Josef Stalin: Kommentare

"Stalin"

Werke

Band 3

KOMMENTARE

== DER EISENBAHNERSTREIK UND DIE BANKROTTEURE DES DEMOKRATISMUS ==

Der grandios angelegte und großartig organisierte Eisenbahnerstreik[81] geht offenbar zu Ende. Sieger geblieben sind die Eisenbahner, denn es versteht sich von selbst, dass das Kartenhaus der Koalition des gemeinsamen Lagers Kornilows und der "Vaterlandsverteidiger" dem wuchtigen Ansturm der gesamten Demokratie des Landes nicht standzuhalten vermag. Heute sind sich alle darüber im klaren, dass der Streik nicht durch den bösen Willen der Eisenbahner "hervorgerufen" wurde, sondern durch die antirevolutionäre Politik des Direktoriums. Heute sind sich alle darüber im klaren, dass der Streik dem Lande nicht durch die Eisenbahnerkomitees aufgezwungen wurde, sondern durch die konterrevolutionären Drohungen Kerenskis und Nikitins. Heute sind sich alle darüber im klaren, dass das Scheitern dieses Streiks die wahrscheinliche Militarisierung der Eisenbahnen und die ... Festigung der Macht der imperialistischen Bourgeoisie bedeutet hätte. Die Eisenbahner haben recht, wenn sie auf die von Kerenski und Nikitin ausgehenden unwürdigen Verleumdungen mit der folgenden vernichtenden Anklage antworten:

Nicht wir, Bürger Kerenski und Nikitin, haben Landesverrat begangen, sondern Sie haben Ihre Ideale verraten, und die Provisorische Regierung hat ihre Versprechungen nicht gehalten, und jetzt können uns keinerlei Worte und Drohungen noch einmal Einhalt gebieten."

All das ist, wie gesagt, klar und jedermann bekannt.

Indessen gibt es, wie sich herausstellt, Menschen auf der Welt, die sich Demokraten nennen und es dennoch für zulässig halten, in diesem schweren Augenblick einen Stein auf die Eisenbahner zu werfen, ohne zu begreifen oder begreifen zu wollen, dass sie damit Wasser auf die Mühle der Kannibalen von der "Rjetsch" und vom "Nowoje Wremja" leiten.

Wir sprechen von der Redaktion der menschewistischen "Rabotschaja Gaseta".

Die Zeitung beschuldigt die Streikführer, dass sie "der Elementargewalt entgegengekommen sind", indem sie den Streik proklamierten, und erklärt drohend:

"Dies wird die Demokratie dem Generalstab der Eisenbahner nicht verzeihen. So leicht setzt man die Interessen des ganzen Landes, der ganzen Demokratie nicht aufs Spiel" ("Rabotschaja Gaseta" Nr. 170).

Unglaublich, aber wahr: Eine heruntergekommene Zeitung, die nichts von Demokratie an sich hat, hält sich für berechtigt, gegen die wahre Demokratie, gegen die werktätigen Eisenbahner, Drohungen auszustoßen.

"Die Demokratie wird dies nicht verzeihen" ... Aber im Namen welcher Demokratie sprechen Sie eigentlich, meine Herren von der "Rabotschaja Gaseta"?

Etwa im Namen jener Demokratie der Sowjets, die von Ihnen abgerückt ist und deren Willen Sie auf der Beratung verfälscht haben? Aber wer hat Ihnen das Recht gegeben, im Namen dieser Demokratie zu sprechen?

Oder belieben Sie vielleicht im Namen der Zereteli und Dan, der Liber und der anderen Fälscher zu sprechen, die auf der Beratung den Willen der Sowjets verfälscht und die Beratung selbst bei den "Verhandlungen" im Winterpalast verraten haben?

Aber wer hat Ihnen das Recht gegeben, diese Verräter der Demokratie mit der "Demokratie des ganzen Landes" zu identifizieren?

Werden Sie jemals begreifen, dass die Wege der "Rabotschaja Gaseta" und der "Demokratie des ganzen Landes" unwiderruflich auseinander gegangen sind?

Klägliche Bankrotteure des Demokratismus...


