Josef Stalin: Telegramm an W.I. Lenin

"Stalin"

Werke

Band 4

TELEGRAMM AN W.I. LENIN

Bin am sechsten in Zarizyn[21] eingetroffen. Ungeachtet des Durcheinanders in allen Sphären des Wirtschaftslebens ist es trotzdem möglich, Ordnung zu schaffen.

In Zarizyn, Astrachan, Saratow, wo die Sowjets das Getreidemonopol und die festen Preise abgeschafft haben, herrschen wüste Zustände und Schleichhandel. Habe in Zarizyn die Einführung des Kartensystems und fester Preise erreicht. Dasselbe muss in Astrachan und Saratow erreicht werden, sonst wird das ganze Getreide durch diese Ventile der Spekulation verschwinden. Das ZEK und der Rat der Volkskommissare müssen ihrerseits von diesen Sowjets verlangen, dass mit dem Schleichhandel aufgeräumt wird.

Durch all den Eifer der Unzahl von Kollegien und Revolutionskomitees ist der Eisenbahnverkehr völlig zerrüttet. Bin gezwungen, Sonderkommissare einzusetzen, die trotz der Proteste der Kollegien schon dabei sind, Ordnung zu schaffen. Die Kommissare entdecken an verschiedenen Orten einen Haufen Lokomotiven, von deren Existenz die Kollegien keine Ahnung haben. Die Untersuchung hat gezeigt, dass man auf der Strecke Zarizyn-Poworino-Balaschow-Koslow-Rjasan-Moskau täglich acht und mehr Durchgangszüge abfertigen kann. Bin jetzt damit beschäftigt, in Zarizyn Züge zusammenzuziehen. In acht Tagen proklamieren wir eine "Getreidewoche" und schicken mit einemmal ungefähr eine Million Pud nach Moskau, mit Eisenbahnern als speziellen Begleitern, worüber ich vorher noch Nachricht geben werde.

In der Schifffahrt ist eine Stockung eingetreten, weil Nishni Nowgorod die Dampfer zurückhält, wahrscheinlich im Zusammenhang mit den Tschechoslowaken. Geben Sie Anweisung, dass die Dampfer unverzüglich nach Zarizyn durchgelassen werden.

Im Kubangebiet, in Stawropol gibt es nach vorliegenden Meldungen durchaus zuverlässige Getreideaufkäufer, die darangegangen sind, im Süden Getreide herauszupumpen. Die Strecke von Kisljar zum Meer ist schon im Bau, die Strecke Chassaw-Jurt-Petrowsk ist noch nicht wieder Instand gesetzt. Schicken Sie uns Schljapnikow, Bauingenieure, tüchtige Arbeiter sowie Lokomotivbrigaden.

Habe einen Kurier nach Baku geschickt, dieser Tage fahre ich nach dem Süden. Der Bevollmächtigte für Warenaustausch Saizew wird heute wegen Hamsterei und Spekulation mit staatlichen Waren verhaftet. Übermitteln Sie Schmidt, er solle keine Gauner mehr schicken. Kobosew soll das Fünferkollegium in Woronesh[22] beauftragen, in seinem eigenen Interesse meinen Bevollmächtigten keine Hindernisse in den Weg zu legen.

Nach eingelaufenen Meldungen ist Bataisk an den Deutschen genommen.

Volkskommissar Stalin Zarizyn, 7. Juni 1918.

Zuerst veröffentlicht 1936 in der Zeitschrift " Proletarskaja Rewoluzija" (Die proletarisch Revolution.) Nr. 7.

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"Stalin"

Werke

TELEGRAMM AN W.I. LENIN

Unmittelbar nach Krasnaja Gorka wurde Seraja Loschadj[74] liquidiert. Die Geschütze in ihnen sind in voller Ordnung. Eine eilige Überprüfung aller Forts und Festungen ist im Gange.

Die Marinespezialisten versichern, dass die Einnahme von Krasnaja Gorka von der Seeseite her die Marinewissenschaft über den Haufen wirft. Mir bleibt nichts übrig, als die so genannte Wissenschaft zu bedauern. Die rasche Einnahme von Gorka erklärt sich durch das rücksichtslose Eingreifen meinerseits und überhaupt der Zivilisten in die operativen Dinge, das so weit ging, dass die Befehle zu Wasser und zu Lande aufgehoben und unsere eigenen aufgezwungen wurden.

Ich halte es für meine Pflicht, zu erklären, dass ich auch weiterhin so handeln werde, trotz all meiner Hochachtung vor der Wissenschaft.

16. Juni 1919.

Stalin

Zuerst veröffentlicht in der "Prawda" Nr. 301, 21. Dezember 1929.

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"Stalin"

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TELEGRAMM AN W.I. LENIN

Die nach langen Bemühungen der Entente und Denikins als Hauptstütze der Konterrevolution aufgestellten Reiterkorps Schkuros und Mamontows sind in den Kämpfen bei Woronesh vom Reiterkorps des Genossen Budjonny aufs Haupt geschlagen worden. Die roten Helden haben Woronesh genommen. Es wurde große Beute gemacht, die noch gesichtet wird. Vorläufig ist festgestellt, dass alle nach Personen benannten Panzerzüge des Gegners, vor allem der Panzerzug "General Schkuro", erbeutet worden sind. Die Verfolgung des vernichtend geschlagenen Gegners wird fortgesetzt. Der Nimbus der Unbesiegbarkeit, mit dem der Name der Generale Mamontow und Schkuro umgeben wurde, ist durch die Tapferkeit der roten Helden des Reiterkorps des Genossen Budjonny völlig vernichtet worden.

Revolutionärer Kriegsrat der Südfront Stalin

25. Oktober 1919.

"Petrogradskaja Prawda" (Petrograder Prawda) Nr. 244, 26. Oktober 1919.

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"Stalin"

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TELEGRAMM AN W.I. LENIN

Der von uns am 10. Juni an der Krimfront gefangen genommene Frontgeneral Rewischin hat in meiner Anwesenheit erklärt: a) Bekleidung, Geschütze, Gewehre, Tanks, Säbel bekommen die Wrangeltruppen hauptsächlich von den Engländern und dann auch von den Franzosen; b) von der Seeseite her wird Wrangel durch große englische und kleine französische Schiffe versorgt; c) Brennstoff (flüssigen) erhält Wrangel aus Batum (also darf Baku keinen Treibstoff nach Tiflis abgeben, das ihn nach Batum weiterverkaufen kann); d) General Erdeli, den Georgien interniert hatte und der an uns ausgeliefert werden sollte, war schon im Mai auf der Krim (das heißt, dass Georgien ein falsches Spiel treibt und uns hintergeht).

Die Aussagen General Rewischins über die Unterstützung Wrangels durch England und Frankreich werden stenographisch aufgenommen und Ihnen, mit seiner Unterschrift versehen, als Material für Tschitscherin zugesandt werden.

Stalin

25. Juni 1920.

Zuerst veröffentlicht in der "Prawda" Nr. 313, 14. November 1935.

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