Josef Stalin: Heute sind Wahlen
"Stalin"
Werke
Band 2
HEUTE SIND WAHLEN
Heute finden die Wahlen in Petersburg statt. Die Wahlen in der zweiten Kurie. Es kämpfen zwei Lager: Sozialdemokraten und Kadetten. Die Wähler müssen entscheiden, wem sie das Schicksal des Landes anvertrauen wollen.
Was wollen die Sozialdemokraten?
Was wollen die Kadetten?
Die Sozialdemokraten streben als Vertreter der Arbeiterklasse nach der Befreiung der Menschheit von jeder Ausbeutung.
Die Kadetten aber bauen als Vertreter der liberalen Bourgeoisie ihre Zukunft auf der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen auf, zwar einer etwas gesäuberten Ausbeutung, aber immerhin einer Ausbeutung.
Die Sozialdemokraten sind der Meinung, dass die Frage der Erneuerung des Landes ungelöst geblieben ist, dass sie gelöst werden muss - durch die Bemühungen des Landes selbst gelöst werden muss.
Die Kadetten dagegen meinen, Redereien über eine Erneuerung seien überflüssig, da "wir Gott sei Dank eine Verfassung haben"...
Die Sozialdemokraten sind der Meinung, dass Rußland sich auf dem Wege zur Erneuerung des Landes in zwei Rußlands geteilt hat: das alte, offizielle und das neue, kommende.
Die Kadetten dagegen meinen, dass nach der "Gewährung einer Verfassung" "eine solche Gegenüberstellung" von zwei Rußlands "nunmehr unmöglich" sei, denn "Rußland ist eins".
Es gibt nur eine Schlussfolgerung: Das konstitutionelle Ideal der Kadetten ist bereits verwirklicht. Der Rahmen der Bestimmungen vom 3. Juni engt sie nicht ein.
Hören wir z. B., was Miljukow im Jahre 1909 auf einem Bankett in London erklärte, wo gemeinsam mit ihm der Oktobrist Gutschkow und der "gemäßigte" Schwarzhunderter Bobrinski Rußland "vertraten":
"Sie sehen Menschen von überaus verschiedener Schattierung der politischen Überzeugungen vor sich, aber diese Unterschiede, die einander ergänzen, repräsentieren unser großes Ideal eines konstitutionellen Rußlands" (siehe das Buch I. Jefremows "Die russischen Volksvertreter" usw., S.81).
Also der Schwarzhunderter Bobrinski, der den Kadetten Miljukow im Interesse... "der Volksfreiheit" "ergänzt" - das ist, wie man erfährt, das "große Ideal" der Kadetten.
Auf dem Londoner Bankett gab es keinen einzigen Vertreter der Arbeiter, keinen einzigen Vertreter der Bauern, aber die "großen Ideale" der Kadetten kommen, wie man erfährt, ohne die Arbeiter, ohne die Bauern aus.
Die Verfassung der Bobrinskis, Gutschkows und Miljukows ohne Vertreter der Arbeiter, ohne Vertreter der Bauern - da sind sie, die "Ideale" der Kadetten!
Soll man sich hiernach darüber wundern, dass die Kadetten in der dritten Duma: 1. für das volksfeindliche Budget, 2. für indirekte Steuern, 3. für Geldbewilligungen für Gefängnisse usw. gestimmt haben?
Soll man sich hiernach darüber wundern, dass sich die Kadetten gegen die Forderungen der Arbeiter, der Bauern und der gesamten Demokratie aussprechen?
Soll man sich hiernach darüber wundern, dass die Kadetten durch den Mund Maklakows "mehr Energie, Strenge und Härte" gegenüber der Studentenbewegung verlangt und in der "Retsch" den friedlichen Streik der Lena-Arbeiter als "spontane Rebellion" verunglimpft haben?
Nein, dies ist keine Partei der "Volksfreiheit", sondern eine Partei der Verräter der "Volksfreiheit".
Solche Leute sind nur dazu fähig, mit der Bürokratie hinter dem Rücken des Volkes zu schachern. "Verhandlungen" mit Witte, Stolypin und Trepow sowie jetzt mit Sasonow sind durchaus kein Zufall.
Solche Leute sind nur dazu fähig, im Bunde mit den Schwarzen bei den Wahlen in Charkow, Kostroma, Jekaterinodar und Riga die Sozialdemokraten zum Durchfallen zu bringen.
Solchen Leuten das Schicksal des Landes anzuvertrauen ist dasselbe, wie das Land den Feinden zum blutigen Hohn zu überlassen.
Wir geben unserer Zuversicht Ausdruck, dass Wähler mit Selbstachtung ihre Ehre nicht mit dem Schicksal der Kadetten verbinden werden.
Mögen heute die Kadetten für ihre schweren Sünden gegen das russische Volk die gebührende Strafe davontragen!
Arbeiter-Wähler! Stimmt für die Vertreter eurer Interessen, für die Sozialdemokraten!
Handlungsgehilfen-Wähler! Stimmt nicht für die Kadetten, die die Interessen eurer Erholungszeit missachtet haben - stimmt für die Sozialdemokraten, die einzigen konsequenten Verteidiger eurer Interessen!