== DIE RUSSISCHEN BAUERN UND DIE PARTEI DER KOPFLOSEN ==

Erst unlängst schrieben wir, dass die Partei der Sozialrevolutionäre in der Grundfrage des Kampfes der Regierung gegen die Sowjets zu keiner einheitlichen Entscheidung gelangt ist. Während der rechte Flügel der Sozialrevolutionäre zur Zertrümmerung der "anarchistischen" Sowjets auf. forderte (man denke an Taschkent!) und Strafexpeditionen organisierte, der linke Flügel aber die Sowjets unterstützte, hatte das Tschernowsche Zentrum, von Hamletschen Zweifeln ergriffen, keine eigene Meinung, sondern zog es vor, "Neutralität" zu wahren. Später freilich hat das Zentrum "Einkehr gehalten" und die Mitglieder der sozialrevolutionären Partei aus dem Taschkenter Sowjet abberufen, womit es die Politik der Strafexpeditionen unterstützte. Wer aber wüsste heute nicht, dass diese Abberufung lediglich die Schmach der Partei der Sozialrevolutionäre demonstrierte, haben doch die Sozialrevolutionäre den Taschkenter Sowjet nicht verlassen, hat sich doch gezeigt, dass nicht die "Aktionen" des Sowjets "konterrevolutionär" waren, sondern die der Regierung Kerenskis und seiner Helfershelfer? . Kaum jedoch hatten sich die Sozialrevolutionäre aus dieser "Geschichte" herausgewunden, als sie wiederum in eine neue, noch schlimmere "Geschichte" hineingerieten. Wir haben ihre Abstimmung über die Frage des Grund und Bodens im so genannten Vorparlament im Auge.

Die Sache ist die, dass die linken Sozialrevolutionäre während der Debatte über die Deklaration vom 14. August[82] im Vorparlament den Antrag eingebracht hatten, alle Gutsländereien den Bauernkomitees zur Verwaltung zu übergehen. muss man noch sagen, dass es die Pflicht der Demokratie ist, diesen Antrag zu unterstützen? Muss man noch sagen, dass die Frage des Bodens die Grundfrage unserer Revolution ist? Und was zeigte sich? Während die Bolschewiki und die linken Sozialrevolutionäre die Übergabe des Bodens an die Bauern beantragten und die rechten Sozialrevolutionäre sich gemeinsam mit den Liberdans 1831 gegen diesen Antrag aussprachen, hatte das Tschernowsche Zentrum immer noch keine "eigene Meinung", sondern enthielt sich der Stimme!

Der "Bauernminister" Tschernow konnte sich nicht entschließen, für die Übergabe der Gutsländereien an die Bauern einzutreten, er überließ vielmehr die Entscheidung über die Frage den Verfälschern des Willens der Bauern!

Die Partei der Sozialrevolutionäre, die Partei der "Agrarrevolution" und des "integralen Sozialismus", hatte im kritischen Augenblick der russischen Revolution keine eindeutige Entscheidung über die Grundfrage der Bauern aufzuweisen!

Wahrhaftig, eine Partei kopfloser Räsoneure!

Arme russische Bauern ..

"Rabotschi Putj" (Der Arbeiterweg) Nr.21, 27. September 1917. Artikel ohne Unterschrift.

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"Stalin"

Werke

Band 3

KOMMENTARE

== DIE PARTEI DER "VERSCHWOMMENEN" UND DIE RUSSISCHEN SOLDATEN ==

In der Epoche des Zarismus schrie die Partei der Sozialrevolutionäre an allen Ecken und Enden, die Gutsländereien müssten den Bauern übergeben werden. Die Bauern glaubten damals den Sozialrevolutionären und scharten sich um sie, denn sie hielten sie für ihre Bauernpartei.

Nach dem Sturz des Zarismus und dem Siege der Revolution aber kam die Zeit, wo es galt, von Worten zur Tat überzugehen und endlich die "goldenen Worte" der Sozialrevolutionäre über den Grund und Boden zu verwirklichen. Aber... (das berühmte "aber"!) die Sozialrevolutionäre schwankten und schlugen den Bauern stammelnd vor, mit dem Grund und Boden bis zur Konstituierenden Versammlung zu warten, deren Einberufung überdies verschoben wurde.

Es stellte sich heraus, dass es leichter ist, über den Grund und Boden und über die Bauern zu schreien, als in der Tat den Boden den Bauern zu übergeben. Wie sich herausstellte, haben die Sozialrevolutionäre nur davon geredet, dass ihnen das Los der Bauern "zu Herzen geht"; als dann aber die Zeit kam, wo es galt, von Worten zur Tat überzugehen, da zogen sie es vor, sich in die Büsche zu schlagen, und versteckten sich hinter der Konstituierenden Versammlung...

Die Bauern antworteten hierauf mit einer machtvollen Agrarbewegung, mit der eigenmächtigen "Besitzergreifung" der Gutsländereien, mit der "Aneignung" "fremden" Inventars, und brachten damit ihr Misstrauen gegen die von den Sozialrevolutionären betriebene Politik des Abwartens zum Ausdruck.

Die sozialrevolutionären Minister blieben den Bauern nichts schuldig und verhafteten dafür Dutzende und Hunderte von Bauern, die den Bodenkomitees angehörten. Sozialrevolutionäre Minister, die sozialrevolutionäre Bauern verhaften ließen, weil diese die sozialrevolutionären Versprechungen in die Tat umsetzten - das ist das Bild, das sich uns bot.

