geldkapital zu bilden, ändert an der Sache nichts.

Es ist hier abgesehn worden von den Abenteuern der Zirkulation, wodurch ein Kapitalist ein Stück vom Mehrwert und selbst vom Kapital des andern an sich reißt und daher eine einseitige Akkumulation und Zentralisation sowohl für Geldkapital wie produktives Kapital eintritt. So kann z.B. Teil des erbeuteten Mehrwerts, den A als Geldkapital aufhäuft, ein Stück vom Mehrwert des B sein, das nicht zu ihm zurückfließt.



Fußnoten

(33) Wenn die Physiokraten noch beide Phänomene durcheinanderwerfen, so sind sie doch die ersten, die den Rückfluß des Geldes zu seinem Ausgangspunkt als wesentliche Form der Zirkulation des Kapitals, als Form der die Reproduktion vermittelnden Zirkulation hervorheben. "Seht euch das 'Tableau ´Rconomique' an, ihr werdet sehen, daß die produktive Klasse das Geld gibt, mit dem die andren Klassen Produkte von ihr kaufen, und daß sie ihr dies Geld zurückgehen, indem sie im folgenden Jahr wieder die gleichen Käufe bei ihr machen ... Ihr seht hier also keinen andren Kreislauf als den der Ausgaben, denen die Reproduktion folgt, und der Reproduktion, der die Ausgaben folgen; ein Kreis, der durch die Zirkulation des Geldes, das die Ausgaben und die Reproduktion mißt, durchlaufen wird." (Quesnay, "Dialogues sur le Commerce et sur les Travaux des Artisans" <1. und 2. Auflage: "Problèmes économiques">, in Daire, "Physiocr.", I, p. 208, 209.) "Dieser ständige Vorschuß und Rückfluß der Kapitale bildet das, was man die Geldzirkulation nennen muß, diese nützliche und fruchtbare Zirkulation, die alle Arbeiten der Gesellschaft belebt, die die Bewegung und das Leben im politischen Körper erhält und die man mit vollem Recht mit der Blutzirkulation im tierischen Körper vergleicht." Turgot, "Réflexions etc.", "Oeuvres", éd. Daire, I, p. 45.) <=