Polnische Wähler! Ihr erstrebt das Recht freier nationaler Entwicklung - denkt daran, dass die Freiheit der Nationalitäten ohne die allgemeine Freiheit undenkbar ist und dass die Kadetten die Freiheit verraten!
Jüdische Wähler! Ihr erstrebt die Gleichberechtigung der Juden, denkt aber daran, dass die Miljukows, die mit den Bobrinskis Küsse tauschen, und die Kadetten, die mit den Rechten einen Block bilden, nicht nach der Gleichberechtigung streben werden!
Für die Verräter der Volksfreiheit oder für ihre Verteidiger, für die Kadetten oder für die Sozialdemokraten - Bürger, trefft eure Wahl!
"Prawda" Nr. 152, 25. Oktober 1912. Unterschrift: K. St. Nach dem russischen Zeitungstext.
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"Stalin"
Werke
Band 3
HEUTE SIND WAHLEN
Heute finden die Wahlen zur Petrograder Stadtduma statt. Ihr Ausgang hängt von euch ab, Genossen Arbeiter und Genossen Soldaten. Es sind allgemeine und gleiche Wahlen. Die Stimme eines jeden Soldaten, eines jeden Arbeiters, einer jeden Arbeiterin gilt ebensoviel wie die eines Kapitalisten, eines Hausbesitzers, eines Professors oder eines Beamten. Auf euch und auf euch allein, Genossen, fällt die Schuld, wenn ihr von diesem Recht keinen Gebrauch zu machen versteht.
Ihr habt es verstanden, auf den Straßen gegen die zaristischen Polizeibüttel zu kämpfen - versteht es auch jetzt, für eure Interessen zu kämpfen, indem ihr eure Stimme für unsere Partei abgebt.
Ihr habt es verstanden, eure Rechte gegen die Konterrevolution zu behaupten - versteht es auch jetzt, ihr bei den heutigen Wahlen das Vertrauen zu verweigern!
Ihr habt es verstanden, den Verrätern der Revolution die Maske herunterzureißen - versteht es auch jetzt, ihnen zuzurufen: "Hände weg!"
Vor euch tritt vor allem die Partei Miljukows, die Partei der Volksfreiheit, auf. Diese Partei verteidigt die Interessen der Gutsbesitzer und der Kapitalisten. Diese Partei ist gegen die Arbeiter, Bauern und Soldaten, denn sie ist gegen die Arbeiterkontrolle in der Industrie, gegen die Übergabe der Ländereien der Gutsbesitzer an die Bauern, für die Todesstrafe gegen Soldaten an der Front. Sie, die Partei der Kadetten, war es, die schon Anfang Juni die sofortige Offensive an der Front verlangte, die unser Land hunderttausende Menschenleben gekostet hat. Sie, die Partei der Kadetten, war es, die den Triumph der Konterrevolution, die Gewaltmaßnahmen gegen die Arbeiter, Soldaten und Matrosen anstrebte und schließlich durchgesetzt hat. Für die Partei Miljukows stimmen heißt an sich selbst, an seiner Frau und seinen Kindern, an seinen Brüdern im Hinterland und an der Front Verrat üben.
Genossen! Keine einzige Stimme für die Partei der Volksfreiheit!
Vor euch treten ferner die "Vaterlandsverteidiger", die Parteien der Menschewiki und Sozialrevolutionäre, auf. Diese Parteien verteidigen die Interessen der begüterten kleineren Unternehmer in Stadt und Land. Darum finden sie sich jedes Mal, wenn der Klassenkampf einen entscheidenden Charakter annimmt, in ein und demselben Lager mit den Gutsbesitzern und Kapitalisten gegen die Arbeiter, Bauern und Soldaten. So war es in den Julitagen, als die Parteien der Menschewiki und der Sozialrevolutionäre im Bunde mit der Bourgeoisie die Arbeiter und Soldaten entwaffneten und über sie herfielen. So war es in den Tagen der Moskauer Beratung, als diese Parteien im Bunde mit der Bourgeoisie die Gewaltmaßnahmen und die Todesstrafe gegen Arbeiter und Frontsoldaten bestätigten.
Wenn die Konterrevolution einen Sieg errungen hat, so unter anderem deshalb, weil die Parteien der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki ihr halfen, die Revolution zu drosseln, indem sie einen Pakt mit den Gutsbesitzern und Kapitalisten schlossen.
Wenn die Konterrevolution jetzt erstarkt, so unter anderem deshalb, weil die Parteien der Sozialrevolutionäre und der Menschewiki sie gegen den Volkszorn decken, indem sie unter der Flagge der Revolution ihre Gebote ausführen.
Für diese Parteien stimmen heißt für das Bündnis mit der Konterrevolution gegen die Arbeiter und armen Bauern stimmen.
Für diese Parteien stimmen heißt für die Billigung der Verhaftungen im Hinterland und der Todesstrafe an der Front stimmen.
Genossen! Keine einzige Stimme für die "Vaterlandsverteidiger", die Menschewiki, die Sozialrevolutionäre!