Das Ergebnis ist der vollständige Zerfall der Partei der Sozialrevolutionäre, der besonders klar zum Ausdruck kam bei der Abstimmung im Vorparlament, wo die linken Sozialrevolutionäre sich für, die rechten Sozialrevolutionäre aber gegen die sofortige Übergabe des Bodens an die Bauern aussprachen, während sich Tschernow, dieser Hamlet der Partei der Sozialrevolutionäre, mit dem Zentrum tiefsinnig der Stimme enthielt.

Die Antwort hierauf war eine Massenabwanderung von Soldaten aus der Partei der Sozialrevolutionäre.

Ein anderer Teil der Soldaten aber, der die Partei der Sozialrevolutionäre bis jetzt noch nicht verlassen hat, wendet sich mit dem nachdrücklichen "Ersuchen an das ZK der Partei", endlich durch Beseitigung der "Verschwommenheit" die Einheit der Partei herzustellen.

Man höre:

"Die vereinigte Beratung von Vertretern der Militärorganisationen der Regimenter und der Spezialtruppen aus Petrograd, Zarskoje Selo, Peterhof usw. ist der Auffassung, dass im gegenwärtigen, für die Partei schwierigen Augenblick ein Zusammenschluss der Parteimehrheit... auf der Grundlage eines Programms notwendig ist, das nach Beseitigung der verschwommenen Physiognomie der Partei alle lebensfähigen Elemente der Partei zusammenschart..., und spricht sich deshalb für ... die unverzügliche Übergabe aller landwirtschaftlich nutzbaren Ländereien in die Verwaltung der Bodenkomitees aus..." ("Djelo Naroda").

Also abermals die Frage der "unverzüglichen Übergabe der Ländereien"!

Auf dem Boden der Anerkennung dieser Forderung hoffen die Soldaten, bei den Sozialrevolutionären alle "lebensfähigen Elemente der Partei" zusammenschließen zu können!

Naive Leute! Den Revolutionär Kamkow, den Kadetten Awxentjew und den "verschwommenen" Tschernow wollen sie nach einer Reihe von Misserfolgen noch einmal vor einen Karren spannen!

Es ist an der Zeit, Genossen Soldaten, zu begreifen, dass die Partei der Sozialrevolutionäre nicht mehr existiert - es gibt nur noch eine "verschwommene" Masse, von der sich ein Teil in das Sawinkowsche Abenteurertum verstrickt hat, ein anderer in den Reihen der Revolutionäre verblieben ist, ein dritter hilflos auf der Stelle tritt und hiermit in der Praxis die Sawinkowleute deckt.

Es ist an der Zeit, das zu begreifen und damit aufzuhören, etwas vereinigen zu wollen, was sich nicht vereinigen lässt...


VERSCHWÖRER AN DER MACHT

In seiner Zeitung "Obschtscheje Djelo"[85] schreibt heute Burzew:

"Nunmehr kann man mit aller Bestimmtheit sagen: Eine Verschwörung Kornilows hat es überhaupt nicht gegeben! In Wirklichkeit gab es etwas ganz anderes: Es gab ein Abkommen der Regierung mit General Kornilow über den Kampf gegen die Bolschewiki! Das, worüber sich Vertreter der Regierung mit General Kornilow verständigten - der Kampf gegen die Bolschewiki -, war der sehnlichste Traum der Vertreter verschiedener Parteien: sowohl demokratischer als auch sozialistischer. Bis zu dem unglückseligen 26. August noch blickten sie alle auf General Kornilow als auf ihren Retter vor der herannahenden bolschewistischen Gefahr."

Keine "Verschwörung", sondern ein "Abkommen" - schreibt Burzew in Kursivschrift.

Er hat Recht. Er hat in diesem Falle unbedingt Recht. Es wurde ein Abkommen geschlossen über die Organisierung einer Verschwörung gegen die Bolschewiki, das heißt gegen die Arbeiterklasse, gegen die revolutionäre Armee und die Bauernschaft - es gab ein Abkommen über eine Verschwörung gegen die Revolution!

Darauf weisen wir schon seit den ersten Tagen des Kornilowputsches hin, davon zeugen Dutzende und Hunderte von Tatsachen, darüber lassen von niemandem widerlegte Enthüllungen keinerlei Zweifel.

Und dennoch stehen die Verschwörer an der Macht oder nahe an der Macht. Und dennoch geht das Spiel weiter, es wird eine Untersuchung vorgespiegelt, es wird "in Revolution" gemacht...

Eine Koalition mit den Verschwörern, eine Regierung der Verschwörung - das also haben die Herren "Vaterlandsverteidiger" den Arbeitern und Soldaten beschert!

"Rabotschi Putj" (Der Arbeiterweg) Nr. 23, 29. September 1917. Artikel ohne Unterschrift.

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