Vor euch tritt schließlich die Gruppe der "Nowaja Shisn", Liste 12, auf. Diese Gruppe bringt die Stimmungen entwurzelter Intellektueller die jede Beziehung zum Leben und zur Bewegung verloren haben, zum Ausdruck. Deshalb pendelt sie dauernd hin und her zwischen Revolution und Konterrevolution, zwischen Krieg und Frieden, zwischen Arbeitern und Kapitalisten, zwischen Gutsherren und Bauern.
Einerseits ist sie für die Arbeiter, anderseits will sie auch mit den Kapitalisten nicht brechen - deshalb rückt sie so schmählich von der Julidemonstration der Arbeiter und Soldaten ab.
Einerseits ist sie für die Bauern, anderseits möchte sie auch mit den Gutsbesitzern nicht brechen - deshalb ist sie gegen die sofortige Übergabe des gutsherrlichen Bodens an die Bauern und tritt dafür ein, die Konstituierende Versammlung abzuwarten, deren Einberufung vielleicht auf immer verschoben worden ist.
In Worten ist die Gruppe der "Nowaja Shisn" für den Frieden, in der Tat aber ist sie gegen den Frieden, denn sie fordert auf zur Unterstützung der "Freiheitsanleihe", die den imperialistischen Krieg verlängern soll.
Wer aber die "Freiheitsanleihe" unterstützt, der trägt dazu bei, den Krieg in die Länge zu ziehen, der hilft den Imperialisten, der kämpft in der Tat gegen den Internationalismus.
In Worten ist die Gruppe der "Nowaja Shisn" gegen Repressalien und Gefängnisse, in der Tat ist sie aber für Repressalien und Gefängnisse, denn sie ist ein Bündnis mit den "Vaterlandsverteidigern" eingegangen, die sich sowohl für die Repressalien als auch für die Gefängnisse einsetzen.
Wer aber ein Bündnis mit den "Vaterlandsverteidigern" eingeht, der hilft der Konterrevolution, der kämpft in der Tat gegen die Revolution!
Lernt es, Genossen, die Menschen an ihren Taten und nicht an ihren Worten zu erkennen!
Lernt es, die Parteien und Gruppen nach ihren Handlungen und nicht nach ihren Verheißungen zu beurteilen.
Wenn die Gruppe der "Nowaja Shisn" vorschlägt, für den Frieden zu kämpfen, gleichzeitig aber dazu auffordert, die "Freiheitsanleihe" zu unterstützen, so wisset, dass dies Wasser auf die Mühle der Imperialisten ist.
Wenn die Gruppe der "Nowaja Shisn" manchmal mit den Bolschewiki liebäugelt, gleichzeitig aber die "Vaterlandsverteidiger" unterstützt, so wisset, dass dies Wasser auf die Mühle der Konterrevolution ist.
Für diese zwiespältige Gruppe stimmen, für die Liste 12 stimmen heißt in den Dienst der "Vaterlandsverteidiger" treten, die ihrerseits der Konterrevolution dienen.
Genossen! Keine einzige Stimme für die Gruppe der "Nowaja Shisn"!
Unsere Partei ist die Partei der Arbeiter in Stadt und Land, die Partei der armen Bauern, die Partei der Unterdrückten und Ausgebeuteten.
Alle bürgerlichen Parteien, alle bürgerlichen Zeitungen, alle schwankenden Gruppen, alle Gruppen, die nichts Halbes und nichts Ganzes sind, hassen und verleumden unsere Partei.
Aus welchen Gründen?
Aus folgenden Gründen:
Nur unsere Partei ist für den revolutionären Kampf gegen die Gutsbesitzer und Kapitalisten.
Nur unsere Partei ist für den sofortigen Übergang der Ländereien der Gutsbesitzer in die Hände der Bauernkomitees.
Nur unsere Partei setzt sich gegen alle Kapitalisten für die Arbeiterkontrolle in der Industrie ein.
Nur unsere Partei setzt sich gegen die Spekulanten und Marodeure für die demokratische Organisierung des Austauschs zwischen Stadt und Land ein.
Nur unsere Partei ist für die völlige Liquidierung der Konterrevolution im Hinterland und an der Front.
Nur unsere Partei verteidigt ohne Schwanken die revolutionären Organisationen der Arbeiter, Bauern und Soldaten.
Nur unsere Partei kämpft entschlossen und revolutionär für den Frieden und für die Brüderlichkeit der Völker.
Nur unsere Partei kämpft entschlossen und ohne Schwanken für die Eroberung der Macht durch die Arbeiter und die bäuerliche Armut.
Nur unsere Partei und nur sie ist nicht mit der Schande befleckt, die Todesstrafe an der Front unterstützt zu haben.
Das sind die Gründe, weshalb die Bourgeois und die Gutsherren unsere Partei so hassen.
Das sind die Gründe, weshalb ihr heute für unsere Partei stimmen müsst.
Arbeiter, Soldaten, Arbeiterinnen!
Stimmt für unsere Partei, für die Liste 6!
"Proletari" (Der Proletarier) Nr. 7, 20. August 1917. Leitartikel.
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